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Ungeschminkt – Die schmutzige Welt der Kosmetik

Im Dezember 2011 und Januar 2012 zeigten verschiedene TV-Kanäle den Filmbeitrag “Ungeschminkt – Die schmutzige Welt der Kosmetik” von Inge Altemeier und Steffen Weber. Die Reportage nimmt auf dem deutschen Markt befindliche Kosmetika – darunter auch solche, die mit Qualitätssiegeln und Kaufanreizen wie “bio” und “test” ausgezeichnet sind – genauer unter die Lupe.

Die Versprechen der Kosmetikindustrie

Die Kosmetikindustrie verspricht Schönheit, doch von den Risiken ihrer Produkte spricht sie nicht. Ob Creme, Bodylotion, Duschgel oder Düfte, viele der Produkte bergen gesundheitliche Risiken, von denen die meisten Frauen sich überhaupt keine Vorstellung machen. Das Verständnis dafür fehlt weitgehend. Krebs auslösende und gesundheitsgefährdende Kosmetikprodukte werden heutzutage selbst von kleinen Mädchen spielerisch und arglos benutzt. Ein Spiel mit hohem Risiko.

Gefahren – auch für Mädchen

Das Milliardengeschäft mit “Schönheit”  und in diesem Fall mit Kosmetika fordert viele Opfer, sei es in Herstellungsländern wie China, wo Arbeitsschutzmaßnahmen bei der Verarbeitung gesundheitsgefährdender Chemikalien oft lasch oder nicht vorhanden sind, oder hier bei den Endverbraucherinnen, die sich mangelhaft oder gar nicht informiert auf vermeintlich sichere Produkte im Handel verlassen. Gerade in Kinderkosmetik aus China werden häufig giftige Chemikalien gefunden, die Krebs und bei Mädchen den verfrühten Eintritt in die Pubertät, bei Jungen dagegen Unfruchtbarkeit fördern können, wenn sie in die Umwelt und in den menschlichen Körper gelangen. Billig verpackt in Berge von Plastik, kontaminiert mit Substanzen, die endokrine Disruptoren oder Phthalate enthalten, werden die Produkte auf den Markt gebracht. Auch Naturkosmetik enthält immer öfter nicht, was der schöne Name verspricht. Ein Konzept, das mit “Greenwashing” bezeichnet wird, macht Kasse. Doch der Schein des nach außen gehängten grünen Mäntelchens verschleiert nur Gefahren, die lebensgefährlich sind.  Die Politik ist dringend gefordert, für Abhilfe zu sorgen.

“Ungeschminkt – Die schmutzige Welt der Kosmetika”  online

Video bei WDR - Originalausstrahlung bei WDR in der Reihe die story am 12.12.2011

 

Mehr zum Thema

Eine Broschüre von AKF und WECF
Vorstellung der Broschüre Heavy Metal Hazard

Bildnachweis:

Fraser Valley Pulse & Metro Vancouver Pulse: Beauty Bar Cosmetics (CC BY NC 2.0)

Rubrik chemikalien, kinder, kosmetika, krebsvermeidung, unser körper - unser leben, ursachenforschung

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Neu gelesen: Krebs verstehen – neue Wege gehen (1997)

In Doris Schadow / Heike Schallhammer (Hg.) Krebs verstehen – neue Wege gehen ist das zweite Kapitel Vermeidbare Risiken? Neue Erkenntnisse zu Umweltchemikalien und Krebs der Medizinsoziologin >>> Regina Stolzenberg enthalten. Die Arbeit orientiert sich u.a. an dem bereits Anfang der 1990er Jahre vorwiegend in den USA erarbeiteten, vorhandenen Wissen zu endokrinen Disruptoren bzw. der >>> Erklärung von Wingspread (1991).

Streitfrage “Brustkrebsepidemie”

Stolzenberg verweist auf die ansteigenden Erkrankungsraten u.a. für Brustkrebs. “Zum anderen ist es als Verdienst einer starken, politisch aktiven Bewegung von Betroffenenorganisationen und Gesundheitsaktivistinnen anzusehen, die sich auf kommunaler und nationaler Ebene gebildet hat, dass Brustkrebs inzwischen zu einem politischen Thema geworden ist. Sie erreichte dies, indem sie Brustkrebs als “Epidemie” bezeichnete und damit das Ausmaß der Bedrohung für jede einzelne Frau deutlich machte. Die Massivität der Zahlen und auch die Schlagkraft der Basisbewegung sind sicher Grund genug, dass Politik und Wirtschaft nicht länger die Augen vor der Problematik verschließen konnten” (S. 52). Und weiter im Abschnitt Mögliche Zusammenhänge zwischen Umweltchemikalien und Krebs am Beispiel Brustkrebs: “Wenn jede 10. Frau in Deutschland [im Laufe ihres Lebens] damit rechnen muß, Brustkrebs zu bekommen, so ist dies eine Dimension, die deutlich macht, dass es sich um kein Einzelschicksal mehr handelt, sondern das Wort Epidemie zutreffend ist. ” (S. 58)

Gefährdete Lebensphasen, gefährdende Substanzen, Krankheitsbilder

Stolzenberg arbeitet heraus, welche Phasen des Lebens (z.B. Schwangerschaft!) besonders gefährdet sind und listet die bekannten gefährdenden Substanzen von Bisphenol A über Nonylphenole bis hin zu chlororganischen Verbindungen und Schwermetallen wie Blei, Quecksilber und Cadmium auf.  Neben Krebs werden auch andere umweltbedingte Krankheitsrisiken gelistet, die von Autoimmunerkrankungen über Fruchtbarkeitsstörungen und Endometriose bis hin zu Intelligenz- und Verhaltensstörungen reichen.

Beweislast

Auch weiß sicher nicht jeder, dass der “überzeugendste Zusammenhang zwischen Chlororganika und Brustkrebs” (S. 59) aus Israel kommt. “Zwischen 1976 und 1986 wurde in dem Land ein überraschender und weltweit einzigartiger Rückgang von Brustkrebs festgestellt. Auf der Suche nach den Gründen dafür kamen die Wissenschaftler Westin und Richter zu dem Ergebnis, daß der Rückgang vermutlich auf das 1978 ausgesprochene Verbot der Pestizide HCH, DDT und Lindan zurückzuführen sei, die vorher in extrem hohen Konzentrationen in der Milch vorhanden waren. Die Brustkrebsrate ging insgesamt um acht Prozent zurück, anstatt wie erwartet um 20 Prozent zu steigen, obwohl andere Risikofaktoren wie der Fettkonsum oder das Alter der Mutter bei der ersten Geburt gestiegen waren. Besonders auffällig war der Rückgang bei jungen Frauen, bei denen er 34 Prozent betrug. Es wird vermutet, dass die unerwartet direkte Verbindung zwischen dem Rückgang der Pesitizidbelastung und der Verminderung von Brustkrebs darauf zurückzuführen ist, daß diese Stoffe als starke Kanzerogene (krebserzeugende Stoffe) wirken können (Westin/Richter 1990). Diese Ergebnisse haben zwar weltweit die Aufmerksamkeit auf diese Zusammenhänge gelenkt, gelten aber nicht als wissenschaftliche Beweise, da keine Messungen der Belastungen durchgeführt worden sind (Greenpeace 1995, S. 30), so Stolzenberg weiter. (S. 60)

Hormonquellen

Im Abschnitt Die vermutete Wirkungsweise der Xeno-Östrogene bei der Auslösung von Brustkrebs erklärt Stolzenberg: “Wenn wir davon ausgehen, dass Östrogene das Brustkrebsrisiko steigern, sind es wahrscheinlich vor allem die Xeno-Östrogene, die hier eine Rolle spielen, indem sie die lebenslange Exposition von Frauen verstärken, von der sie durch ihre eigenen Hormone, durch die Gabe von künstlichen Hormonen und durch die Hormone in der Nahrung (natürliche in vielen pflanzlichen Produkten und synthetische in Fleisch, das aus der Massentierhaltung stammt) betroffen sind.” (S. 61)

In Bezug auf Ernährung hält Stolzenberg den besonderen Stellenwert der vegetarischen Ernährung fest, versehen mit dem Hinweis darauf, dass Fleisch und Fisch chlororganische Verbindungen – mit bekannten endokrin-disruptiven Wirkungen – in den höchsten Dosen enthalten. Gleichzeitig hätten Gemüse und Obst viele Wirkstoffe, die vor Krebs schützen, einschließlich Pflanzen mit Östrogenwirkung. Und “Wichtig ist es sicher auch, biologisch angebaute Nahrung zu bevorzugen, sich möglichst ausgewogen zu ernähren, industriell hergestellte Nahrungsmittel zu vermeiden und auf Plastikprodukte so weit als möglich zu verzichten.” (S. 65)

Genforschung als Lösung?

Auch den Hoffnungsträger Genom-Forschung relativiert Regina Stolzenberg vor dem Hintergrund von Umweltbelastungen und Brustkrebs: “Das Wissen über die Möglichkeit vorgeburtlicher Einflüsse läßt die Forschung nach dem sogenannten Brustkrebs-Gen, auf die besonders viel Geld und Energie verwendet wird, als noch unsinniger erscheinen als bisher. Sie relativiert vor allem die Sichtweise, nach der genetische Deformationen mit ‘schlechter Erbmasse’ gleichzusetzen sind und damit als individueller Makel gelten.” (S. 63)

Neu gelesen

Die einzelnen Artikel des Buches von Schadow/Schallhammer wirken heute in der Rückschau nicht mehr sämtlich relevant, und besonders die Hinweise von Nina Rissim zu den Außenseiter-Methoden bei Brustkrebs lesen sich wie eine Werbung für Dr. Hamer und Co. Regina Stolzenbergs Artikel bleibt aber auch heute noch besonders lesenswert und es fragt sich, warum das hier zusammengetragene Wissen, das in den 1990er Jahren bereits bekannt war, aus dem öffentlichen Bewusstsein auch heute noch, wo es an Relevanz noch gewonnen hat, nach wie vor praktisch vollständig ausgeblendet wird, wobei Stolzenberg auch hier eine vorausschauende Erklärung mitliefert: “Es wird nicht einfach sein, die Weichen neu zu stellen, da eine starke Lobby der Chemie- und Agrarindustrie mit Sicherheit ihre riesigen Profite verteidigen wird.” (S. 71) Heute – Stand 2011, 20 Jahre nach Wingspread – haben sich die Machtverhältnisse noch weiter verschoben, hin zu dieser Industrie, die so engmaschig mit den Pharmakonzernen, die aus Brustkrebs Profit ziehen, verwoben ist.

 Weiterlesen

Die verkannte Gefahr: Brustkrebs und Umweltbelastung (pdf der gemeinsamen Broschüre von Women in Europe for a Common Future (WECF e.V.) und Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft (AKF e.V.)

Linksammlung >>> Internetquellen zum Themenschwerpunkt Umwelt und Brustkrebs und zu den >>> Stichworten

 

Rubrik chemikalien, ernährung, gene, haus & garten, krebsvermeidung, medikamente, pestizide, schwangerschaft, umweltöstrogene, unser körper - unser leben, ursachenforschung

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Wie entsteht Krebs oder “Ich bebe vor Wut!” – Prof. Kodoma zur Kontamination nach Fukushima

Es folgt ein Ausschnitt aus dem Artikel „Ich bebe vor Wut! Prof. Kodama zur Kontamination nach Fukushima“ von der Webseite der Anti-Atom-Piraten. Er gibt einen Teil des Transcripts einer Rede von Prof. Tatsuhiko Kodoma, der in Tokyo das universitäre Radioisotopen-Zentrum leitet, gehalten am 27. Juli 2011 im Ausschuss für Arbeit, Soziales und Gesundheit des Japanischen Unterhauses, wieder. Der Artikel legt in größter Eindringlichkeit die Wirkungen ionisierender Strahlung und der von ihr ausgehenden Risiken einschließlich der Entstehung von Krebserkrankungen dar. Wegen der hohen Relevanz und der gut verständlichen Erklärungen geben wir diesen Ausschnitt hier an dieser Stelle mit freundlicher Genehmigung der Anti-Atom-Piraten wieder und empfehlen die Lektüre des vollständigen Transcripts.

Wie entsteht Krebs?

“Weil Strahlung DNA-Stränge zerschneidet. Wie Sie wissen, hat die DNA die Form einer Doppelhelix. In dieser Spiralform ist sie äußerst stabil. Wenn sich jedoch eine Zelle teilt, wird die Doppelhelix zu Einzelsträngen, doppelt sich und wird zu 4 Strängen. Das ist das höchst gefährdete Stadium. Deshalb sind Föten und kleine Kinder, deren Zellen sich rasch teilen, am empfänglichsten für Strahlengefährdung. Selbst bei Erwachsenen gibt es Zellen, die sich rasch teilen wie Haar, Blutzellen und Darmepithel [Bestandteil der Darmschleimhaut], die von Strahlung beschädigt werden können.

Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel dafür geben, was wir über interne Strahlungsbelastung wissen.

Eine genetische Mutation verursacht keinen Krebs. Nach der anfänglichen Bestrahlung braucht es einen zweiten Auslöser, damit eine Zelle zu einer Krebszelle mutiert, der „driver mutation“ oder „passenger mutation“ genannt wird. [keine deutsche Bezeichnung verfügbar]

Für Details sehen Sie sich bitte das beigefügte Dokument über die Fälle in Tschernobyl und Cäsium an. Alpha-Strahlung ist sehr berühmt. Ich bin erschrocken, als ich von einem Professor der Tokyo Universität erfuhr, der sagte, es sei sicher, Plutonium zu trinken. Alpha-Strahlung ist die gefährlichste Strahlung. Sie verursacht Thorotrast-Leberschäden [später erklärt], wie wir Leberspezialisten sehr genau wissen.

Bei interner Strahlung wird häufig auf so und so viele Millisievert verwiesen, aber das ist absolut bedeutungslos. Jod-131 geht in die Schilddrüse, Thorotrast geht in die Leber und Cäsium geht ins Urothel [Gewebe der Harnwege] und in die Harnblase. Ein Ganzkörperscan ist völlig bedeutungslos, ohne sich diese Stellen im Körper anzuschauen, wo Strahlung akkumuliert. Thorotrast war ein Kontrastmittel, das in Deutschland seit 1890, in Japan seit 1930 benützt wurde, aber man fand heraus, dass 25 bis 30% Prozent der Menschen 20 bis 30 Jahre später Leberkrebs bekamen.

Warum dauert es so lange, bevor sich Krebs entwickelt?

Thorotrast ist ein alpha-strahlendes Nuklid. Alphastrahlung verletzt nahegelegene Zellen, und die DNA, die am meisten betroffen ist, ist ein Gen namens „p53“. Mittlerweile kennen wir dank der Gentechnik die gesamte Sequenz der menschlichen DNA. Allerdings gibt es 3 Millionen Positionen auf der DNA, die von Person zu Person unterschiedlich sind. Daher macht es heute überhaupt keinen Sinn, so zu handeln, als ob alle Menschen gleich wären. Das Grundprinzip sollte die „personalisierte Medizin“ sein, wenn wir interne Strahlung untersuchen – welche DNA ist beschädigt und welche Art Wandel findet statt. Im Fall von Thorotrast ist es erwiesen, dass im ersten Stadium p53 geschädigt wird und es dann 20 bis 30 Jahre dauert, bis die Zweit- und Drittmutationen auftreten, die Leberkrebs und Leukämie verursachen.

Über Jod-131

Wie Sie wissen, akkumuliert Jod in der Schilddrüse, und das ist besonders während der Entwicklungsphase der Schilddrüse festzustellen, d.h. bei kleinen Kindern. Aber dennoch: Als die ersten Forscher in der Ukraine 1991 sagten: „Es gibt eine ansteigende Zahl von Schilddrüsenkrebs-Fällen“, veröffentlichten Forscher in Japan und den USA Artikel in „Nature“, die besagten: „Es gibt keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Strahlung und Schilddrüsenkrebs.“

Warum sagten sie das? Weil es keine Daten gab für die Zeit vor 1986, gab es keine statistische Signifikanz. Die statistische Signifikanz wurde schließlich 20 Jahre später festgestellt. Warum? Weil der Kurvenausschlag, der 1986 begann, wieder verschwand. Selbst ohne Daten von vor 1986 gab es also den kausalen Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Schilddrüsenkrebs-Fälle und der Strahlenbelastung aus Tschernobyl.

Epidemiologische Beweisführung ist sehr schwierig. Es ist unmöglich, Beweise zu liefern, bevor alle Fälle abgeschlossen sind. Daher wird aus dem Blickwinkel des „beschützt unsere Kinder“ eine völlig andere Herangehensweise benötigt. Dr. Shoji Fukushima von der staatlichen Institution „Japan Bioassay Research Center“, die die gesundheitlichen Auswirkungen von chemischen Verbindungen erforscht, hat seit dem Tschernobyl-Unfall Krankheiten im Bereich des Urinaltraktes untersucht.

Dr. Fukushima und Doktoren aus der Ukraine untersuchten Teile von Blasen, die bei über 500 Operationen von Prostatahypertrophie [Vergrößerung der Prostata] entnommen wurden. Sie fanden heraus, dass es in den hoch kontaminierten Gegenden, wo 6Bq/Liter im Urin entdeckt wurde, eine hohe Frequenz von p53-Mutationen gab, obwohl 6Bq/l unbedeutend klingen mag.

Sie stellten auch viele Fälle von proliferativen präkazerosen Konditionen fest [entartete Zellen, die Krebs entwickeln können], von denen wir annehmen, dass sie durch Aktivierung von P38 MAP Kinase und dem sogenannten „NF-kappa-B“ Signal bedingt sind, was zwangsläufig zu einer proliferativen Zystitis führt, mit in beachtlicher Frequenz auftretendem Carcinoma in situ.
Mit diesem Wissen war ich bestürzt, den Bericht zu hören, dass 2 bis 13 Bq/Liter [radioaktives Cäsium] in der Muttermilch von sieben Müttern in Fukushima gemessen wurde.

Wir vom Radioisotopen-Zentrum der Universität Tokyo haben geholfen, Minami-Soma City zu dekontaminieren. Wir haben jeweils 4 Leute gleichzeitig geschickt und Dekontaminationen auf der Länge von 700 km pro Woche durchgeführt.”

Wir danken den #AntiAtomPiraten für die Bereitstellung des Transcripts der Rede.

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Vollständiges Transcript auf der Seite der #AntiAtomPiraten (mit den Original-Videos der Rede auf youtube)

Rubrik gesundheitspolitik, grundsätzliches, strahlenschutz, strahlenschutz

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Literaturhinweis – Sandra Steingraber: Raising Elijah

steingraber_elijahElijah ist der Name eines biblischen Propheten und – der Name des im Jahr 2000 geborenen Sohnes von Sandra Steingraber. Die umweltengagierte Biologin, Ökologin, Krebsüberlebende und Buchautorin auf den Spuren von Rachel Carson sorgt international für Aufmerksamkeit und wurde vielfach ausgezeichnet für Ihr Umweltengagement im Zusammenhang mit der Suche nach den Ursache von Krebs. 1998 erhielt sie den Preis der Jenifer Altman-Stiftung für ihren „inspirierenden und poetischen Einsatz der Wissenschaft bei der Aufklärung der Ursachen von Krebs“.[i] Es wäre an dieser Stelle zu langatmig, alle Preise aufzuzählen, die sie für ihre Arbeiten bereits erhalten hat, aber  Im November 2011 sprach Steingraber im Europäischen Parlament [… Was wir lieben, müssen wir schützen … „What we love, we must protect].[ii]

Raising Elijah

Jetzt ist wieder ein neues Sandra-Steingraber-Buch erschienen: Raising Elijah: Protecting Children in an Age of Environmental Crisis [Elijah aufziehen: Kinderschutz in Zeiten der Umweltkrise]. Steingrabers Buch „Having Faith: An Ecologist’s Journey to Motherhood“ [Faith bekommen: Die Reise einer Ökologin zur Mutterschaft] ist während der Schwangerschaft mit ihrer Tochter Faith entstanden. Es ist das – leider bisher einzige Steingraber-Buch, dass es auch in deutscher Sprache gibt. Es erschien 2002 im Walter Verlag unter dem Titel „Leben wächst in mir: eine biologische Reise zur Geburt“. In „Leben wächst in mir“ lässt die Autorin ihre LeserInnen sehr detailliert an den neun Monaten ihrer Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit teilnehmen und erklärt dabei Wachstum und Ökologie, Umwelt und Umweltgefahren für das Ungeborene bzw. für das Neugeborene. Das einzigartige Buch ist ein „Muss“ für Frauen, die sie umweltinteressiert und schwanger sind oder Interesse an Steingraber’s Denkweise habe. Steingraber’s neues Buch „Raising Elijah“ fasst Naomi Klein zusammen mit „Es könnte das wichtigste und inspirierendste Elternbuch, das je geschrieben wurde, sein. Kinder vor den Giften schützen, die sie umgeben, kann nicht die Aufgabe gewissenhafter Eltern allein bleiben. Es muss stattdessen die höchste kollektive Priorität in unserer Gesellschaft erhalten.“

Kinder schützen – Aber wie?

Was tun Eltern nicht alles, wenn sie ihr Kind schützen wollen? Es ist eines der Hauptanliegen, das eigene Kind zu schützen. Doch Gefahren für Kinder lauern gegenwärtig nicht allein bei den „klassischen Gefahrenmomenten“, im Straßenverkehr, bei ungeputzten Zähnen oder dem unbekannten Fremden.[iii] So lebensgefährlich wie Leben immer schon war oder heute erst ist, können wir viele Worte wie „Risiko“ und „Gefahr“ schon längst nicht mehr hören oder wir überhören sie, obwohl sie an den Spielpätzen, im Essen oder in Wohnräumen unsichtbar schlummern, während ihre Wirkung oft erst viel später, lange nach der Kontamination zum Tragen kommt. Unkritischer Gebrauch von alltäglichen Produkten und wirtschaftliche Interessen der Hersteller haben dazu geführt, dass wir alle uns mehr und mehr mit einer Vielzahl von Chemikalien, von denen viele bekannte Karzinogene – Krebs auslösende Stoffe – sind, kontaminieren, Chemikalien, die auch die Kinder erreichen. Endokrine Disruptoren, Nervengifte, Karzinogene und andere Gifte verursachen in ihrer Allgegenwärtigkeit und Vielzahl Gefühle von Machtlosigkeit, Verzweiflung und Resignation. Sandra Steingraber beschreitet den Weg von der persönlichen Ebene, über kommunale Projekte bis hin zu nationalem – und wie ihr Auftritt im Europäischen Parlament auch zeigt –

internationalem Engagement und Möglichkeiten des aktiven Eingreifens in die Politik. Sie verwebt die persönliche Ebene mit der wissenschaftlichen, betrachtet Wirtschaft, gesellschaftliche Faktoren und die ökologische Krise, und dass es diese Krise gibt, davon zeugt allerspätestens das gegenwärtig bei uns in den Medien zur Randerscheinung mutierte Fukushima.

Ökologische Krise – ein Krisenherd für Eltern

Die ökologische Krise ist für Sandra Steingraber auch eine Krise der Elternschaft, die mit den bedrückenden Fakten „an den Rand der Verzweiflung“[iv] gelangen können. Steingraber will, dass Eltern aktiv einbezogen werden in politische Prozesse, für den Schutz einer künftigen Generation, die in Unwissenheit gegenwärtig vergiftet wird.

Eine deutschsprachige Übersetzung von „Raising Elijah“ wäre ein „guter Ausgangspunkt für Eltern, die wissen wollen, wie sie ihre Kinder heute vor Gefahren schützen können. [v]

„Umweltbewusstsein ohne entsprechende politische Veränderungen führt zu lähmender Hoffnungslosigkeit. Wir fühlen uns hilflos in unserem Wissen, und wir sind nicht sicher, ob wir noch mehr Wissen wollen. Man könnte es auch als das „gut informierte Sinnlosigkeitssyndrom“ bezeichnen. Zu schnell ziehen wir uns in stiller Resignation zurück, anstatt jetzt für die Abschaffung einzutreten.“, sagt Sandra Steingraber auf ihrer Webseite – und in ihrem Buch „Raising Elija. Es ist nicht das Schlusswort. [Text des Literaturhinweises G. Kemper]

Sandra Steingraber – Weiterlesen

Raising Elijah von Sandra Steingraber. Merloyd Lawrence Book 2011 ISBN 978-0738213996

Leben wächst in mir von Sandra Steingraber. Walter Verlag 2002. ISBN 978-3-530-40135-6

Webseite von Sandra Steingraber

Stichwort Sandra Steingraber

Informationen für Eltern und andere Menschen …

Nestbau.info (Women in Europe for a Common Future e.V. (WECF), Lebenswelt für Kinder ökologisch einrichten)

Ratgeber Spielzeug (pdf, WECF)
Kindergesundheit geht vor, Passivrauch vermeiden (pdf, WECF)

Safe Toys – Sicheres Spielzeug (dtsprachiger Text unten auf der Seite. Das eingebettete Video wird für hiesige Verhältnisse ungewohnt deutlich).


[i] Quelle: http://www.jaf.org/report/Reports_2008_2009.html

[ii] s. Bericht und Video s. Sarah Horton – Being Sarah http://www.bcaction.de/bcbooks/sarah-horton-sandra-steingraber/

[iii] s. auch Lynne M. Hinnkey in ihrer Rezension zu dem hier vorgestellten Buch

[iv] s. Lynne M. Hinnkey, a.a.O.

[v] s. Lynne M. Hinnkey, a.a.O.

Rubrik chemikalien, ernährung, gesundheitspolitik, haus & garten, kinder, kosmetika, krebsvermeidung, nichtraucherinnenschutz, rauchen, schwangerschaft, strahlenschutz, umweltöstrogene, umweltverschmutzung, unser körper - unser leben, ursachenforschung

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Keine tolerierbare Minimaldosis für hormonelle wirksame Schadstoffe: Bericht von der ChemSec-Tagung

chemsec

Endokrine Disruptoren – Stoffe, die das menschliche Hormonsystem empfindlich stören – werden für die Entstehung von Brustkrebs mitverantwortlich gemacht. Doch wer weiß schon, was unter „endokrinen Disruptoren“ zu verstehen ist und welche hochgradig negativen Auswirkungen und lebensbedrohlichen Gefahren sie für die menschliche Gesundheit und Umwelt und uns alle, die wir in von Industrialisierung betroffenen Ländern leben, mit sich bringen? Eine Befragung von 100 zufällig ausgewählten Passanten in einer Einkaufsstraße käme mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Ergebnis nahe Null.

>>> Rachel Carson mit ihren Arbeiten zu Pesitiziden mit Auswirkungen auf Mensch und Umwelt war eine der wichtigen Grundlagenforscherinnen in diesem Bereich. Die Wissenschaftlerin >>> Theo Colborn brachte das Thema „endokrine Disruptoren“ in den 1990er Jahren in eine breitere Öffentlichkeit. Ihr Buch „Our Stolen Future“, übersetzt in diverse Sprachen, erschien 1996 unter dem Titel >>> Die bedrohte Zukunft: Gefährden wir unsere Fruchtbarkeit und Überlebensfähigkeit? in einer deutschsprachigen Ausgabe. Das Thema stand bisher nicht auf der gesundheitspolitischen bzw. politischen Tagesordnung.

>>> ChemSec, „Das internationale Chemikalien-Sekretariat“, so die Eigendefinition, ist eine im Jahr 2002 gegründete Non-Profit-Organisation mit industriellem Hintergrund und Hauptsitz in Göteborg, Schweden. ChemSec hat sich nach eigenen Angaben den Einsatz für eine giftfreie Umwelt zur Aufgabe gemacht („eine giftfreie Zukunft bis 2020“, >>> a toxic-free environment by 2020) und „Brücken bilden“ zwischen Entscheidern, Wissenschaft, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Industrie. Im Mai 2011 nahm die Organisation in Brüssel und Berlin, wie bereits in den vorangegangenen Jahren, das Thema „endokrine Disruptoren“ (EDCs) erneut auf. Hintergrund ist die Aktualisierung der von ChemSec herausgegebenen sogenannten SIN List auf „SIN List 2.0“, die jetzt neu auch 22 endokrine Disruptoren als besonders gefährdende Stoffe verzeichnet.

Am 26.05.2011 veranstaltete ChemSec in Berlin eine kleine, gut besuchte Fachtagung mit anschließender Diskussion zu endokrin wirksamen Chemikalien (>>> A German Dialogue about Endocrine Disrupting Chemicals). TeilnehmerInnen kamen aus Behörden und Regierungseinrichtungen, aus Industrie und Non-Profitorganisationen von BUND über Greenpeace bis hin zu Frauengesundheitsorganisationen. Ebenso bunt gemischt waren auch die ReferentInnen und die TeilnehmerInnen der Diskussion, bei der es teilweise emotionsgeladen zuging und Meinungen und Interessen aufeinander prallten.

ChemSec Business Group

Bei Chemsec beteiligte Industrieunternehmen haben sich zu einer ChemSec Business Group zusammengeschlossen. Aktuell sind dies der multinationale Industriekonzern B & Q (eine britische Heimwerkermarkt-Kette), Boots (ein britischer Pharma- und Kosmetikhersteller, der den internationalen Markt bedient, zugleich drittgrößter Pharmagroßhändler in Deuschland), der US-amerikanische Computerhersteller Dell, EUREAU (Europäische Wasserindustrie), IKEA (der multinationale Einrichtungskonzern des Schweden Ingvar Kamprad), L’Oreal (der weltgrößte Kosmetikkonzern), Sara Lee (US-amerikanischer Konsumgüterhersteller, Getränke, Natreen u.a.), Skanska (ein multinationales Bauunternehmen aus Schweden), Sony Ericsson (weltweit größter Hersteller von Mobiltelefonen mit Sitz in Schweden) und Sveriges Byggindustr (schwedische Bauindustrie). Die exorbitanten Einnahmen, die diese Konzerne generieren, sind kaum aktuell zu überschauen. Mit ihren Produkten dürften diese Unternehmen in nicht unerheblichen Umfang auch an der Verbreitung endokriner Disruptoren im alltäglichen Leben von Menschen überall auf der Welt Verantwortung tragen, und das sogar ohne bisher damit rechnen zu müssen, dass Behörden sie für eintretende Schäden irgendwie haftbar machen können.

I. Die BUND / Friends of the Earth Germany-Position

Dr. Heribert Wefers, Chemiker, Physiker und Biologe, sprach für BUND / Friends of the Earth Germany, wo er zuständig ist für Chemikalienpolitik und Nanotechnologie. Er eröffnete die Vorträgsreihe mit dem Einführungsvortrag >>> (pdf) Was sind endokrin wirksame Substanzen (EDC’s)? – Was sind endokrin wirksame Schadstoffe (EDCs)?

Aus dem Inhalt:

  • 1993: Theo Colborn stellt die These auf, dass EDCs die Entwicklung des Hormonsystems von Tieren und Menschen stark beeinträchtigen und zu bleibenden gesundheitlichen Störungen führen.
  • 2007 – Eine KANN-Vorschrift: Seit dem Inkrafttreten der EU-Chemikalienverordnung REACH können EDCs den „besonders besorgniserregenden Stoffen“ zugeordnet werden (REACH, Artikel 57f).
  • Bis heute ist keine Zuordnung erfolgt, da es den Behörden (die nicht vorausschauend, z.B. nach dem Vorsorgeprinzip oder weil Bedenken bestehen, aktiv werden) an Kriterien fehlt.
  • Zu den durch EDCshervorgerufene Gesundheitsstörungen werden gerechnet:
    • Störungen der männlichen Fortpflanzungsfähigkeit,
    • Missbildungen von Organen und bleibende Schäden an Organfunktionen,
    • hormonabhängige Krebsformen (Brustkrebs, Prostatakrebs),
    • Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
    • Übergewicht und
    • Diabetes (Reihenfolge entsprechend Vortrag).

Keine tolerierbare Minimaldosis

Heribert Wefers erklärte, dass man von bioakkumulativen Prozessen ausgehe. Unterschiedliche unerwünschte hormonell wirksame Schadstoffe (EDCs) sammeln sich im Körper an, werden im Fettgewebe gespeichert, erreichen das Ungeborene bereits im Mutterleib – mit irreversiblen Schäden und langfristigen Fehlsteuerungen in der Folge. Die Gesamtbelastung wird nach Wefers unterschätzt. Er betont, dass es keine tolerierbare Minimaldosis gäbe. Geringste Dosismengen würden in ihren Auswirkungen durch epigenetische Veränderungen erst nach längerer Zeit sichtbar. Die Berücksichtigung sensibler Zeitabschnitte (Schwangerschaft, Säuglingszeit, frühe Kindheit, Pubertät) sei mindestens so wichtig wie die Betrachtung von Dosis-Wirkung-Zusammenhängen. Über 200 Studien allein zu Bisphenol A (BPA, das in den letzten Monaten im Zusammenhang mit Säuglingsflaschen für ein wenig Medienaufmerksamkeit sorgte), die mögliche negative Folgen belegen konnten, liegen inzwischen vor. Sie reichten Behörden in Deutschland und Europa zur Schaffung von Kriterien bisher offensichtlich nicht aus, um Maßnahmen zum Gesundheitsschutz einzuleiten. Immerhin wurden BPA-belastete Produkte für Säuglinge im März 2011 bundesweit verboten (für bereits hergestellte Produkte gibt es aber noch eine Übergangsfrist bis Ende Juni 2011), ein Vorgang, der nach wie vor vielfach als „umstritten“ dargestellt wird.

Unterschiedliche Behörden – unterschiedliche Positionen

Positionen der Behörden bezüglich der zugemuteten „täglichen tolerierbaren Aufnahmemenge (TDI)“ von Bisphenol A, wie von Dr. Heribert Wefers dargelegt:

EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit): kein Handlungsbedarf

BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung): kein Handlungsbedarf

FDA (amerikanische Arzneimittelbehörde mit Zuständigkeit auch für Lebensmittel): einige Bedenken – bei Säuglingen und Kleinkindern

Das Umweltbundesamt mahnt zur Vorsicht und empfiehlt, die Verwendung einiger Produkte, die Bisphenol A enthalten, zu beschränken.

BUND stellt grundsätzlich in Frage, dass es eine “tägliche tolerierbare Aufnahmemenge” für endokrine Disruptoren gibt und vertritt die Position: Es gibt keine tolerierbare Minimaldosis.

„Verbrauchernahe Produkte“

Als „verbrauchernahe“ Produkte, die Bisphenol A – und das ist nur ein einziger der kritischen Kunststoffe mit endokriner Störwirkung – enthalten, nannte Wefers:

Teile von Haushaltsgeräten und Mobiltelefonen, Compact Discs (CDs), Autoteile (transparente Kunststoffteile), Reflektoren, Flaschen und Behälter für Lebensmittel und Getränke, Sonnenbrillen, mikrowellenfestes Geschirr, Kunststoffbesteck, Kochutensilien, Motorradhelme und –Schutzschilde, Babyfläschchen und Babyschnuller (Schilde). Sie alle enthalten Polycarbonat-Kunststoffe.

Beschichtungen, Lacke, Farben, insbesondere Beschichtungen von Getränke- und Konservendosen, Inliner, d.h.Innenbeschichtungen von Wasserleitungen (!), Klebstoffe und Nagellacke enthalten Epoxydharze.

Bisphenol A ist ebenfalls enthalten in Thermopapier, dass z.B. bei Kassenzetteln benutzt wird, in Hilfsmitteln bei der Kunststoffherstellung (sie enthalten 1.800 t/a PVC) und sogar zahnmedizinischen Versiegelungsmitteln.

Zunahme von Krankheiten

Krankheiten, die seit 1970 zugenommen haben und die in den Kontext der Kontamination mit endokrinen Disruptoren gebracht werden, sind nach Wefers: Asthma, Krebs bei Kindern und Jugendlichen, Diabetes bei Kindern und Jugendlichen, Autoimmunkrankheiten, Hypospadie (Fehlbildung des Penis), Endometriose, Übergewicht, Osteoporose, Hodenkrebs, Brustkrebs und Prostatakrebs.

Die BUND-Forderungen

  • Endokrin wirksame Schadstoffe sofort ersetzen (durch andere, als ungefährlicher eingestufte Stoffe), und zwar
  • besonders in sensiblen Bereichen wie Lebensmittelkontaktmaterialien und bei Artikeln, mit denen Kinder und Säuglinge in Kontakt kommen.
  • BPA und andere hormonelle Schadstoffe (EDCc) sind entsprechend Art. 57f REACH als besonders besorgniserregender Stoff (SVHC) zu deklarieren und die
  • Anwendung dieser Stoffe ist über das Beschränkungs- und/oder Authorisierungsverfahren zu begrenzen.
  • Bei der Festlegung von Orientierungswerten sind kumulative Risiken durch verschiedene, ähnlich wirkende endokrine Schadstoffe soweit wie möglich zu berücksichtigen.
  • Information der VerbraucherInnen über die Gefahren von EDCs und Möglichkeiten der Vermeidung dieser Gefahren.
  • Notwendigkeit von Kriterien für die Identifizierung von endokrinen Schadstoffen, einheitlich für die gesamte EU-Gesetzgebung.
  • Das Vorsorgeprinzip sei (vorrangig) zu berücksichtigen.
  • Verbleibende Unsicherheiten – etwa zum Wirkungsmechanismus – dürfen gesetzliche Regulierungen eines endokrinen Schadstoffes nicht verhindern oder verzögern.

II. EDCs und ihre gesundheitlichen Folgen

Prof. Dr. Ibrahim Chahoud, der zweite Referent der Fachtagung, arbeitet am >>> Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie an der Charité Berlin (als „WHO-Collaborating Centre“) und referierte über >>> (pdf) EDCs und ihre gesundheitlichen Folgen. Er untermauerte im Wesentlichen die Argumente von Dr. Heribert Wefers vom BUND und ergänzte die Liste der Krankheiten, die durch die Kontamination mit endokrinen Disruptoren entstehen können, noch mit einem Hinweis auf den „vorzeitigen Eintritt der Pubertät bei Mädchen“. [Anm.: Früh eintretende Pubertät ist verknüpft mit einem höheren Brustkrebsrisiko. Die amerikanische Biologin Sandra Steingraber hat dazu die umfassende Veröffentlichung >>> The Falling Age of Puberty in U.S. Girls vorgelegt, eine entsprechende Information in deutscher Sprache fehlt]. Chahoud nannte außerdem Fehlbildungen an Fortpflanzungsorganen in der Tierwelt und beim Menschen, z. B. Hypospadie, verminderte Anzahl Spermien, Verhaltensstörungen, Lernbehinderungen und Störungen des Immunsystems. Er erinnerte an die verheerenden Wirkungen der Gabe von >>> Diethylstilbestrol (DES) zwischen 1938 und 1970 und verwies eindringlich insbesondere auf die höchste Fürsorgepflicht, die gegenüber Frauen in der Schwangerschaft bezüglich endokrin wirksamen Stoffen aufzubringen sei, da Substanzen, die in Müttern erhöht nachweisbar seien, für höhere Erkrankungsraten bei den Kindern sorgen. Chahoud zitierte in seinem Beitrag die 2004 von Theo Colborn zur Exposition unterschiedlicher Generationen mit endokrin wirksamen Substanzen veröffentlichten Daten[i] und zeigte außerdem eine interessante Tabelle zum Anstieg von Erkrankungsraten bei verschiedenen Krankheiten, darunter Brustkrebs. Der relative Anstieg für Brustkrebs liegt demnach bei rund 50% seit Anfang der 1970er Jahre (leider ohne Quellenangabe für die Tabelle).

III. Politikberatung

>>> (pdf) Endokrin wirksame Stoffe – politische Prozesse in Deutschland und Europa war der Titel des dritten Beitrags von Dr. Christoph Schulte vom Fachgebiet Chemikalien des Umweltbundesamtes. Er knüpfte an die mittlerweile drei Statusberichte „Chemikalien in der Umwelt mit Wirkung auf das endokrine System an, erschienen zuerst 1998 (obwohl amtliche Veröffentlichung im Internet nicht frei zugänglich). Der 3. Statusbericht wurde 2005 veröffentlicht. Bericht 2 lässt sich nicht recherchieren und ist demnach vielleicht nicht veröffentlicht worden. Schulte verwies außerdem auf die in den VDI-Nachrichten veröffentlichte Meldung >>> Industrie soll auf Umwelthormone verzichten vom 20.05.2011, in der es auch um die ChemSec-Veranstaltung >>> From Ambition to Action am 03.05.2011 in Brüssel ging. [Anm.: Es lohnt sich für Interessierte, die dort in der rechten oberen Ecke hinterlegten pdf-Dokumente mit den Beiträgen der Brüsseler Veranstaltung anzusehen]. Nach 15 Jahren Forschung, so jedenfalls das Fazit von Dr. Christoph Schulte, stünden regulatorische Maßnahmen auf der Tagesordnung. Deutschland trüge zum Ziel der EU-Kommission bei, besonders besorgniserregende Stoffe zu identifizieren, und bringe als ersten Stoff Octylphenol – gem. der REACH-Chemikalienverordnung § 57f – ein. Das bedeutet konkret aber vorerst weiter „Abwarten und Tee trinken“, denn Auswirkungen auf Produkte lassen damit nach wie vor auf sich warten.

Industrie I – IKEA

Die Toxikologin Mareke Wieben von IKEA Deutschland GmbH & Co. KG stellte die Unternehmenstrategie >>> (pdf) Gesundheitsschutz und Umgang mit Produktinhaltsstoffen bei IKEA vor. Das Unternehmen möchte demnach gewährleisten, dass Produkte frei von gefährlichen Substanzen sind, und legt eine ganze Reihe von Kriterienkatalogen an, angefangen bei Sozialstandards, über technische Anforderungen bis hin zu chemischen Anforderungen. Größte Herausforderungen bei EDCs seien eindeutige Definitionen und Testmethoden, bei denen IKEA die Behörden in der Pflicht sieht. IKEA setzt auf Netzwerkpartner „statt zögerlichem Austausch“, auf „Förderung eines Marktes, der nach alternativen nachhaltigen Substanzen sucht“. IKEA suche außerdem selbst nach Kenntnissen über EDCs innerhalb der Lieferkette. Wieben demonstrierte im Vortrag viel Verantwortlichkeit im Einkauf auf den Weltmärkten. IKEA verfügt über einen Code of Conduct, der in der deutschsprachigen Version online verfügbar ist in der Rubrik „Mensch und Umwelt“ als >>> IWAY – IKEA Verhaltenskodex. IKEA pflegt außerdem seine Partnerschaften mit Unicef und WWF. Mehr zu IKEA siehe auch >>> Recherche IKEA – beispielsweise auf den Nachdenkseiten.

Industrie II – NATRUE

Für NATRUE (True Friends of Natural and Organic Cosmetics, International Natural and Organic Cosmetics Association), einem Zertifizierer für Natur- und Biokosmetika, der gerade international expandiert, berichtete Dr. Hans Steisslinger >>> (pdf) Aus der Unternehmenspraxis: Substitution von EDC´s. Steisslinger ist u.a. auch Vorstand der WELEDA AG (Pharmahersteller, Hersteller von Naturkosmetika auf der Basis >>> anthroposophischer Grundlagen). In Naturkosmetika dürften normalerweise zumindest keine künstlichen endokrin wirksamen Substanzen enthalten sein. NATRUE wolle die „strengst möglichen Standards setzen, als alleinigem Auftrag der Organisation“. Die Zertifizierung solle dabei durch unabhängige Zertifizierer erfolgen. Der Verband positioniere sich strikt gegen Gentechnik und Nanotechnologie: „Gentechnik hat in der Landwirtschaft nichts verloren“, so Steisslinger in seinem Vortrag. Nicht nur Inhaltsstoffe, auch Umverpackungen dürften nicht mit Schadstoffen (Beispiel Phthalate) belastet sein. Es gehe auch um einen Verzicht auf Profit.

Die ChemSec SIN List

Die Chemikerin und Politologin Anne-Sofie Andersson, Direktorin bei ChemSec, stellte abschließend die von ChemSec erstellte „SIN List“ (www.sinlist.org) vor.

Was ist die SIN List?

Die SIN List ist eine >>> öffentliche Datenbank, die besonders gefährdende Stoffe enthält, die auch die REACH-Kriterien erfüllen. Viele der darin enthaltenen chemische Substanzen werden in großen Mengen hergestellt (mehr als 1000 Tonnen/Jahr). Sie landen in den Produkten, die wir täglich kaufen.

Die SIN List ist insofern Streitobjekt, als sie neben der REACH-Kandidatenliste für gefährdende Stoffe, also neben den gesetzlich bindenden Vorgaben der EU, existiert und letztlich auf Privatinitiative beruht. Auf die REACH-Kandidatenliste sollen laut EU-Kommission bis zum Jahr 2020 alle gefährdenden chemischen Stoffe aufgenommen werden. Wie man allerdings feststellen kann, ist zumindest hinsichtlich der endokrinen Disruptoren bisher schlicht nichts passiert. Die SIN List soll Unternehmen, die mit Chemikalien arbeiten, eine Arbeitshilfe bieten. Sie enthält zur Zeit >>> (pdf) 378 Substanzen. Die EU, so ChemSec, sei bisher nicht genügend in Aktion getreten, s. eingebettetes ChemSec-Dokument. 22 endokrine Disruptoren sind jetzt neu in die SIN List aufgenommen worden als Stoffe, gegen die besonders große Bedenken bestehen. Ein solcher Stoff ist beispielsweise Bisphenol A. So haben sich ALDI und IKEA gerade regelrecht einen Wettlauf geliefert, diesen Stoff von ihren Kassenzetteln zu entfernen [Anm.: Hintergrund zu der Kassenbon-Thematik s. z.B. GreenAction / Greenpeace >>> Bisphenol A im Kassenzettel geht unter die Haut]. Bei der Auswahl der endokrinen Disruptoren hat ChemSec direkt mit Theo Colborn und ihrer Organisation >>> The Endocrine Disruption Exchange (TEDX) zusammengearbeitet. Anne-Sophie Andersson forderte den Gesetzgeber auf, seine Kandidatenliste zu erweitern. Unternehmen fordert ChemSec auf, gefährliche Stoffe frühzeitig zu ersetzen und so Kosten bei der Umstellung, die sowieso über kurz oder lang anstünde, zu sparen. Die Chemikalienhersteller sollen Alternativen erforschen[ii].

Wie gehen wir mit Risiken um? (aus der Diskussion)

In der anschließenden Diskussion war von behördlicher Seite immer wieder die Argumentation der „fehlenden Kriterien“ zu hören. Auch der Vorwurf, dass man mit der Aufforderung zum Austausch von Substanzen Gefahr laufe, „den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben“, wurde hier laut. Im Prinzip sei man für den Ersatz der gefährdenden Chemikalien, wisse aber nicht, womit und habe überdies auch nicht die erforderlichen Personalkapazitäten. Auch sei man vorsichtig, da man befürchte, dass die Industrie die Behörde verklage, wenn man „den falschen Stoff auf die Liste setze“.

Vorbeugender Gesundheitsschutz und ein Verfahren, bei dem Chemikalien zuerst ihre Sicherheit belegen müssen und dann zugelassen werden, existiert nicht.

In der Folge werden VerbraucherInnen (Schwangere, Kinder …) über Jahrzehnte mit Chemikalien kontaminiert, bevor Kriterien erstellt sind, die schließlich ein Aus-dem-Verkehr-ziehen ermöglichen. Industrievertreter in der Veranstaltung fühlten sich teilweise spürbar auf den Schlips getreten. In diesem Zusammenhang wurde von „Generalverdacht“ gesprochen, was einzelne Unternehmen deutlich von sich wiesen. Es gab aber auch andere Perspektiven. Sich verantwortlich, umweltbewusst bzw. „grün“ zu zeigen, definierten einzelne Unternehmen als ihre Chance zur Profilierung auf dem Markt.

Dr. Rolf Buschmann von der Verbraucherzentrale in NRW, der an der Podiumsdiskussion teilnahm, hielt gesetzliche Regulierungen für endokrine Disruptoren für zwingend erforderlich. Die Gesundheit von Menschen, besonders aber der Kinder, dürfe nicht weiterhin gefährdet werden. Alexandra Caterbow von >>> Women in Europe for a Common Future (WECF e.V.) bemängelte, dass die Informationen insbesondere für Schwangere und Eltern völlig unzureichend seien. Auch sehr gut informierte Eltern wüssten meistens nichts über endokrine Disruptoren. Sie setzt sich mit ihrer Organisation für das >>> Vorsorgeprinzip ein, plädierte für die Sorgfaltspflicht der Behörden gegenüber den BürgerInnen und sieht die Verantwortlichkeit nicht allein bei der Industrie. Chemikalien seien zuerst zu evaluieren und danach für die Benutzung zuzulassen. Zumindest wäre aber eine Kennzeichnungspflicht notwendig.

15 Jahre Zeit für Forschung

„Zeit zum Handeln“ (Zitat BUND), doch kein effektives Handeln staatlicher Einrichtungen zum Schutze von Menschen vor schwerer Krankheit scheint am Horizont erkennbar. Es ist dieser Umstand, der die „Insuffizienz“ staatlicher Einrichtungen deutlich zum Ausdruck bringt, nur übertroffen von der Tatsache, dass ausgerechnet die Verursacher, multinationale Konzerne selbst, aktiv werden, als Unternehmen, die Signale für „ein deutliches Umweltgefühl setzen möchten“ (ChemSec). Es ist ungewöhnlich, aber auch nicht neu, dass multinationale Industriekonzerne für „Action“ sorgen und wie eine „Pressure Group“ agieren. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat Zuständigkeit für die Auswirkungen von Schadstoffen auf den Menschen. Wenn Behörden es nicht schaffen, das Leben von Menschen in hoch sensiblen Bereichen über Jahrzehnte hinweg wirksam zu schützen, sind wir auf „unternehmerische“ Initiativen zurückgeworfen, mit allen Konsequenzen. Es kann grundsätzlich nicht nur darum gehen, dass VerbraucherInnen selbst versuchen müssen, sich durch den Einkauf der “richtigen Produkte” individuell zu schützen. Die Gesetzgebung – und nicht die Industrie allein – ist vielmehr gefordert, die Herstellung von mit Chemikalien behafteten Produkten so zu regulieren, dass Schäden bei allen vermieden werden.

[Text & Bildnachweis: Gudrun Kemper]

Empfehlenswerte Links

Umweltbundesamt

Women in Europe for a Common Future (WECF e.V.)

WECF Ratgeber Babypflege (pdf)

WECF Ratgeber Reinigungsmittel (pdf)

WECF Ratgeber Spielzeug (pdf)

BUND e.V. / Friends of the Earth Germany

BUND: Gefährliche Lieblinge Hormoncocktail in Plüsch und Plastik macht Kinder krank

BUND: Wie viel Chemie kaufen wir euch ab (Flyer, pdf)

BUND: Zukunft ohne Gift – Kinder vor Schadstoffen schützen

BUND: Hintergrundpapier zu Weichmachern in Kitas

Weiterlesen

10-Punkte-Plan zur Reduzierung von Brustkrebs (Breast Cancer Action / Breast Cancer Fund)

Positionspapier: Anforderungen an die angemessene Regulierung von Chemikalien mit endokrin disruptiven Eigenschaften (pdf) unterzeichnet von ChemSec, EBEEB, WECF, istas, Environment Sante Ressau, Health and Environmental Alliance, Client Earth, Cancer Prevention, Greenpeace, BUND; beuc und Swedish Society of Nature Conservation, Pesticide Action Network

Anlage zum Positionspapier: Endokrin disruptive Chemikalien (EDCs) in der REACH-Verordnung: Vier Prioritäten bei der Regulierung (pdf)

ChemSec / SIN List Datenbank

Krach um die Nuckelflaschen (Artikel in sueddeutsche.de vom 05.08.2008 zur EFSA-Position, einfach mal lesen)

Die Hormon-Falle: Unfruchtbarkeit durch Chemikalien (Greenpeace Magazin 1/1997)

Endocrine Disrupter-Webseite der Europäischen Kommission (nur engl.)

Die deutschsprache Webseite des Natrue-Verbandes ist zur Zeit offline, auf der internationalen Webseite abrufbar in deutscher Sprache:

NATRUE-Label: Anforderungen an Natur- und Biokosmetika (pdf)

NATRUE Rahmenbedingungen für die Produktzertifizierung


[i] Colborn (2004). Neurodeveolpment and Endocrine Disruption. EHP, 11, (9): 944-949, frei zugänglich (Open Access, s. Tabelle 1)

[ii] s. Präsentation Anne-Sophie Andersson, letzte Folie

Rubrik chemikalien, gesundheitspolitik, kosmetika, krebsvermeidung, schwangerschaft, strahlenschutz, umweltöstrogene, unser körper - unser leben, ursachenforschung

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Schwermetalle im Makeup: Kosmetika und Gesundheitsgefährdung

heavy metal hazard coverSich mit Krebs auseinandersetzen heißt vor allem auch, endlich Fragen danach zu stellen, was die Krankheit verursacht. Es ist in der wissenschaftlichen Forschung sehr wohl bekannt, dass sich giftige Schadstoffe gerade auch im Fettgewebe der Brust anreichern und im Laufe des Lebens allmählich ansammeln, sich also kumulieren. Bei 90 bis 95 Prozent der Frauen, die derzeit an Brustkrebs erkranken, liegt zumindest nach heutigem Kenntnisstand keine genetische Veranlagung vor.

Die Umweltorganisation >>> Environmental Defence („Verteidigung der Umwelt“) aus Toronto ist eine der aktivsten Umweltorganisationen in Kanada. Die Schwerpunktthemen wie Chemikalienpolitik, Umweltschutz, regenerative Energie etc. sind ähnlich wie die anderer klassischer Umweltschutzorganisationen oder beispielweise auch >>> Women in Europe for a Common Future (WECF e.V.).

Im Mai 2011 hat Environmental Defence eine neue Broschüre herausgegeben, die gerade auch für Frauen interessant ist. Es geht um Gesundheitsgefahren von Kosmetika, die sehr nachdenklich machen. Die kanadische Situation dürfte sich von der in Deutschland höchstens unwesentlich unterscheiden, auch wenn Europa auf den ersten Blick Engagement in Sachen Chemikalienpolitik verspricht. Die meisten Frauen sind ahnungslos, dass sie sich selbst durch die Anwendung „harmloser“ Kosmetika mit gesundheitsgefährdenden Stoffen kontaminieren.

Kosmetika müssen sicher sein

Grundsätzlich müssten Hersteller von Kosmetika bei der Entwicklung ihrer Produkte das >>> Vorsorgeprinzip berücksichtigen und größte Sorgfalt bei der Herstellung von Produkten, die auf die Haut aufgetragen werden, walten lassen. Viele Kosmetikhersteller arbeiten außerdem an ihrem Image als Unternehmen für Frauen. So zeigen etwa AVON oder Estée Lauder „Engagement“ in Sachen „rosa Schleife“.

Wie aber sieht es mit den Inhaltsstoffen von Kosmetika aus? Kosmetikhersteller, die für sich in Anspruch nehmen wollen, dass sie für Frauen – und nicht in erster Linie für Profitmaximierung – engagiert sind, müssten in erster Linie Produkte entwickeln, die die Gesundheit von Frauen nicht gefährden. Die Wirklichkeit sieht leider anders aus. Und Frauenzeitschriften werben für Kosmetika, statt Frauen in diesen relevanten Fragen zu informieren.

Heavy Metal Hazard – Gefahren durch Schwermetalle

Die von Environmental Defence herausgegebene Broschüre heißt „Die Schwermetall-Gefährdung: Gesundheitsrisiken versteckter Schwermetalle in Gesichts-Makeup“ (Heavy Metal Hazard – The Health Risks of Hidden Heavy Metals in Face Makeup). Wir stellen diese Broschüre hier vor, weil Schwermetalle im Verdacht stehen, auch Krebserkrankungen und Brustkrebs zu begünstigen.

Aus der Executive Summary (Zusammenfassung)

In vielen Kosmetika befinden sich gesundheitsschädigende Schwermetalle. VerbraucherInnen haben keine Chance, sich über diese Inhaltsstoffe produktbezogen genau zu informieren, da entsprechende Angaben auf den Produktverpackungen fehlen.

Test auf Schwermetalle in Kosmetika

Environmental Defence hat deswegen in Kanada jeweils sechs Frauen aus unterschiedlichen Altersgruppen befragt, um exemplarisch verschiedene Produktgruppen der von diesen Frauen benutzten Produkte zu untersuchen:

  • Makeup („Foundations“)
  • Abdeckstifte
  • Puder
  • Rougeprodukte
  • Mascara (Wimperntusche)
  • Eyeliner
  • Lidschatten
  • Lippenstifte und Lipgloss

Die sechs Frauen werden mit den Produkten, die sie benutzen, persönlich vorgestellt. Eine Tabelle schlüsselt auf, mit welchen Stoffen die Frauen sich selbst – unwissentlich – durch den Gebrauch ihrer Kosmetika mit Schwermetallen kontaminieren.

Die Produkte für die Tests wurden in verschiedenen Geschäften in Toronto eingekauft und in einem akkreditierten Speziallabor auf >>> Schwermetalle hin untersucht.

Warum sind Schwermetalle so bedenklich?

Schwermetalle können sich im menschlichen Körper im Laufe der Zeit anreichern. Sie werden für verschiedene Krankheiten und Gesundheitsprobleme verantwortlich gemacht. Zu diesen Gesundheitsproblemen gehören:

  • Krebserkrankungen
  • Störungen der reproduktiven Gesundheit (z.B. „Unfruchtbarkeit“)
  • Entwicklungsstörungen
  • neurologische Probleme
  • Vergesslichkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • Störungen des Nervensystems
  • Störungen des Immunsystems
  • Störungen der Nieren- und Blasenfunktion
  • Kreislaufprobleme
  • Knochenveränderungen
  • Kopfschmerzen, Erbrechen, Durchfall
  • Lungenschäden
  • Kontaktdermatitis
  • Haarausfall

Die bedenklichsten Inhaltsstoffe

Viele Stoffe sind „endokrine Disruptoren“ bzw. in anderer Weise toxisch wirkende Stoffe. Schwermetalle im Lippenstift können über die Lippen aufgenommen werden. Schwermetalle in Kosmetika, die auf die Haut aufgetragen werden, können über die Haut absorbiert werden und so in den Körper von Frauen gelangen.

Die von Environmental Defence am häufigsten gefundenen Metalle waren

und zwar ungeachtet der Tatsache, dass sie in Kosmetika in Kanada aufgrund der bekannten Gesundheitsrisiken verboten sind.

Weitere bedenkliche Inhaltsstoffe

Weitere bedenkliche Inhaltsstoffe in Kosmetika, die als etwas weniger gefährlich eingestuft werden, sind

Mit Ausnahme von Nickel sind diese Stoffe international als Inhaltsstoffe für Kosmetika ebenfalls verboten. In der Broschüre werden die Wirkungen der einzelnen Schwermetalle genau beschrieben. Die Namen der Schwermetalle sind deswegen hier mit Wikipedia verlinkt. Dort kann man zumindest einige Informationen abrufen, um sich ein Bild von diesen Stoffen sowie ihrem Gefahrenpotential zu machen.

Ergebnisse bei Environmental Defence

Sieben der acht bedenklichen Inhaltsstoffe – also jene Stoffe, die die größten Bedenken in Bezug auf Gesundheit auslösen – wurden in den 49 untersuchten Kosmetikprodukten nachgewiesen.

Durchschnittlich wurden pro Produkt zwei der vier bedenklichsten Schwermetalle sowie vier der ebenfalls bedenklichen Inhaltsstoffe nachgewiesen.

5 Produkte – ein Makeup, 2 Mascaras und 2 Lippenkosmetika – enthielten die zweithöchste Menge an gefundenen Substanzen, nämlich 6 der 8 Stoffe.

Die Schwermetalle waren auf den Etiketten der Produkte grundsätzlich nicht angegeben.

Ein Produkt, das z.B. auch in Deutschland auch erhältlich ist, heißt Benefit Benetint Pocket Pal. „Red Tint“ (diese Farbvariante haben wir bei einer Online-Recherche hier allerdings nicht gefunden) enthielt die meisten Schwermetalle, 7 der 8 Stoffe konnten nachgewiesen werden. Das Produkt, das als „Geheimwaffe für ein den ganzen Tag anhaltend junges Aussehen“ wirbt, macht jetzt Negativschlagzeilen in Kanada.

Auch mengenmäßig enthielt das Produkt Benefit Benetint Lip Gloss mit 110 ppm die größten Mengen, genauer sogar mehr als 10 mal so viel, wie als Limit im >>> Health Kanada Draft Guidance on Heavy Metal Impurities in Cosmetics vorgegeben ist.

Die Situation bei uns

Muss man sich wegen der Messergebnisse Sorgen machen? Zum Beispiel wurde von 268 amtlicherseits überprüften kosmetischen Mitteln in Deutschland nur eines wegen der Verwendung verschreibungspflichtiger oder verbotener Stoffe beanstandet. Welches, das erfährt die Verbraucherin allerdings nicht. (Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit, >>> Verbraucherschutzbericht 2009, s. Anl. 5, S. 108). „Ökotest“ bietet in seinem online frei zugänglichen Material vergleichsweise wenig brauchbare Infos zur Schwermetalbellastung von Kosmetika und geht auf Gefahren für die Gesundheit eher beschwichtigend ein. Bei der Zeitschrift „test“ von Stiftung Warentest heißt es beispielsweise in einem Text für Lidschatten aus dem Jahr 2006:

Schadstoffe kein Thema

Erfreulich auch die Ergebnisse aus Praxistest und Testlabor. Alle Testerinnen vertrugen die Lidschatten ohne Probleme. Die Produkte verursachten weder Hautreizungen noch allergische Reaktionen. Die Analyse im Labor belegt: Die Lidschatten enthalten kaum Blei oder andere Schwermetalle. Die Chemiker fanden nur Minimengen. Weit unter den zulässigen Grenzwerten.“ (>>> Haltbare Augenwischerei, Test 2/2007, S. 28-32)

Was unter “Minimengen” der sich im menschlichen Körper bioakkumulativ verhaltenden Schwermetalle zu verstehen ist, erfährt die interessierte Verbraucherin auch hier nicht.

Das Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) will ein „Reinheitsgebot“ über Mengenbegrenzungen – und nicht Verzicht! – von Schwermetallen für Kosmetika und stützt seine Forderung in der Stellungnahme 025/2006 >>> Kosmetische Mittel: BfR empfiehlt Schwermetallgehalte über Reinheitsanforderungen der Ausgangsstoffe zu regeln vom 05. April 2006 auf Untersuchungen aus dem Jahr 1985. Inzwischen sind 26 Jahre vergangen. Schwermetallgehalte in Kosmetika können sich in dieser Zeitspanne doch erheblich verändert haben. Auch Mehrfachbelastungen wie etwa Anreicherung von Schwermetallen in Nahrungsmitteln, extensiverer Gebrauch oder Globalisierung von Kosmetika und viele andere Punkte könnten neu kritisch betrachtet werden, in allererster Linie im Interesse von Frauen, die naturgemäß denjenigen der Hersteller durchaus widersprechen können.

Nach den kanadischen Ergebnissen erscheint es notwendig, sich weiterhin gründlicher mit diesem Thema auseinanderzusetzen, auch vor dem Hintergrund der Entstehung von Brustkrebs. [Text: Gudrun Kemper, Beate Schmidt]

Quellenangabe

Heavy Metal Hazard: The Health Risks of Hidden Heavy Metals in Face Makeup, Download als pdf

Weiterlesen

Skin Deep Datenbank Kosmetika von Environmental Working Group (Recherche lohnt sich auch für viele der hier erhältlichen Produkte)

Sichere Kosmetika und Bedarfsgegenstände: Eine Information des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg (pdf, als Einstieg in das Thema, jedoch weniger kritisch ausgerichtet)

Gesetzliche Vorgaben in Deutschland und Europa

Verordnung über kosmetische Mittel (KosmV, Deutschland)
Anlage 1 zur Verordnung: Stoffe, die bei dem Herstellen oder Behandeln von kosmetischen Mitteln nicht verwendet werden dürfen (Deutschland)
Europäische Kosmetika-Richtline 76/768/EWG (kl. Einführung mit weiterführenden Links, Wikipedia)
Text der Richtlinie 76/768/EWG mit Änderungen (Europäische Kommission, Text in deutscher Sprache, nach unten scrollen)

Rubrik chemikalien, gesundheitspolitik, kosmetika, krebsvermeidung, unser körper - unser leben

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nature outlook: Special zur Krebsvermeidung

Die Zeitschrift nature hat sich mit ihrer Beilage „outlook[i]“ im Mai 2011 dem Thema „Krebsprävention“ (Cancer Prevention) zugewandt, wenn auch überwiegend nicht tatsächlich der „Prävention“ im Sinne einer Vermeidung von Krebs. Im Vordergrund stehen eher industrielle Strategien wie „Chemoprävention“, zum Beispiel die Gabe von Medikamenten, die Krebsrisiken vermindern sollen.

Breast Cancer Action Montreal - Wir denken, dass Brustkrebs nicht sein muss

Breast Cancer Action Montreal - Wir denken, Brustkrebs muss nicht sein

In „Tagesordnung Prävention“ (>>> The prevention agenda) stellt Tiffany O’Callaghan einige interessante Inhalte zusammen. Screening habe Auswirkungen gezeigt (Beispiel Gebärmutterhalskrebs mit einer Senkung der Sterblichkeit von 5,5 je 100.000 Frauen im Jahr 1975 auf 2,4 im Jahr 2007, weitere Hoffnungen ruhen auf Impfstoffen, so die Autorin). Global sei Krebs jedoch weiterhin ein großes Gesundheitsproblem. Erwartet würden nach Zahlen der Amerikanischen Krebsgesellschaft ASC 12,7 Millionen Neuerkrankungen (davon bekanntlich über 1 Million an Brustkrebs) sowie nach wie vor 7,6 Millionen krebsgedingte Todesfälle jedes Jahr.

Krebs – Ursachen

Zum Beispiel Rachen: Vor einem halben Jahrhundert hätten 75% der britischen Männer geraucht, heute seien es nur noch um die 20%. Die Anzahl der Lungenkrebsopfer bei Männern im mittleren Lebensalter habe sich bereits halbiert, nicht nur in Großbritannien, ein Fortschritt bei der Vermeidung von Krebs. 90% der Lungenkrebserkrankungen gingen auf das Rauchen zurück, etwas weniger als jeder 6. Raucher erkranke. [Ein kleiner Teil der Brustkrebserkrankungen wird ebenfalls dem Rauchen zugeschrieben.]

Genannt werden außerdem die bekannten Ursachen:

  • BRCA-Genveränderungen im Zusammenhang mit Brust- und Eierstockkrebs,
  • Lebensstil / Brustkrebs (und andere Krebserkrankungen) / Übergewicht“, insbesondere im Zusammenhang mit der Zunahme der starken Verbreitung von Übergewicht in den beiden letzten Jahrzehnten.

Umwelteffekte auf die Entstehung Krebs werden am Rande wenig konkret ebenfalls erwähnt.

Krebsvermeidung – Was muss sich ändern?

Als Beispiel dafür, wie schwer es sei, Wissen in Vermeidungsstrategien umzusetzen, wird wiederum das Rauchen genannt. Bereits in den 1950er Jahren sei auf der Basis epidemiologischer Daten von >>> Richard Doll belegt worden, dass Rauchen Lungenkrebs verursache. 60 Jahre hat es gedauert, bis immerhin eine Reihe von schützenden Maßnahmen gesellschaftlich wirksam werden konnten. [Anmerkung: Vielfältige industrielle Strategien bei der Vermarktung von Zigaretten, die bis heute eine Rolle spielen, sind ursächlich für Verzögerungen.]

Krebs – Die vermeidbare Krankheit

Breast Cancer Action Montreal lässt es seit vielen Jahren von ihrer Webseite prangen: Brustkrebs muss nicht sein [We believe breast cancer doesn’t have to happen.]. Es sei gesellschaftlich noch nicht voll akzeptiert, dass Krebs eine vermeidbare Erkrankung sei, so O’Callaghan. Der fatalistische Blick auf die Krankheit [als unvermeidbares Schicksal] sei in den USA weit verbreitet. >>> Peter Boyle vom >>> International Prevention Research Institute (iPRI) mit Sitz in Lyon habe auf die Verlagerung von „schlechten Angewohnheiten“ der Industrienationen, die diese in die ärmeren Regionen exportierten – z.B. Rauchen, Ernährungsgewohnheiten und Alkoholkonsum – hingewiesen. Oft verschärft durch die fehlende Infrastruktur, die Krankheit zu behandeln, würden diese ärmeren Länder in den nächsten Jahrzehnten von „der Krankheit der entwickelten Länder“ „behämmert“ („absolutely hammered“).

Krebs – Vermeidung kostet

Präventionsforschung koste Geld, so O’Callaghan in nature weiter, doch Therapie – und nicht Vermeidung – werde bevorzugt erforscht. Die Priorisierung von Vermeidung erfordere ein Langzeitdenken, während Regierungsziele mit jeder Wahl wechselten. Vor 10 Jahren waren immerhin 11,4% des jährlichen Budgets des National Cancer Institute vorgesehen für Vermeidung und Krebskontrolle. Seit damals seien die Mittel kontinuierlich gesunken. „Defunding“, das Zurückfahren von Förderung, trifft, am Rande angemerkt, gerade auch Frauengesundheit. Nach Zahlen des G20 Gipfels im Jahr 2010 gehen heute weniger als 4% der öffentlichen Gelder in die Forschung zur Krebsvermeidung.

Behandlung sei dringlich, aber selbst Krebsüberlebende würden in Sachen Ursachenforschung fahnenflüchtig. „Heilung“ oder eine selbst kurze „Überlebenszeitverlängerung“ erschiene der Öffentlichkeit [medial seit Jahrzehnten forciert] offensichtlich realistischer als Krankheitsvermeidung.

Es sei nicht genug, ein paar Mäuse mit Karzinogenen zu kontaminieren. Menschliches Verhalten und Psychologie spielten ebenfalls eine Rolle. Und dann geht es weiter mit den hohen Kosten der Entwicklung neuer Medikamente und den Problemen, die spezifisch sind für die Entwicklung von Medikamenten zur Krankheitsvermeidung (keine/r will sie testen, die Ergebnisse brauchen Jahrzehnte, Märkte müssen erhalten bleiben, es rechnet sich nicht …).

Action

Action Cancer du Sein de Montréal - Wir denken, Brustkrebs muss nicht sein

Immerhin, „Prävention“ kommt auf die Tagesordnung, wenn auch der Fokus der Erkenntnis wenig mit Gesundheit und Vermeidung zu tun hat – bisher. Es sei vielleicht auch eine Frage, altes Wissen neu zu entdecken, uns selbst an uralte Weisheiten zu erinnern. O’Callaghan schließt mit einer Anspielung auf >>> Thomas Morus, einen Philosophen des 15. Jahrhunderts, der damals schrieb, es sei besser, Krankheit zu vermeiden als sich Medizin zu wünschen. Und das passt zum „Claim“, der von der Webseite des >>> iPRI prangt – Vermeidung ist viel besser als Heilung, weil es die Mühen des Krankseins spart.  (Prevention is so much better than healing because it saves the labour of being sick, Thomas Adams 1618.)

Text: Breast Cancer Action Germany (Wir denken, Brustkrebs muss nicht sein.)


[i] Vol. 471 No. 7339_supp ppS1-S22, die einzelnen Artikel sind frei zugänglich. nature outlook “Cancer Prevention” wurde gesponsert von Janssen (Johnson & Johnson).

Rubrik krebsvermeidung, nichtraucherinnenschutz, ursachenforschung

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Bisphenol A (BPA) in der Lebensmittelverpackung

plastic von Warrenski, Creative Commons 2.0

Ist Brustkrebs ein „Angriff aus dem Nichts“, wie im aktuellen arte Themenabend gerade vorgestellt? Was die Krankheit auslöst, wissen wir nicht, hieß es dort. Nur nicht aufmüpfig werden, der „westliche Lebensstil“, dem Frauen heute nur schwer entkommen können, steht nicht zur Diskussion. Bisphenol A ist nicht „nichts“, sondern ein Umwelthormon in unserer Lebenswelt, das sich von der Säuglingstrinkflasche über Lebensmittel- und Getränkeverpackungen aus dem Leben von Frauen heute schwer wegdenken lässt. Jetzt wurde es immerhin in Plastikflaschen für Babys verboten, nachdem die meisten von uns sie für die Generation unserer Kinder – von Behörden als unbedenklich eingestuft – benutzt haben. Die Stoffe seien sicher. So erklären es unermüdlich die Behörden von Bundesämtern über EFSA bis zur WHO bei neuen Stoffen und Nahrungmitteln, Arzneien und Untersuchungsmethoden. Doch das Glaubwürdigkeitsproblem dieser Behörden nimmt zu. Sie halten Daten unter Verschluss, beschäftigen Mitarbeiter, die Interessenkonflikte haben und gleichzeitig für die Industrie tätig sind, oder sie arbeiten eng mit Lobbyisten zusammen, ohne dass erkennbar wäre, welchen Nutzen BürgerInnen davon haben sollen.

Bisphenol A wird für eine ganze Reihe von schweren gesundheitlichen Problemen verantwortlich gemacht, darunter Brustkrebs. Welches sind die Hauptquellen für Bisphenol A in unserem Körper? Und was passiert mit den BPA-Werten, wenn diese Hauptquellen entfernt werden? >>> Breast Cancer Fund und das nach dem Buch >>> Der stumme Frühling (Silent Spring) der Biologin Rachel Carson benannte >>> Silent Spring Institute haben in der wissenschaftlichen Umweltfachzeitschrift Environmental Health Perspectives gerade eine Studie veröffentlicht, die dieser Frage nachgeht.

Der Test

Verglichen wurden fünf Familien, die sich zunächst nach dem „normalen“ Muster westlicher Ernährungsgewohnheiten mit verpackten Fertigprodukten ernährten und dabei eine Woche lang beobachtet wurden. Es folgten drei Tage mit frisch zubereiteten Mahlzeiten, die nicht mit BPA-haltigen Lebensmittelverpackungen (wie Konserven und Kunststoffen) in Kontakt gekommen waren. Schließlich wurde wieder auf die „normale“ Ernährung mit verpackten Lebensmitteln gewechselt. Während der gesamten Zeit wurden die BPA-Werte der Testfamilien gemessen.

Das Ergebnis

In der Phase der Nahrungaufnahme mit frischen Lebensmitteln sanken allein in diesem kurzen Test die BPA-Werte bei den Testpersonen um 60%, bei Testpersonen mit den höchsten BPA-Werten sogar noch stärker, nämlich um 75%.

Dieses Ergebnis wird von Breast Cancer Fund (einer Organisation, die sich der Vermeidung von Brustkrebs widmet) als bahnbrechend bezeichnet, da es zeige, dass Lebensmittelverpackungen die Nummer 1 bei den Verursachern in Sachen BPA-Exposition sind.

Was ist BPA?

BPA ist ein sogenannter „endokriner Disruptor“, der im Körper des Menschen als „Hormon aus der Umwelt“ wirksam ist und z.B. hochpotente östrogene Wirkungen hat. Diese Hormone können die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen und Krebswachstum fördern.

Lieb gewordene Gewohnheiten und Bequemlichkeiten können wir, wenn wir dies wollen, selbst über Bord schmeißen. Wir können frische Lebensmittel kochen und auf Lebensmittel, die in Konserven verpackt sind, verzichten. Fast sämtliche verpackten Lebensmittel sind kritisch, denn bei Glasverpackungen können die Deckel den Inhalt kontaminieren. Bei Tiefkühlkost können die Pappkartons beschichtet sein oder die Ware ist zusätzlich häufig ebenfalls in Plastik eingepackt. All diese verpackten Waren und Produkte können wir vermeiden, wenn wir das wollen. In unserer Küche können wir auf Glas und Edelstahl zurückgreifen und besonders in der Mikrowelle sollten wir keine Kunststoffprodukte benutzen. (Weitere kleine Tipps des Silent Spring Institute s. unten)

Risiken für alle vermeiden

Um die Problematik der Vermeidung nicht nur zum persönlichen Problem herabzustufen, können wir aber noch mehr tun, um unsere BPA-Exposition zu verringern. Wir können Druck auf PolitikerInnen und Industrie ausüben, damit sämtliche Verpackungsmaterialien, die hormonell aktive Substanzen enthalten, bei der Verpackung von Nahrungsmitteln zukünftig vermieden werden. Das >>> Verbot von Bisphenol A in der Säuglingsflasche zum 1. März 2011 ist also nur ein Anfang. Wir wollen ungiftige Nahrungsmittel, und es gibt ungiftige Möglichkeiten, Lebensmittel zu verpacken. Sie sind vielleicht auf den ersten Blick nicht ganz so bequem, aber >>> Plastik gefährdet das Leben auf unserem Planeten auf vielen Ebenen. Deswegen müssen weitere Reformen eines kaputten Systems, das die Interessen der Industrie bei der Vermarktung gefährdender Produkte hinter die Gesundheitsinteressen von Menschen stellt, entwickelt werden.

Wir danken Dr. Janet Grey, Breast Cancer Fund, und dem Silent Spring Institute für ihre wichtige Arbeit!

Quellenangabe

Rudel RA, Gray JM, Engel CL, Rawsthorne TW, Dodson RE, et al. 2011: Food Packaging and Bisphenol A and Bis(2-Ethylhexyl) Phthalate Exposure: Findings from a Dietary Intervention. Environ Health Perspect doi:10.1289/ehp.1003170

Abstract
Volltext als pdf (Open Access, frei zugänglich)

Weiterlesen

Silent Spring Institute: Neue Studie: BPA in Lebensmittelverpackungen

Silent Spring Institute: 6 Schritte zur Vermeidung von Bisphenol A

  1. Möglichst nur frische Nahrungsmittel – und keine verpackte Ware
  2. Nicht „auswärts essen“ in Restaurants, Imbissen, Kantinen, sondern zuhause Nahrung zubereiten
  3. Nahrungsmittel in Glas, Porzellan oder Edelstahl und nicht in Plastikbehältern aufbewahren
  4. Kein Plastikgeschirr in die Mikrowelle geben
  5. Kaffee wieder mit Kaffeefilter brühen, Kaffeemaschinen mit Plastikzubehör meiden
  6. Aktiv werden und sich als VerbraucherIn für sicher produzierte und sicher verpackte Ware einsetzen.

Rubrik chemikalien, ernährung, gesundheitspolitik, krebsvermeidung, unser körper - unser leben

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arte: Unser tägliches Gift von Marie-Monique Robin

Eine ungewohnt kritische Dokumentation zu Krebs und den Ursachen ist Marie-Monique Robins Dokumentation “Unser tägliches Gift”, die auch als DVD für € 19,95 in der arte Edition erhältlich ist.

Wiederholungen:

18.03.2011 um 10:10
26.03.2011 um 14:30

Unser täglich Gift

(Frankreich, 2010, 113 min)
ARTE F

Ankündigung des Films bei arte:

“Immer mehr Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang zwischen der Zunahme von Krebserkrankungen, Immunschwächen, Diabetes sowie neurologischen Erkrankungen und der sich verändernden Ernährung der Menschen. Der Wunsch, immer mehr Lebensmittel herzustellen und sie für längere Zeit haltbar zu machen, hat dazu geführt, immer häufiger chemische Zusätze in Nahrungsmitteln zu verarbeiten. Filmemacherin Marie-Monique Robin hat recherchiert, unter welchen Bedingungen Lebensmittel produziert, verarbeitet und konsumiert werden.

Seit 30 Jahren ist eine ständige Zunahme von Krebserkrankungen, neurodegenerativen Erkrankungen, wie Parkinson und Alzheimer, Immunschwächekrankheiten sowie Diabetes und Fortpflanzungsstörungen zu beobachten. Wie lässt sich diese beunruhigende Situation erklären, die sich vor allem in den sogenannten entwickelten Ländern feststellen lässt? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, recherchierte Filmemacherin Marie-Monique Robin zwei Jahre lang in Nordamerika, Asien und Europa.
Zahlreiche wissenschaftliche Studien verdeutlichen – und das bestätigen auch die Aussagen von Vertretern der entsprechenden Zulassungsbehörden für Lebensmittel in den USA und Europa: Die Hauptursache ist in der Umwelt und in der Ernährung des Menschen zu suchen.
Der Dokumentarfilm beleuchtet, unter welchen Bedingungen Lebensmittel produziert, verarbeitet und konsumiert werden, und zwar vom Feld bis auf den Teller, von den verwendeten Pestiziden bis hin zu Zusatzstoffen und Kunststoffen, mit denen die Lebensmittel in Berührung kommen. Am Beispiel von verschiedenen Pestiziden, vom Süßstoff Aspartam und von der in vielen Verpackungen enthaltenen Substanz Bisphenol A wird deutlich, wie mangelhaft und ungeeignet die Bewertungs- und Zulassungsverfahren für chemische Lebensmittelzusätze sind. Der Dokumentarfilm zeigt außerdem, mit welchen Mitteln die Industrie Druck ausübt und manipuliert, um weiterhin hochgiftige Produkte vermarkten zu können.
Schließlich wird vor allem deutlich gemacht, wie der Mensch sein Immunsystem durch gesunde Ernährung stärken kann. Dass dies möglich ist, beweisen zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen.”

arte hat sich viel Mühen gemacht, diverse Unterseiten berichten zu der Dokumentation:

  • Popcorn-Tool (was auch immer der Name besagt, hier gibt die nachfolgenden Videoausschnitte, die online betrachtet werden können – und hoffentlich noch eine Weile verfügbar bleiben … )
  • zu Pestiziden

    Text arte: Wie kann man wissen, ob ein Pestizid gesundheitsschädlich ist? Die Antwort darauf sollte sich im Internationalen Institut zur Krebsforschung finden lassen, von wo aus sämtliche Studien zu chemischen Produkten koordiniert werden. Doch ist dem wirklich so?

  • Aspartam

    Text arte: Sein richtiger Name ist E951 und man findet es in zahlreichen Nahrungsmitteln. E951, das ist Aspartam, der beliebteste Süßstoff der Welt. Ein Schlankmacher, der zahlreiche Gesundheitsrisiken aufwirft. Hier seine unfassbare Geschichte.

  • Bisphenol A

    Text arte: Plastik ist eine wesentlich lebendigere Materie, als Sie es sich vorstellen können. Und vielleicht auch eine gefährlichere. Der Fall des Bisphenols A, das sich unter anderem in Babyschnullern wiederfindet, sorgt derzeit international für Gesprächsstoff.

  • Indien

    Text arte: Der Bundesstaat Orissa in Indien weist eine Besonderheit auf: Hier gibt es um ein Hundertfaches weniger Krebsfälle und Fettleibigkeit als in den westlichen Gesellschaften. Seine Einwohner leben und ernähren sich von traditionell indischer Kost. Es ist schwer, da keinen Zusammenhang zu finden.

Außerdem gibt es ein >>> Interview (s. auch unten) mit der Regisseurin wikipedia Marie-Monique Robin, die auch die Monsanto-kritische Doku >>> Monsanto – Mit Gift und Genen gedreht hat.

Teil 1: Wie kam es zu dieser Dokumentation?

Teil 2: Wie Marie-Monique Robin recheriert

Teil 3: Lösungsansätze von Marie-Monique Robin

>>> Transkription der Videos bei arte

Nicht so gut wie in der Dokumentation selbst zeigen sämtliche Online-Materialien weniger, wo das eigentliche Problem liegt: Industrielle Interessen, kommerzielle Interessen und das “liebe Geld” sorgen dafür, dass VerbraucherInneninteressen konsequent unberücksichtigt bleiben. Wie gehabt bei der Zulassung von Medikamenten, Tabak oder Asbest: Interessenkonflikte sorgen dafür, dass wir uns jahrzehntelang anhören: Alles ist sicher. Allen voran WHO und FDA, die heute ein echtes Glaubwürdigkeitsproblem haben. PolitikerInnen kommentieren diesen Zustand nur noch, oft nicht einmal besonders fachkompetent, und manche arbeiten eben auch für die Geldgeber, über kurz oder lang oder nebenbei. Der “schwarze Peter” wird an VerbraucherInnen zurückgeschoben: “bio” einkaufen. Und was hilft es, wenn wir heute, über 20 Jahre, nachdem unsere Kinder mit niedlichen Plastikflaschen gefüttert wurden, endlich wissen: sie verursachen den Krebs und Unfruchtbarkeit? Vorsorgendes Prinzip – das wäre es. Aber statt dessen wird man heute einige Produkte, von denen sich nicht mehr verheimlichen lässt, dass sie tödlich wirken, vom Markt nehmen, nur um sie durch neue gesundheitsgefährdende, aber profitable Produkte zu ersetzen.

Mehr zu den Themen in Marie-Moniques Robins Doku:

Die verkannte Gefahr: Umweltbelastung und Brustkrebs (pdf)

Beunruhigendes Mineralwasser: Östrogene aus der Plastikflasche

Krebs und die Ursachen: Ein Film bricht alle Regeln

Krebs ist eine Frage der Menschenrechte

The Idiot Cycle: Die Spirale von Krebsentstehung und Profit

Biene, Honig, Brustkrebs

Brücke nach Irgendwo: Abschied vom herkömmlichen System der Nahrungsmittelindustrie

Sandra Steingraber: Biologin, Ökologin, Krebsüberlebende

In der Zwickmühle – DDT ja oder nein?

Ein vermeidbares Brustkrebsrisiko: Pestizide in Haus und Garten

The Prague Declaration on Endocrine Disruption (2005)

usw.

Rubrik chemikalien, ernährung, gesundheitspolitik, haus & garten, krebsvermeidung, pestizide, schwangerschaft, umweltöstrogene, umweltverschmutzung, unser körper - unser leben, ursachenforschung

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Krebs und die Ursachen: Ein Film bricht alle Regeln

Der Film „The Idiot Cycle“ wird erstmals am 7. Dezember in Oregon und in Sacramento an der Universität von Kalifornien in den Vereinigten Staaten gezeigt.

Von Tim King – Salem-News.com [wikipedia Salem ist Hauptstadt des US-Bundesstaates Oregon, Salem-News ist ein unabhängiges lokales Nachrichtenmedium vor Ort ]

Ein neuer Film über die Realität des Lebens und Krebs

(Salem – Paris) Ich glaube, der neue Film The Idiot Cycle, der die besten Krebsverursacher weltweit bringt, könnte genauso gut „Das Geschäft mit dem Krebs“ heißen, denn er zeigt die dunklen und schmutzigen Seiten von Unternehmen wie Bayer, BASF, Dow, Dupont, Monsanto, Syngenta, Novartis, Pfizer und anderen.

Dieses Land liegt am Boden und tatsächlich wird auf lange Sicht die ganze Welt abgezockt, aber alles hat einen rot-weiß-blauen Anstrich.

Es ist vorbei, Kinder, und was richtig gut aussah, ist nichts als eine vorübergehende Illusion. Ich hasse es, das zu sagen, aber ich glaube nicht, dass es irgendeinen Weg gibt, um die Uhren zurückzudrehen. Wir sind ruiniert, unsere Nahrung und unsere Trinkwasserversorgung ist kontaminiert, speziell durch die Beteiligung der amerikanischen Wirtschaft. Und unsere Kinder haben ein so stark ansteigendes Risiko, an Krebs zu erkranken wegen dieser amerikanischen Geschäftspraktiken, so dass du schon anfangen könntest dich zu verabschieden.

Wir haben jahrelang über die schrecklichen Krankheiten ehemaliger US-Marines, die in Camp Lejeune in North Carolina und El Toro stationiert waren, berichtet. In beiden Basen wurden sie mit Schadstoffen aus dem Erdreich und dem Wasser kontaminiert, sie kamen in Berührung mit Substanzen wie Benzol, Trichlorethylen (TCE), Perchlorethylen (PCE) und einer lange Liste von anderen Verunreinigungen. Marines und Ehemalige, ihre Familien und die Angestellten der Basen hatten mit einer Vielzahl von Krankheiten, davon auch tödlich verlaufende, einschließlich Krebs, Erkrankungen des Verdauungssystems und Geburtsschäden bei ihren Kindern zu kämpfen. Das ist erst der Anfang.

Ein großer Teil des Films ist Monsanto gewidmet und das muss wohl sein. Die Produzentinnen vertiefen sich nicht in Monsantos reale Geschichte als dem amerikanischen Konzern, der diese schreckliche Substanz hergestellt hat, die Agent Orange heißt und im Vietnamkrieg benutzt wurde, um die Wälder zu entlauben, während die Amerikaner da waren.

Und die Amerikaner wurden selbst schrecklich betroffen, von den Veteranen aller Dienste bis zu Zivilpersonenen wie Lesli Moore Dahlke [… mehr zu Lesli Moore Dahlke]. Sie war Teil einer USO-Tour im Jahr 1970, die sie zu allen möglichen Plätzen in Vietnam führte. Heute leidet sie ebenfalls an den Folgen der Kontamination mit Agent Orange und ist bereits mehrfach an Krebs erkrankt. Und dennoch kann sie sich an niemanden wenden, weil die Regierung die Verantwortung für ihre Krankheiten nicht übernimmt. Dies ist nur eine von so vielen schrecklichen Geschichten, die auf das Konto von Monsanto und ihren unverantwortlichen Entscheidungen gehen, den Gebrauch von ungetesteten Chemikalien zu fördern. Oh, sie werden sagen, dass schon Tests durchgeführt worden seien, doch sie geben sich selbst die Spielregeln dafür. Und wissen genau, dass sie hinter so vielen Krebstodesfällen stehen, dass man sie nicht zählen kann.

Eine andere etwas komplizierte Geschichte ist die der Krebs verursachenden Stoffe, die uns in den Regalen unserer Supermärkte präsentiert werden. Selbst eine Baby-Badewanne in Amerika wird aus einem bekannten krebserregenden Stoff hergestellt. Europa hat die gleiche Substanz verboten, was hat uns dahin gebracht?

Gier und Profit

Monsanto und Dow und DuPont sollten alle geschlossen werden und die Eigentümer sollten besser Solarparks darauf bauen. In den wenigen Fällen, wo ihr Land nicht total vergiftet ist, sollte es genutzt werden, um Hanf darauf anzubauen und die lange Liste der Kunststoffprodukte, die sie in erster Linie produzieren, zu ersetzen. Der Film stand im Zentrum der Diskussion, seit ihm die Haftpflichtversicherung aufgrund des Themas versagt wurde, was in der Konsequenz bedeutet, dass er in den USA und in Kanada wahrscheinlich nicht im Fernsehen gezeigt wird, und auch der Direktor die Universität von Montpeiller [Frankreich] hat aktuell die Vorführung des Films abgesagt, als er hörte, dass es in dem Film auch um BASF, einen Sponsor seiner Einrichtung, geht.

Diese Unternehmen sind es, die zurzeit die gentechnisch veränderten Organismen („GMO’s“) entwickeln, die ebenfalls auf ihre langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen wie Krebs nicht getestet wurden. Parallel zur Entwicklung dieser unnatürlichen Nahrungsmittel gibt es eine Infrastruktur der Unterstützung und Ergänzung, buchstäblich zur Modifikation der Muster der Natur, so wie es April Scott in ihrem Artikel Feeding the Hungry or Population Control? (Nahrung für die Hungrigen oder Bevölkerungskontrolle) beschreibt.

Russische Wissenschaftler sind nicht die einzigen, die davor gewarnt haben, dass es gesundheitliche Auswirkungen von gentechnisch veränderten Lebensmitteln (GMO’s) gibt. Wir sollten auch nicht vergessen, dass bereits Wissenschaftler gefeuert wurden, nachdem sie schwere gesundheitliche Auswirkungen bei Tieren entdeckt hatten, nach der Fütterung gentechnisch veränderter Lebensmittel.

Ignacio Chapela von der Universität von Berkeley und Arpad Pusztai vom schottischen Rowett Forschungsinstitut für Ernährung und Gesundheit glaubten zunächst an das Potential der GMO’s und hatten den Auftrag zur Durchführung einer ersten unabhängige Studie zur Untersuchung der Auswirkungen von gentechnisch verändertem Tierfutter. Die Studien zeigten Wachstumsstörungen, Beeinträchtigungen des Immunsystems, Magenblutungen, außergewöhnliches und potenziell präkanzeröses Zellwachstums des Darms, Störungen der Blutbildung, deformierte Zellstrukturen in der Leber, der Bauchspeicheldrüse und den Hoden, Veränderungen der Genexpression und im Zellstoffwechsel, Leber- und Nierenläsionen, entzündete und teilweise verkümmerte Lebern, Nieren, weniger entwickelte Organe, reduzierte Verdauungsenzyme, erhöhte Blutzuckerwerte, entzündetes Lungengewebe, eine erhöhte Sterblichkeit und eine höhere Mortalität auch beim Nachwuchs.

Der Film konzentriert sich auf sechs große Unternehmen: Dow Chemical, Bayer, BASF, Monsanto, Dupont, and Astrazeneca. Er wurde in acht Ländern, einschließlich der USA gedreht. Der Film „ The Idiot Cycle“ wurde gerade mit dem „Green Report Award“ ausgezeichnet und war auf den größten Dokumentarfilm-Festivals weltweit ausverkauft:

  • RIDM / Montreal
  • IDFA / Amsterdam
  • die Slow Food Bewegung zeigte in Italien die Premiere des Films
  • Verve Girl (Toronto) verglich den Film mit Al Gores “Eine unbequeme Wahrheit”
  • Global TV bezeichnete den Dokumentarfilm mit “must see”
  • Große Universitäten von Oxford bis Toulouse haben den Film gezeigt, einige Universitäten sogar in mehreren Vorführungen
  • Die International Agency for Research on Cancer IARC plant eine spezielle Vorführung für ihre Mitarbeiter

Der Film hat keinen Verleih und keine Unterstützung durch einen Fernsehsender, so dass sich seine Existenz nur mündlich – bzw. mit kleinen Medien im Internet – herumsprechen kann. Nach der europäischen Premiere in Amsterdam zeigte auch ein französischer Fernsehsender Interesse, so dass die Dokumentation ab Anfang 2011 zumindest in Europa ins Fernsehen kommt.

Salem-News.com hat einen kleinen Vorgeschmack auf The Idiot Cycle erhalten und ich kann Ihnen sagen, dies ist ein extrem wichtiger Film ist.

Die Offenlegungen sind erschreckend; ein früherer Monsanto-Anwalt, der als Richter später ausschließlich Urteile zu Gunsten von Monsanto gefällt hat, unabhängig davon, was die wissenschaftliche Beweislage hergibt, bzw. wie man sie in ihr Gegenteil verkehrt.

Die Filmclips, die hier beigefügt sind, zusätzlich zum aktuellen Trailer, zeigen genau, worum es in diesem Film geht. Es ist wichtig, dass alle Menschen weltweit diesen Film sehen. Afrika werden  GMO’s aufgezwungen unter der Vorstellung, dass sie helfen, „die Welt zu füttern“ und es ist politische Propaganda zur Geldschneiderei vom Feinsten. The Idiot Cycle zeigt die minimalen Tests, die durchgeführt wurden und der Film zeigt auf, dass die am längsten nachbeobachteten Perioden, die überhaupt verfügbar sind, gerade mal vier Jahr betragen.

Der Ausbruch der Krebserkrankung in den Opfern ist häufig über einen Zeitraum von fünfzehn bis zwanzig Jahren programmiert.

Über den Autor

Tim King ist Herausgeber von und Journalist bei Salem-News.com. Gebürtig in Los Angeles ist er ein ehemaliger U.S. Marine, Nachrichtenproduzent und Fotojournalist. Tim King war Kriegsberichterstatter in verschiedenen Kriegen und ist mit diversen journalistischen Preisen für seine Arbeiten ausgezeichnet worden ist. Mehr zu Tim King s. auch im Originalartikel: Movie Breaks All Rules Exposing Cancer Origins [Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung und Dank an Tim King, Übersetzung Gudrun Kemper]

Mehr zum Film

The Idiot Cycle: Die Spirale von Krebsentstehung und Profit


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