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	<title>ressourcen &#187; Woman and Health Protection</title>
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	<description>bücher, medien und mehr zu brustkrebs, frauen &#38; gesundheit</description>
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		<title>The Push to Prescribe – Die Verschreibungs-Offensive &#124; Anne Rochon Ford</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Nov 2009 15:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Breast Cancer Action Germany</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eine Rezension von Gudrun Kemper &#62;&#62;&#62; pdf zum Download „The Push to Prescibe: Women &#38; Canadian Drug Policy“ hrsg. von Anne Rochon Ford und Diane Saibil, ISBN 9780889614789, 297 S., Women’s Press, Kanada Für „The Push to Prescribe“,  “Der Druck auf die Verschreibungspraxis” bei verschreibungspflichtigen Medikamenten, lässt sich eine griffige Übersetzung nicht ohne Weiteres finden, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #775577;"> </span></p>
<div id="attachment_659" class="wp-caption alignleft" style="width: 235px"><a href="http://www.cwhn.ca/en/node/41738"><img class="size-full wp-image-659" title="Push to Prescribe - Das Titelblatt" src="http://www.bcaction.de/bcbooks/wp-content/uploads/2009/11/Push-to-Prescribe-Cover-webinar2.jpg" alt="Push to Prescribe von Women and Health Protection, Kanada" width="225" height="338" /></a><p class="wp-caption-text">Push to Prescribe von Women and Health Protection, Kanada</p></div>
<p>Eine Rezension von Gudrun Kemper</p>
<p><a href="../../pdf/ressourcen/push_to_precribe_verschreibungsoffensive.pdf" target="_blank">&gt;&gt;&gt; pdf zum Download</a></p>
<p><span style="color: #775577;">„The <strong>Push</strong> to Prescibe: Women &amp; Canadian Drug Policy“ hrsg. von <strong>Anne</strong><strong> Rochon</strong> <strong>Ford</strong> <strong>und Diane Saibil</strong>, ISBN 9780889614789, 297 S., Women’s Press, Kanada</span></p>
<p>Für „The <strong>Push</strong> to Prescribe“,  “Der Druck auf die Verschreibungspraxis” bei verschreibungspflichtigen Medikamenten, lässt sich eine griffige Übersetzung nicht ohne Weiteres finden, am ehesten passt vielleicht „Die Verschreibungs-Offensive“. Das gerade erschienene Buch zu Frauen und Pharmaindustrie befasst sich mit dem ungesunden Trend des immer weiter ansteigenden Konsums von verschreibungspflichtigen Medikamenten, mit Hintergründen, gesellschaftlichen und gesundheitlichen Folgen für alle, mit besonderen Aspekten aus der Genderperpektive und auch mit Auswegen.</p>
<h3>Die Herausgeberinnen</h3>
<p><strong>Anne</strong> <strong>Rochon</strong> <strong>Ford</strong> ist die Koordinatorin des kanadischen Netzwerks Frauen und Gesundheitsschutz (<a href="http://www.whp-apsf.ca/en/index.html">“Women and Health Protection”</a>). Sie arbeitet in der forschungsbasierten Politikberatung für die Sicherheit verschreibungspflichtiger Medikamente. “Women and Health Protection” hat in den vergangenen zehn Jahren eine Reihe von Arbeiten im Zusammenhang mit Frauen und Pharmaindustrie erstellt, und die Erfahrungen aus dieser Arbeit sind nun in das neue Buch mit eingeflossen.</p>
<p><strong>Diane Saibil</strong> ist freie Schriftstellerin und Redakteurin.</p>
<h3>Worum es geht</h3>
<p><strong>Anne</strong> <strong>Rochon</strong> <strong>Ford</strong> und Diane Saibil lassen eine Reihe von Spezialistinnen zu Wort kommen, die sich mit dem aktuellen Stand der Dinge im Kontext Frauengesundheit und rezeptpflichtige Medikamente in Kanada befassen, wo die Situation ähnlich gelagert ist wie bei uns in Deutschland: Verschreibungspflichtige Medikamente dürfen nicht direkt bei PatientInnen beworben werden, und doch gibt es heute viele Wege, mehr und mehr Medikamente an die Frau zu bringen.</p>
<p>Das Buch befasst sich unter anderem mit der oftmals unzureichenden Prüfung vieler Medikamente, mit der fragwürdigen Darstellung von Frauen in der Medikamentenwerbung, die legale Grenzen heute immer öfter überschreitet, während auch die kanadische Gesundheitspolitik nicht immer hinreichend berücksichtigt hat, wie unterschiedlich Männer und Frauen von dieser Situation betroffen sind.</p>
<p>Die zurückliegenden Erfahrungen mit Medikamenten wie Thalidomid (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Contergan-Skandal">Contergan</a>), DES (das erste, 1938 entwickelte synthetische Östrogen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Diethylstilbestrol">Diethylstilbestrol</a>) und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dalkon_Shield">Dalkon Shield IUP</a>, aber besonders auch die Erfahrung der gefährlichen Medikalisierung mit der sogenannten „Hormonersatztherapie“, Nebenwirkungen beim Gebrauch hormoneller Kontrazeptiva wie beispielsweise Brustkrebs und Silikongel-Brustimplantate werden analysiert.</p>
<p>Thematisiert wird auch die „aufgeheizte Debatte“ zu Lobbyismus und Praktiken der Pharmaindustrie, ihre Einflussnahme auf Regierungen (s.a. „<a href="../../../../../../wordpress/europaabgeordnete-wehren-sich-gegen-versteckte-einflussnahme-der-pharmaindustrie/">Europäische Abgeordnete wehren sich …</a>“), wie auch die Bewertung klinischer Studien, immer zur Förderung der eigenen Produkte. In der Folge werden Medikamente hergestellt, vermarktet und in einer Weise zum Einsatz gebracht, die unser tägliches Leben betrifft, ob wir die Medikamente nun nehmen oder nicht.</p>
<p>Frauen, so die These der Autorinnen, stehen im Zentrum der „Verschreibungs-Offensive“, die sich durch medizinische Aus- und Fortbildung, Medizin, Krankenpflege, Pharmakologie, Öffentlichkeit und öffentliche Gesundheitspflege, über Frauengesundheit bis in Bereiche der Soziologie und Politikwissenschaft fortsetzt. Die Inhalte des neuen Buchs sind damit wichtig für Frauengruppen wie unsere z.B., aber auch für Regierungseinrichtungen, für Organisationen, die sich mit dem Thema Gesundheit befassen, wie auch für Verbraucherschutzorganisationen etc.</p>
<p>Thematisiert wird ferner die Definitionsmacht: Welche Medikamente brauchen wir und wer definiert? Barbara Mintzes berichtet zu den speziell auf Frauen zugeschnittenen Praktiken der auch in Deutschland verbotenen Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente („DTCA“, Direct to Consumer Advertising): Stichwort „Fragen Sie Ihren Arzt“, ein Satz, der uns bei Patientinneninitiativen in Deutschland ebenso wie in Apotheken- und Frauenzeitschriften, Fernsehsendungen oder Werbeplakaten im öffentlichen Raum inzwischen immer öfter begegnet. Sharon Batt und Abby Lippman befassen sich außerdem mit Versuchen der <a href="../../../../../../wordpress/keine-unterstutzung-fur-praventionsstudie-stellar-study-to-evaluate-letrozole-and-raloxifene/">medikamentösen Prävention</a> von Krankheiten und gehen der Frage nach, ob Medikamente hier überhaupt die Lösung sein können, ein Thema, das wieder Frauen – gerade auch im Zusammenhang mit Brustkrebs – betrifft. Auf der einen Seite wird Brustkrebs durch hormonell wirksame Medikamente gefördert, und auf der anderen Seite sollen Frauen antihormonelle Medikamente schlucken, um Brustkrebs „präventiv“ oder therapeutisch zu bekämpfen.</p>
<p>Mit „Wer bezahlt die Rattenfänger – Finanzierung von Patientengruppen“ und „Medikamente, Umwelt und unsere Gesundheit – Ein Kreislauf“ gibt es zwei weitere Kapitel von Sharon Batt, die seit vielen Jahren auf diesen speziellen Terrains forscht.</p>
<p>Weitere Beiträge des Buches befassen sich mit dem Themenkomplex der kanadischen Medikamenten-Gesetzgebung, der vor dem Hintergrund der Internationalisierung und den Entwicklungen auf europäischer und nationaler Ebene auch bei uns ins Blickfeld gehört.</p>
<p>In „Studien über Studien“ berichtet Abby Lippman außerdem über Frauen und Arneimittel(zulassungs)studien und Ann Silversides lüftet den Schleier über dem Prozess der Medikamentenzulassung. <strong>Anne</strong> <strong>Rochon</strong> <strong>Ford</strong> befasst sich schließlich mit der Hinterfragung von Gesundheitsreformen, die vorgeblich der Modernisierung unseres Gesundheitswesens dienen sollen.</p>
<p>Am Ende des Buches werden Wege aus dem Dilemma vorgestellt, entwickelt von Women and Health Protection, wegweisend auch für unsere Frauengesundheitsnetzwerke.</p>
<h3>Weiterlesen</h3>
<p>Webseite <a href="http://www.whp-apsf.ca/en/index.html" target="_blank">Women and Health Protection</a></p>
<p>Unsere Online-Broschüre <a href="../../../../../../10alternativen/alternativen_1.htm" target="_blank">„Ein anderes Rezept“</a> – weitgehend erstellt auf der Basis der Arbeit von <strong>Anne</strong> <strong>Rochon</strong> <strong>Ford</strong><br />
<a href="../../../../../gesundheitsinformationen/" target="_blank"><br />
Anforderungen an nützliche Arzneimittelinformationen</a> (Information von BUKOPharma</p>
<h3>Anhören &amp; Ansehen</p>
<p><div id="attachment_667" class="wp-caption alignleft" style="width: 451px"><a href="https://admin.na4.acrobat.com/_a844234029/p59747131/"><img class="size-full wp-image-667" title="Webinar mit Sharon Batt, Anne Rochon Ford und Barbara Mintzes - 1. Reihe von links nach rechts - u.a.)" src="http://www.bcaction.de/bcbooks/wp-content/uploads/2009/11/Clipboard01.jpg" alt="Webinar mit Sharon Batt, Anne Rochon Ford und Barbara Mintzes - 1. Reihe von links nach rechts - u.a." width="441" height="344" /></a><p class="wp-caption-text">Webinar mit Sharon Batt, Anne Rochon Ford und Barbara Mintzes - 1. Reihe von links nach rechts - u.a.</p></div></h3>
<p>Webinar (zusammengesetzt aus “<strong>Web</strong>” – Internet – und  Sem<strong>inar,  = </strong>etwa “Seminar im Internet”) mit den AutorInnen des Buches, Sharon Batt, <strong>Anne</strong> <strong>Rochon</strong> <strong>Ford</strong>, Barbara Mintzes u.a. online zum Anhören, mit dem Fließtext als Chat, Tonspur und PowerPoint-Folien, allerdings im kanadischen Englisch, jedoch gut verständlich gesprochen und sehr spannend. Zum Anhören und Ansehen einfach auf das Bild clicken.</p>
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		<title>Sharon Batt: Social disease &#8211; Krankheit der Gesellschaft</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Dec 2008 21:44:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Breast Cancer Action Germany</dc:creator>
				<category><![CDATA[bücher]]></category>
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		<category><![CDATA[Sandra Steingraber]]></category>

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		<description><![CDATA[Sharon Batt rezensierte in „The Women’s Review of Books” (Vol. XVIII, No. 6) im März 2001 den bei St. Martin’s Press in New York erschienenen Titel „Breast Cancer: Society shapes an Epidemic“ [Brustkrebs: Wie die Gesellschaft eine Epidemie prägt] herausgegeben von Anne S. Kasper und Susan Ferguson. Sharon Batt, die kanadische Professorin für Gesundheitswissenschaften, gibt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<div>
<div>
<div><span> <img title="Abb.: Foto Artikelausschnitt Breast Cancer Action Germany" src="../../images/05buecher/sharon_batt.jpg" alt="Ausschnitt aus dem Originalartikel von Sharon Batt" width="270" height="153" align="right" /></span> <strong><br />
</strong>Sharon Batt rezensierte in <strong>„The Women’s Review               of Books”</strong> (Vol. XVIII, No. 6) im März 2001 den bei               St. Martin’s Press in New York erschienenen Titel <strong>„Breast Cancer: Society shapes an Epidemic“ </strong>[Brustkrebs: Wie die Gesellschaft eine Epidemie prägt]<br />
herausgegeben von <em> <strong>Anne S. Kasper</strong></em> und <em><strong>Susan     Ferguson</strong></em>.<br />
Sharon Batt, die kanadische Professorin für Gesundheitswissenschaften,     gibt uns damit &#8211; aus der kanadischen Perspektive &#8211; ein wenig mehr Einblick     in Hintergründe über die weitreichenden Einflüsse<br />
von Wirtschaft, Politik, Gender, sozialer Klasse und Ethnie<br />
im Zusammenhang mit der Bekämpfung und Erforschung von Brustkrebs.</div>
</div>
<p><strong> </strong></p>
<h2><strong>Social disease – Krankheit der Gesellschaft</strong></h2>
<div><span>von Sharon Batt</span></div>
<div><span> <em><br />
(Übersetzung: Gudrun Kemper &#8211; mit Dank für die freundliche             Genehmigung an Sharon Batt</em>)<br />
</span><br />
Ein hartnäckiger Mythos der letzten 10 Jahre war, dass Brustkrebs Frauen   unter einem großen Dach zusammenbringen würde, um in schwesterlichem   Einklang zu kämpfen, zu trauern und zu feiern. Während vorausgesetzt   wurde, dass andere Frauengesundheitsfragen – namentlich Abtreibung, aber auch   Empfängnisverhütung und sexuell übertragbare Krankheiten – erschwerende   soziokulturelle, sozialpolitische und religiöse Dimensionen haben, war   Brustkrebs davon irgendwie losgelöst. Jede von uns könnte daran sterben,   ergo: alle würden sich zusammenscharen, um die Krankheit zu stoppen.In einem der Essays dieser Sammlung berichtet Carol S. Wiesman, wie ein       bilateraler Parteiausschuss von US-amerikanischen Kongressfrauen diese       Argumentation nutzte, um Brustkrebs ins Zentrum einer umfassenden frauengesundheitspolitischen       Tagesordnung zu setzen. „In den 1990er Jahren wurde die Bekämpfung       von Brustkrebs zum prioritären Anliegen von an den Gesetzgeber gerichteten       dringenden Frauengesundheitsfragen, unabhängig von deren Position       zur Abtreibung“, schreibt Wiesman.</div>
<div>
<p>Tatsächlich mobilisierte Brustkrebs Frauen quer durch das politische              Spektrum zu einer Frage, die vermutlich in wohlhabenden Ländern              das am meisten publizierte Frauenproblem der letzten zehn Jahre              war. Aber jeder, der sich in der Brustkrebsbewegung engagierte und              glaubte, dass es dort keine entzweienden Auseinandersetzungen gäbe,              wurde schnell eines besseren belehrt. Eine mir bekannte Aktivistin              witzelte treffend: „Die Politik wird mich umbringen, bevor es die              Krankheit tut.“ Jedoch hat die Brustkrebsthematik trotz all der              Auseinandersetzungen und Spaltungen die Illusion einer guten Sache              mit klaren Kernfragen und ebenso klaren Zielen aufrecht erhalten.              Und Brustkrebs war dabei so eindeutig ein Frauenproblem, dass sogar              viele Feministinnen keine Notwendigkeit sahen, eine einheitliche              feministische Position zu artikulieren.</p>
<p>Dieses Buch bekennt sich nicht nur zu den Rivalitäten innerhalb              der Brustkrebsbewegung, sondern seine zentrale These widerlegt den              Mythos der Neutralität von Brustkrebs treffend. Die zentrale              These ist, dass &#8220;kulturelle Voraussetzungen und Neigungen unser              Wissen, unsere Wahrnehmungen und Erfahrungen von und mit Brustkrebs              in dieser [amerikanischen] Gesellschaft beeinflussen“. In gut recherchierten              Beiträgen zeigen die vierzehn AutorInnen des Buches, dass Brustkrebs              nicht allein eine biologisch definierte Erkrankung ist. Der Blickwinkel              ist offen feministisch, wie die Herausgeberinnen sagen: „im Geiste              der heutigen feministischen Frauengesundheitsbewegung und im Glauben,              dass, je mehr wir von Frauengesundheit und dem umkämpften Boden              sowie den Ungleichheiten im Leben von Frauen verstehen, desto besser              ist es für uns alle“.</p>
<p>Dies ist nicht das erste Buch, das eine feministische, soziale              Analyse zur Brustkrebsfrage und dem Aktivismus, den die Krankheit              inspiriert hat, bringt. Aber es ist eines der besten, und der Zeitpunkt              seiner Veröffentlichung – 10 Jahre nach dem von der Epidemie              inspirierten politischen Aufruhr – gibt den AutorInnen Spielraum              für reifliche Überlegungen über diese Bewegung und              ihre Auswirkungen.</p>
<p>Das erstklassige einleitende Essay des Medizinhistorikers Barron              Lerner, in dem er argumentiert, dass „sogar ein vorgeblich wissenschaftlicher              Begriff wie Heilung selbst sozial konstruiert war&#8221;, ist eines              der provozierendsten. In den 1890er Jahren hatte der Chirurg William              Halsted seine extensive und entstellende Operation, die Mastektomie              nach Halsted, als Heilung mit Haken vorgestellt: Sie funktioniere              nur, wenn der Tumor „früh genug“ entdeckt würde. Wenn              eine Patientin trotz der radikalen Operation starb, konnten Halsted              und seine Nachfolger ihren Glauben aufrecht erhalten, dass die Operation              kurativ gewesen sei – wenn die Frau den Tumor doch nur rechtzeitig              gefunden hätte!</p>
<p>Das Vertrauen in die „Heilung per Mastektomie“ hielt nahezu ein              Jahrhundert an, trotz des Todes ungezählter Frauen, die dieser              Operation unterzogen wurden. Mitte des letzten Jahrhunderts begannen              anders denkende ÄrztInnen zu fragen, warum die Sterblichkeitsrate              nicht sank, wenn doch Halsteds radikale Mastektomie so viele heilen              sollte. Diese Kritiker trugen zwingende Beweise zusammen, dass die              einem Tumor eigene biologische Aggressivität und die Reaktion              der Patientin auf den Krebs von größerer Bedeutung sind              als eine frühe oder späte Entdeckung der krankhaften Veränderung.              Unter Ausnutzung ausgefeilter statistischer Techniken argumentierten              sie – vergeblich –, dass die sofortige oder verspätete Entdeckung              die Überlebensraten zu höchstens fünf bis zehn Prozent              beeinflusst. Lerner verweist auf unzählige soziale Faktoren,              die insgeheim dazu beitrugen, das Vertrauen in Halsteds Verfahren              und in die Früherkennung aufrecht zu erhalten, einschließlich              des Mitschwingens US-amerikanischer kultureller Werte einer genderspezifischen              Botschaft, die Frauen für ihre Gesundheit persönlich verantwortlich              macht.</p>
<p>Anne Kaspers Essay über arme an Brustkrebs erkrankte Frauen              ist ebenfalls Augen öffnend. Auf Basis ihrer eigenen Interviews              mit 24 Frauen mit geringem Einkommen erforscht sie die Barrieren              und Probleme, denen diejenigen gegenüberstehen, die mit der              Erkrankung konfrontiert werden, während sie wirtschaftlich              ernsthaft benachteiligt sind. Die Frauen in ihrer Untersuchung unterschieden              sich nach Alter, ethnologisch-kulturellem Hintergrund, Beruf und              Ausbildung (einige hatten einen Universitätsabschluss); elf              hatten keine Krankenversicherung. Die Qualität ihrer Behandlung              zeigte eine große Spannbreite; in einem Extrem hatte Donna              auch ein Jahr nach der Diagnose noch keinerlei medizinische Versorgung              erhalten; im anderen Extrem hatten sowohl Diana als auch Geraldine              eine mustergültige medizinische Versorgung durch Medicaid bekommen.</p>
<p>Bekanntermaßen haben arme Frauen, die an Brustkrebs erkranken,              eine höhere Mortalitätsrate als Frauen, die wohlhabender              sind, eine Statistik, die normalerweise einem mangelnden Versicherungsschutz              zugeschrieben wird, der wiederum den Zugang zur Gesundheitsversorgung              versperrt. Kasper argumentiert, dass der Zugang zur Gesundheitsversorgung              jedoch nur ein Faktor ist, der die Unterschiede im Überleben              dieser Frauen verringert, und er ist nicht der wichtigste. Während              die Geschichten von unversicherten Frauen aufzeigen, dass sie tatsächlich              wegen der Kosten die medizinische Versorgung verzögerten, erfuhren              einige versicherte Frauen Verzögerungen, weil ihre Krankenversicherungen              sich weigerten, die Behandlungen zu bezahlen. Sie litten auch in              einer Weise, wie privilegiertere Frauen es nicht tun, wie im Fall              von Victorine, 69, deren Busfahrt von ihrer ambulanten Brustoperation              nach Hause mehr als eine Stunde dauerte und den Stop an einer Apotheke              enthielt, um sich verschreibungspflichtige Schmerzmittel zu kaufen.              Elena, eine der acht Latinas aus der Untersuchung, war voll versichert,              aber sie fühlte, dass sie wegen ihrer geringen englischen Sprachkenntnisse              schlecht behandelt wurde. Kasper kommt zu dem Schluss, dass „insbesondere              Latinas mit Respektlosigkeit und Nachlässigkeit behandelt werden,              was in einer geringeren Qualität der Gesundheitsversorgung              resultiert&#8221;. Die Geschichten, die sie erzählt, sind fesselnd              und umso wichtiger, weil bisher so wenig Forschungsarbeiten zu Brustkrebs              die Notlage von armen Frauen untersucht haben.</p>
<p>Obwohl ich dieses Buch niemals langweilig fand, ist es mehr ein              kulturelles Dokument von Amerikanerinnen über die USA. Aus              dem kanadischen Blickwinkel betrachtet empfand ich es als eine Quelle              der Frustration. Gewiss, die detaillierte Erforschung kultureller              Einflüsse innerhalb einer Gesellschaft ist legitim und willkürlichen              interkulturellen Versuchen vorzuziehen. Aber manchmal habe ich mich              gefragt, ob die AutorInnen das extrem Bizarre der amerikanischen              Gesundheitsversorgung und wie es die Brustkrebsbehandlung beeinflusst,              vollständig begriffen haben. Nach meinem Wissen stehen die              Vereinigten Staaten mit ihrem Festhalten an der modifizierten radikalen              Mastektomie als der obligatorischen chirurgischen Operation bei              invasivem Brustkrebs allein unter den wohlhabenden Ländern              dieser Erde (sie bringt mehr ein). Entsprechend wurde die grauenvolle,              jetzt diskreditierte Praxis der Hochdosis-Chemotherapie mit Knochenmarkstransplantation,              die in Jane Zones’ Essay über die politische Ökonomie              von Brustkrebs thematisiert wird, in Kanada sehr selten, wenn überhaupt,              außerhalb klinischer Studien durchgeführt.</p>
<p>Sowohl Zones als auch Lerner bemühen sich, Amerikas nationale              Bessenheit von unerwiesenen High-Tech-Interventionen und dem „Recht“              des Individuums, zwischen ihnen auszuwählen, in einen Kontext              zu bringen. Die Herausgeberinnen machen in ihren einführenden              und abschließenden Essays keine solchen Konzessionen an die              Welt jenseits ihrer Grenzen. Sie behaupten zum Beispiel munter,              dass &#8220;im Jahr 1990 mehr als 175.000 Frauen mit invasivem Brustkrebs              diagnostiziert wurden und ungefähr 44.000 an der Erkrankung              verstarben“ &#8211; was die US-amerikanischen Zahlen zu Diagnosen und              Todesfällen sind.</p>
<p>Trotz der durchgängigen Qualität der Gedanken ist die              Prosa in einigen Essays teilnahmslos, sie lässt Leidenschaft,              Ausdruck und Schwung, die man von solch einem an die Nieren gehenden              Thema erwarten würde, vermissen. Dies ist mit Sicherheit bei              Sandra Steingraber, die Blasenkrebs durchgemacht hat, nicht der              Fall. Die Biologin und Poetin schreibt großartige, kunstvolle              Prosa. Auf den ersten Seiten ihres Essays über die Zusammenhänge              zwischen Umwelt und Brustkrebs beschreibt sie, wie sie auf der Autobahn              nördlich von New York, im sechsten Monat schwanger mit ihrem              ersten Kind, nach Hause fährt:</p>
<p>Die Sonne war gerade durch die Wolken gebrochen. Kühe grasten              auf den Hügeln. Regennasse Rosen blühten auf den Höfen              der Bauernhäuser. Kein Verkehr. Weit vorn kroch ein silberner              Lastwagen langsam den langen Anstieg der Autobahn hinauf, vorne              und hinten flankiert von zwei roten Wagen im gleichen Tempo. Es              war eine rätselhafte Prozession. Als ich mich näherte,              konnte ich langsam die schwarzen Lettern ausmachen, die auf die              Rückseite des LKW schabloniert waren: ACHTUNG: CHEMOTHERAPEUTISCHE              ABFÄLLE. Um diese Wörter herum gab es andere Zeichen;              die roten und die gelben Blumen, die überall auf der Welt bekannten              Zeichen für Radioaktivität. (S. 272)</p>
<p>Der Abschnitt wirft die dringliche Suche der Autorin nach einem              „ökologischen Verständnis von Brustkrebs“ auf, die uns              zu besserer Wissenschaft führt und zu einer Gesundheitspolitik,              die darauf gerichtet ist, dass wir davor geschützt werden,              Karzinogenen ausgesetzt zu sein.</p>
<p>Nicht alle AutorInnen haben identische politische Vorstellungen.              Die LeserInnen werden beispielsweise bei der Lektüre von Susan              Loves Vorwort oder bei Carol Wiesmans Essay über politische              Strategien einen positiveren Eindruck von der National Breast Cancer              Coalition gewinnen als von Barbara Brenners Beschreibung der Koalition              als einer reformistischen Organisation, die die Diskussion um die              Einwerbung von Spenden von Konzernen, die bekannte oder in Verdacht              stehende Karzinogene herstellen, &#8220;ignoriert&#8221;. Zur Ehre              der Herausgeberinnen ist zu sagen, dass sie nicht versucht haben,              die Stimmen ihrer AutorInnen in einen perfekten Einklang zu zwingen.</p>
<p>Brenners Essay über die Brustkrebsbewegung mit dem Titel „Sister              Support“ (etwa: &#8220;Unterstützung unter Schwestern&#8221;)              unterstreicht die Naivität des Glaubens, Brustkrebs würde              Frauen vereinen. Die Krankheit mag unpolitisch sein, aber unsere              Reaktionen darauf sind es nicht. Brenner entschlüsselt das              Spektrum der Brustkrebsorganisationen in den Vereinigten Staaten,              wobei sie Nancy Brinkers Susan G. Komen Foundation rechts, die National              Breast Cancer Coalition (NBCC) in der Mitte und ihre eigene Organisation              Breast Cancer Action mit Basis in San Franciso auf der linken Flanke              einordnet.</p>
<p>In den vergangenen zehn Jahren hat die NBCC den größten              Einfluss auf die Meingungsbildung der Öffentlichkeit im Zusammenhang              mit der Erkrankung ausgeübt. Mit dem Wechsel im Präsidentenamt              scheint die Bush-Vertraute Nancy (Run for the Cure) Brinker ausersehen,              sich in den inneren Kreis Washingtons zu begeben. Einigkeit unter              dem Brustkrebs-Dach scheint entfernter denn je. Die Raufereien unter              ihm werden weitergehen, gerade weil wir alle betroffen sind und              unsere Unterschiedlichkeiten unsere Reaktionen auf die Erkrankung              prägen. Ursprüngliche Werte verschwinden nicht mit der              Diagnose Brustkrebs; tatsächlich geraten sie oft in einen noch              schärferen Fokus. Debatten über diese Werte sind für              eine sorgfältige Analyse des Wandels essentiell für wohlüberlegte              Veränderungen. Wenn dieses Buch diese Werte ans Licht bringt,              wird sein Beitrag dazu in der Tat bedeutend sein.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8211;</p>
<p><span><a href="http://www.canadiangeographic.ca/cea/archives/archives_individual.asp?id=7" target="_blank"><strong>Mehr   von Sharon Batt</strong></a><strong><br />
</strong></span><strong>Drugs in our Water Campaign:</strong> Mit                    Video. Sharon Batt berichtet über den sorglosen Umgang                    mit Medikamenten und deren Entsorgung. &#8220;Jeder Arzneischrank                    ist auch eine Angelegenheit des öffentlichen Gesundheitswesens. &#8221; (Leider                    bisher nur in englischer Sprache)</div>
</div>
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<h2>Wissen &#8230;</h2>
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<div>&#8220;Unsere Aufgabe, Wissen zu verbreiten, ist nur           halb erfüllt, wenn die Information für die Gesellschaft nicht           breit gestreut und leicht zugänglich ist.&#8221; <a href="http://oa.mpg.de/openaccess-berlin/Berliner_Erklaerung_dt_Version_07-2006.pdf" target="_blank">Berliner             Erklärung über den offenen Zugang zu wissen   schaftlichem Wissen</a></div>
<div>Abbildung: Artikelausschnitt &#8211; Foto Breast Cancer Action Germany</div>
</div>
</div>
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		<title>Patient no more: Politics of Breast Cancer von Sharon Batt</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Dec 1994 14:05:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Breast Cancer Action Germany</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Patient no more: Politics of Breast Cancer von Sharon Batt Scarlett Press 1994, ISBN 1-85-727-072-X Sharon Batt ist eine kanadische Professorin für Gesundheitswissenschaften und Journalistin. Sie war u.a. Herausgeberin des Verbrauchermagazins &#8220;Protect yourself&#8221;. Auch sie ist Brustkrebsüberlebende, war zeitweise Präsidentin von Breast Cancer Action Montreal und gefragte Sprecherin zu Brustkrebs. Sie befasst sich in &#8220;Patient [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><span style="color: #626262;"><span style="color: #800000;"><a title="Patient no more: Politics of Breast Cancer von Sharon Batt aus Kanada, Link zur Buchkritik von Breast Cancer Action San Francisco" href="http://www.bcaction.org/Pages/SearchablePages/1995Newsletters/Newsletter028H.html" target="_blank"><strong>Patient no more: Politics of Breast Cancer</strong></a></span></span></strong><br />
<span><span style="color: #626262;"> <span style="color: #800000;"><strong><a title="Patient no more: Politics of Breast Cancer von Sharon Batt aus Kanada, Link zur Buchkritik von Breast Cancer Action San Francisco" href="http://www.bcaction.org/Pages/SearchablePages/1995Newsletters/Newsletter028H.html" target="_blank"> </a></strong> </span>von       Sharon Batt<br />
Scarlett Press 1994, ISBN 1-85-727-072-X<br />
</span></span><br />
<a href="http://projects.cs.dal.ca/idphd/images/Sharon.jpg"><img class="alignright" title="Sharon Batt, kanadische Gesundheitswissenschaftlerin" src="http://projects.cs.dal.ca/idphd/images/Sharon.jpg" alt="" width="291" height="217" /></a>Sharon Batt ist eine kanadische Professorin für Gesundheitswissenschaften und Journalistin. Sie war u.a. Herausgeberin des Verbrauchermagazins &#8220;Protect yourself&#8221;. Auch sie ist Brustkrebsüberlebende, war zeitweise Präsidentin von Breast Cancer Action Montreal und gefragte Sprecherin zu Brustkrebs. Sie befasst sich in &#8220;Patient no more&#8221; kritisch mit Früherkennung, Chirurgie, Strahlentherapie, Chemotherapie, Alternativmedizin, Genetik und Prävention.<strong> Sharon Batt ist global eine der bedeutendsten Wissenschaftlerinnen, die sich mit dem Themenkomplex Interessenkonflikte, Pharmaindustrie &amp; Brustkrebs aus der Perspektive von Frauen befassen. </strong>Sie berichtet in ihrem Buch über &#8220;perfect people&#8221;, Krebs-Charities und Krebs-Konsumenten. Im Kapitel &#8220;Von der Stille zu Sprache und Action&#8221; nimmt sie die Arbeit in Frauengesundheitsorganisationen unter die Lupe und zeigt Chancen auf. Wirklich schade, dass das Buch, das auch in französischer Sprache veröffentlicht wurde, nicht in deutscher Sprache vorliegt. Der kritische, scharfsinnige Ansatz beschreibt genau das, was hier bei uns fehlt und an Aktualität eher wichtiger geworden ist. Das Buch ist vergriffen, aber im antiquarischen Buchhandel noch erhältlich.</p>
<p><strong>Auszug: </strong>&#8220;Patient no more&#8221;, S. 287<br />
„Das staatliche Gesundheitswesen, entwickelt, um Krebs zu „kontrollieren“, kontrolliert in Wirklichkeit die Frauen &#8211; und insbesondere ihren Konflikt mit Krebs &#8211; effektiver, als es die Krankheit kontrolliert. Wir werden in ein medizinisches System hineingedrängt („keine Zeit zu verlieren!“), das von geheim gehaltenen Regeln regiert wird. Hier bringt Compliance Anerkennung ein. Ärzte sprechen mit uns in ihrem eigenen Jargon der medizinischen Wissenschaft oder in der väterlichen Bevormundung eines verkindlichenden „na, na, meine Liebe“. „Wiederherstellungs-“ Programme ermutigen uns, „normal auszusehen“ und „mit dem Leben weiterzumachen“. Schon bald brechen die Charities über uns herein und drängen uns, „den Krebs mit einer Untersuchung und einem Scheck zu bekämpfen“. Das Geld geht in „Unterstützungsprogramme“, in denen wir nichts zu sagen haben, oder an Forscher, die Fragen nachgehen, die keinen Bezug zu unseren eigenen haben.“</p>
<p>[The state system, designed to „control” cancer, in reality controls the     women – and particularily her conflict with cancer – more effectively than     it controls the disease. We are thrust (“no time to waste!”) into a medical     system governed by undisclosed rules. Here compliance gains approval. Physicians     speak to us in the private jargon of medical science, or with an infantilizing "there,     there, dear" paternalism. "Recovery" programs encourage us     to "look normal" and "get on with life". Soon charities     descend, urging us to "fight cancer with a check-up and a cheque" The     money goes into "support" programs in which we have no say, or     to researchers studying questions unrelated to our own."]</p>
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