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Den Fluss der Medikamente ins Trinkwasser stoppen: Was wir tun können

Abbildung Rebecca Ortega Spiralled 2

Abbildung Rebecca Ortega Spiralled 2 (Ausschnitt)

Auch Hormone im Trinkwasser haben Auswirkungen auf die Entstehung von Krankheiten und Brustkrebs. Die kanadische Gesundheitswissenschaftlerin >>> Sharon Batt ist eine der Begründerinnen von Breast Cancer Action in Kanada. Sie ist spezialisiert auf neutrale Interessenvertretung in Sachen Gesundheit und industrieunabhängige Forschung. Medikamentenrückstände im Wasser, so z.B. bei der Aktion „Drugs in our Water“ (Medikamente in unserem Wasser) gehört auch zu ihren Themenspecials. Hier findet dieses Thema nur wenig Berücksichtigung, obwohl es wichtig wäre – auch im Zusammenhang mit der Entstehung von Brustkrebs.

Medikamente auf dem Weg ins Trinkwasser

Meere, Seen, Bäche und Flüsse, aber auch das Grundwasser werden mit den Überresten von Medikamenten kontaminiert. Medikamentereste, die vom Körper ausgeschieden werden, gelangen über das Abwasser ins Trinkwasser. Die wachsende Liste solcher Stoffe, die man im eigenen Trinkglas lieber nicht hätte, beinhaltet die Überreste von Schmerzmitteln, Antibiotika, Hormonen, Tranquilizern, Cholesterinsenkern, Epilepsie- und Krebsmedikamenten, auch wenn nicht nur Medikamentenrückstände allein das Problem sind.

Hinzu kommen weitere wikipedia endokrine Disruptoren aus Moschusextrakten, Parfumrückständen und Phthalaten, einer Gruppe von Chemikalien, die sich in Kosmetika findet. Endokrine Disruptoren und Medikamentenrückstände spielen eine verhängnisvolle Rolle in ihren Auswirkungen auf die Gesundheit. Sie stehen im Verdacht, schwerwiegende Erkrankungen wie Brustkrebs zu begünstigen.

Wie werden wir mit Rückständen von Medikamenten kontaminiert?

Wir werden unfreiwillig mit Medikamentenrückständen von Medikamenten, die wir meist selbst gar nicht brauchen, kontaminiert. 50 bis 90% der eingenommenen Medikamente werden über den menschlichen Körper wieder ausgeschieden, sie landen auf diesem Weg im Abwasser. Man wisse noch nicht so genau, wie sich die Stoffe auf die menschliche Gesundheit auswirkten, doch die Tierwelt biete eine Vorschau auf die Auswirkungen, einschließlich Problemen mit der Fortpflanzung der eigenen Art bis hin zu Störungen des Gehirns, schreibt Batt. Seit einigen Jahren, so Batt in ihrem Artikel „Drugs in our Water“ (zuerst erschienen in “Globe and Mail” v. 31.03.2007, auch online beim >>> Canadian Women’s Health Network), arbeite die kanadische Regierung deswegen zum Schutz der in Kanada lebenden Menschen an dem Projekt >>> Environmental Impact Initiative (EII). Allerdings sei denkbar, dass die Initiative im Endeffekt mehr der Pharma- und Abwasserindustrie zugute käme. Da ein Großteil der Verschmutzung aus dem persönlichen und nicht dem industriellen Gebrauch stamme, sei eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit der Schlüssel zur Problemlösung. Der einfachste Weg, Umweltbelastungen abzubauen, sei es,  weniger zu benutzen, und zwar durch uns alle. In unseren konsum- und verbrauchsorientierten Gesellschaften sind Empfehlungen für die Verringerung des Verbrauchs auf politischer Seite allerdings in der Regel Fehlanzeige.

Medikamente nicht über die Toilette entsorgen

Besonders wichtig sei es, nicht verwendete Medikamente nicht über die Toilette zu entsorgen. (Hinweis: In Deutschland nehmen Apotheken in der Regel nicht verbrauchte Medikamente zur ordnungsgemäßgen Vernichtung zurück. Sofern sie dieses einmal nicht tun, sind Medikamente über den Restmüll zu entsorgen.) Aber auch in der Landwirtschaft gelangen zu viele Medikamentenrückstände in Ab- und Grundwasser. Die bioaktiven Abfälle seien sehr wohl in der Lage, auch der menschlichen Gesundheit zu schaden, und zwar selbst dann, wenn sie schließlich in wieder aufbereitetem Wasser nur noch stark verdünnt sind. Medikamente würden bereits in geringer Konzentration wirken, und auch das Vermischen verschiedenster Medikamente im Wasser berge Gefahren. Besonders gefährdet durch bereits kleine Mengen der chemischen Gemische sei das menschliche Leben durch diese Verschmutzungen und Rückstände insbesondere in der Embryonalphase. Weil die Problematik noch nicht so alt ist, gibt es noch keine „sicheren Grenzwerte“.

„Wenn mein verschreibungspflichtiges Medikament in deinem Frühstückskaffee landet, ist jede Hausapotheke eine Angelegenheit des öffentlichen Interesses“, sagt Sharon Batt.

Vieles könne glücklicherweise getan werden, um den Verbrauch zu reduzieren, z.B.:

  • Reduktion von Werbung für nicht verschreibungspflichtige Medikamente. Wer diese Werbung in den vergangenen Jahren aufmerksam verfolgt hat, kann auch bei uns den starken Anstieg der Werbung für nicht verschreibungspflichtige Medikamente über sämtliche Medien sehr gut feststellen.
  • Verbot der Abgabe von Musterpackungen für Medikamente an ÄrztInnen.
  • Reduktion der Medikamentenmengen, die verordnet werden (auch diese Möglichkeit zum Nutzen und nicht zum Schaden unserer Gesundheit gibt es).
  • Herstellung kleinerer Medikamentenpackungen.
  • Berücksichtigung nicht toxischer Behandlungsalternativen.
  • Recyling statt Entsorgung bei einigen unbenutzten Medikamenten.

Verschwendung von Medikamenten kostet viele Millionen (Dollar, Euro …). Die Vermeidung eines nicht angemessenen Medikamentengebrauchs, des übermäßigen Gebrauchs oder  Missbrauchs schützt Gesundheit, spart Geld und schützt auch die Umwelt. Alle können dazu beitragen, diese Logik umzusetzen.

Frauen sollen die Debatte anführen …

… sagt Sharon Batt. Ob Einkauf, Ernährung oder Medikamenteneinnahme, Frauen kümmern sich um ihre Familien, pflegen kranke Familienmitglieder und sie sind – leider – nach wie vor auch immer noch diejenigen, die die Hormonprodukte z.B. zur Schwangerschaftsverhütung einnehmen. Viele Medikamente werden genderspezifisch in den Markt gebracht. Lt. Batt sind Frauen auch die Hauptkonsumenten von Antidepressiva, die ihnen häufiger als Männern verordnet würden. Viele der Verschreibungsgewohnheiten spiegeln unnötige Medikalisierungen im Leben von Frauen, in denen normale, physiologische, gesunde Zustände wie Menstruation, Schwangerschaft, Geburt oder Menopause „behandelt“ werden.

Frauen sind auch die Hauptkonsumentinnen von Kosmetika, Parfums und Haarkosmetik, deren gesundheitliche Auswirkungen weder konsequent von den Frauen selbst erfragt, noch hinreichend erforscht werden. Beides muss sich ändern. Ihre Rückstände landen ebenso im Wasser, und wie bei Medikamenten verdichten sich die Hinweise, dass dieser Lebensstil zu Unfruchtbarkeit und schweren Krankheiten bis hin zu Krebs und Brustkrebs führen kann.

Frauen sind nach Batt auch diejenigen, die an diesen Themen am meisten interessiert sind. Sie haben ein Interesse am sicheren Gebrauch und der sicheren Entsorgung von Medikamenten, auch dann, wenn es unbequemer ist, so hat es eine Health Canada-Studie des >>> EARP (Environmental Assessment Regulations Project) gezeigt. Dieses Projekt zur gesetzlichen Regulierung von Produkten, die Umweltschäden verursachen können, hat in Kanada für verschiedene neue gesetzliche Regelungen gesorgt. So müssen neue Produkte wie Medikamente gemäß Health Canada dort ihre Unschädlichkeit für die Umwelt bereits vor der Verbreitung durch Sicherheitstests belegen. Die Tests sollen auch für bereits auf dem Markt befindliche Produkte eingeführt werden. Einige Hersteller seien nervös, man befürchte die Kosten der Tests, eine Verlangsamung bzw. im Einzelfall gar die Unmöglichkeit der Vermarktung. Doch diese natürlichen Fragen für die Hersteller seien schlicht die falschen Fragen in Bezug auf Gesundheits- und Umweltschutz.

Weiterlesen:

Drugs in our Water von Sharon Batt

Drugs in our Water Campaign: Mit Video. Sharon Batt berichtet über den sorglosen Umgang mit Medikamenten und deren Entsorgung (leider bisher nur in englischer Sprache)

BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland: Hintergrundpapier Hormonaktive Substanzen im Wasser – Gefahr für Gewässer und Mensch (pdf, Stand 2001)

Hormonaktive Substanzen und Arzneimittel
: Zusammenhänge, politische Bewertung, Handlungsstrategie (pdf, Stand 2007)

Bildnachweis: Spirraled 2, Copyright: Rebecca Ortega Continued…

Rubrik Chemikalien, gesundheitspolitik, medikamente

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Biene, Honig, Brustkrebs

Biene im Raps, Photo Claus Rebler, Creative Commons 2.0

Biene im Raps, Photo Claus Rebler, Creative Commons 2.0

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) sowie der Deutsche Berufs und Erwerbs Imker Bund e.V. (DBIB) weisen in einem in diesem Monat veröffentlichten Hintergrundpapier auf die Gefahren durch bestimmte Pestizide – sogenannte wikipedia Neonicotinoide – hin. Viele Bienenvölker sterben durch den Einsatz von Pestiziden. Bereits vor zwei Jahren sind durch ein Insektizid, das wikipedia Clothianidin (ebenfalls ein Neonicotinoid), bei uns 20.000 Bienenvölker getötet oder schwer geschädigt worden.

Was Bienen tötet, landet über die Nahrungskette – zum Beispiel über Honig – auch im Menschen.

In der Landwirtschaft werden Menschen und Bienen gefährdende Pestizide beim Raps-, Mais-, Gemüse- und Getreideanbau weiter eingesetzt, informiert >>> BUND in seiner aktuellen Pressemeldung. BUND und DBIB weisen erneut auf die Gefahren hin und haben dabei das von der Firma Bayer CropScience hergestellte Clothianidin im Visier. Die Firma Bayer CropScience habe zwar die Wirkung von Clothianidin auf Sommerraps getestet und für unbedenklich erklärt, schreibt der BUND. Doch die Ergebnisse ließen sich nicht auf Winterraps übertragen. Honigbienen nutzen den Nektar von Winterraps als Nahrungsreserve und zur Fütterung ihres Nachwuchses. Die Anwendung von Clothianidin sei insbesondere bei Winterraps mit großen Risiken verbunden, so Manfred Hederer, Präsident des DBIB, in der heutigen BUND-Pressemeldung. BUND fordert den unverzüglichen Widerruf der Zulassungen für bienengefährdende Neonicotinoide.

Viele Pestizide stehen im Verdacht, auch für schwerwiegende gesundheitliche Probleme wie Krebs verantwortlich zu sein. Einige von ihnen werden mit dem Auftreten von Brustkrebs in Verbindung gebracht, hier weitere >>> siehe Berichte lesen.

Was können wir noch essen?

Kann man Honig überhaupt noch unbedenklich essen? Oder lauert das „Brustkrebsrisiko“ nun auch in einem Produkt, von dem viele annehmen oder zumindest hoffen, dass es noch gesund ist? Bleibt der Einkauf von Honig aus kontrolliertem ökologischen Landbau als sicherere Alternative?

Das doppelte Geschäft

Bayer arbeitet auch im Brustkrebsbereich. Mit eigener Forschung wird lt. Angaben der Bayer-Webseite in enger Kooperation mit Universitätskliniken an einer Identifizierung von Biomarkern geforscht, um Unterschiede zwischen den Tumoren diagnostizierbar zu machen. Doch ist der Tumor da, stirbt jede zweite Patientin. Wir müssen lernen, konsequent alle Ansätze der Brustkrebsvermeidung zu nutzen. Wer sich auf den Bayer-Brustkrebsseiten informiert, kann gleich zu Bayer CropScience im linken Menü weiterclicken.

Die Erkenntnis ist nicht neu, viele Chemiekonzerne verdienen doppelt: Mit dem Verkauf der als Krebs verursachend eingestuften Chemikalien und mit Produkten und teuren Medikamenten, die dann wieder den Krebs im Körper des Menschen bekämpfen sollen. Was wie ein unendliches, hohe Profite versprechendes „Arbeitsbeschaffungsprogramm“ aussieht, ist eine verkehrte Welt, die tödlich enden kann.

Nicht nur Menschen und Bienen sind gefährdet, auch unzählige andere Insekten, Vögel und Kleintiere. So weist auch der BUND jetzt erneut darauf hin, dass die toxischen und hormonellen Wirkungen der Neonicotinoide im Verdacht stünden, beim Menschen Krebs auszulösen. Erforderlich sei Ökolandbau, der auf den Einsatz von Pestiziden verzichte.

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Pressemeldung des BUND vom 10.08.2010 im Original lesen

BUND und DBIB bieten ihr Hintergrundpapier zum Thema “Anhaltendes Bienensterben durch Pestizide” im Internet an: http://j.mp/a7XgYg

Rubrik Chemikalien, ernährung, gesundheitspolitik, pestizide, umweltverschmutzung, umweltöstrogene, ursachenforschung

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Krebserkrankungen vermeiden: Wo können wir anfangen?

Sandra Steingraber Reihe 5 / berichtet von G. Kemper

Filmplakat Living Downstream, steingraber.com

Filmplakat Living Downstream, steingraber.com

Am 15. Juni 2010 ist der 2. Teil von >>> Sandra Steingrabers Bericht zum >>> President’s Cancer Panel in der >>> Huffington Post erschienen. Steingraber berichtet, dass sie sich als Biologin fachlich in die Arbeit eingebracht hat, doch als sie den Bericht las, an ihre eigene Krebsdiagnose im Jahr 1979 denken musste.

Gefährdende Substanzen sind lange bekannt

Die Situation damals erschien ihr surreal: Ärzte fragten sie, ob sie schon einmal mit geschmolzenem Aluminium oder Materialien aus der Produktion von Autoreifen in Berührung gekommen sei oder ob sie Kontakt zu Stoffen aus chemischen Reinigungen gehabt hätte. Es erschien ihr verrückt, denn sie habe natürlich kein Aluminium geschmolzen und erst der Besuch in einer Bibliothek einige Wochen später habe ihr klargemacht, warum man ihr diese Fragen gestellt hatte. Und es seien die richtigen Fragen gewesen. Blasenkrebs wäre eine Krebserkrankung, die typischerweise durch Kontaminationen in der Umwelt verursacht werde, und die Chemikalien, die dafür verantwortlich gemacht werden, sind lange bekannt. Es wäre ein Leichtes gewesen, bereits vor vielen Jahren diese gefährlichen Stoffe, die Blasenkrebs auslösen, in Produktion, Gebrauch und Entsorgung aus dem Verkehr zu ziehen. Viele Chemikalien stehen außerdem auch im Verdacht, an der Auslösung von Brustkrebs beteiligt zu sein, s. dazu auch >>> Die Zusammenhänge zwischen Brustkrebs und Umwelt (State of the Evidence).

Missverhältnis bei der Informationsvermittlung

Steingraber beklagt im Teil 2 ihrer Huffington Post-Reportage weiterhin das Missverhältnis zwischen dem Wissen, das über das Krebs auslösende Potential im Zusammenhang mit chemischen Kontaminationen bekannt sei – nämlich eine ganze Menge –, und dem, was KrebspatientInnen gesagt werde – nämlich ziemlich wenig, üblicherweise.

Mit Genetik in die falsche Richtung

Andere Diskussionen, die ihr außerdem die Augen geöffnet hätten, waren diejenigen, bei denen sie nach ihrer familiären Belastung gefragt worden sei. Sie und ihre Mutter erkrankten zeitgleich an Krebs, die Mutter jedoch an Brustkrebs. Aber: Steingraber war adoptiert. Auch ihre Tante erkrankte an der gleichen Krebsart wie Sandra Steingraber, Blasenkrebs. Aber eine „familiäre“ – also genetische – Belastung konnte es ja nicht sein.

Der President’s Cancer Panel-Bericht bilde Brücken über diese Missverhältnisse hinweg.

Brücke I: Öffentlichkeitsarbeit für Karzinogene

Der Bericht stelle klar, dass die massiven Schäden durch Umweltkarzinogene nicht adäquat in das nationale Programm zur Bekämpfung von Krebs aufgenommen worden seien, und dass sowohl die Öffentlichkeit wie auch an Krebs Erkrankte sich weithin nicht darüber im Klaren seien, dass die Belege dafür, dass Umweltbelastungen auch Krebs auslösten, zunähmen. Der Bericht hole sie aus den entlegenen Winkeln der wissenschaftlichen Literatur und stelle sie in die Öffentlichkeit.

Brücke II: Politik muss ihrer Verantwortung in der Chemikaliengesetzgebung gerecht werden

Ordnunspolitische Ansätze im Zusammenhang mit Umweltschadstoffen funktionierten nicht. Sie würden nur fragmentarisch wahrgenommen, seien unterfinanziert und würden aufgeweicht, da sie industriell beeinflusst seien. Außerdem mangele es am politischen Willen, sich den Erkenntnissen zu stellen und Gefahren zu erkennen und zu beseitigen. Die Chemikaliengesetzgebung sei entsprechend der wissenschaftlichen Erkenntnis anzupassen. Aus europäischer Perspektive betrachtet sind diese Berichte nicht gerade neu, denn mit der europäischen Chemikaliengesetzgebung wikipedia REACH (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) gab es in Europa bereits intensivere Ansätze für Verbesserungen, die aber dem von Steingraber beschriebenen Phänomen der Aufweichung bereits mehr oder weniger wieder zum Opfer gefallen sind (s. dazu auch: >>> Lobbyismus in der EU: Kapitulation im Kampf gegen Krebserreger von Nils Klawitter, Spiegel online v. 28.01.2007).

Abgesehen von dem aktuell vorliegenden Bericht des President’s Cancer Panel gibt es aber bisher keine Anhaltspunkte dafür, dass nun ausgerechnet die Vereinigten Staaten diejenigen sein werden, die zeigen, wie man zu einer funktionierenden Chemikalienverordnung, die Gesundheit vor Profite stellt, kommen könnte. Zunächst ist eher mit weiteren Gesundheitsgefährdungen zu rechnen, denn auch wikipedia gentechnisch veränderte Lebensmittel sind auf dem Vormarsch. Bereits 60 bis 80% unserer Lebensmittel heute sollen lt. Schätzungen bereits in irgendeiner Weise mit Gentechnik in Berührung gekommen sein.

Umweltdetektivin werden

Steingraber jedenfalls kehrte 15 Jahre nach ihrer Ersterkrankung an Krebs zurück in ihre Heimatstadt, um sich dort als Umweltdetektivin an die Arbeit zu machen, zurück zu den ökologischen Wurzeln sozusagen. Und sie entdeckte, dass das Trinkwasser teilweise kontaminiert war mit Rückständen, wie sie von chemischen Reinigungen verwendet werden, bekannte Karzinogene also. Wir alle müssten UmweltdetektivInnen werden, meint Steingraber dazu, nicht ohne wieder einige sehr emotional gestaltete Aspekte einzuflechten, um den Ursachen für Krebserkrankungen in unserer Lebensumwelt auf die Spur zu kommen und mehr Gewicht zu geben, denn die Krebsraten z.B. bei Krebserkrankungen des Kopfes stiegen bereits im Kindesalter an. Und was sollten wir den Kindern zukünftiger Generationen einmal sagen, wenn wir diese Entwicklungen ignorierten?

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Sandra Steingraber >>> Blog

Sandra Steingraber in der Huffington Post: Bridge to Somewhere – Responding to the President’s Cancer Panel Report (Part 2)

Mehr über Steingrabers Film Living Downstream – Leben stromabwärts (in dt. Sprache bei uns)

Ebenfalls eine Frage der Umwelt und Brustkrebsentstehung: Gestörte Weiblichkeit – Endokrine Disruptoren (WECF e.V., Stand 2010)

Frauen werden giftig – Ein Positionspapier zur Chemikalienpolitik zur REACH-Gesetzgegung in Europa (WECF e.V., Stand 2005)

Mehr zu Frauen, Gesundheit und Umwelt bei >>> Women in Europe for a Common Future (WECF e.V.)

Bildnachweis: Presskit Sandra Steingraber

Rubrik Chemikalien, gesundheitspolitik, krebsvermeidung, umweltverschmutzung, ursachenforschung

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Brücke nach Irgendwo: Abschied vom herkömmlichen System der Nahrungsmittelindustrie

Sandra Steingraber Reihe 4 / berichtet von G. Kemper

Sandra Steingraber >>> Webseite ihres Films

Sandra Steingraber >>> Webseite ihres Films

Warum berichten wir immer wieder aus den USA? Ganz einfach, die spannenden und wichtigen Diskussionen, die dort im Gange sind, werden hier kaum geführt. Verwiesen sei trotzdem insbesondere auf >>> WECF e.V. (Women in Europe for a Common Future, deren Webseite gerade aktualisiert wurde), >>> BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) und >>> Greenpeace, die ebenfalls eine Reihe von Informationen zu Umwelt und Krebsentstehung bereitstellen, auch zum Schwerpunktthema Brustkrebs.

In der Huffington Post vom 7. Juni 2010 antwortet Sandra Steingraber, >>> Biologin, Ökologin, Krebsüberlebende aus New York, auf den >>>Bericht des President’s Cancer Panel. Nach dem Bericht spielten Umweltfaktoren bei der Entstehung von Krebserkrankungen eine sehr viel größere Rolle als bisher angenommen. Sandra Steingraber nimmt eine besondere Rolle ein, da sie einerseits ihre Arbeit fachlich untermauert und andererseits mit ihrem persönlichen Schicksal emotional für Action sorgt, eine Strategie, mit der sie zur Zeit viel Anerkennung und Aufmerksamkeit erhält, die man bei allem Respekt für die Wichtigkeit ihres Anliegens jedoch durchaus auch kritisch sehen muss. Sie verweist zunächst auf >>> Theodore Roosevelt, der bereits vor rund 100 Jahren zu einem sorgsamen Umgang mit Ressourcen in unserer Natur, die als Vermögen zu behandeln sei und deren Wert es zu steigern und nicht zu entwerten gelte, aufrief (The nation behaves well if it treats the natural resources as assets which it must turn over to the next generation increased, not impaired, in value). Dieser Satz ist zur beständigen Mahnung im >>> Kapitol in die Wand geschrieben.

Sandra Steingraber berichtet, dass sie am 21. Mai an einer Arbeitsbesprechung im Kongress (Parlament in den USA, entsprechend wäre dies hier der Deutsche Bundestag) teilgenommen hat, an dem MitarbeiterInnen aus dem Sonderforschungsbereich Gesundheit und Umwelt, leitende Politikerinnen und >>> Breast Cancer Fund teilnahmen. Breast Cancer Fund ist eine derjenigen Gruppierungen, die eng mit Breast Cancer Action zusammenarbeiten und das Schwerpunktthema Brustkrebs und Umwelt bearbeiten, s. auch >>> State of the Evidence, wir haben berichtet.

Sandra Steingraber stellte in der Huffington Post eine Präsentation vor, die sie gemeinsam mit dem Mediziner Dr. Ted Schettler, MPH (Master of Public Health), dem Epidemiologen Dr. Richard Clapp, MPH, Direktor des Massachusetts Krebsregisters und Professor an der Boston University’s School of Public Health, erarbeitet hat.

Ein paar Stunden vor der Vorführung ihres neuen Films >>> Living Downstream besuchte Steingraber eine Hominiden-Ausstellung im Smithsonian Insitute mit Hominiden wie >>> Lucy (Link zur virtuellen Ausstellung des Museums „What does it mean to be human“ – Was bedeutet es, Mensch zu sein, Hominiden sind >>> Menschenaffen), was sie als Biologin eben besonders interessiere, und weiter berichtet sie von ihrem besonderen Grund, diese Ausstellung zu besuchen.

Ihre 11-jährige Tochter Faith hatte sich ein Jahr zuvor die Haare um 25 cm kürzen lassen. Sie schenkte ihr Haar dem Bildhauer John Gurche, der an den Rekonstruktionen der frühen Menschen arbeitet und in der Nachbarschaft der Familie Steingraber lebt. Ihre Tochter wollte hören, was aus ihren Haaren geworden sei. Denn für Faith war die Spende ihrer Haare eine doppelschneidige Geschichte geworden, nicht, weil ihr die Haare fehlten, sondern weil sie ihre Haare sonst einer Organisation spendete, die Perücken für Kinder mit Krebserkrankungen herstellt. Faith fragte sich, ob sie mit ihrer Spende für einen Vorzeitmenschen nicht etwa ein lebendes menschliches Wesen benachteiligt hätte.

In den USA sind insbesondere in den letzten 30 Jahren die Krebserkrankungen bei Kindern stark angestiegen. In amerkanischen Mittelschulen sei es deswegen normal geworden, dass Mädchen ihre Haare spendeten für andere Kinder, die wegen der Krebsbehandlung keine Haare haben.

Sandra Steingraber meint, wenn Mädchen im Mittelschulalter, die keineswegs immer in dem Ruf stünden, besonders nett zu sein, so fürsorglich gegenüber Gleichaltrigen mit Krebs sein könnten, sollten Erwachsene es nicht nur kurios finden, sondern sie dazu veranlassen, mehr zu tun, um die Krebsentstehung bei jungen Menschen zu verhindern. Und diesbezüglich habe der Bericht des President’s Cancer Panel einiges zu bieten:

  • Pestizide würden als Gifte designt, die absichtlich vergifteten und absichtlich in die Umwelt eingebracht würden. Mehr als einige wenige davon wären in der Lage, Krebserkrankungen zu begünstigen.
  • Im Bericht seien harte Daten dafür enthalten, dass Menschen routinemäßig Chemikalien ausgesetzt sind, die in der Landwirtschaft verwendet würden und die uns auf zahlreichen Wegen wieder erreichten. Auf den Feldern eingesetzte Pestizide fänden sich in den Teppichen aus Naturmaterialien, auf denen Kinder krabbeln. Petizide seien in der Luft, die wir atmen, im Wasser, das wir trinken und in der Nahrung, die wir essen.
  • Besonders gefährdet seien Kinder und Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiteten. MitarbeiterInnen in der Landwirtschaft hätten erhöhte Raten bei Krebserkrankungen, ebenso wie deren Kinder, bei denen Leukämie häufiger sei.
  • Von endokrinen Disruptoren („Umweltöstrogenen“) gingen weitere Gefahren aus, als Kind oder junges Mädchen kontaminiert in verletzlichen Phasen des Lebens, stiege zu einem späteren Zeitpunkt die Empfänglichkeit für Brustkrebs.
  • Der Bericht empfehle, sich mit Bioprodukten zu ernähren, mit Nahrungsmitteln, die ohne den Einsatz von Pestiziden hergestellt werden, um uns selbst und unsere Kinder vor toxischen und hormonell aktiven Substanzen zu schützen.

Steingraber findet diese Anweisungen gut und richtet sich in ihrem eigenen Haushalt bereits länger nach solchen Empfehlungen. Doch ein Paket Twinkies  - ein amerikanisches Industriegebäck mit Füllung – sei immer noch billiger als ein Paket Biokarotten. Das ist bei uns nicht viel anders, wer “Bio” kauft weiß, es ist deutlich teurer. Steingrabers Meinung nach ist nun die Regierung gefordert, zur Prävention von Krebs beizutragen, Bionahrungsmittel verfügbar und bezahlbar für alle zu machen und sich vom derzeitigen System der Nahrungsmittelversorgung und seinen Abhängigkeiten von Karzinogenen zu verabschieden.

Quellenangabe

A Bridge to Somewhere – Responding to the President’s Cancer Panel Report (Teil 1, wird fortgesetzt)

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Sandra Steingraber: Biologin, Ökologin, Krebsüberlebende

Rubrik Chemikalien, ernährung, gesundheitspolitik, krebsvermeidung, pestizide, umweltverschmutzung, umweltöstrogene, unser körper - unser leben, ursachenforschung

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Brustkrebs und Rauchen

von Gudrun Kemper

WeltnichtraucherInnentag WHO 2010: Rauchfreie Umgebung ist Frauenrecht

WeltnichtraucherInnentag WHO 2010: Rauchfreie Umgebung ist Frauenrecht

Wir wissen es schon lange: Tabakrauch enthält unzählige krebserregende Substanzen. Doch was ist im Zusammenhang mit Brustkrebs wirklich richtig? Und worauf können Frauen sich verlassen?

Es ist hinlänglich bekannt, dass die Tabakindustrie selbst die klinische Forschung im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Rauchens finanziert und manipuliert hat, so dass bei älteren Forschungsarbeiten die Frage nach der Neutralität und Wertigkeit der Forschungsergebnisse immer im Hintergrund steht. Das Risiko in Bezug auf Brustkrebs wurde und wird teilweise noch heute heruntergespielt und abgestritten. Selbst das Deutsche Krebsforschungszentrum hat erst im Jahr 2005 einen >>> Ethischen Kodex zur Ablehnung von Tabakindustriegeldern für die Krebsforschung verabschiedet.

Anlässlich des WeltnichtraucherInnentags – Thema 2010 ist >>> Gender und Tabak – Schwerpunkt Vermarktung von Tabakprodukten an Frauen – hier eine Auflistung verschiedener Forschungsergebnisse zu Brustkrebs, die für Frauen in deutscher Sprache leider nicht systematisch zugänglich gemacht werden. Außerdem verweisen wir auf die >>> (pdf) Pressemeldung des Netzwerk Frauengesundheit Berlin und FrauSuchtZukunft zum WeltnichtraucherInnentag.

Brustkrebsrisiko und Rauchen

Nach Auffassung der Kanadischen Expertengruppe Tabakrauch und Brustkrebsrisiko (Canadian Expert Panel on Tobacco Smoke and Breast Cancer Risk) wäre es zum jetzigen Zeitpunkt (Stand 2009) verfrüht, das anteilige Risiko und Zahlen zu Brustkrebserkrankungen und Brustkrebssterblichkeit, die auf Rauchen und Mitrauchen zurückzuführen sind, zu schätzen. Hier seien weitere Forschungen notwendig, schreibt die Forschungsgruppe in ihrem im April 2009 vorgelegten >>> (pdf) Bericht. Die Forschungsgruppe empfiehlt deswegen weitere Forschung, um die Kausalitäten besser zu quantifizieren und besser zu verstehen. In neuen sorgfältig entwickelten Fall-Kontroll- und Kohorten-Studien müsse untersucht werden, wie sich

  • Langzeitexposition und
  • Zeitpunkt der ersten Kontamination,
  • Rauchen z.B. in der Pubertät oder
  • Rauchen in der Schwangerschaft,
  • Kettenrauchen,
  • aber auch Auswirkungen auf Frauen mit Genmutationen an den NAT2-, BRCA1- und BRCA2-Genen gegenüber Tabakrauch auswirkten.

Wer diese Studien kritisch sieht, sollte für sich selbst und die eigenen Kinder  sicherheitshalber einen Auslassungsversuch einplanen. Tatsache aber ist, dass viele Frauen weltweit diese Risiken für sich und/oder ihre Kinder heute eingehen. Immer mehr junge Frauen und Mädchen rauchen. Auch in den nachfolgend betrachteten Studien fällt auf, dass der Anteil der rauchenden Frauen ansteigt.

Was junge Frauen lernen müssen

Die kanadische Expertengruppe weist in ihren weiteren Überlegungen darauf hin, dass Tabakrauch zu den wenigen Brustkrebsrisiken gehört, die Frauen selbst beeinflussen können. Vor allem junge Frauen sollten verstehen, dass nach heutigem Wissensstand Rauchen und Brustkrebs ursächlich zusammenhängen können und dass Rauchen für die Entstehung von Brustkrebs verantwortlich sein kann.
Viele Frauen sind – z.B. am Arbeitsplatz – passiv Tabakrauch (”Mitrauchen”) ausgesetzt. Viele Frauen beginnen in jungen Jahren zu rauchen und werden heute später als in der Vergangenheit Mutter. Der vor Brustkrebs schützende Effekt einer frühen Schwangerschaft kann also nicht wirken, während gleichzeitig Risiken für Brustkrebs gesetzt werden.

Was Gesundheitspolitik lernen muss

Die Kanadische Expertengruppe Tabakrauch und Brustkrebsrisiko hält außerdem gesundheitspolitische Schlussfolgerungen fest, nämlich dass die bereits vorliegenden Forschungsergebnisse die Notwendigkeit unterstreichen, junge Frauen effektiv über die vorliegende Studienlage zu informieren, sie also vor den Risiken des Rauchens und Mitrauchens im Zusammenhang mit der Entstehung von Brustkrebs zu warnen.

Schlussfolgerungen der kanadischen ExpertInnengruppe

Aktives Rauchen
Bezogen auf die Gewichtigkeit der Ergebnisse epidemiologischer und toxikologischer Untersuchungen und das Verständnis der biologischen Mechanismen sind Zusammenhänge zwischen Brustkrebsentstehung und Rauchen ursächlich miteinander vereinbar. Auch Rauchen kann Brustkrebsursache sein, Rauchen kann Brustkrebs auslösen.

Passivrauch („Mitrauchen“)
Die Forschungsergebnisse über Zusammenhänge von Brustkrebs und Passivrauch bei jüngeren Frauen, besonders vor den Wechseljahren, die noch nie geraucht haben, sind ebenfalls in Bezug auf die Ursächlichkeit miteinander vereinbar. Bei Frauen nach den Wechseljahren konnte man bisher einen Nachweis der Brustkrebsentstehung durch Passivrauch nicht erbringen, wobei der Umkehrschluss, nämlich dass Passivrauch bei Frauen nach den Wechseljahren in Bezug auf die Brustkrebsentstehung unschädlich wäre, allerdings ebenfalls nicht gegeben ist.

Nurses’ Health Study – Stand  2007

>>> Dr. Michelle Holmes (Harvard Medical School, Brigham and Women’s Hospital), die auch Zusammenhänge zwischen Bewegung (Sport), Ernährung, Gewicht und Brustkrebs erforscht, zeigte anhand der Daten aus der wikipedia Nurses’ Health Study [1.] die Folgen des Rauchens bei Frauen mit Brustkrebs auf. Anhand von 5.056 Frauen mit Brustkrebsdiagnose in den Stadien I bis III, die im Zeitraum zwischen 1978 und 2002 untersucht wurden, konnte sie nachweisen, dass Patientinnen, die rauchen, ein erhöhtes Sterberisiko haben, und zwar insbesondere durch Lungenkrebs und andere schwere Lungenerkrankungen. Sie erhob auch Daten zum Rauchverhalten von Frauen mit Brustkrebs. Danach rauchten die meisten Frauen mit Brustkrebs (hier 62% von 1.018) trotz Brustkrebsdiagnose weiter. In der wikipedia multivariaten Analyse hatten Patientinnen, die niemals geraucht hatten, verglichen mit Frauen, die weiter rauchten, ein deutlich verringertes relatives Sterberisiko (durch sämtliche Todesursachen). Im Gegensatz dazu gab es allerdings keinen Unterschied bei Raucherinnen und Nichtraucherinnen, an den Folgen der Brustkrebserkrankung zu sterben. Das – allgemeine – Sterberisiko für Frauen mit Brustkrebs erhöhte sich jedoch um unglaubliche 43%, und das Risiko stand in einer Abhängigkeit zur Anzahl der täglich gerauchten Zigaretten.

California Teacher Study – Stand 2004

Auch im Rahmen der  >>> California Teachers Study [3.] wurden die Auswirkungen von Tabakrauch und Brustkrebsentstehung untersucht. Die Ergebnisse wurden 2004 veröffentlicht. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass Rauchen an der Brustkrebsentstehung mitbeteiligt sein kann. Mit der „California Teachers Study“ (CTS) wurde im Jahr 1995 eine Gruppe von über 116.000 Studienteilinehmerinnen ohne Brustkrebsdiagnose beobachtet. Frauen mit Brustkrebsvorstufen wurden in der Untersuchung nicht berücksichtigt. Bis zum Jahr 2000 waren 2.005 der Teilnehmerinnen neu an invasivem Brustkrebs erkrankt. Bei diesen Teilnehmerinnen wurden die Rauchgewohnheiten genauer untersucht. Insgesamt waren in der CTS 67% der Frauen während ihres gesamten Lebens Nichtraucherinnen, 28% der Frauen waren frühere Raucherinnen und 5% waren aktive Raucherinnen, als sie für die Studie befragt wurden.

Die Inzidenz von Brustkrebs war bei den Raucherinnen höher als bei den Nie-Raucherinnen. Unter den aktiven Raucherinnen war das Brustkrebsrisiko statistisch signifikant erhöht, verglichen mit allen Nie-Raucherinnen, und zwar besonders bei Frauen, die bereits in jüngeren Jahren mindestens fünf Jahre vor ihrer ersten voll ausgetragenen Schwangerschaft mit dem Rauchen begonnen und die über längere Zeit stärker geraucht hatten. Die Erkrankungshäufigkeit stand in einer Relation zum Tabakkonsum, je mehr geraucht wurde, desto höher war das Brustkrebsrisiko. Die CTS zeigte das Risiko sowohl bei prämenopausalen wie auch bei postmenopausalen Raucherinnen, bei letzteren war der Nachweis allerdings schwächer. Raucherinnen – also die aktiv rauchenden Frauen in dieser Untersuchung – hatten im Vergleich zu Nichtraucherinnen, die nicht von familiärem Brustkrebs betroffen sind, ein erhöhtes Risiko. Frauen, die selbst nicht rauchten, jedoch aus Raucherhaushalten kamen, hatten nach dieser Untersuchung kein erhöhtes Brustkrebsrisiko. In dieser Studie fielen 76.189 Frauen, unter denen 1.150 an Brustkrebs erkrankt waren, in diese Gruppe. Die Ergebnisse der CTS waren überraschend, denn zuvor hatten bereits zwei Untersuchungen [4., 5.] umgekehrte Ergebnisse erbracht, nämlich dass Passivrauch das Brustkrebsrisiko erhöht, während sich dies bei aktiven Raucherinnen nicht nachweisen ließ.

Die CTS belegt jedoch, so die Autorinnen, dass aktives Rauchen eine Rolle bei der Ätiologie von Brustkrebs spielt, und die AutorInnen sprachen die Empfehlung aus, weitere Zusammenhänge zu erforschen.

Rauchen und höheres Lebensalter

Eine kleine amerikanische Studie [2.] untersuchte außerdem 975 Brustkrebspatientinnen und 1.007 nicht betroffene Frauen im Alter zwischen 65 und 79 Jahren. Auch in dieser relativ kleinen Gruppe ließ sich zeigen, dass Raucherinnen ein höheres Risiko für Brustkrebs haben. Länge und Intensität des Rauchens waren mit einem ansteigenden Risiko verknüpft. Auch hier zeigte sich wieder, dass Frauen, die vor der Geburt des ersten Kindes geraucht hatten, ein 30 bis 40% erhöhtes Brustkrebsrisiko durch das Rauchen haben.

Position der International Network of Women against Tobacco

Weitere Daten zu Rauchen und Brustkrebs bei jungen Frauen hat das >>> (pdf) International Network of Women against Tobacco in seinem Newsletter vom Sept. 07 / Feb. 08 zusammengestellt. Danach ist bereits durch Forschungsarbeiten aus den 1990er Jahren belegt, dass Passivrauch („Mitrauchen“) das Brustkrebsrisiko erhöht, und zwar sogar stärker als das Lungenkrebsrisiko. Frauen, die selbst nicht rauchen und mit einem Raucher zusammenleben, hatten nach dieser Studie ein um 32% erhöhtes Risiko, an den Folgen von Brustkrebs zu sterben, wenn ihre Männer mehr als 20 Zigaretten täglich rauchten sogar ein um 73% erhöhtes Risiko.[6]

Frauen seien zunächst Gesundheitsrisiken durch Passivrauch, auch umschrieben als „Second Hand Smoking“, ausgesetzt, die sie selbst nicht kontrollieren könnten. Die Risiken beginnen bei Müttern, die auch in der Schwangerschaft auf das Rauchen nicht verzichten, und setzen sich fort in Kindheit und Jugend, wenn im Elternhaus geraucht wird. Hinzu kämen Risiken in der Öffentlichkeit und später am Arbeitsplatz.

Außerdem existiert eine Metaanalyse, die 20 unterschiedliche Studien zu den Auswirkungen von Tabakrauch zusammenfasst und zu dem Ergebnis kommt, dass das Risiko, bereits vor der Menopause bzw. im Alter von unter 50 Jahren an Brustkrebs zu erkranken, deutlich erhöht ist. [7.] Zum gleichen Ergebnis kam auch die International Agency for Research on Cancer IARC, die dies bereits als Ergebnis der IARC Working Group on the Evaluation of Carcinogenic Risks to Humans (IARC Arbeitsgruppe zur Evaluation krebsauslösender Risiken bei Menschen) veröffentlicht hat. [8.]  Danach wurden Ergebnisse aus 14 Studien zusammengefasst, die zeigten, dass das Brustkrebsrisiko durch Passivrauch vor den Wechseljahren um mehr als die Hälfte bzw. sogar um 68% anstieg.

Secondhand SuspicionsWer sich mit dem Thema intensiver auseinandersetzen möchte, kann außerdem den leider nur in englischer Sprache vorliegenden Artikel >>> (pdf) Secondhand Suspicions: Breast Cancer and Passive Smoking von Kellyn S. Betts aus dem Jahr 2007nachlesen. [9.] Hier wird genauer auf wissenschaftliche Datenlage, auf die im Tabakrauch enthaltenen Karzinogene, alters- und geschlechtspezifische Risiken (jüngere Frauen reagieren empfindlicher auf Tabakrauch) und zusätzliche Risiken wie etwa Alkoholkonsum in Kombination mit Passivrauch eingegangen.

Das International Network of Women against Tobacco (www.inwat.org) kommt in der Zusammenfassung seiner Arbeit zu dem Ergebnis, dass sowohl aktives Rauchen wie auch Passivrauch das Brustkrebsrisiko jüngerer Frauen verdoppelt. Nach seiner Auffassung ist die Vermeidung von beidem ein wichtiger Ansatzpunkt, um auch Brustkrebs zu vermeiden.

Abbildungsnachweis: Plakat Weltnichtrauchertag WHO 2010, Env. Health Persp., s. Quellenverzeichnis, Zitat 9

Weiterlesen und Motivationen für eine rauchfreie Umwelt

Frauen und Rauchen: Infosammlung des Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychothrapie und Gesellschaft e.V. (AKF)

rauchfrei-info.de: BZgA-Webseite

Förderung des Nichtrauchens: Linkliste der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Frauen aktiv contra Tabak e.V. FACT

Frauen und Rauchen in Deutschland (pdf, Rote Reihe Tabakprävention und Tabakkontrolle 9, WHI/dkfz). Obwohl erst im Jahr 2008 erstellt, schwache Info für Frauen zu Rauchen und Brustkrebs: „Ein Zusammenhang zwischen Rauchen und Brustkrebs wird diskutiert, bisher konnte jedoch kein Kausalzusammenhang nachgewiesen werden.“ Mehr Informationen gibt diese Broschüre zu Brustkrebs und Rauchen nicht her.

Schutz der Familie vor Tabakrauch (pdf, Rote Reihe Tabakprävention und Tabakkontrolle 14, WHO/dkfz)

Tabakrauch – ein Giftgemisch (pdf, dkfz)

Krebserzeugende Substanzen im Tabakrauch (pdf, dkfz)

Zu den Verstrickungen von Medizin und Tabakindustrie: Tabakindustrie und Ärzte: Vom Teufel bezahlt … (pdf, Deutsches Ärzteblatt) von Thilo Grüning und Nicolas Schönfeld

Quellen

[1.] Smoking and survival after breast cancer diagnosis (pdf, frei zugänglich) von Michelle D. Holmes u.a., Int. J. Cancer: 120, 2672–2677 (2007)

[2.] The relationship between various measures of cigarette smoking and risk of breast cancer among older women 65–79 years of age (United States) (pfd, kostenpflichtig, derzeit 47 US$ plus Steuer!) von Christopher Lee u.a., Cancer Causes and Control, Volume 16, Number 8, October 2005 , pp. 975-985(11)

[3.] Active smoking, household passive smoking, and breast cancer: Evidence from the California Teachers Study von Peggy Reynolds u.a. J. Natl. Cancer Inst. Reynolds et al. 96 (1): 29 (Jan. 2004)

[4.] Health effects of exposure to environmental tobacco smoke – final report (pdf): Sacramento (CA): California Environmental Protection Agency, Office of Environmental Health Hazard Assessment; Hg. Amy Dunn (1997)

[5.] Cigarette smoking and the risk of breast cancer (pdf, nicht frei zugänglich, 40 US$) von Palmer JR u.a. Epidemiol Rev 1993;15:145–56

[6.] Hirayama, T. Lung cancer and other diseases related to passive smoking: a large-scale cohort study. Veröffentlicht in: Gupta PC, Hamner III JE, and Murti PR, eds. >>> Control of tobacco related cancers and other diseases, international symposium 1990. Bombay: Oxford University Press, 1992. 129–137. 1992.

[7.] Kenneth C. Johnson: Accumulating evidence on passive and active smoking and breast cancer risk (pdf, frei zugänglich). Int. J. Cancer: 117, 619–628 (2005)

[8.] International Agency for Research on Cancer. IARC Monographs on the Evaluation of Carcinogenic Risks to Humans, Volume 83, >>> Tobacco Smoke and Involuntary Smoking. Lyon 2004. ISBN 92-832-1283-5

[9.] Betts KS: Secondhand Suspicions: Breast Cancer and Passive Smoking. Environ Health Perspect 115:A136-A143. doi:10.1289/ehp.115-a136, 2007

Rubrik gesundheitspolitik, krebsvermeidung, nichtraucherinnenschutz, rauchen, unser körper - unser leben

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“Gestörte Weiblichkeit” – Endokrine Disruptoren, das weibliche Fortpflanzungssystem und Brustkrebs

Gestörte Weiblichkeit von WECF. e.V.

Gestörte Weiblichkeit von WECF. e.V., Download als pdf auf das Bild clicken ...

Women in Europe for a Common Future (WECF e.V., www.wecf.de) hat gerade eine neue Broschüre in deutscher Sprache veröffentlicht, die erstmals aus der Perspektive von Frauen auch uns Informationen zur Verfügung stellt, um die Kontamination mit Hormonen in unserer Umwelt besser zu verstehen.

Nachfolgend die Presseinformation von WECF zur Veröffentlichung von “Gestörte Weiblichkeit” in Deutschland:

“WECF hat dafür die Dokumentation einer Fachtagung mit Spezialistinnen zum Thema ins Deutsche übertragen. Für Frauen in Deutschland ist das Thema weitgehend unterbelichtet, Informationen fehlen dringlichst.

Millionen Mädchen und Frauen weltweit leiden immer häufiger an frühzeitiger Pubertät, Unfruchtbarkeit und Brust­krebs. In Deutschland sind beispielsweise 15% aller Paare zumindest zeitweise von ungewollter Kinderlosigkeit betrof­fen, etwa jede zehnte Frau in Europa erkrankt an Brustkrebs. Doch woher kommt die Zunahme dieser Fortpflanzungs­störungen und Erkrankungen bei Frauen? Eine Erklärung könnte die vermehrte Belastung durch hormonell wirksame oder hormonartig wirkende Substanzen sein, sogenannte endokrine Disruptoren.

Aufgerüttelt durch Berichte über die Verringerung der Spermienzahl, hatte sich die Forschung zu endokrinen Disruptoren zunächst auf Männer fokussiert. Aber wo steht die Wissenschaft im Hinblick auf die Wirkung endo­kriner Disruptoren und das weibliche Fortpflanzungssystem?

Dieser Frage sind 18 führende Wissenschaftler(innen) – spezialisiert auf endokrine Disruptoren und das weibli­che Fortpflanzungssystem – in Commonweal, einem gemeinnützigen Forschungsinstitut für Umwelt und Gesund­heit in Kalifornien, nachgegangen. Das Ergebnis dieses Workshops „Women’s Reproductive Health and the Envi­ronment“ ist Gegenstand der amerikanischen Publikation „Girl, Disrupted“. Diese haben wir von WECF – Women in Europe for a Common Future – für Sie, liebe Leserinnen und Leser, ins Deutsche übersetzt und relevante Stellen durch Informationen über die Situation in Deutschland und Europa ergänzt und farbig hervorgehoben. Die Publikation konzentriert sich auf das weibliche Fortpflanzungssystem und die Wirkung endokriner Disrupto­ren. Dass das männliche Fortpflanzungssystem ebenfalls negative Entwicklungen unter dem Einfluss endokriner Disruptoren aufzeigt, ist gedanklich mit einbezogen.

Veränderungen des weiblichen Körpers – von der fötalen Entwicklung über die Pubertät und Schwanger­schaft bis zu den Jahren nach der Menopause – werden durch Hormone angestoßen. Ein Hormonsystem im Gleichgewicht ist die Basis für eine gesunde Entwicklung, auch für die Entwicklung der Fortpflanzungsfähigkeit. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen vermehrt, dass einige industrielle Chemikalien, bekannt als endokrin wirksame Stoffe oder endokrine Disruptoren, wie Hormone wirken. Sie können Entwicklungen zum falschen Zeitpunkt in Gang setzen und so unter anderem zu verschiedenen Krankheiten oder Fehlbildungen führen. Ein schmerzhaftes Beispiel dieses Mechanismus ist die Contergan-Tragödie der 1960er Jahre.

In den letzten 70 Jahren wurden mehr als 80.000 Chemikalien für den Handel neu registriert. Nicht alle sind gesundheitsschädigend, aber viel zu wenige sind wirklich auf ihre Gesundheitsrisiken überprüft. Nicht wenige stehen in Verdacht, erbgutverändernd krebserregend, bio-akkumulativ und eben hormonell wirksam zu sein.

Unser herzlicher Dank geht an unsere amerikanischen Kolleginnen und Kollegen von Collaborative on Health and Environment (CHE), der Universitiy of Florida (UF) und der University of California San Francisco (UCSF), die sich der Frage des Zusammenhangs der Exposition gegenüber bestimmten untersuchten Chemikalien und Erkrankungen im weiblichen Fortpflanzungssystem angenommen und uns diesen Bericht zur Verfügung gestellt haben. Die Übersetzung der interessanten und zugleich erschreckenden Ergebnisse des Workshops ermöglicht es uns, ein hoch brisantes Thema an die deutschsprachige Öffentlichkeit zu bringen. WECF möchte alle Verant­wortlichen in Politik und Industrie anregen, die Nutzung von Chemikalien, die die Gesundheit schädigen und das Hormonsystem beeinflussen, zu überdenken – im Sinne der Gesundheit unserer Gesellschaft und zukünfti­ger Generationen.”

Kontakt bei WECF: Johanna Hausmann, Presse und Öffentlichkeitsarbeit johanna.hausmann@wecf.eu

Weiterlesen

Gestörte Weiblichkeit – Endokrine Disruptoren und das weibliche Fortpflanzungssystem (pdf zum Download)

Rubrik umweltöstrogene, unser körper - unser leben

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Sandra Steingraber: Neue Homepage, Doku, Videos, Interviews

Sandra Steingrabers Verfilmung ihrer Dokumentation >>> Living Downstream hatte in der letzten Woche in den USA Premiere. Sandra Steingraber hat nun auch ihre Homepage aktualisiert, es erscheinen Interviews in schneller Folge und wir kommen nicht hinterher, ihre Arbeit so schnell in deutscher Sprache besser zugänglich zu machen. Einzelne Dokumente sollen hier aber aufgespürt und erschlossen werden.

Es findet sich keine deutschsprachige Rezension ihres Buches “Living Downstream”, das bereits in 5. Auflage erschienen ist, geschweige denn eine Übersetzung ihres Werks ins Deutsche. Eine japanische Ausgabe ist allerdings inzwischen erschienen.  “Having Faith”, ihr persönliches Sachbuch zu Geburt und Schwangerschaft, das sie zur Zeit ihrer Schwangerschaft mit ihrer Tochter Faith begann, ist in deutscher Sprache unter dem Titel “Leben wächst in mir: Eine biologische Reise zur Geburt” beim Walter-Verlag erschienen. Hier ist wieder eines ihrer bewegenden Videos, in denen sie über ihr Leben und ihre Antriebskräfte berichtet. Steingraber, die Ökologin, die sich zwischen Ökonomie und Ökologie für die Ökologie entschied, weist eindringerlicher als alle anderen darauf hin, dass unser Ökosystem unersetzlich für unser Überleben ist. Es darf nicht weiterhin rücksichtslos zerstört werden.

Wir alle sind kontaminiert mit Hunderten von Chemikalien, die unser Leben bedrohen. Nicht nur Tiere, auch Menschen sind bereits jetzt zum Teil ohne medizinische Hilfe nicht mehr fortpflanzungsfähig, da die Chemikalien, die wir über unsere Umwelt aufnehmen, in vielen Menschen so massive Auswirkungen haben, dass sie ernsthaft krank werden, teilweise so krank, dass sie im schlimmsten Fall z.B. an den Folgen von Krebserkrankungen sterben. Brustkrebs gehört zu den Krankheiten, die durch Umweltgifte beeinflusst werden, ebenso wie verschiedene andere Krebserkrankungen, die in dem “multifaktoriellen” Geschehen angestoßen werden, ohne dass wir sie wieder stoppen können.

Sandra Steingraber hält fest, dass dies Unrecht ist, Genozid an den Menschen, die dies trifft, obwohl sie persönlich die Kontaminationen nicht zu verantworten haben. Sandra Steingraber arbeitet zur Zeit an ihrem dritten Buch, in dem sie die Lebensumwelt von Kindern untersucht.

Mehr zu Sandra Steingraber

Sandra Steingraber: Radiointerview vom 31.03.2010 bei Blogradiotalk

Living Downstream – Leben stromabwärts: Dokumentation von Sandra Steingraber

Sandra Steingraber: Biologin, Ökologin, Krebsüberlebende

Homepage Sandra Steingraber

Rubrik Chemikalien, krebsvermeidung, strahlenschutz, umweltverschmutzung, umweltöstrogene, ursachenforschung

Stichwort


Phytoöstrogene, Soja und Brustkrebs

Literaturliste zum Einstieg in das Thema
zusammengestellt von Beate Schmidt ________
>>> (pdf) Text als pdf herunterladen

Soya Milk von piggbox, Creative Commons 2.0
Abb.: Soya Milk von piggbox
Creative Commons 2.0

Bereits jahrelang wird über Soja und Sojapräparate unter anderem im Zusammenhang mit Brustkrebs und zur Bekämpfung von Wechseljahrsbeschwerden diskutiert. Wirkt Soja sich positiv oder negativ auf unser Leben aus? Hier folgt eine Liste von Veröffentlichungen, die Frauen mit Brustkrebs eine Orientierung geben kann (wird fortgesetzt):

Phytoöstrogene nach den Wechseljahren? (arznei-telegramm 2001)

Bereits im November 2001 schrieb das unabhängige arznei-telegramm in seinem Beitrag >>> Phytoöstrogene nach den Wechseljahren?: “Ein klinischer Nutzen von Phytoöstrogenen ist nicht belegt, ihre Anwendung bei Beschwerden in den Wechseljahren oder zur Prophylaxe von Osteoporose und kardiovaskulären Erkrankungen therapeutisch nicht zu begründen. Bei Brustkrebs sind Phytoöstrogene möglicherweise riskant und daher kontraindiziert. Die Isoflavone Genistein und Daidzein fördern in vitro und in Tierversuchen das Tumorwachstum und beeinträchtigen die Wirksamkeit des Antiöstrogens Tamoxifen (NOLVADEX u.a.). Betroffenen Frauen ist von der Einnahme dringend abzuraten.”

Sojahaltige Nahrung ja – Nahrungsergänzung nein (Dr. Susan Love Research Foundation 2004)

Susan Love >>> berichtet auf ihrer Website über eine Forschungsarbeit, die den Konsum von Soja und Einflussfaktoren auf bereits vorhandene östrogenabhängige Brustkrebstumoren im Mausmodell untersucht hatte (Allred 2004). Sehr unterschiedlich wurden amerikanische Nahrungsergänzungsmittel und Soja in natürlichen Nährmitteln, so wie sie etwa in Japan auf dem Speiseplan stehen, bewertet. Im Ergebnis zeigte die Untersuchung, dass Genistein – das vorallem in Nahrungsergänzungsmitteln enthalten ist – möglicherweise einen negativen Effekt hat und das Wachstum von Brustkrebszellen fördert, während natürliche Sojaprodukte aus bisher nicht geklärten Gründen möglicherweise durch andere bioaktive Komponenten einen schützenden Einfluss haben könnten, die die negativen Eigenschaften von Genistein reduzierten.

Susan Love rät deswegen von Isoflavonen und Genistein als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Tabletten und Kapseln generell ab. Zu der Frage, ob Frauen mit Brustkrebs Soja essen sollten, hält sie fest, dass es noch keine endgültige Antwort gäbe. Frauen müssten selbst entscheiden, ob sie Soja in ihrer Ernährung haben wollen. Für Frauen, die keine Bauchschmerzen bei dem Gedanken bekämen, evtl. etwas zu essen, das ihnen nicht gut tut, hält sie eine Portion von 40 Gramm täglich (z.B. in Form von Tofu, Miso, Sojabohnen etc.) für vertretbar, im Gegensatz zu Nahrungsergänzungsmitteln, die sie ablehnt. Love schreibt ferner, es gäbe keine Wechselwirkung mit Tamoxifen, Soja könne – nach den Versuchen an Mäusen jedenfalls – dessen Wirkung eher noch unterstützen.

Sojadrinks (Stiftung Warentest 2007)

Soja ist als Eiweißlieferant beliebt, z.B. auch in Form von Sojadrinks, die z.T. mit Kalzium angereichert sind. Die Stiftung Warentest hat diese Drinks im Jahr 2007 untersucht und sie recht positiv bewertet, gleichzeitig aber auf die hohe allergene Wirkung von Soja hingewiesen.

Für Frauen mit Brustkrebs wichtiger erscheint jedoch das >>> Interview mit Sabine Kulling, Professorin für Lebensmittelchemie in Potsdam (s. “test” S. 24 bzw. S. 5 im pdf zum Download). Zitat:
Sie warnen vor Präparaten aus Soja- und Rotkleeextrakten für Frauen in den Wechseljahren. Warum? – Die Hauptzielgruppe für diese isoflavonhaltigen Präparate ist auch die Hauptrisikogruppe. Es ist nicht auszuschließen, dass Isoflavone in isolierter Form und hoher Dosierung – anders als im natürlichen Lebensmittelverbund – auch Nebenwirkungen haben können. Eine Befürchtung ist, dass die Präparate das Brustkrebsrisiko erhöhen könnten. Das ist bisher nicht gezeigt, aber aufgrund der schwachen Hormonwirkung der Isoflavone auch nicht auszuschließen. Brustkrebspatientinnen sollten von den Präparaten deshalb unbedingt Abstand nehmen.”

Bundesamt für Risikobewertung: Stellungnahme 2007

Auch das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) hat sich des Risikoprofils von Isoflavonen in Nahrungsergänzungsmitteln angenommen. In der aktualisierten >>> (pdf) Stellungnahme vom Oktober 2007 ist zu lesen: “In toxikologischen Untersuchungen zeigte sich, dass Isoflavone, wenn sie in isolierter oder angereicherter Form und hoher Dosierung gegeben werden, die Funktion der Schilddrüse beeinträchtigen und das Brustdrüsengewebe verändern können. Dabei ist nicht auszuschließen, dass diese als estrogenähnlich anzusehenden Effekte auch die Entwicklung von Brustkrebs fördern können. Notwendige Langzeitstudien, die die Sicherheit von isoflavonhaltigen Präparaten belegen, liegen nicht vor. Auch kann eine Dosis, die noch als sicher gilt, derzeit nicht verlässlich festgelegt werden. Da Frauen in und nach der Menopause ohnehin ein erhöhtes Brustkrebsrisiko aufweisen, ist die längerfristige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit einem hohen Gehalt an Isoflavonen für diese Verbrauchergruppe nicht ohne Risiko.”

Bundesamt für Risikobewertung: Expertengespräch 2008

Im auf der Website des BfR veröffentlichten >>> (pdf) Ergebnisprotokoll eines Expertengesprächs am 5. Juni 2008 mit dem Titel “Fragen und Antworten zur Sicherheit von isoflavonhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln und ergänzenden bilanzierten Diäten” ist zu lesen: “Es ist nicht ausgeschlossen, dass diese als estrogenähnlich anzusehenden Effekte auch die Entwicklung von Brustkrebs fördern könnten. Daneben zeigten sich Hinweise für Wechselwirkungen mit dem Stoffwechsel der Schilddrüse. Da Frauen in und nach der Menopause ohnehin ein erhöhtes Brustkrebsrisiko aufweisen, ist aus Sicht des BfR die längerfristige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit einem hohen Gehalt an Isoflavonen für diese Verbrauchergruppe nicht ohne Risiko.”

In seiner Zusammenfassung schreibt das BfR u.a.: “Zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden werden von den Vertreibern verschiedene Präparate mit Isoflavon-Dosierungen von 20 bis zu 150 mg pro Tag empfohlen. Bei Frauen in der peri- bzw. postmenopausalen Lebensphase gilt das Risiko des Vorhandenseins unerkannter Krebszellen der Brustdrüse (dormant cancer cells) als deutlich erhöht, weshalb diese als besondere Risikogruppe anzusehen sind. Angesichts einer großen Präparateanzahl (allein in Deutschland über 150) und der zusätzlichen Verfügbarkeit weiterer Präparate über das Internet, fehlender Spezifikationen, unzureichender Angaben zur Zusammensetzung und starker Abweichungen zwischen deklarierten Gehalten und wahrer Zusammensetzung erscheint zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine wissenschaftlich fundierte, zuverlässige Analyse von Nutzen und Risiko nicht möglich. Sie wird aber für dringend erforderlich gehalten.”

Soja und Schilddrüsenmedikamente – z.B. L-Thyroxin

Ein ganz anderer Aspekt im Zusammenhang mit Soja besteht für Frauen, die an Schilddrüsenunterfunktion leiden.

Aus einem Beipackzettel für L-Thyroxin: “Sojahaltige Produkte können die Aufnahme von Levothyroxin aus dem Darm beeinträchtigten. Bei Kindern wurde über einen Anstieg des Serumspiegels von TSH (die Schilddrüse anregendes Hormon) berichtet, wenn diese eine sojahaltige Ernährung erhielten und aufgrund einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion mit Levothyroxin behandelt wurden. Ungewöhnlich hohe Dosen von L-Thyroxin Henning 75 können erforderlich sein, um normale Serumspiegel von Levothyroxin und TSH zu erzielen. Während und nach Beendigung einer sojahaltigen Ernährung ist eine engmaschige Kontrolle der Serumspiegel von Levothyroxin und TSH notwendig, ggfs. kann eine Dosisanpassung von L-Thyroxin Henning 75 erforderlich sein.”

Soja und Genetik

Die Professorin für Sozialmedizin Dr. Angela Brand, die zurzeit das Europäische Netzwerk “Public Health Genomics European Network (PHGEN)” an der Universität von Maastricht leitet, betont genetische Aspekte. Auf der Website der Fachhochschule Bielefeld, an der sie bis August 2008 lehrte, wird sie im Artikel “Auf die Gene kommt es an” wie folgt zitiert: “Soja kann bei Frauen mit entsprechender Veranlagung eine Brustkrebs-Erkrankung im Anfangsstadium auslösen. Die Krebsforschung fand heraus: Schon kleinste Mengen wie ein Glas Sojamilch können ausreichen, um ein schlafendes Karzinom zu wecken.”

Quellen / Weiterlesen

arznei-telegramm: Phytoöstrogene nach den Wechseljahren?, a-t 2001; 32: 110-1, 09.11.2001

Dr. Susan Love Foundation: New Study Sheds Light on Soy and Breast Tumor Growth (dt.: Neue Studie wirft ein Licht auf Soja und Brusttumor-Wachstum; die Website ist auf Englisch), 03.06.2004

Isoflavone als Phytoestrogene in Nahrungsergänzungsmitteln und diätetischen Lebensmitteln für besondere medizinische Zwecke, Beschluss der DFG – Senatskommission zur Beurteilung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von Lebensmitteln vom 10.11.2006

Bundesamt für Risikobewertung (BfR): Isolierte Isoflavone sind nicht ohne Risiko, am 29.10.2007 aktualisierte Stellungnahme Nr. 039/2007 vom 3. April 2007

Stiftung Warentest: Sojadrinks – Lecker und gesund, “test” 9/2007 vom 30.08.2007 (mit Downloadmöglichkeit als pdf)

Süddeutsche Zeitung: Soja – Riskanter Kult um die Bohne von Kathrin Burger, 10.11.2007

Bundesamt für Risikobewertung (BfR): Fragen und Antworten zur Sicherheit von isoflavonhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln und ergänzenden bilanzierten Diäten, Ergebnisprotokoll eines Expertengesprächs im BfR am 5. Juni 2008

Auf die Gene kommt es an, Artikel auf der Website der Fachhochschule Bielefeld, Fachbereich Sozialwesen (01.08.2008)

Pflanzliches Östrogen kann Krebsrisiko erhöhen: Adelheid Müller-Lissner interviewt Sabine Kulling, Professorin für Lebensmittelchemie am Institut für Ernährungswissenschaft der Universität Potsdam, im Tagesspiegel vom 02.08.2007

Rubrik ernährung, nahrungsergänzungsmittel

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Living Downstream – Leben, stromabwärts: Dokumenation von Sandra Steingraber

Im März 2010 geht Sandra Steingraber mit der Verfilmung ihres Buches “Living Downstream” an die Öffentlichkeit.

Auf der Webseite zum Film findet sich eine Zusammenfassung der Inhalte. Sie beginnt mit der Erkärung des Titels, dem Text, den Sandra Steingraber im Video oben auch spricht: “Es war einmal ein Dorf an einem wunderschönen Fluss. Die Menschen, die hier lebten, waren sehr freundlich. Dem Gleichnis nach wurde den Bewohnern klar, dass immer mehr Menschen in der schnellen Strömung im Fluss ertranken. Und so machten sie sich an die Arbeit, immer kompliziertere Technologien zu entwickeln, mit denen sie die Menschen wiederbeleben konnten. Die heroischen Dorfbewohner sind so beschäftigt mit der Rettung und Behandlung der Ertrinkenden, dass sie nie auf die Idee kamen, stromaufwärts zu schauen, um zu sehen, warum die Menschen in den Fluss fallen. Living Downstream ist ein Spaziergang am Fluss. Der Fluss ist der menschliche Krebs.”

Aufgewachsen in einer Kleinstadt in Illinois, erlebte Sandra Steingraber, wie Krebs in ihrer Familie grassiert. Mit 20 erhielt sie selbst die Diagnose Blasenkrebs. Ihre Mutter erkrankte an Brustkrebs, als sie die Oberschule besuchte. Viele ihrer Verwandte kämpften gegen die Krankheit. Eine ihrer Tanten starb an den Folgen der selben Blasenkrebserkrankung, an der dann auch Sandra Steingraber erkrankt.

Und während die Krankheit grassiert, ist klar, dass es keine genetischen Ursachen haben kann, denn Sandra ist ein Adoptivkind in ihrer Familie. Durch diese ungewöhnliche Konstellation stellt Sandra Steingraber Fragen zu den Zusammenhängen, die neben der DNA in ihrer Familie eine Rolle spielen und zu Krebserkrankungen führen könnten. Die Antwort, so schreibt sie auf der Webseite zu ihrem Film, sei um uns herum: Unsere Umwelt.

Der Film geht mit Steingraber auf eine Reise quer durch Nordamerika, um das Schweigen über die Zusammenhänge zwischen Umwelt und Krebserkrankung zu brechen. Als die Reise beginnt, folgt das Filmteam ihr an den Arbeitsplatz und zu ihren eigenen medizinischen Untersuchungen, die besorgniserregende Resultate erbringen und in eine Zeit der Unsicherheit führen. So zeigt die Reise zwei Seiten: Die private und die öffentliche Sandra Steingraber. Aber sie ist nicht die einzige auf dieser Reise. Die Chemikalien, gegen die sie kämpft, sind ebenfalls auf Wanderschaft. Der Film folgt den unsichtbaren Giften und zeigt, wie sie Einzug halten in die schönsten Plätze in Nordamerika. Und die Gifte reisen weiter in unsere Körper. Wenn sie dort angekommen sind, können sie Krebs verursachen.

Sandra Steingrabers persönliche Reise und ihre wissenschaftlichen Untersuchungen in “Living Downstream” sind eine Erinnerung an die engen Zusammenhänge zwischen unserer persönlichen Gesundheit und der Gesundheit von Natur, Luft, Land und Wasser.

Living Downstream wurde von durch The People’s Picture Company produziert und erhielt Unterstützung von The Ceres Trust, Kendeda Sustainability Fund of the Tides Foundation, The Canadian Independent Film und Video Fund, Canada Council for the Arts, Park Foundation, Canadian Auto Workers – Social Justice Fund, The Cancer Prevention Challenge (Ya Ya Sistahs & Bruddahs Too! & Team Vitality) and Doris Cadoux & Hal Schwartz.

Mehr Info

Sandra Steingraber – Biologin, Ökologin, Krebsüberlebende

Webseite der Dokumentation

Living Downstream auf “Facebook”

No family history von Sabrina McCormick

Rubrik umweltverschmutzung

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Sandra Steingraber: Biologin, Ökologin, Krebsüberlebende

von Gudrun Kemper

Die Biologin Sandra Steingraber wurde 1959 in Tazewell County in Illinois, USA, geboren. Sie erkrankte selbst im Alter von 20 Jahren an Krebs und arbeitet speziell zu ökologischen Fragen im Zusammenhang mit Krebs, Fertilität, Schwangerschaft und Toxikologie (”Lehre von den Giftstoffen”). In ihrem ersten Buch “Post-Diagnosis” (1995) setzt sie sich mit ihrer eigenen Krebserkrankung auseinander. Steingraber baut auf die Arbeiten der Biologin >>> Rachel Carson auf und wird von vielen auch “neue Rachel Carson” genannt. Sie arbeitet u.a. mit >>> Marla Cone und >>> Natalie Angier zusammen und ist in den USA sehr bekannt.

Obwohl sie dort sehr viel Anerkennung erfährt, kennen viele bei uns ihre Arbeiten nicht und auch die von ihr thematisierten Themen sind fachlich und gesellschaftlich weitgehend unterbelichtet. Ihr Buch „Having Faith“ – ein Kleinod – liegt in deutscher Übersetzung vor. Die sehr sorgfältig übersetzte deutsche Ausgabe trägt den Titel „Leben wächst in mir: eine biologische Reise zur Geburt“ und ist 2002 im Walter Verlag (Patmos) erschienen. Gemeinsam mit Teresa Heinz Kerry wurde sie von >>> Breast Cancer Fund für ihre Arbeiten zur Ursachenforschung im Zusammenhang mit Brustkrebs ausgezeichnet, und sie hat eine Reihe weiterer Preise für ihr Werk erhalten.

Steingraber, die als Adoptivtochter einer Mikrobiologin aufwuchs, befasste sich bereits als Kind und Jugendliche mit biologischen und ökologischen Zusammenhängen. Mit ihrer Krebserkrankung war sie – aufgewachsen in einer hoch belasteten Umgebung – nicht allein. Auch in Nachbarschaft und Familie erkrankten viele Menschen an Krebs.

Sandra Steingraber hat an der >>> Illinois Wesleyan University Biologie studiert und später an der >>> Universität von Michigan gearbeitet. Dort schloss sie auch ihre Doktorarbeit in Biologie ab. Außerdem verfügt sie über einen Masterabschluss in Anglistik. Sie arbeitete und lehrte an verschiedenen Universitäten und hat an dem unter Präsident Bill Clinton 1992 initiierten >>> National Action Plan on Breast Cancer (NAPBC) mitgearbeitet. Sie lebt heute mit ihrem Mann, dem Bildhauer und Restaurator Jeff de Castro, in >>> Trumansburg (New York) und hat zwei Kinder, Faith und Elijah.

Ihr bekanntestes Werk ist „Living Downstream. An Ecologist Looks at Cancer and Environment“ (Leben, stromabwärts – Eine Ökologin betrachtet Krebs und Umwelt). Eine deutsche Übersetzung gibt es bisher nicht. Sie unterstützt in diesem Buch unter anderem die enge Vernetzung von Krebsregistrierung und dem in den USA verfügbaren >>> Toxics Release Inventory, einem nationalen Verzeichnis, in dem die Freisetzung von Giftstoffen verzeichnet wird. Ein ähnliches Verzeichnis führt bei uns das Umweltbundesamt mit dem >>> Schadstofffreisetzungs- und Verbringungsregister.

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Toxics Release Inventory - Aufschluss über Kontaminationen - öffentlich zugänglich für jede/n

Steingrabers Bücher sind gut lesbar und erinnern an minutiöse Reiseberichte, in denen die wissenschaftlich sorgsamst recherchierten Arbeiten LeserInnen mit ihren poetischen Einblendungen und einer unglaublichen Sprache in ihren Bann ziehen. In “Living Downstream” beschreibt sie die rücksichtslose industrielle und landwirtschaftliche Verschmutzung und unterfüttert diese mit umfassenden wissenschaftlichen Daten und weiteren Literaturhinweisen. Im Resultat ist eine überwältigende Zusammenstellung des Wissens zu Krebsentstehung und Umwelt entstanden. Steingraber beklagt auch die große Unausgewogenheit der Forschungsfinanzierung zu Studien von genetisch bedingten Krebserkrankungen in Relation zur Forschung zu Umwelt und Krebsentstehung. Sie verweist darauf, dass wir an unseren genetischen Anlagen nichts verändern können, während wir sehr viel tun können, um die Kontamination mit Karzinogenen in der Umwelt abzubauen.

Sandra Steingraber bringt unterschiedliche Perspektiven zu einem der wichtigsten Gesundheits- und Menschenrechten unserer Zeit auf den Punkt: Die zunehmende Beweislast der Krebsentstehung durch Umweltverschmutzung. Ihre wissenschaftliche Analyse reicht von alarmierenden weltweiten Mustern bei der Inzidenz von Krebserkrankungen bis zu den sabotageähnlichen Auswirkungen durch Krebs fördernde Substanzen auf die komplizierte Funktionsweise menschlicher Zellen. Sandra Steingrabers Buch ist das erste, das die Daten zu Umweltgiften aus dem amerikanischen nationalen “Gift-Verzeichnis” (Toxics Release Inventory) zusammenbringt mit Daten aus der Krebsregistrierung.

“89% der Fläche von Illinois werden landwirtschaftlich bebaut. Geschätzt 54 Millionen Pfund (amerikan. Maßeinheit, 1 Pfund = ca. 0,45 Kilogramm) synthetischer Pestizide werden jedes Jahr ausgebracht. Erst nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurde diese Form der Landwirtschaft, bei der sich chemische Gifte breit gemacht haben, in Illinois eingeführt. Zuvor waren noch weniger als 10% der Getreidefelder pestizidbelastet. Im Jahr 1993 waren es aber 99%.” (Living Downstream, S. 5)

In “Leben wächst in mir” – einem “unbedingt Lesen-Buch” zumindest für werdene Mütter bzw. Eltern – weist Sandra Steingraber eindringlich auf die alarmierenden Gefahren durch Umweltgifte für das ungeborene Leben hin. Wie soll eine Zukunft in Gesundheit für unsere Kinder abgesichert werden?

Living Downstream ist im März 2010 als Dokumentarfilm der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Der Film belegt erneut Sandra Steingrabers außergewöhnliche Arbeit als die einer Krebsüberlebenden und ihren bedeutenden Beitrag als Ökologin und Aktivistin in der Krebsvermeidung.

Mehr zu Sandra Steingraber

Mehr zu Living Downstream hier …

Webseite von Sandra Steingraber

Wikipedia Sandra Steingraber (engl.)

Living Downstream (Dokumentarfilm)

Die Verbindungen zwischen Krebs und Umwelt: ein Inner Compass TV-Interview mit Sandra Steingraber

Rubrik Chemikalien, haus & garten, krebsvermeidung, pestizide, umweltverschmutzung

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