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Phytoöstrogene, Soja und Brustkrebs

Literaturliste zum Einstieg in das Thema
zusammengestellt von Beate Schmidt

Soya Milk von piggbox, Creative Commons 2.0
Ein Glas Sojadrink = Brustkrebs?
Abb.: Soya Milk von piggbox
Creative Commons 2.0

Bereits jahrelang wird über Soja und Sojapräparate unter anderem im Zusammenhang mit Brustkrebs und zur Bekämpfung von Wechseljahrsbeschwerden diskutiert. Wirkt Soja sich positiv oder negativ auf unser Leben aus? Hier folgt eine Liste von Veröffentlichungen, die Frauen mit Brustkrebs eine Orientierung geben kann (wird fortgesetzt):

Phytoöstrogene nach den Wechseljahren? (arznei-telegramm 2001)

Bereits im November 2001 schrieb das unabhängige arznei-telegramm in seinem Beitrag >>> Phytoöstrogene nach den Wechseljahren?: “Ein klinischer Nutzen von Phytoöstrogenen ist nicht belegt, ihre Anwendung bei Beschwerden in den Wechseljahren oder zur Prophylaxe von Osteoporose und kardiovaskulären Erkrankungen therapeutisch nicht zu begründen. Bei Brustkrebs sind Phytoöstrogene möglicherweise riskant und daher kontraindiziert. Die Isoflavone Genistein und Daidzein fördern in vitro und in Tierversuchen das Tumorwachstum und beeinträchtigen die Wirksamkeit des Antiöstrogens Tamoxifen (NOLVADEX u.a.). Betroffenen Frauen ist von der Einnahme dringend abzuraten.”

Sojahaltige Nahrung ja – Nahrungsergänzung nein (Dr. Susan Love Research Foundation 2004)

Susan Love >>> berichtet auf ihrer Website über eine Forschungsarbeit, die den Konsum von Soja und Einflussfaktoren auf bereits vorhandene östrogenabhängige Brustkrebstumoren im Mausmodell untersucht hatte (Allred 2004). Sehr unterschiedlich wurden amerikanische Nahrungsergänzungsmittel und Soja in natürlichen Nährmitteln, so wie sie etwa in Japan auf dem Speiseplan stehen, bewertet. Im Ergebnis zeigte die Untersuchung, dass Genistein – das vorallem in Nahrungsergänzungsmitteln enthalten ist – möglicherweise einen negativen Effekt hat und das Wachstum von Brustkrebszellen fördert, während natürliche Sojaprodukte aus bisher nicht geklärten Gründen möglicherweise durch andere bioaktive Komponenten einen schützenden Einfluss haben könnten, die die negativen Eigenschaften von Genistein reduzierten.

Susan Love rät deswegen von Isoflavonen und Genistein als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Tabletten und Kapseln generell ab. Zu der Frage, ob Frauen mit Brustkrebs Soja essen sollten, hält sie fest, dass es noch keine endgültige Antwort gäbe. Frauen müssten selbst entscheiden, ob sie Soja in ihrer Ernährung haben wollen. Für Frauen, die keine Bauchschmerzen bei dem Gedanken bekämen, evtl. etwas zu essen, das ihnen nicht gut tut, hält sie eine Portion von 40 Gramm täglich (z.B. in Form von Tofu, Miso, Sojabohnen etc.) für vertretbar, im Gegensatz zu Nahrungsergänzungsmitteln, die sie ablehnt. Love schreibt ferner, es gäbe keine Wechselwirkung mit Tamoxifen, Soja könne – nach den Versuchen an Mäusen jedenfalls – dessen Wirkung eher noch unterstützen.

Sojadrinks (Stiftung Warentest 2007)

Soja ist als Eiweißlieferant beliebt, z.B. auch in Form von Sojadrinks, die z.T. mit Kalzium angereichert sind. Die Stiftung Warentest hat diese Drinks im Jahr 2007 untersucht und sie recht positiv bewertet, gleichzeitig aber auf die hohe allergene Wirkung von Soja hingewiesen.

Für Frauen mit Brustkrebs wichtiger erscheint jedoch das >>> Interview mit Sabine Kulling, Professorin für Lebensmittelchemie in Potsdam (s. “test” S. 24 bzw. S. 5 im pdf zum Download). Zitat:
Sie warnen vor Präparaten aus Soja- und Rotkleeextrakten für Frauen in den Wechseljahren. Warum? – Die Hauptzielgruppe für diese isoflavonhaltigen Präparate ist auch die Hauptrisikogruppe. Es ist nicht auszuschließen, dass Isoflavone in isolierter Form und hoher Dosierung – anders als im natürlichen Lebensmittelverbund – auch Nebenwirkungen haben können. Eine Befürchtung ist, dass die Präparate das Brustkrebsrisiko erhöhen könnten. Das ist bisher nicht gezeigt, aber aufgrund der schwachen Hormonwirkung der Isoflavone auch nicht auszuschließen. Brustkrebspatientinnen sollten von den Präparaten deshalb unbedingt Abstand nehmen.”

Bundesamt für Risikobewertung: Stellungnahme 2007

Auch das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) hat sich des Risikoprofils von Isoflavonen in Nahrungsergänzungsmitteln angenommen. In der aktualisierten >>> (pdf) Stellungnahme vom Oktober 2007 ist zu lesen: “In toxikologischen Untersuchungen zeigte sich, dass Isoflavone, wenn sie in isolierter oder angereicherter Form und hoher Dosierung gegeben werden, die Funktion der Schilddrüse beeinträchtigen und das Brustdrüsengewebe verändern können. Dabei ist nicht auszuschließen, dass diese als estrogenähnlich anzusehenden Effekte auch die Entwicklung von Brustkrebs fördern können. Notwendige Langzeitstudien, die die Sicherheit von isoflavonhaltigen Präparaten belegen, liegen nicht vor. Auch kann eine Dosis, die noch als sicher gilt, derzeit nicht verlässlich festgelegt werden. Da Frauen in und nach der Menopause ohnehin ein erhöhtes Brustkrebsrisiko aufweisen, ist die längerfristige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit einem hohen Gehalt an Isoflavonen für diese Verbrauchergruppe nicht ohne Risiko.”

Bundesamt für Risikobewertung: Expertengespräch 2008

Im auf der Website des BfR veröffentlichten >>> (pdf) Ergebnisprotokoll eines Expertengesprächs am 5. Juni 2008 mit dem Titel “Fragen und Antworten zur Sicherheit von isoflavonhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln und ergänzenden bilanzierten Diäten” ist zu lesen: “Es ist nicht ausgeschlossen, dass diese als estrogenähnlich anzusehenden Effekte auch die Entwicklung von Brustkrebs fördern könnten. Daneben zeigten sich Hinweise für Wechselwirkungen mit dem Stoffwechsel der Schilddrüse. Da Frauen in und nach der Menopause ohnehin ein erhöhtes Brustkrebsrisiko aufweisen, ist aus Sicht des BfR die längerfristige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit einem hohen Gehalt an Isoflavonen für diese Verbrauchergruppe nicht ohne Risiko.”

In seiner Zusammenfassung schreibt das BfR u.a.: “Zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden werden von den Vertreibern verschiedene Präparate mit Isoflavon-Dosierungen von 20 bis zu 150 mg pro Tag empfohlen. Bei Frauen in der peri- bzw. postmenopausalen Lebensphase gilt das Risiko des Vorhandenseins unerkannter Krebszellen der Brustdrüse (dormant cancer cells) als deutlich erhöht, weshalb diese als besondere Risikogruppe anzusehen sind. Angesichts einer großen Präparateanzahl (allein in Deutschland über 150) und der zusätzlichen Verfügbarkeit weiterer Präparate über das Internet, fehlender Spezifikationen, unzureichender Angaben zur Zusammensetzung und starker Abweichungen zwischen deklarierten Gehalten und wahrer Zusammensetzung erscheint zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine wissenschaftlich fundierte, zuverlässige Analyse von Nutzen und Risiko nicht möglich. Sie wird aber für dringend erforderlich gehalten.”

Soja und Schilddrüsenmedikamente – z.B. L-Thyroxin

Ein ganz anderer Aspekt im Zusammenhang mit Soja besteht für Frauen, die an Schilddrüsenunterfunktion leiden.

Aus einem Beipackzettel für L-Thyroxin: “Sojahaltige Produkte können die Aufnahme von Levothyroxin aus dem Darm beeinträchtigten. Bei Kindern wurde über einen Anstieg des Serumspiegels von TSH (die Schilddrüse anregendes Hormon) berichtet, wenn diese eine sojahaltige Ernährung erhielten und aufgrund einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion mit Levothyroxin behandelt wurden. Ungewöhnlich hohe Dosen von L-Thyroxin Henning 75 können erforderlich sein, um normale Serumspiegel von Levothyroxin und TSH zu erzielen. Während und nach Beendigung einer sojahaltigen Ernährung ist eine engmaschige Kontrolle der Serumspiegel von Levothyroxin und TSH notwendig, ggfs. kann eine Dosisanpassung von L-Thyroxin Henning 75 erforderlich sein.”

Soja und Genetik

Die Professorin für Sozialmedizin Dr. Angela Brand, die zurzeit das Europäische Netzwerk “Public Health Genomics European Network (PHGEN)” an der Universität von Maastricht leitet, betont genetische Aspekte. Auf der Website der Fachhochschule Bielefeld, an der sie bis August 2008 lehrte, wird sie im Artikel “Auf die Gene kommt es an” wie folgt zitiert: “Soja kann bei Frauen mit entsprechender Veranlagung eine Brustkrebs-Erkrankung im Anfangsstadium auslösen. Die Krebsforschung fand heraus: Schon kleinste Mengen wie ein Glas Sojamilch können ausreichen, um ein schlafendes Karzinom zu wecken.”

Quellen / Weiterlesen

arznei-telegramm: Phytoöstrogene nach den Wechseljahren?, a-t 2001; 32: 110-1, 09.11.2001

Dr. Susan Love Foundation: New Study Sheds Light on Soy and Breast Tumor Growth (dt.: Neue Studie wirft ein Licht auf Soja und Brusttumor-Wachstum; die Website ist auf Englisch), 03.06.2004

Isoflavone als Phytoestrogene in Nahrungsergänzungsmitteln und diätetischen Lebensmitteln für besondere medizinische Zwecke, Beschluss der DFG – Senatskommission zur Beurteilung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von Lebensmitteln vom 10.11.2006

Bundesamt für Risikobewertung (BfR): Isolierte Isoflavone sind nicht ohne Risiko, am 29.10.2007 aktualisierte Stellungnahme Nr. 039/2007 vom 3. April 2007

Stiftung Warentest: Sojadrinks – Lecker und gesund, “test” 9/2007 vom 30.08.2007 (mit Downloadmöglichkeit als pdf)

Süddeutsche Zeitung: Soja – Riskanter Kult um die Bohne von Kathrin Burger, 10.11.2007

Bundesamt für Risikobewertung (BfR): Fragen und Antworten zur Sicherheit von isoflavonhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln und ergänzenden bilanzierten Diäten, Ergebnisprotokoll eines Expertengesprächs im BfR am 5. Juni 2008

Auf die Gene kommt es an, Artikel auf der Website der Fachhochschule Bielefeld, Fachbereich Sozialwesen, vom 01.08.2008

Rubrik ernährung, nahrungsergänzungsmittel

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Living Downstream – Leben, stromabwärts: Dokumenation von Sandra Steingraber

Im März 2010 geht Sandra Steingraber mit der Verfilmung ihres Buches “Living Downstream” an die Öffentlichkeit.

Auf der Webseite zum Film findet sich eine Zusammenfassung der Inhalte. Sie beginnt mit der Erkärung des Titels, dem Text, den Sandra Steingraber im Video oben auch spricht: “Es war einmal ein Dorf an einem wunderschönen Fluss. Die Menschen, die hier lebten, waren sehr freundlich. Dem Gleichnis nach wurde den Bewohnern klar, dass immer mehr Menschen in der schnellen Strömung im Fluss ertranken. Und so machten sie sich an die Arbeit, immer kompliziertere Technologien zu entwickeln, mit denen sie die Menschen wiederbeleben konnten. Die heroischen Dorfbewohner sind so beschäftigt mit der Rettung und Behandlung der Ertrinkenden, dass sie nie auf die Idee kamen, stromaufwärts zu schauen, um zu sehen, warum die Menschen in den Fluss fallen. Living Downstream ist ein Spaziergang am Fluss. Der Fluss ist der menschliche Krebs.”

Aufgewachsen in einer Kleinstadt in Illinois, erlebte Sandra Steingraber, wie Krebs in ihrer Familie grassiert. Mit 20 erhielt sie selbst die Diagnose Blasenkrebs. Ihre Mutter erkrankte an Brustkrebs, als sie die Oberschule besuchte. Viele ihrer Verwandte kämpften gegen die Krankheit. Eine ihrer Tanten starb an den Folgen der selben Blasenkrebserkrankung, an der dann auch Sandra Steingraber erkrankt.

Und während die Krankheit grassiert, ist klar, dass es keine genetischen Ursachen haben kann, denn Sandra ist ein Adoptivkind in ihrer Familie. Durch diese ungewöhnliche Konstellation stellt Sandra Steingraber Fragen zu den Zusammenhängen, die neben der DNA in ihrer Familie eine Rolle spielen und zu Krebserkrankungen führen könnten. Die Antwort, so schreibt sie auf der Webseite zu ihrem Film, sei um uns herum: Unsere Umwelt.

Der Film geht mit Steingraber auf eine Reise quer durch Nordamerika, um das Schweigen über die Zusammenhänge zwischen Umwelt und Krebserkrankung zu brechen. Als die Reise beginnt, folgt das Filmteam ihr an den Arbeitsplatz und zu ihren eigenen medizinischen Untersuchungen, die besorgniserregende Resultate erbringen und in eine Zeit der Unsicherheit führen. So zeigt die Reise zwei Seiten: Die private und die öffentliche Sandra Steingraber. Aber sie ist nicht die einzige auf dieser Reise. Die Chemikalien, gegen die sie kämpft, sind ebenfalls auf Wanderschaft. Der Film folgt den unsichtbaren Giften und zeigt, wie sie Einzug halten in die schönsten Plätze in Nordamerika. Und die Gifte reisen weiter in unsere Körper. Wenn sie dort angekommen sind, können sie Krebs verursachen.

Sandra Steingrabers persönliche Reise und ihre wissenschaftlichen Untersuchungen in “Living Downstream” sind eine Erinnerung an die engen Zusammenhänge zwischen unserer persönlichen Gesundheit und der Gesundheit von Natur, Luft, Land und Wasser.

Living Downstream wurde von durch The People’s Picture Company produziert und erhielt Unterstützung von The Ceres Trust, Kendeda Sustainability Fund of the Tides Foundation, The Canadian Independent Film und Video Fund, Canada Council for the Arts, Park Foundation, Canadian Auto Workers – Social Justice Fund, The Cancer Prevention Challenge (Ya Ya Sistahs & Bruddahs Too! & Team Vitality) and Doris Cadoux & Hal Schwartz.

Mehr Info

Sandra Steingraber – Biologin, Ökologin, Krebsüberlebende

Webseite der Dokumentation

Living Downstream auf “Facebook”

No family history von Sabrina McCormick

Rubrik umweltverschmutzung

Stichwort


Sandra Steingraber: Biologin, Ökologin, Krebsüberlebende

von Gudrun Kemper

Die Biologin Sandra Steingraber wurde 1959 in Tazewell County in Illinois, USA, geboren. Sie erkrankte selbst im Alter von 20 Jahren an Krebs und arbeitet speziell zu ökologischen Fragen im Zusammenhang mit Krebs, Fertilität, Schwangerschaft und Toxikologie (”Lehre von den Giftstoffen”). In ihrem ersten Buch “Post-Diagnosis” (1995) setzt sie sich mit ihrer eigenen Krebserkrankung auseinander. Steingraber baut auf die Arbeiten der Biologin >>> Rachel Carson auf und wird von vielen auch “neue Rachel Carson” genannt. Sie arbeitet u.a. mit >>> Marla Cone und >>> Natalie Angier zusammen und ist in den USA sehr bekannt.

Obwohl sie dort sehr viel Anerkennung erfährt, kennen viele bei uns ihre Arbeiten nicht und auch die von ihr thematisierten Themen sind fachlich und gesellschaftlich weitgehend unterbelichtet. Ihr Buch „Having Faith“ – ein Kleinod – liegt in deutscher Übersetzung vor. Die sehr sorgfältig übersetzte deutsche Ausgabe trägt den Titel „Leben wächst in mir: eine biologische Reise zur Geburt“ und ist 2002 im Walter Verlag (Patmos) erschienen. Gemeinsam mit Teresa Heinz Kerry wurde sie von >>> Breast Cancer Fund für ihre Arbeiten zur Ursachenforschung im Zusammenhang mit Brustkrebs ausgezeichnet, und sie hat eine Reihe weiterer Preise für ihr Werk erhalten.

Steingraber, die als Adoptivtochter einer Mikrobiologin aufwuchs, befasste sich bereits als Kind und Jugendliche mit biologischen und ökologischen Zusammenhängen. Mit ihrer Krebserkrankung war sie – aufgewachsen in einer hoch belasteten Umgebung – nicht allein. Auch in Nachbarschaft und Familie erkrankten viele Menschen an Krebs.

Sandra Steingraber hat an der >>> Illinois Wesleyan University Biologie studiert und später an der >>> Universität von Michigan gearbeitet. Dort schloss sie auch ihre Doktorarbeit in Biologie ab. Außerdem verfügt sie über einen Masterabschluss in Anglistik. Sie arbeitete und lehrte an verschiedenen Universitäten und hat an dem unter Präsident Bill Clinton 1992 initiierten >>> National Action Plan on Breast Cancer (NAPBC) mitgearbeitet. Sie lebt heute mit ihrem Mann, dem Bildhauer und Restaurator Jeff de Castro, in >>> Trumansburg (New York) und hat zwei Kinder, Faith und Elijah.

Ihr bekanntestes Werk ist „Living Downstream. An Ecologist Looks at Cancer and Environment“ (Leben, stromabwärts – Eine Ökologin betrachtet Krebs und Umwelt). Eine deutsche Übersetzung gibt es bisher nicht. Sie unterstützt in diesem Buch unter anderem die enge Vernetzung von Krebsregistrierung und dem in den USA verfügbaren >>> Toxics Release Inventory, einem nationalen Verzeichnis, in dem die Freisetzung von Giftstoffen verzeichnet wird. Ein ähnliches Verzeichnis führt bei uns das Umweltbundesamt mit dem >>> Schadstofffreisetzungs- und Verbringungsregister.

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Toxics Release Inventory - Aufschluss über Kontaminationen - öffentlich zugänglich für jede/n

Steingrabers Bücher sind gut lesbar und erinnern an minutiöse Reiseberichte, in denen die wissenschaftlich sorgsamst recherchierten Arbeiten LeserInnen mit ihren poetischen Einblendungen und einer unglaublichen Sprache in ihren Bann ziehen. In “Living Downstream” beschreibt sie die rücksichtslose industrielle und landwirtschaftliche Verschmutzung und unterfüttert diese mit umfassenden wissenschaftlichen Daten und weiteren Literaturhinweisen. Im Resultat ist eine überwältigende Zusammenstellung des Wissens zu Krebsentstehung und Umwelt entstanden. Steingraber beklagt auch die große Unausgewogenheit der Forschungsfinanzierung zu Studien von genetisch bedingten Krebserkrankungen in Relation zur Forschung zu Umwelt und Krebsentstehung. Sie verweist darauf, dass wir an unseren genetischen Anlagen nichts verändern können, während wir sehr viel tun können, um die Kontamination mit Karzinogenen in der Umwelt abzubauen.

Sandra Steingraber bringt unterschiedliche Perspektiven zu einem der wichtigsten Gesundheits- und Menschenrechten unserer Zeit auf den Punkt: Die zunehmende Beweislast der Krebsentstehung durch Umweltverschmutzung. Ihre wissenschaftliche Analyse reicht von alarmierenden weltweiten Mustern bei der Inzidenz von Krebserkrankungen bis zu den sabotageähnlichen Auswirkungen durch Krebs fördernde Substanzen auf die komplizierte Funktionsweise menschlicher Zellen. Sandra Steingrabers Buch ist das erste, das die Daten zu Umweltgiften aus dem amerikanischen nationalen “Gift-Verzeichnis” (Toxics Release Inventory) zusammenbringt mit Daten aus der Krebsregistrierung.

“89% der Fläche von Illinois werden landwirtschaftlich bebaut. Geschätzt 54 Millionen Pfund (amerikan. Maßeinheit, 1 Pfund = ca. 0,45 Kilogramm) synthetischer Pestizide werden jedes Jahr ausgebracht. Erst nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurde diese Form der Landwirtschaft, bei der sich chemische Gifte breit gemacht haben, in Illinois eingeführt. Zuvor waren noch weniger als 10% der Getreidefelder pestizidbelastet. Im Jahr 1993 waren es aber 99%.” (Living Downstream, S. 5)

In “Leben wächst in mir” – einem “unbedingt Lesen-Buch” zumindest für werdene Mütter bzw. Eltern – weist Sandra Steingraber eindringlich auf die alarmierenden Gefahren durch Umweltgifte für das ungeborene Leben hin. Wie soll eine Zukunft in Gesundheit für unsere Kinder abgesichert werden?

Living Downstream ist im März 2010 als Dokumentarfilm der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Der Film belegt erneut Sandra Steingrabers außergewöhnliche Arbeit als die einer Krebsüberlebenden und ihren bedeutenden Beitrag als Ökologin und Aktivistin in der Krebsvermeidung.

Mehr zu Sandra Steingraber

Mehr zu Living Downstream hier …

Webseite von Sandra Steingraber

Wikipedia Sandra Steingraber (engl.)

Living Downstream (Dokumentarfilm)

Die Verbindungen zwischen Krebs und Umwelt: ein Inner Compass TV-Interview mit Sandra Steingraber

Rubrik chemikalien, haus & garten, krebsvermeidung, pestizide, umweltverschmutzung

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Aufruf: Stopp >>> Brustkrebs auslösende Chemikalien-Cocktails

Logos der Unterstützerorganisationen

Women in Europe for a Common Future (WECF e.V). und andere Frauen-, Gesundheits- und Umweltorganisationen fordern jetzt zum Handeln auf:

Cocktail-Effekte bei Chemikalien sind gesundheitsgefährdend.

Bericht von Gudrun Kemper

Gefährliche Chemikalien stehen im Verdacht, unter anderem auch Brustkrebs auszulösen. Die europäischen Gesundheitsminister haben in ihrer Sitzung vom 22.12.2009 Bedenken geäußert, dass Umwelt und Gesundheit in Europa nicht genug vor den Auswirkungen schädlicher Chemikalien geschützt werden. Das war es aber auch bereits. Wirksame Maßnahmen wurden bisher nicht eingeleitet. Insbesondere vor hormonell wirksamen Substanzen, sogenannten „endokrinen Disruptoren“ (auch Xenoöstrogene genannt), und vor sich gegenseitig verstärkenden Effekten von Chemikalien – den „Cocktail-Effekten“ – wurde ausdrücklich gewarnt.

Frauen reagieren auf hormonelle und chemische Kontaminationen und werden so gesundheitlichen Gefährdungen ausgesetzt, die zu schweren Krankheiten wie Brustkrebs führen können. Die Organisation Breast Cancer Fund hat sich in ihrer in verschiedenen Sprachen und mittlerweile in 5. Auflage erschienenen Publikation State of the Evidence – The Connection Between Breast Cancer and the Environment ausführlich mit diesen Zusammenhängen befasst. Eine deutsche Übersetzung fehlt bisher.

Dringlichst gefordert werden nun auch für Europa Maßnahmen gegen die Exposition mit diesen Chemikalien, so Women in Europe for a Common Future e.V. in ihrer gemeinsamen Pressemeldung mit ChemTrust, Health & Environment Alliance, Greenpeace und WWF. Die Exposition muß verringert und es müssen sichere Produkte und Alternativen geschaffen werden. Die hormonähnlich wirksamen Substanzen sind in der Schwangerschaft gefährlich und spielen eine Rolle bei vorgeburtlichen Schädigungen und Geburtsfehlern. Sie führen aber auch bei Männern zu steigenden Hodenkrebserkrankungen und zum Rückgang der Anzahl der Spermien. Schätzungen gehen mittlerweile davon aus, dass einer von fünf Männern in Europa so beeinträchtigt sein könnte.

Für Frauen bedeutet die Belastung mit diesen Chemikalien, dass das Brustkrebsrisiko sich erhöht. Beispiele für die gefährlichen Chemikalien sind einige Phthalate, Weichmacher in PVC-Kunststoff-Produkten (wie sie z.B. in Bodenbelägen und Schuhen verwendet werden) und Bisphenol-A, das häufig verwendet wird, um Kunststoff, z. B. in Säuglingflaschen, durchsichtig zu machen, oder das als Innenbeschichtung in Lebensmittelkonserven und in verschiedenen Verpackungsmaterialien zum Einsatz kommt, s.a. unseren Bericht zu Mineralwasser in Plastikflaschen.

Die EU-Minister haben die Europäische Kommission aufgefordert, einen Bericht zur Analyse der Lücken in bestehenden EU-Vorschriften zu verfassen und entsprechende Änderungen vorzuschlagen. Die Frist für diesen Bericht der Europäischen Kommission wurde bis zum Jahr 2012 (!!!) verschoben. Das bedeutet im Klartext: Es wird noch Jahre dauern, bis dringend notwendige Gesetzesänderungen zum VerbraucherInnenschutz überhaupt diskutiert werden können.

Women in Europe for a Common Future, ChemTrust, Health & Environment Alliance, Greenpeace und WWF drängen die Europäische Kommission, konkret Änderungen zu erwirken, um die sich gegenseitig verstärkenden Wirkungen von Chemikalien in den bestehenden EU-Rechtsvorschriften, insbesondere im Zusammenhang mit REACH3, zu berücksichtigen und die Gesundheit der europäischen Bürger und die Umwelt zu schützen. REACH steht für Registration, Evaluation, Authorisation of Chemicals – Registrierung, Bewertung und Zulassung von Chemikalien. Die EG-Verordnung Nr. 1907/2006 zentralisiert das Chemikalienrecht europaweit, sie ist am 01. Juni 2007 in Kraft getreten. Es ist erklärtes Ziel, den Wissensstand über die Gefahren und Risiken, die von Chemikalien ausgehen können, zu erhöhen. Nur sollte dieses dann auch in die Praxis umgesetzt werden.

Women in Europe for a Common Future, ChemTrust, Health & Environment Alliance, Greenpeace und WWF rufen Unternehmen und EU-Mitgliedstaaten jetzt gleichermaßen auf, sicherere Alternativen zu schaffen und Maßnahmen zur Verringerung der Belastung durch die genannten Chemiecocktails umzusetzen, damit hormonell aktive Substanzen nicht weiter Menschen schädigen.

Links

Women in Europe for a Common Future e.V.

Offizielle Webseite der EU zur REACH-Verordnung (REACH – Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe)

Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH-Verordnung) (bei Wikipedia)

State of the Evidence – The Connection Between Breast Cancer and the Environment
(Bericht in dt. Sprache bei uns)

Rubrik umweltöstrogene


Die Zusammenhänge zwischen Brustkrebs und Umwelt: 5. Auflage der Beweislage Stand 2008 | Breast Cancer Fund

Brustkrebs und Umwelt: State of the Evidence 2008

Brustkrebs und Umwelt: State of the Evidence 2008


10 Jahre ist es inzwischen her, dass Andrea R. Martin, die im Jahr 2003 an den Folgen ihrer Krebserkrankung starb, damit begann, systematisch das Thema Umwelt und Brustkrebs auf die Tagesordnung zu stellen. Es gab kaum Forschungsarbeiten und niemand wollte das Thema intensiver untersuchen, während die Brustkrebsraten immer weiter anstiegen.

Nun ist die 5. Auflage des immer weiter anwachsenden Werks „Die Beweislage 2008 – Zusammenhänge zwischen Brustkrebs und Umwelt“ („State of the Evidence – The Connection between Breast Cancer and the Environment“, herausgegeben von Dr. Janet Gray und der Stiftung „Breast Cancer Fund“) erschienen.

Diese sorgfältige Zusammenstellung des Wissenstandes ist ein „Muss“ im Kontext Brustkrebs und Umwelt. Die neue Auflage enthält nicht nur eine Analyse von rund 400 wissenschaftlichen Studien über Chemikalien und radioaktive Strahlung in Verbindung mit dem Ansteigen des Brustkrebsrisikos, sondern auch detaillierte Empfehlungen für die Forschung und politische Veränderungen einschließlich der sich daraus ergebenden Forderungen zur Vermeidung von Brustkrebs bei unseren Kindern und Enkelinnen.

Eine Studie allein trägt nur wenig zum komplexen Verständnis der Möglichkeiten einer Krankheitsprävention bei. „State of the Evidence 2008 betrachtet die Ursachen und Möglichkeiten der Prävention von Brustkrebs komplexer.

  • Wo kommen wir in Kontakt mit Chemikalien oder ionisierender Strahlung?
  • Was ist wichtig im Zusammenhang mit der Verschmutzung unserer Atemluft?
  • Welche Forderungen müssen im Zusammenhang mit Kosmetik, Reinigungsmitteln, Hormonen in der Nahrung, im Umgang mit Pestiziden, im Beruf oder beim Strahlenschutz umgesetzt werden?
  • Welche Chemikalien sollten vermieden werden?

“State of the Evidence 2008″ betrachtet die Komplexität der Ursachen von Brustkrebs, die Zusammenhänge im zeitlichen Ablauf, aber auch genetische Aspekte im Zusammenhang mit der Entstehung von Brustkrebs.

Die Dokumentation ist in drei Hauptbereiche unterteilt:

  1. Chemische Karzinogene
  2. Hormone und endokrin wirkenden Substanzen und
  3. Strahlenschutz

Die wissenschaftlichen Belege zu Brustkrebs und Umwelt werden in verschiedene Kategorien einteilt. Jede Kategorie beinhaltet eine Übersicht sowie Merkblätter für einzelne Chemikalien.
Breast Cancer Fund stellt nicht nur die Dokumentation „State of the Evidence 2008“ zur Verfügung. Es gibt auch einen Leitfaden für Interessenvertreterinnen und einen Podcast mit Dr. Janet Gray und der Leiterin der Stiftung „Breast Cancer Fund“, Jeanne Rizzo. Leider alles nur in englischer Sprache …

Zu viele von uns haben persönliche Erfahrungen mit Brustkrebs, ob sie nun selbst betroffen sind oder eine erkrankte Frau kennen. „Breast Cancer Fund“ wird daran arbeiten, gesundheitspolitische Verbesserungen zum Schutz vor Chemikalien in unserem täglichen Leben – z.B. auch bezüglich einer Kontamination mit Abfällen von Medikamenten – und viele weitere Verbesserungen zu erreichen.

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“State of the Evidence” per Email bestellen
“Leitfaden für InteressenvertreterInnen” per Email bestellen

Die älteren Auflagen

State of the Evidence 2006
State of the Evidence 2004
State of the Evidence 2003
State of the Evidence 2002

Zum Anhören

Podcast zum Anhören zur Neuauflage 2008 (in englischer Sprache)

Rubrik chemikalien, grundsätzliches, strahlenschutz

Stichwort


Ein vermeidbares Brustkrebsrisiko: Pestizide in Haus und Garten

von Gudrun Kemper pdf Text als pdf/Druckversion

Obwohl bereits eine ganze Reihe von Forschungen die Wirkungen von Pestiziden im industriellen Umfeld untersucht haben, gibt es bisher erst wenige Untersuchungen zu den täglich im Haushalt verwendeten Chemikalien und möglichen Schädigungen, die sie bei Menschen hervorrufen.

In New York legte Susan Teitelbaum von der „Mount Sinai School of Medicine“ mit ihrem Team eine Arbeit zur Pestizidbelastung im Haushalt vor, die Zusammenhänge der Entstehung von Brustkrebs bei Frauen auf Long Island untersucht.

Teitelbaum nahm eine Gruppe von 1.508 Frauen unter die Lupe, die in den Jahren 1995 – 1996 mit Brustkrebs diagnostiziert wurde. Diese verglich sie mit einer randomisierten Kontrollgruppe von 1.556 Frauen, die bisher nicht erkrankt sind.

Ihre Ergebnisse zeigen Zusammenhänge zwischen Pestiziden in Haus und Garten und der Brustkrebsentstehung auf. Die Forschungsarbeit ist Teil eines größer angelegten Forschungsprojektes, das sich mit dem Brustkrebsrisiko und Umweltrisiken bei Frauen in den zwei New Yorker Bezirken Nassau und Suffolk befasst.

In der Zeitschrift United Press International wurde ein Interview mit Susan Titelbaum geführt. Auf die Frage, warum man nicht bereits früher auf die Zusammenhänge zwischen Pestizideinsatz im alltäglichen Einsatz und Brustkrebs geschaut hat, verweist Teitelbaum darauf, dass man zuvor zunächst das berufliche Umfeld untersucht hat, weil dort die Emissionen höher waren.

Ein besonderes Projekt, das Long Island Breast Cancer Study-Projekt, war insbesondere deswegen entwickelt worden, um diese Zusammenhänge zwischen Umwelt und Brustkrebs intensiver zu untersuchen. Pestizide fallen unter die Umweltgifte. Zunächst lag der Fokus in dieser Studie nicht auf Brustkrebs. Die Vorarbeiten für die Studie gestalteten sich sehr langwierig. Zuerst musste eine gesetzliche Regelung her, um dieses Forschungsprojekt 1994 überhaupt entwickeln zu können. Es dauerte sehr lange, die notwendigen Daten für diese Studie zu sammeln und sie später auszuarbeiten und zu veröffentlichen.

Susan Teitelbaum berichtet in dem genannten Interview, dass sie zunächst beim Beginn der Analyse nicht wussten, was sie im Ergebnis später finden würden. Zuerst wurde auf die Blutproben geschaut. Es wurde dabei gemessen, ob man Organochlorverbindungen (sog. Chlorkohlenwasserstoffe), zu denen zum Beispiel auch das DDT gehört, findet. Organochlorverbindungen sind Pestizide, die in den USA vor allem in den 70er und 80er Jahren eingesetzt wurden und dort dann verboten worden sind, während sie aber weltweit vielfach noch eingesetzt werden. Wissenschaftler haben von einem erhöhten Krebsrisiko berichtet, wenn die vorgefundenen DDT Werte bestimmte Grenzwerte überschritten haben. Teitelbaum hat den Gebrauch solcher Substanzen in ihrer Arbeit bei den Frauen abgefragt. Wenn sie selbst persönlich DDT benutzt hatten – und viele Schädlingsbekämpfungsprobleme, die abgefragt wurden in dem Fragenkatalog der Studie, sind mit DDT behandelt worden – dann war ein erhöhtes Risiko erkennbar.

Auch im Zusammenhang mit einer Analyse der Blutproben auf Chlorkohlenwasserstoffe zeigte sich, dass Frauen, die es insbesondere bei Rasen- und Gartenproblemen angewendet hatten, ein erhöhtes Brustkrebsrisiko hatten. Auch Insektizide, zum Beispiel Mittel gegen Läuse, wurden in der Studie untersucht. Hier konnte ein Zusammenhang zwischen der Brustkrebsentstehung und diesen Mitteln jedoch nicht festgestellt werden. Teitelbaum weist demnach auch darauf hin, dass einzelne Pestizide als Karzinogene identifiziert werden konnten, andere jedoch nicht. Auch könnte bei bestimmten Einsatzarten die Dosierung eine Rolle spielen, so dass also die Pestizidbelastung zu gering war und so noch keine Erkrankung verursacht wurde.

Teitelbaum wurde auch gefragt, warum der Fokus der Untersuchung zu Pestiziden auf Long Island gelegt wurde. Sie erzählte, dass auf Long Island historisch gesehen eine sehr gut organisierte Brustkrebsbewegung aktiv ist. Frauen vor Ort waren aufgrund ihrer hohen Erkrankungsraten sehr besorgt. Sie engagierten sich, damit eine Studie die Ursachen untersucht, und das Nationale Krebsforschungsinstitut (National Cancer Institute, Link zum Forschungsprojekt) und das Nationale Institut für Umwelt und Gesundheitswissenschaft (National Institute of Environmental Health Sciences, Link zum “Basic Research Programm”) finanzierten die Forschungsarbeit. Die Fallkontrollstudie in dieser Studie ist mittlerweile abgeschlossen, aber die Analyse der Daten wird fortgesetzt.

Teitelbaum berichtet weiter, dass der Gebrauch von Pestiziden bei Frauen stark verbreitet ist und nur sehr wenige Frauen gefunden wurden, die überhaupt nicht mit Pestiziden in Kontakt gekommen sind. Dieses machte auch die Einschreibung der Frauen in die Kontrollgruppe schwierig und man schloss hier Frauen ein, bei denen man die geringsten Kontaminationen festgestellt hatte. Diese nicht ungefährlichen Pestizide sind so gebräuchlich, dass sie bereits fast die gesamte Bevölkerung betreffen. Der Lebensstil spielt hier eine Rolle, niemand möchte Ungeziefer im Haus haben. Susan Teitelbaum weist darauf hin, dass man sich beim Einsatz der Chemikalien nicht notwendigerweise entsprechende Fragen nach den eventuellen Langzeitwirkungen stellt. Allerdings gibt es inzwischen auch bereits ein starkes Bewusstsein für alternative Möglichkeiten in der Schädlingsbekämpfung.

Insbesondere Rasen- und Gartenpestizide stehen nach der vorgelegten Untersuchung in einem Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Teitelbaum weist darauf hin, dass die vorgelegte Forschungsarbeit also eine Entscheidungshilfe für den Einsatz bzw. Verzicht auf solche Mittel ist und die Suche nach Alternativen sehr sinnvoll erscheinen lässt. Es geht um ein vermeidbares Risiko. Teitelbaum fasst als Botschaft für alle, die dieses unnötige Risiko ausschließen möchten, zusammen, dass in Kenntnis der Zusammenhänge nichts dagegen spricht, sich für den ganz persönlichen Stop des Gebrauchs von Pestiziden zu entscheiden.

Susan Teitelbaum wird weiterforschen. Sie arbeitet an verschiedenen hormonartigen Umweltchemikalien, sogenannten „Endocrine Disrupters“ (Stoffe, die im Verdacht stehen, das Hormonsystem von Lebewesen negativ zu beeinflussen) weiter, um deren Rolle bei der Entstehung von Brustkrebs genauer ins Visier zu nehmen. Diese Chemikalien sind Stoffe, die in die Umwelt gelangen, etwa Reste von Antibabypillen und anderen Medikamenten im Abwasser, aber auch Stoffe wie etwa Phytoöstrogene, Dioxine etc.

Weiterführende Links:

Susan L. Teitelbaum et al.: Reported Residential Pesticide Use and Breast Cancer Risk on Long Island, New York
In: Am. J. Epidemiol..2006; 0: kwk046v1-9
http://aje.oxfordjournals.org/cgi/content/abstract/kwk046v1

Interview mit Susan Teitelbaum bei United Press International / Consumer Health:
http://www.upi.com/ConsumerHealthDaily/view.php?StoryID=20070119-044528-6742r

Achim-Jürgen Spechter: Umweltfaktoren, Pestizide und Brustkrebs (Dissertation), Landshut 2005. Aus der Zusammenfassung der Arbeit, S. 130: “Allein der Nachweis von DDE, DDT, HCB, β-HCH, PCB-Kongeneren und PCP im Fettgewebe der Mamma zeigt, dass diese Substanzen über lange Zeit in Kontakt mit den duktalen Epithelzellen stehen und dort hormonimitierende und z.T. kanzerogene Wirkungen entfalten können.”

Website “Endocrine Disrupters” der EU (leider ohne deutschsprachige Version):
http://ec.europa.eu/environment/endocrine/definitions/endodis_en.htm

Kleines Video der Universität Ottawa, das die Funktionsweise dieser hormonartig wirkenden Chemikalien zeigt (mehrfach auf „play“ klicken, um die einzelnen Schritte anzusehen: http://www.emcom.ca/EM/humans.shtml)

Rubrik haus & garten, pestizide

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Prävention: 10-Punkte-Plan zur Reduzierung von Brustkrebs

Text: Breast Cancer Action (BCA), San Francisco, USA, übersetzt aus dem Amerikanischen von Gudrun Kemper
10-Punkte-Plan zur Reduzierung von Brustkrebs (Stand 2006), Neuauflage 2008, Kontext s. auch die Charta von Ottawa

  1. Etablierung eines Umwelt-Gesundheitsschutz-Programms (Environmental Health Tracking) auf Landes- und Bundesebene.
  2. Einführung des “gesunden Einkaufens” durch den Abschluss präventiver Kaufgesetze auf lokaler, föderaler und staatlicher Ebene.
  3. Schutz von Mitarbeitern vor gefährlichen Emmissionen.
  4. Schulung der Öffentlichkeit über die gesundheitsbezogenen Effekte von Strahlung und die Möglichkeiten der Reduktion von ionisierender und nicht ionisierender Strahlung.
  5. Herstellung der Verantwortlichkeit von Körperschaften beim Einsatz gefährdender Verfahrensweisen.
  6. Angebote auf lokaler, staatlicher und Landesebene für saubere, grüne Praxis.
  7. Stärkung einer Gesetzgebung des Rechtes auf Wissen und die Beteiligung der Öffentlichkeit an den Entscheidungen über giftige Emissionen.
  8. Durchsetzung der vorhandenen Umweltschutzgesetze
  9. Umsetzung einer grösseren Transparenz bei der Finanzierung der wissenschaftlichen und medizinischen Ausbildung, in der Forschung und der Veröffentlichung von Publikationen.
  10. Entwicklung einer umfassenden Chemikalienpolitik, die auf dem präventiven (vorbeugenden) Prinzip basiert.

Originaltext der 4. Auflage: >>> (pdf) http://www.bcaction.org/PDF/StateofEvidence.pdf
Quelle: Stand der Beweisaufnahme: Wo finden sich Verbindungen zwischen Umwelt und Brustkrebs? (”State of the Evidence: What is the Connection between the Environment and Breast Cancer?”, hrsg. von Nancy Evans) Breast Cancer Fund, 2006, S. 12

Mit der neuen, nun bereits 4. Auflage von “State of the Evidence: What is the Connection between the Environment and Breast Cancer?” – aus dem Jahr 2006 – wurde der “6-Punkte-Plan” erneuert und verändert. Aber auch die Vorgängerversion aus dem Jahr 2004 ist lesenswert. Deswegen folgt hier nachfolgend der sehr präzise ausformulierte Text aus der 3. Auflage:

6-Punkte-Plan zur Reduzierung von Brustkrebs

(3. Auflage, Stand 2004)

  1. Stufenweise Aussonderung aller Chemikalien, von denen bekannt ist, dass sie Krebs oder genetische Veränderungen hervorrufen; Test aller Chemikalien, die verwendet werden und am Markt zugelassen sind, auf ihre Effekte auf die menschliche Gesundheit und Umwelt. Informationen darüber sind öffentlich zu machen. Chemikalien: Xenoöstrogene & Östrogene, Progestine, Pflanzenöstrogene, Lösungsmittel, Aromatische Eiweiße, DDT/DDE und PC1, polycyclische aromatische Hydrocarbonate, Dioxin, Äthylenoxid, Heptachlor, Herbizide, Weichmacher, Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln.
  2. Information der Bevölkerung über die Effekte von Strahlung und Möglichkeiten, diese Exposition sowohl radioaktiver wie nicht ionisierender Strahlung zu reduzieren. Strahlung: UV-Strahlung (Sonne, Solarien, elektromagnetische Strahlung, radioaktive Strahlung. Es ist schwierig, hier anzusetzen und zu forschen, da alle dieser Strahlung ausgesetzt sind, aber es erscheint ein sorgsamer & schützender Umgang geboten.)
  3. Überwachung von chemischer Körperbelastung und epidemiologischen gesundheitsbezogenen Auswirkungen durch Bioproben wie Blut, Urin, Fett und Brustmilch. Etablierung eines übergreifenden Programms, um synthetische Chemikalien und ihre metabolischen Produkte in Menschen zu erforschen, Dokumentation aller geographischen Verbreitungsmuster und Gesundheitsergebnisse. Initialisierung eines Plans, um die Kontaminationen zu eliminieren.
  4. Herstellung der Rechenschafts- und Haftpflicht für Körperschaften und intensive Werbung für saubere, grüne Praktiken
  5. Erlassen von „grünen” Rechten und konsequente Durchsetzung existierender Umweltrechte.
  6. Praktizierung von “gesunder Beschaffung” in lokalen, staatlichen und föderalen Regierungen zeigt einen Weg in umweltfreundlicher Beschaffung von zu bevorzugenden Produkten auf, um so ein Beispiel zu entwickeln, dem Körperschaften und lndividuen folgen können. Studien des 1946 ursprünglich im Kampf gegen Malaria gegründeten “Center for Disease Control and Prevention” (CDC, Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention, eine der 13 Haupteinrichtungen der amerikanischen Regierung für den Gesundheitsschutz) zeigen, dass Amerikaner in allen Altersgruppen eine Körperlast von durchschnittlich 116 Chemikalien haben; manche davon sind so stabil und toxisch, dass sie über zwei Jahrzehnte im Körper verbleiben. Die zunehmende Evidenz, dass Chemikalien und Strahlung das Brustkrebsrisiko (und damit das vieler anderer Erkrankungen) ansteigen lassen, sollte nicht ignoriert werden.

Vergleichszahlen aus den USA: In den 40er Jahren erkrankte in Amerika ca. jede 44. Frau an Brustkrebs, heute ist es bereits jede 8. Frau.

Gesundheit ist an die erste Stelle zu stellen. lst es nicht Zeit, den Kurs intensiver zu verändern?

Mehr Info:

Übersicht über relevante Arbeiten aus der Perspektive von Frauen (dt. Übersetzung überfällig!)
Filmprojekt: “No family history” zum Schwerpunktthema Prävention (Film von Sabrina McCormick)

Rubrik grundsätzliches, krebsvermeidung

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No family history: Ein Film von Sabrina McCormick

Video lädt … bitte wenige Sekunden Geduld. Videoausschnitte aus Sabrina McCormicks Film “No family history”

Ist Prävention unmöglich?
Oder fehlt es nur an größeren Anstrengungen bei der Ursachenforschung, um Brustkrebs wirklich effektiv verhindern zu können?

” No family history”, der Film der Soziologin Prof. Dr. Sabrina McCormick, die Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Umwelt erforscht, ist eine Dokumentation, die am 9. Dezember 2006 an der Harvard University (Cambridge, MA, USA) erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und für die weitere Unterstützung gesucht wird. Die Dokumenation fand in den USA insbesondere deswegen viel Aufmerksamkeit, da der einseitige Blick von Politik, Medizi, Gesellschaft und Medien auf eine “Heilung” der Erkrankung als mehr oder weniger einzigem Ansatz aufgehoben und einmal nicht das Thema ist, sondern weil Ursachen und Möglichkeiten der Vermeidung von Brustkrebs thematisch aufgenommen werden. Weil man Arbeiten zur Ursachenforschung, insbesondere zum Zusammenhang zwischen Brustkrebs und Umwelt, bei uns vergebens sucht, sind hier Ausschnitte aus dem Film in englischer Sprache – versehen mit einigen kleinen Übersetzungshilfen zum Verständnis:

Während die Neuerkrankungsraten bei Brustkrebs weltweit beständig weiter ansteigen, wird die ernsthafte Frage nach den Ursachen weiter vernachlässigt. Frauen mit Brustkrebs könnten sich auf den Standpunkt stellen, dass sie selbst von dieser Frage nach den Ursachen gar nicht betroffen sind, denn sie haben die Erkrankung bereits. Viele von ihnen sind jedoch besorgt um ihre Töchter und Enkelinnen und möchten, dass wenigstens ihnen die Krankheit mit ihren massiven Folgen zukünftig erspart bleibt. 1964 wurde bei einer von 20 Frauen in den USA Brustkrebs diagnostiziert, im Jahr 2006 ist bereits jede 8. Frau betroffen. “Ich sehe, dass mehr und mehr junge Frauen an Brustkrebs erkranken. Und immer mehr junge Frauen sterben an Brustkrebs.” Rund 40.000 Frauen werden in den USA momentan jährlich an den Folgen von Brustkrebs sterben, das ist umgerechnet alle 13 Minuten eine Frau …
“Brustkrebs ist eines der größten gesundheitlichen Probleme von Frauen. Das ist nicht einfach zu verändern, und auch die Therapien sind nicht einfach und schnell.” …
Karen berichtet über ihren Lebensstil und ihre Brustkrebserkrankung, sie denkt, dass die Umweltbedingungen eine der Ursachen bei ihrer eigenen Erkrankung ist, während ihre Tochter das Wort “Mastektomie” übt.

Mehr als 140 Chemikalien sind bereits identifiziert worden, die eine Rolle bei der Verursachung von Brustkrebs spielen. Sie sind z.B. in Kosmetika wie Handcremes, Deodorants, Nagellacken, Haarspray aber auch im Trinkwasser enthalten. Barbara Brenner von Breast Cancer Action (SF) berichtet über die Versprechungen in Bezug auf die Heilung von Brustkrebs und die Gelder, die mit diesem Versprechen gesammelt werden, weil jede/r eine Frau kennt, die erkrankt ist.
Aber niemand spricht über Prävention und das, was die Erkrankung verursacht. Alle befassen sich mit der Therapie der Erkrankung, aber niemand fragt, warum die Erkrankungsraten seit den 1940er Jahren so stark ansteigen, in den USA durchschnittlich um 1% pro Jahr. Erkrankte Frauen sprechen es aus: “Es ist etwas in unserer Umwelt, was Brustkrebs auslöst … ”

Auch bei uns werden zur Zeit Kampagnen bei genetisch bedingtem Brustkrebs stärker und der Druck auf die Frauen nimmt zu. Man geht zur Zeit davon aus, dass nur rund 5% der Brustkrebserkrankungen auf genetisch bedingte Ursachen zurückgehen könnten und auch wer Genveränderungen hat, muss nicht zwangsläufig erkranken, auch wenn das Risiko tatsächlich erhöht ist.

“No family history”, der Film der Soziologin Prof. Dr. Sabrina McCormick, die Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Umwelt erforscht, schaut auf Kontaminationen und synergistische Effekte in der Luft, die wir atmen, der Nahrung, die wir zu uns nehmen, auf das Wasser, das wir trinken und die Produkte, die wir benutzen, in der Körperpflege, in Haus und Garten.

“No family history” von Sabrina McCormick ist inzwischen als Buch erschienen. Eine Rezension mit weiteren Inhalten ist bei uns in Vorbereitung.

Weitere Infos:

Rubrik umweltverschmutzung, umweltöstrogene

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“Frauen werden giftig” – Ein Positionspapier

Positionspapier von Women in Europe for a Common Future (WECF e.V.) zur Aktion am Weltfrauentag am 8. März 2005

Für eine Zukunft ohne gefährliche Chemikalien

Wir alle sind von den negativen Auswirkungen durch gesundheitsschädliche Chemikalien betroffen. Täglich kommen wir mit ihnen in Berührung, da sie in vielen Produkten des alltäglichen Bedarfs zu finden sind: Bromierte Flammschutzmittel in Fernsehern, Weichmacher in Duschvorhängen und Auslegeware oder Formaldehyd in Lufterfrischern, um nur einige Beispiele zu nennen. Von vielen Produkten sind jedoch die Inhaltsstoffe und ihre (Wechsel-) Wirkungen nicht bekannt oder das Wissen darüber ist nur lückenhaft. Von den rund 30.000 Industriechemikalien, die jährlich mit mehr als einer Tonne produziert werden, sind bislang nur 140 ausreichend auf ihre Wirkungen bewertet. (1)

REACH – die neue europäische Chemikalien-Gesetzgebung kann (Ab)hilfe bringen

Jetzt gibt es die einmalige politische Chance, dieses Defizit zu beseitigen. Die geplante europäische Chemikalienverordnung REACH (Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien) bietet die Möglichkeit, dem unzumutbaren Umgang mit ungeprüften Chemikalien Einhalt zu gebieten. Bei der Mehrzahl der in unserer Umwelt zu findenden Chemikalien haben wir nur unzureichende Informationen über deren Wirkungen auf den Menschen und deren Abbaubarkeit in der Umwelt. Die neue europäische Chemikaliengesetzgebung REACH schafft einen Rahmen, um Wissenslücken über die auf dem Markt befindlichen Stoffe zu schließen und schädliche Stoffe durch sichere Alternativen zu ersetzen.

Wir begrüßen und unterstützen diese längst überfällige Verordnung, auch wenn sie nur ein erster Schritt in die richtige Richtung ist. Jedoch geht die Gesetzesvorlage in der jetzigen Form nicht weit genug, um uns vor den negativen Auswirkungen von gefährlichen Chemikalien zu schützen. Deshalb bedarf es unbedingt wichtiger Veränderungen an der REACH-Vorlage:

1. Besonders gefährliche Chemikalien dürfen keine Vermarktungserlaubnis erhalten.
2. Kinder und besonders gefährdete Gruppen müssen die Grundlage für die Risikobewertung von Chemikalien sein.
3. Informationen über die Gefährlichkeit von Chemikalien müssen klar definiert und stets verfügbar sein, inklusive der Angabe aller Produktinhaltsstoffe.
4. Für Chemikalien in importierten Artikeln müssen dieselben Informations-anforderungen gelten wie für EU-Produkte.
5. Im Anmeldeverfahren für Chemikalien mit einem Produktionsvolumen von 1-10 Tonnen sollten mehr Datenanforderungen erhoben werden, um Aussagen über die Gefährlichkeit und deren Verhalten in Lebewesen und Umwelt treffen zu können.
6. Die von der Industrie vorgelegten Daten müssen einer unabhängigen Qualitätskontrolle unterzogen werden.
7. Um das Anmeldeverfahren zu vereinfachen und Kosten zu sparen, sollten sich Hersteller/innen ein und desselben Stoffes zur Ermittlung bzw. Verwendung der angeforderten Daten zusammenschließen.

Warum werden Frauen aktiv?

Frauen bringen in den politischen Prozess verschiedene Erfahrungen aus unterschiedlichen Lebenszusammenhängen ein. Ihre meist größere Sensibilität für Themen des persönlichen Umfelds und eine andere Prioritätensetzung etwa aufgrund von Mutterschaft eröffnen neue Perspektiven.

Frauen übernehmen meist mehr Verantwortung für ihre Gesundheit und in hohem Maße für die Gesundheit ihrer Familie. Darüber hinaus reichern sich gefährliche Stoffe aufgrund ihrer Fettlöslichkeit stärker im weiblichen Körper an, da dieser im Durchschnitt mehr Fett enthält. Die unterschiedlichen körperlichen Stadien, die Frauen durchlaufen und die durch das Hormonsystem gesteuert sind, machen Frauen sehr anfällig für Stoffe, deren Wirkung hormonähnlich ist.

Wir wollen unser Lebensumfeld und unsere Lebensgrundlagen nicht weiter vergiften lassen! Wir fordern die Wirtschaft auf, Verantwortung für ihre Produkte zu übernehmen und nur gesundheits- und umweltverträgliche Artikel auf den Markt zu bringen. Aufgabe der Politik ist es sich für eine Gesetzgebung stark zu machen, die einen optimalen Schutz der Gesundheit und der Umwelt gewährleistet.

Hierzu gehört, dass gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe in Produkten des alltäglichen Lebens zu vermeiden sind. Inhaltsstoffe, die

  • krebserregend (karzinogen)
  • fortpflanzungsschädigend
  • erbgutschädigend (mutagen)
  • langlebig (persistent)
  • bioakkumulativ (sich in Fettgeweben zu immer höheren Konzentrationen anreichern)
  • giftig
  • hormonell wirksam
  • stark sensibilisierend

sind, müssen durch unschädliche Alternativen ersetzt werden.

Frauen fordern, dass die Inhaltsstoffe von Produkten vollständig und allgemeinverständlich deklariert werden, so dass sie die Wahl haben, ihre Gesundheit nicht durch schädliche Produkte zu gefährden.

Auch Wasser, Boden und Luft und die biologischen Ökosysteme dürfen nicht länger durch Chemikalien gefährdet werden. Die dauerhafte Sicherung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes, die Regenerationsfähigkeit der Naturgüter, der Schutz der Tier- und Pflanzenwelt und ihrer Lebensräume sowie der Erhalt der biologischen Vielfalt sind für unser aller Zukunft unerlässlich.

Frauen haben einen wertvollen Erfahrungsschatz und Sachkompetenz

Der Umgang mit gesundheitsschädlichen Chemikalien gehört auf die politische Tagesordnung und muss öffentlich diskutiert werden. Es geht alle an, welchen Risiken wir ausgesetzt sind und wie wir damit in unserer Gesellschaft umgehen.
Frauen bringen in diese Diskussion vielfältige Aspekte und Sachkompetenzen ein, die sie aus ihrer reichen Erfahrung aus unterschiedlichen Lebenslagen und Rollenzuweisungen schöpfen – sei es als Konsumentin, verantwortungsvolle Bürgerin, Unternehmerin, Arbeitnehmerin, Mutter oder Partnerin.

Frauen wollen wissen, was sie konsumieren

Frauen treffen täglich eine Vielzahl von Konsumentscheidungen. Sie kaufen Produkte des alltäglichen Bedarfs nicht nur für sich, sondern meist für den gesamten Haushalt. Ohne vollständige Angabe der Inhaltsstoffe oder aussagekräftige Label sind die Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeiten für den Kauf von gesunden und sicheren Produkten stark eingeschränkt bzw. nicht vorhanden. Dieses Defizit ist dringend zu beseitigen.

Frauen fühlen sich verantwortlich in einer globalisierten Welt
Umweltprobleme im einundzwanzigsten Jahrhundert sind vor allem globaler Natur. Auch das Problem schädlicher Chemikalien in der Umwelt ist längst ein weltweites Problem. Die in wärmeren Ländern der Erde produzierten und freigesetzten Dauergifte werden mit den Luftströmen in die Arktis transportiert, wo sie dann in die Nahrungskette von Meeressäugern und Menschen gelangen. So sind zum Beispiel bei der Bevölkerungsgruppe der Inuit, die unsere Konsumprodukte selbst nie genutzt haben, die höchsten Konzentrationen von Chemikalien in der Muttermilch festgestellt worden. Einige der Folgen davon für die Kinder der Inuit sind Immunschwäche und Intelligenzbeeinträchtigungen.

Die Europäische Union hat die Chance und als zweitgrößter Chemikalienmarkt der Welt die Verpflichtung, eine führende Rolle in der Debatte um einen zukunftsfähigen Umgang mit Chemikalien einzunehmen. In die EU importierte Artikel müssen in das Zulassungsverfahren der neuen REACH Gesetzgebung integriert werden. Darüber hinaus hat die EU sich 2002 in Johannesburg beim UN-Gipfel für Nachhaltige Entwicklung zusammen mit allen anderen Staaten der Erde dazu verpflichtet bis 2020 dafür zu sorgen, dass alle Chemikalien so produziert und verwendet werden, dass die negativen Folgen für die Gesundheit des Menschen und die Umwelt minimiert werden.

Mütter sorgen sich um die Gesundheit ihrer Kinder

Mütter wollen ihren Kindern einen unbelasteten Start ins Leben ermöglichen. Das Leben der Kinder soll nicht beeinträchtigt sein durch gesundheitsschädliche Chemikalien, die der Entwicklung schaden, die Intelligenz beeinträchtigen, durch Allergien die Lebensqualität rauben oder mit Krankheiten wie Krebs das Leben zerstören.

Eine Studie (2), bei der das Blut von 33 Personen aus 7 Familien (zwischen 9-88 Jahren) auf künstlich erzeugte Chemikalien untersucht wurde, zeigt, dass alle Kinder bereits ebenso viele Substanzen in ihrem Körper tragen wie ihre Eltern und teilweise bereits eine größere Anzahl als ihre Großeltern. Bei “neuen” Schadstoffen, wie z.B. bromierten Flammschutzmitteln und perfluorierten Verbindungen wurden bei drei Kindern sogar höhere Werte gefunden als bei deren Eltern.

Eine nicht bekannte Anzahl von gefährlichen Chemikalien lagert sich in unseren Körpern ab. Mütter sind gezwungen dieses giftige “Paket” während der Schwangerschaft und Stillzeit an ihre Kinder weiterzureichen, mit nicht absehbaren Folgen für deren Entwicklung und Gesundheit. Muttermilch – die beste, effektivste und kostengünstigste Nahrung für unsere Kinder – ist nicht frei von Schadstoffen. Dank der Verbote von gefährlichen Chemikalien wie DDT (ein Pestizid) oder Polychlorierte Biphenyle (PCB) sinkt zumindest deren Anteil in der Muttermilch.

Während die “Altlasten” nun in den Hintergrund rücken, treten neue Chemikalien in den Vordergrund. So wurden erstmalig, neben den synthetischen Duftstoffen, weitere Inhaltsstoffe aus Kosmetika in der Muttermilch nachgewiesen. Auch Flammschutzmittel, die in Computer- und Elektronikteilen sowie Textilien eingesetzt werden, sind inzwischen in der Muttermilch gefunden worden. Seit Mitte der achtziger Jahre zeigt der Trend dieser Chemikalien in der Muttermilch steil nach oben. (3)
Diese werden während der Milchbildungsphase aus dem Fettgewebe der Mutter in die Muttermilch übertragen und stellen so über das Stillen eine weitere Belastungsquelle des Kleinkindes in sensiblen Lebensphasen dar.

Die Studie “Compromising our children” (4) zeigt auf, dass synthetische chemische Substanzen, wie polychlorierte Biphenyle (PCB) und polybromierte Diphenylether (PBDE) die Intelligenz von Kindern beeinträchtigen. Die Erkenntnisse offenbaren in erschreckender Weise, dass Chemikalien, denen wir alle ausgesetzt sind, die Gehirnentwicklung und Motorik von Kindern schädigen können, und zwar schon in Konzentrationen, die bereits im menschlichen Blut nachgewiesen wurden. Aus der Studie geht auch hervor, dass 70 Prozent der meistgenutzten Chemikalien bisher nicht oder nur unzureichend auf ihre Effekte auf Gehirn und Nervensystem getestet wurden. Sie bergen daher ein unbekanntes Risiko für die kindliche Entwicklung.

Beobachtete Auswirkungen von chemischen Substanzen auf die Gehirnentwicklung von Kindern weltweit sind beispielsweise eine geringere Gedächtnisleistung, verminderte visuelle Wahrnehmung, geringer entwickelte Bewegungsfähigkeit sowie niedrigere Intelligenz-quotienten. Zusätzlich nimmt die Zahl der Kinder, die am Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) und an Autismus leiden, zu. Chemikalien geraten mehr und mehr in Verdacht auch hierbei eine Rolle zu spielen. Ein Wissenschaftlergremium aus den USA hat geschätzt, dass 10 % aller neurologischen Verhaltensstörungen vollständig oder teilweise durch Chemikalien verursacht sind.

In den Familien übernehmen meist die Frauen die Gesundheitsverantwortung. Das bedeutet, dass sie in großem Maße von den Krankheiten und Verhaltensauffälligkeiten ihrer Kinder betroffen sind. Unzählige Arztbesuche und Therapiemaßnahmen, sowie ein besonderes Ernährungs- und Pflegeprogramm sind zeit- und kostenintensiv. Vor allem der erhöhte Zeitaufwand schränkt die Erwerbsmöglichkeiten der betroffenen Mütter erheblich ein, teilweise sind sie gezwungen ihre berufliche Tätigkeit stark einzuschränken oder aufzugeben. Familien mit allergiekranken Kindern erleben eine Isolierung und Ausgrenzung vom gesellschaftlichen Leben.

Wenn Kinderwunsch ein Wunsch bleibt

Auch die Familienplanung bleibt von den uns umgebenden Giften nicht unberührt. Schädliche Chemikalien beeinflussen das Fortpflanzungsystem und können das Hormonsystem schädigen. So greift der weit verbreitete Weichmacher DEHP in die Entwicklung der männlichen Föten ein und kann zu Geburtsfehlern und späterer Unfruchtbarkeit führen (geringe Spermienqualität und -quantität) (5).

Nicht nur die Gesellschaft ist massiv betroffen, wenn Kinderwünsche unerfüllt bleiben. Für jede einzelne Betroffene bedeutet es, die Folgen von Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten bewältigen zu müssen, den eigenen Lebensplan aufzugeben und zu ändern.

Unternehmerinnen tragen Verantwortung für die Herstellung schadstofffreier Produkte. Arbeitnehmerinnen wollen einen gesunden Arbeitsplatz.

Als Entscheidungsträgerinnen in Unternehmen sind Frauen für die Arbeitsbedingungen ihrer Mitarbeiter/innen verantwortlich. Hierzu gehört auch, dass sie für einen sicheren Umgang mit Chemikalien am Arbeitsplatz und in den von ihnen zu produzierenden Erzeugnissen zu sorgen haben.

Fehlendes Wissen über die Stoffeigenschaften der eingesetzten Materialien verhindern adäquate Schutzmaßnahmen. Dies gilt nicht nur für Produktionsprozesse, bei denen Chemikalien eingesetzt werden, sondern auch für vermeintlich sichere Bürotätigkeiten. Viele Büroeinrichtungsgegenstände wie Teppichboden, Büromöbel, Computer, Kopiergeräte und Laserdrucker sind nicht für eine Innenraumnutzung optimiert. Selbst Siegel wie der Blaue Engel geben nur sehr begrenzt Sicherheit, da er sich nur auf bestimmte Kriterien bezieht und man dabei auf das vorhandene Wissen über die schädlichen Wirkungen von Inhaltsstoffen angewiesen ist. Unberücksichtigt bleibt die Vielzahl der nicht untersuchten Chemikalien, die Wirkungen, die durch die Anreicherung und Überlagerung, sowie Wechselwirkungen von Stoffen im Raum entstehen. Deshalb haben auch verantwortungsbewusste Arbeitgeberinnen bisher nur sehr beschränkte Möglichkeiten, die Gefährdung ihrer Arbeitnehmer/innen (und Konsumentinnen und Konsumenten) zu minimieren, da ihnen schlicht die Informationen über die chemische Zusammensetzung der benutzen Erzeugnissen und den prozessbezogenen Chemikalien fehlen (6).

Diese Informationslücken führen dazu, dass ein Zusammenhang zwischen Erkrankungen und im beruflichen Umfeld vorkommenden Chemikalien nur schwer nachweisbar ist oder erst gar nicht hergestellt wird.

Hinzu kommt, dass gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten mit hoher Arbeitslosigkeit auch die Leidensbereitschaft der Arbeitnehmer/innen ansteigt. So nehmen viele auch bei Krankheitszeichen keine medizinische Hilfe in Anspruch bzw. erforschen die wahre Ursache nur unzureichend. Die Dokumentationsmöglichkeiten dieser Erkrankungen und damit die Abschätzung ihrer – nicht nur – wirtschaftlichen Folgen sind so auch für Arbeitgeber/innen stark eingeschränkt. (7) Damit fehlen ihnen die Instrumente und Argumente um adäquat reagieren zu können.

Der Europäische Gewerkschaftsbund (ETUC) sieht jedoch in der Gefährdung durch Chemikalien eine der Hauptursachen für Todesfälle unter Europas Arbeitnehmer/innen. Nach ihren Schätzungen sind 32 Millionen Arbeitnehmer/innen in ihren Berufen krebserzeugenden Stoffen in Konzentrationen ausgesetzt, die weit über den Grenzwerten liegen. Pro Jahr sind zwischen 35.000 und 45.000 berufsbedingte Todesfälle durch Krebs zu verzeichnen (8). Hinzu kommen Erkrankungen wie Atemwegserkrankungen, Hautallergien und Störungen des Nervensystems etc (9).

Damit erwerbstätige Frauen in ihrer Rolle als Unternehmerin oder Arbeitnehmerin verantwortungsvoll handeln können, müssen Informationslücken über Inhaltsstoffe sämtlicher Produkte, mit denen sie in Berührung kommen, geschlossen werden.

Produkte sollten so entwickelt werden, dass alle ihre Inhaltstoffe klar definiert und deklariert sind und dass bereits bei der Entwicklung eine klare Auswahl und bewusste Entscheidung über die Inhaltstoffe getroffen wird. Nur wenn genau definiert ist, welche Inhaltstoffe in einem Produkt enthalten sind, kann eine hochwertige Wiederverwendung und Verwertung der eingesetzten Materialien in biologischen oder technischen Kreisläufen sichergestellt werden. Dies hat sehr positive Auswirkungen auf den Ressourcenverbrauch, der dadurch drastisch reduziert werden kann. Gleichzeitig würde dies unsere Entsorgungsprobleme erheblich mindern. Durch die vielen Löcher in unserer Kreislaufwirtschaft droht uns und unseren Lebensgrundlagen derzeit hingegen die schleichende Vergiftung.

Auf der Suche nach den Ursachen: Wenn Atemnot, Allergien, Brustkrebs und andere Krankheiten das Leben von Frauen und deren Familien bedrohen.

“Die weite Verbreitung von kleinen Mengen vieler Chemikalien… führt zu zunehmenden Risiken, da sie, allein oder in Kombination mit anderen Wirkstoffen, zur Entstehung von Krebs und Allergien beitragen und negative Auswirkungen auf das Fortpflanzungs- das Immun- und das Nervensystem haben können.” (10) Neuere Forschungen bestätigen, dass Chemikalien auch unterhalb der Grenzwerte gesundheitsschädigend wirken. Diese Erkenntnisse sollten ein wesentlicher Aspekt in der Gesundheitspolitik sein. Auch bei Diagnose und Therapie muss der Zusammenhang zwischen bestimmten Chemikalien und verschiedenartigsten Krankheiten wie Asthma, Krebs, Herzkreislauf- und Stoffwechselstörungen, Parkinson, Alzheimer usw. in Betracht gezogen werden.

Erschreckend ist zum Beispiel der drastische Anstieg an Krebserkrankungen. Eine amerikanische Studie (11) zeigt, dass jede siebte Frau an Brustkrebs erkrankt, dieses Jahr werden weltweit 370.000 Brustkrebstote erwartet. 50 % der Ursachen sind weder genetisch bedingt noch auf den Lebensstil zurückzuführen. Es häufen sich Hinweise, dass Strahlung und schädliche Chemikalien eine brustkrebsverursachende Wirkung haben, insbesondere hormonell wirkende Schadstoffe. Auch MCS (Multiple Chemical Sensitivity), eine vielfache Chemikalien-Unverträglichkeit, ist eine sich ausbreitende Krankheit. Sie wird durch eine einmalige massive Exposition oder durch längere Niedrigdosisexpositionen einer oder mehrerer toxischer Chemikalien verursacht und kann Frauen und Männer jeden Alters treffen. An MCS erkrankte Personen reagieren auf teilweise geringste Konzentrationen von Schadstoffen, z. B. Lösungsmittel, Pestizide, Duftstoffe, Feinstäube. Die Symptome sind vielfältig, treten in mehreren Organen auf und können unterschiedlich schwer sein. Die Symptome vermindern sich nur, wenn Schadstoffe im Umfeld reduziert werden.

Gesundheit und Wohlbefinden des Menschen sind von seiner Umwelt abhängig. Heute gibt es mehr denn je Substanzen, die Gesundheitsrisiken nach sich ziehen. Das rasante Wachstum moderner Technologien in unseren Industrie- und Wohlstandsgesellschaften ist begleitet von der Verbreitung neuartiger Substanzen, mit denen wir bisher nicht konfrontiert waren. Die bisherige Kenntnis über die Wirkungsmechanismen von Chemikalien beruht auf der Wirkungsweise von hohen Dosierungen bzw. Vergiftungen. Es gibt jedoch Hinweise, dass für das Entstehen chronischer Schäden, die jahrelange Einwirkung minimaler Mengen chemischer Substanzen ausreicht.

Wir brauchen Politikerinnen und Politiker, denen die Gesundheit der Menschen am Herzen liegt

Politikerinnen und Politiker gestalten die Rahmenbedingungen unserer Gesellschaft und nehmen damit eine wichtige Verantwortung für unsere Gesundheit wahr. Mit der geplanten europäischen Chemikalienverordnung REACH wird ein erster Schritt getan, uns vor den schon bekannten und den noch unbekannten Gefahren durch die Nutzung von Chemikalien zu schützen. Damit dieser Schritt gelingt und wir auf diesem Weg weitergehen können, werden Politikerinnen und Politiker gebraucht, die sensibel für diese Gefahren sind und denen unsere Gesundheit am Herzen liegt. Sie dürfen dem starken Lobbydruck der Industrie nicht nachgeben und sollten ihre Stellung in den Medien für Aufklärung nutzen. Es müssen an den Gesetzgebungsverfahren Frauen und Männer beteiligt sein, denen die vielfältigen Lebenswirklichkeiten und somit die Bedürfnisse der Menschen nach gesunden Lebensmitteln, gesunden Lebensräumen und gesunder Natur vertraut sind. Politikerinnen und Politiker müssen sich bei ihren Entscheidungen über neue Gesetzgebungen zur besseren Regulierung schädlicher Stoffe ihrer Verantwortung für unsere Gesundheit bewusst sein. Sie dürfen nicht leichtfertig der Logik der Machbarkeit folgen und viel zu hoch liegende Grenzwerte akzeptieren, sondern von Wissenschaft und Industrie neue kreative Lösungen noch offener Fragen, wie z.B. zur Mehrfachbelastung, fordern.

Auch als Wählerinnen haben Frauen es in der Hand, Frauen und Männer in die Parlamente und Regierungen zu wählen, die uns mit Gesetzen und Verordnungen vor den negativen Auswirkungen von Chemikalien schützen. Wir Wählerinnen müssen die Arbeit unserer Abgeordneten kontrollieren und unterstützen.

Es gibt dringenden Handlungsbedarf, um die Gesundheit und die Umwelt vor Auswirkungen durch schädliche Chemikalien zu schützen.

Jetzt muss die politisch einmalige Chance genutzt werden, die Chemikalienpolitik nach den Bedürfnissen der Bevölkerung zu gestalten. Mit der Umsetzung der vorgeschlagenen Änderungen kommen wir dem Ziel einer starken, sicheren und verbesserten europäischen Chemikalienverordnung näher.

März 2005

Unterzeichner des Papiers:
AAK Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind
BPW Business Professional Women
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
BUND Jugend
DNR Deutsche Naturschutzring
Forum Umwelt und Entwicklung
Greenpeace
Grüne Liga Berlin
Hamburger Umweltinstitut
IGUMED Interdisziplinäre Gesellschaft für Umweltmedizin e.V.
NUT Frauen in Naturwissenschaft und Technik
WECF Women in Europe for a Common Future

Wir unterstützten diese Arbeit und dieses Papier ausdrücklich!

(1) KOM (2001) 88, Weißbuch, Strategie für eine zukünftige Chemikalienpolitik, 27. Februar 2001
(2) WWF-UK and The Cooperation Bank, “Contamination: The next generation – Results of the family chemical contamination survey”; October 2004 www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/02139/index.html
(3) Trends der Rückstandsgehalte in Frauenmilch der Bundesrepublik Deutschland – Aufbau der Frauenmilch- und Dioxin-Humandatenbank am BgVV, 2000
(4) WWF-UK “Compromising our children – chemical impacts on children’s intelligence and behavior, Juni 2004, www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/01915/index.html
(5) SWAN S, Elkin Ep, Fenster l (2000): The Question of declining sperm density revisited: An Analysis of 1001 Studies published 1934-1996, Environment Health Perspective 108 (10): 961-966
(6) International Chemical Secretariat (ChemSec) 2005, Was wir von REACH erwarten, Anmerkungen zum Vorschlag für eine neue EU-Chemikaliengesetzgebung, Statement H&M, Seite 9.
(7) Rühl, Reinhard, Das Nutzenpotential von REACH – Abschätzung für ein Teilsegment, Bau-Berufsgenossenschaft, Frankfurt am Main, 2004
(8) Kogevinas et al: Estimation of the burden of occupational cancer in Europe – von Europa finanzierte Studie zur Krebsvorbeugung (Vertrag SOC96-200742 05F02), 1998
(9) International Chemical Secretariat (ChemSec) 2005, Was wir von REACH erwarten, Anmerkungen zum Vorschlag für eine neue EU-Chemikaliengesetzgebung, Statement ETUC, Seite 17.
(10) Europäische Umweltbehörde (2001)
(11) Breast Cancer Fund and Breast Cancer Action ” State of the Evidence – What Is the Connection Between the Environment and Breast Cancer?” Oktober, 2004

pdf “Frauen werden giftig” - Positionspapier zur Aktion am Weltfrauentag 2005 bei WECF e.V.

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Wege zur Prävention von Brustkrebs (auf unserer Webseite …)

Rubrik chemikalien, grundsätzliches, umweltöstrogene

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Brustkrebs und Chemikalien mit östrogener Wirkung

Schrot und Korn: Heft 10/1997

Schrot & Korn: Heft 10/1997

Bereits im Heft 10/1997 wurde in der Zeitschrift “Schrot & Korn” von der Medizinsoziologin >>> Regina Stolzenberg aus Berlin ein Artikel veröffentlicht, der sich mit dem Thema Umweltöstrogene und Ursachen der Brustkrebsentstehung befasst.

Das wichtige Thema ist insbesondere bei uns in Deutschland weitgehend unterbelichtet. Es fehlen verständliche Ausarbeitungen, Zusammenfassungen und ein Platz, an dem relevante Arbeiten zu diesem wichtigen Thema in deutscher Sprache systematisch verfügbar gemacht werden – für alle, die sich für diese Fragestellungen interessieren. Es geht nicht nur darum, dass wissenschaftliche Literatur in Datenbanken für die Wissenschaft gesammelt wird. Wichtig ist auch, dass Informationen, die Auswirkungen auf die Gesundheit von allen haben, Frauen auch erreichen, damit sie Schlüsse für ihre Gesundheit, für die Gesundheit von Kindern und Familie treffen können.

Regina Stolzenberg schreibt bereits 1997 von der Entdeckung, dass Plastik Substanzen absondert, die eine östrogene Wirkung haben, s. auch unseren Bericht >>> Beunruhigendes Mineralwasser: Östrogene aus der Plastikflasche. Sehr viel mehr zu diesen Forschungsarbeiten findet sich dazu auf der Webseite des >>> Soto Sonnenschein Lab, einer Einrichtung der Tufts Universität in Boston, Abteilung Anatomie und Zellbiologie. Dort gibt es unter anderem eine sehr spannende >>> Literaturliste mit Forschungsarbeiten aus dem Soto Sonnenschein Lab, die frei zugänglich sind und sich schwerpunktmäßig mit den Wirkungen von Östrogenen, Umweltöstrogenen (Xenoöstrogenen) und u.a. Bisphenol A und Auswirkungen auf unsere Umwelt und Gesundheit befassen.

Heute arbeitet die Frauenorganisation >>> Women in Europe for a Common Future an diesem wichtigen Thema aus der Perspektive von Frauen weiter. Der Bericht von Regina Stolzenberg hat bis heute an Aktualität nichts verloren, wenn auch der Stand des Wissens mittlerweile weiter angewachsen ist. Eine Lektüre lohnt sich auch heute unbedingt.

Weiterlesen

Brustkrebs und Chemikalien mit östrogener Wirkung Regina Stolzenberg, Schrot & Korn, Heft 10/1997

Bisphenol A in Lebensmittelverpackungen verbieten Pressemeldung Women in Europe for a Common Future (WECF e.V.) v. 20.05.2005

Stichwort “Umwelthormone”
bei uns im infoblog!

Rubrik umweltöstrogene, ursachenforschung

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