Patient no more: Politics of Breast Cancer
von Sharon Batt
Scarlett Press 1994, ISBN 1-85-727-072-X
Sharon Batt ist eine kanadische Professorin für Gesundheitswissenschaften und Journalistin. Sie war u.a. Herausgeberin des Verbrauchermagazins “Protect yourself”. Auch sie ist Brustkrebsüberlebende, war zeitweise Präsidentin von Breast Cancer Action Montreal und gefragte Sprecherin zu Brustkrebs. Sie befasst sich in “Patient no more” kritisch mit Früherkennung, Chirurgie, Strahlentherapie, Chemotherapie, Alternativmedizin, Genetik und Prävention. Sharon Batt ist global eine der bedeutendsten Wissenschaftlerinnen, die sich mit dem Themenkomplex Interessenkonflikte, Pharmaindustrie & Brustkrebs aus der Perspektive von Frauen befassen. Sie berichtet in ihrem Buch über “perfect people”, Krebs-Charities und Krebs-Konsumenten. Im Kapitel “Von der Stille zu Sprache und Action” nimmt sie die Arbeit in Frauengesundheitsorganisationen unter die Lupe und zeigt Chancen auf. Wirklich schade, dass das Buch, das auch in französischer Sprache veröffentlicht wurde, nicht in deutscher Sprache vorliegt. Der kritische, scharfsinnige Ansatz beschreibt genau das, was hier bei uns fehlt und an Aktualität eher wichtiger geworden ist. Das Buch ist vergriffen, aber im antiquarischen Buchhandel noch erhältlich.
Auszug: “Patient no more”, S. 287
„Das staatliche Gesundheitswesen, entwickelt, um Krebs zu „kontrollieren“, kontrolliert in Wirklichkeit die Frauen – und insbesondere ihren Konflikt mit Krebs – effektiver, als es die Krankheit kontrolliert. Wir werden in ein medizinisches System hineingedrängt („keine Zeit zu verlieren!“), das von geheim gehaltenen Regeln regiert wird. Hier bringt Compliance Anerkennung ein. Ärzte sprechen mit uns in ihrem eigenen Jargon der medizinischen Wissenschaft oder in der väterlichen Bevormundung eines verkindlichenden „na, na, meine Liebe“. „Wiederherstellungs-“ Programme ermutigen uns, „normal auszusehen“ und „mit dem Leben weiterzumachen“. Schon bald brechen die Charities über uns herein und drängen uns, „den Krebs mit einer Untersuchung und einem Scheck zu bekämpfen“. Das Geld geht in „Unterstützungsprogramme“, in denen wir nichts zu sagen haben, oder an Forscher, die Fragen nachgehen, die keinen Bezug zu unseren eigenen haben.“
[The state system, designed to „control” cancer, in reality controls the women – and particularily her conflict with cancer – more effectively than it controls the disease. We are thrust (“no time to waste!”) into a medical system governed by undisclosed rules. Here compliance gains approval. Physicians speak to us in the private jargon of medical science, or with an infantilizing "there, there, dear" paternalism. "Recovery" programs encourage us to "look normal" and "get on with life". Soon charities descend, urging us to "fight cancer with a check-up and a cheque" The money goes into "support" programs in which we have no say, or to researchers studying questions unrelated to our own."]

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