Mit der Broschüre “Nicht mehr alles schlucken …!” hat die Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren eine Information speziell für Frauen entwickelt, die neben Auswegen aus einer Medikamentensucht aufzuzeigen auch einen kritischeren Umgang mit Medikamenten anstoßen will. Allerdings sind viele grundsätzliche Themen insbesondere im Zusammenhang mit Hormoneinnahme, wie die selbstverständliche Einnahme der Antibabypille bereits als Teenager über die Einnahme von Medikamenten zur sogenannten Hormonersatztherapie nur ganz am Rande gestreift: “Normale Vorgänge im weiblichen Lebenszyklus
rund um die Fortpflanzung (Menstruation, Schwangerschaft, Wechseljahre) werden immer stärker mit Hilfe von Medikamenten kontrolliert. Dies beginnt bei Mädchen, die ihre Menstruationsschmerzen
mit frei käuflichen Schmerzmitteln bekämpfen und setzt sich fort bis zur
Verordnung von Hormonen in den Wechseljahren. Dabei werden nicht nur die körperlichen Symptome berücksichtigt – wie Hitzewallungen
und das Osteoporoserisiko – sondern es soll durch die Hormongaben auch die Stimmung zum Positiven beeinflusst werden, oft auch vorbeugend und über längere Zeiträume hinweg.”
Durch die Brille der “Brustkrebs-Vermeidung”, wo doch viel zu sagen wäre, z.B. auch von den Auswirkungen von Medikamentenresten im Wasser, ist die Broschüre (“Handbuch” genannt) leider unergiebig. Sie setzt vorwiegend auf Verhaltensprävention bei betroffenen Frauen, während über eine grundlegendere Verhältnisprävention weniger nachgedacht wird. Der spezielle Themenbereich einer Vermeidung von Brustkrebs durch die Vermeidung von bestimmten Medikamenten stand aber wohl auch nicht auf der Tagesordnung der Autorinnen.
Die im Jahr 2004 erschienene Broschüre ruft zur Gründung von Selbsthilfegruppen auf und es wäre tatsächlich ein wichtiger Ansatz, sich in Gruppen kritischer damit auseinanderzusetzen, welche Medikamente eingenommen werden, welche Alternativen es gäbe und auch die Suche nach Auswegen aus unserem medikalisierten Leben, und zwar nicht allein bei einer bereits vorhandenen Suchtproblematik, sondern auch unabhängig davon.
Die Broschüre wurde durch den Bundesverband der Betriebskrankenkassen im Rahmen des Projektes “Frauen – Medikamente – Selbsthilfe” finanziell gefördert. Für eine grundsätzlich kritischere Auseinandersetzung mit Medikamenten kann sie als Einstieg dienen.
Download der Brochüre:
http://www.dhs.de/web/daten/DHS_Nicht_mehr_alles_schlucken.pdf
Stichwort: Medikalisierung


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