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Ökonomie in der Arztpraxis: Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL)

IGel-Monitor

IGeL-Monitor: IGeL von A - Z: Eine Webseite des MDK

Nicht nur der Mensch, auch die Medizin wird mehr und mehr dem Markt überantwortet. War es früher Leitbild der kassenärztlichen Arztpraxis, nur solche Leistungen anzubieten, die abgerechnet werden durften und damit prinzipiell als medizinisch notwendig erachtet wurden, so müssen viele ÄrztInnen heute mehr und mehr Leistungen zusätzlich verkaufen, um am Markt überleben zu können. Doch immerhin – eine neue Webseite bietet Orientierung bei den zusätzlichen Leistungen, die heute so verkauft werden: Der IGeL-Monitor. Die Webseite erklärt ausführlich, was Sache ist, und nimmt einzelne Angebote genau unter die Lupe.

Die Rolle der Arzthelferin

Damit es mit dem Verkauf auch klappt, werden medizinische Fachangestellte (früher ArzthelferInnen, Link zum IGeL-Monitor) in vielen Arztpraxen heute direkt für den Verkauf von IGeL geschult und mit materiellen Anreizen wie Sachleistungen und Geldprämien für den erfolgreichen Verkauf belohnt. Das neue Einchecken in die Praxis wird an unauffällige freundliche Fragen gekoppelt, die mitunter der Computer den medizinischen Fachangestellten bedarfsgerecht auf die PatientInnen zugeschnitten vorgibt. Dass dieses Abverlangen von Leistungen im Verkauf und die “Umschulung zur Verkaufsmanagerin” gerade manchen älteren Arzthelferinnen in ihrem Berufsethos gegen den Strich geht, wissen wir aus Gesprächen mit Arzthelferinnen. Die neue Professionalisierung wird im Unterrichtsfach Marketing im Lehrplan der Azubis von heute geschult, so dass bei der nächsten Generation mit weniger Widerstand zu rechnen ist.

Schöne neue Wartezimmerwelt

Im Wartezimmer geht die verkaufsorientierte Beeinflussung von PatientInnen „zur Verkürzung der gefühlten Wartezeit“ modern mit Werbebotschaften über TV-Berieselung weiter. Nach Herstellerangabe des Marktführers für Wartezimmer-TV (Werbeansage an ÄrztInnen: „… schließlich können Sie mehr, als die Kasse bezahlt …“) handelt es sich um ein „modernes Patienteninformationssystem“. In anderen Wartezimmern wird docspot.tv eingesetzt. Mit oberflächlichen Filmen werden hier Mammographie, Brustultraschall, Homöopathie, TCM, Akupunktur oder die Darmspiegelung und vieles mehr, z.B. durch „Zeitsprung Infotainment“, beworben.

Orientierungshilfe

Die Webseite IGeL-Monitor (www.igel-monitor.de) des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen bietet bei diesem Status Quo Orientierungshilfen für einige der angebotenen IGeL-Leistungen. IGeL-Monitor möchte über den IGeL-Markt und die Akteure – Ärzte, Kassen, Hersteller, Medien, Politik und den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), der in Deutschland gesetzlich festlegt, welche Versicherungsleistungen die Kassen bezahlen – aufklären. IGeL-Monitor bewertet die einzelnen IGeL wissenschaftlich fundiert, damit es Versicherten gelingt, sich für oder gegen den Einkauf der angebotenen Leistung zu entscheiden. Relevantes Beispiel für unsere Webseite wäre z.B. die Kunsttherapie für Krebspatienten und deren Angehörige, eine Leistung, die schon in manche Disease-Management-Programme zu Brustkrebs integriert war und in verschiedenen medizinischen Einrichtungen von den Trägern finanziert wurde oder wird, um Patientinnen nach Brustkrebs Hilfestellung beim Weiterleben anzubieten.

Ausbau erwünscht …

Insgesamt listet IGeL-Monitor aktuell 25 Leistungen auf, die PatientInnen selbst bezahlen müssen. Mammographie, Brustultraschall, Homöopathie, TCM, Akupunktur oder die Darmspiegelung gehören nicht dazu. Dennoch wird auch die Mammographie als IGeL angeboten.

Bei Veränderungen und Verdacht auf Brustkrebs ist die jedoch Mammographie Kassenleistung – und nicht IGeL. Frauen, die von familiär gehäuft auftretendem Brustkrebs betroffen sind, sollten sich generell besser in den dafür spezialisierten Zentren beraten lassen. Auch die Mammographie zur Brustkrebsfrüherkennung ist im Rahmen des nationalen qualitätsgesicherten Mammographie-Screening-Programms grunsätzlich kostenlos für alle Teilnehmerinnen, Praxisgebühr wird hierfür nicht erhoben. Eine Früherkennungsmammographie sollte, wenn eine Frau sich nach ausreichender Information dafür entscheidet, wegen der umfassenden “Qualitätssicherung” im Programm eher im Rahmen des Mammographie-Screenings in Anspruch genommen werden. In anderen Situationen sollte eigentlich keine Mammographie durchgeführt werden.

Wegen der Vielzahl der IGeL wäre ein zügiger Ausbau des Projekts, auch mit sehr kritischen Hinweisen zur „IGeL-Mammographie“, höchst wünschenswert.

IGeL-Monitor ist im Interesse einer unabhängigeren PatientInneninformation dringend erforderlich und wird hoffentlich zügig weiter ausgebaut.

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Empfohlene Webseite: IGeL-Monitor – Hrsg. Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS), Essen

Download „Individuelle Gesundheitsleistungen“: Grundlegende Informationen, ebenfalls herausgegeben vom MDS (pdf)

Bildnachweis: Screenshot BCAG 03/2012 

Rubrik Berichte

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Medikamentöse Brustkrebsvorbeugung? Pille gegen Brustkrebs? | Odysso | SWR

Auf dem weltgrößten amerikanischen Krebskongress ASCO wurden 2011 neue Daten für ein Medikament vorgestellt, das viele Frauen mit Brustkrebs bereits kennen. Jetzt hat auch der SWR die Thematik aufgegriffen und meint: Die Pille gegen Brustkrebs ist zumindest eine gute Geschäftsidee. Es geht um den Aromatasehemmer Exemestan (Handelsname Aromasin), der zunächst bei metastasiertem Brustkrebs und seit 2005 teilweise auch in der „adjuvanten“ Therapie von Brustkrebs ohne Metastasen angewendet wird. Krebskongresse weltweit haben sich in den vergangenen Jahren zur großen Produktschau entwickelt und werden überwiegend von Pharmamultis finanziert. „Aromatasehemmer Exemestan beugt Brustkrebs vor“[i], so oder ähnlich lauten seitdem die Schlagzeilen in Presseberichten. Aber nicht überall wird genau hingeschaut, was die neuen Daten tatsächlich bedeuten. Auch beim „Vorgängermedikament“ Tamoxifen wurde phasenweise die „prophylaktische“ Einnahme propagiert, bevor hinreichende Daten vorlagen. Einige Jahre später konnte der wenig erfreuliche Umstand belegt werden: Der zu erwartende Schaden, den Frauen durch eine „prophylaktische“ Einnahme davongetragen hatten, war größer als der Nutzen.

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NEIN zur Brustkrebsvorbeugung mit Exemestan (Aromasin): Die Breast Cancer Action Position

Kommentar: Brustkrebs vorbeugen? Ja, aber richtig! von Beate Schmidt

Rubrik BCAction, Berichte

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Gemeinsame Erklärung zum “Brustkrebsmonat”

Arbeitskreis Frauengesundheit in Psychotherapie und Gesellschaft e.V.
Breast Cancer Action Germany
Ewa Frauenzentrum e.V.
Feministisches Frauengesundheitszentrum Berlin (FFGZ)
Interkulturelle Initiative e.V.
Netzwerk Frauengesundheit Berlin
Treffpunkt Krebs – Selbsthilfe für jüngere Frauen
Terre des Femmes Deutschland
Women in Europe for a Common Future e.V.
Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau, Bremen

Berlin, 17.10.2011

Brustkrebs ist keine Geschäftsidee: Frauengesundheitsorganisationen fordern Stopp des Missbrauchs

Die fortschreitende Kommerzialisierung und ökonomische Ausbeutung des Themas Brustkrebs ist eine Fehlentwicklung, der eine Reihe von Frauenorganisationen jetzt entschieden entgegen treten.

Diagnostik und Therapie von Brustkrebs sind eng mit ökonomischen Interessen verknüpft. Eine begleitende kritische Bewertung ist grundsätzlich ratsam.

Besonders empörend ist der aktuelle Trend im Oktober: Globale Konzerne und Firmen überbieten sich gegenseitig mit PR-Kampagnen und sammeln Spendengelder auch in Deutschland ein. Der Aufmerksamkeitsfaktor des Themas Brustkrebs steigert Verkaufzahlen und wird zur Marketingmaßnahme für Geschäfte und Profite umgemünzt. Einnahmen und Verwendung der Spenden sind selten transparent. Beispielhaft zeigen zwei aktuelle Kampagnen, wie die Krankheit zum Geschäftsmodell umfunktioniert wird.

Am 18. Oktober wird Pink Ribbon Deutschland auf dem Potsdamer Platz „die größte pinkfarbene Schleife in Deutschland“ binden. Bei genauerem Hinsehen bieten die Macher auch jede Menge Werbung, Halbwissen aus PR-Kanälen, das Sammeln von Spenden sowie die Suche nach neuen Anzeigenpartnern. Als Frauengesundheitsorganisationen lehnen wir das mit solchen Aktionen verknüpfte konsumorientierte Frauenbild, das Frauen öffentlich sexualisiert und infantilisiert, ab.

Im Schlepptau des „pink“ angestrahlten Brandenburger Tors durch den Kosmetikkonzern Estée Lauder am 11. Oktober wird die Aufmerksamkeit auf hochpreisige Kosmetika gelenkt. Die verständliche Deklaration von Inhaltsstoffen oder der Verzicht auf krebserregende Chemikalien in Kosmetika stehen dagegen nicht auf der Agenda. Lichtaktionen, bei denen öffentliche Gebäude rosa angestrahlt werden, nennt die Medizinsoziologin Samantha King schlicht Stromverschwendung.

Wir sehen mehr Schaden als Gewinn für Frauen durch derartige Aktionen. Die Entwicklung, vorgeblich Wohltätigkeit auf Kosten kranker Menschen an geschäftliche Interessen zu koppeln, sehen wir mit Sorge.

Die Deutsche Krebshilfe, für die am 18.10. Spenden gesammelt werden sollen und die eine Vorbildfunktion einnehmen muss, rufen wir auf, ihre Kooperationen kritisch zu überprüfen.

Was für Frauen grundsätzlich wichtig ist: 6 Punkte für den Umgang mit dem Thema Brustkrebs in Deutschland

  1. Öffentlich geförderte und transparente Forschung zu Ursachen der Krebsentstehung, Diagnostik und Therapie. Langfristige Nachbeobachtung von Forschungsergebnissen weit über vermarktungsrelevante Eckpunkte und fünf Jahre hinaus.
  2. Priorisierung der Vermeidung von Brustkrebs und anderen Krebserkrankungen. Schwerpunkt muss endlich der Abbau von Umweltbelastungen und Umweltgefährdungen sein. Keine Kooperationen und keine Annahme von Spenden von Unternehmen und Institutionen, die für die Erzeugung und Verbreitung von Karzinogenen verantwortlich sind.
  3. Bereitstellung evidenzbasierter Informationsangebote unter Beachtung höchster professioneller und ethischer Standards und unter Berücksichtigung von Kapazität und Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen. Informationsmaterialien zu den Themen Vermeidung, Screening, Diagnostik und Behandlung auf einer rationalen anstelle einer rein emotionalen Ebene.
  4. Transparente, zeitnahe und für Frauen verständliche Bewertung der Ergebnisse aus dem weltweit größten organisierten Mammographie-Screening-Programm in Deutschland. Frauen haben großes Interesse und Anspruch auf die Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem Programm, um ihre Entscheidungen für oder gegen eine Teilnahme treffen zu können.
  5. Berücksichtigung von Brustkrebs als einem großen sozialen Problem für erkrankte Frauen und ihre Familien sowie angemessene wirtschaftliche Absicherung von an Krebs erkrankten Frauen.
  6. Transparente Offenlegung und Veröffentlichung der Interessenlage von Organisationen, die sich mit Brustkrebs und anderen gesundheitsbezogenen Themen befassen und/oder Spenden sammeln.

Download

Gemeinsame Erklärung zum “Brustkrebsmonat”

Weitere Informationen und Kontaktpartnerinnen unter:

www.akf-info.de  www.bcaction.de  www.ewa-frauenzentrum.de  www.ffgz.de
www.frauengesundheit-berlin.de  http://frauenrechte.de  www.interkulturellesfrauenhaus.de
www.paula-panke.de  www.treffpunktkrebs.de  www.wecf.eu  www.zgf.bremen.de

Rubrik Brustkrebsmonat, Kampagnen

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Komen oder Patente “für die Heilung”

Die Susan G. Komen Foundation ist eine „Charity-Organisation“, die mit so fragwürdigen Projekten wie etwa 2010 einer Zusammenarbeit mit Kentucky Fried Chicken (KFC) Geld „gegen Brustkrebs“ sammelt. Die Komen-Kampagne für den Konsum von rosa verpackter, fettiger und ungesunder Ernährung mit Grillhähnchen brachte viel Kritik. Breast Cancer Action rief Komen dazu auf, die fragwürdige Partnerschaft zu überdenken (s. Think Before You Pink: >>> Tell KFC and Komen to stop the pinkwashing!)

Oxford University Press - Blog: Gayle A. Sulik zu einem anderen "Kampf für die Heilung"
Oxford University Press – Blog: Gayle Sulik zu einem anderen “Kampf für die Heilung”

Das Patent auf eine Phrase

Die Medizinsoziologin Gayle Sulik, die Ende Oktober 2010 mit dem Buch „Pink Ribbon Blues“ ihre Forschungsergebnisse zu Entwicklungen in der „Brustkrebsbewegung“ veröffentlicht hat, schrieb in diesen Tagen im >>> Blog ihres Verlags „Oxford University Press“ über Strategien und Anstrengungen der Susan G. Komen Foundation. Komen hat sich die Phrase „for the Cure“ (dt. „für die Heilung“) als Marke gegen andere Charities, die sich ebenfalls für „Heilung“ einsetzen, patentieren lassen. Komen setze (in den USA) auch andere Organisationen, selbst wenn es um ganz andere Erkrankungen geht, aktiv unter Druck und verlangt die Unterlassung der Nutzung der Phrase „for the cure“. Komen unterhält ihre Organisation auch in Deutschland als „Susan G. Komen Deutschland e.V., Verein für die Heilung von Brustkrebs“. Es klingt absurd, und es geht um viel Geld.

Die Verdrängung der Anderen

Sulik nimmt auch den Beitrag von Laura Bassett aus der Huffington Post v. 07.12.2010 auf. Bassetts Artikel >>> Susan G. Komen Foundation Elbows Out Charities Over Use Of The Word ‘Cure’ (Susan G. Komen Foundation verdrängt andere Wohltätigkeitsorganisationen bei der Verwendung des Wortes „Heilung“) hat inzwischen eine umfangreiche Diskussion mit über 350 Einträgen (Stand Ende Dezember 2010) angestoßen.

Die Kontrolle der Marke Brustkrebs

Gayle Sulik fragt, warum die größte, finanzstärkste und sichtbarste aller Brustkrebsorganisationen so viel Energie aufwendet – und dabei Millionen einsammelt -, um die Textpassage „for the Cure“ für sich patentieren zu lassen. Und sie beantwortet die Frage auch: Um die „Marke Brustkrebs“ zu kontrollieren. Brustkrebs habe sich zu einer wichtigen sozialen Frage mit dem „Markenzeichen“ der rosa Schleife entwickelt. Diese Marke garantiere Konsum, Einnahmen, Werbung und einen hohen Aufmerksamkeitsfaktor.

Patente auf den rosa Konsum

Die Mischung aus Angst vor der Krankheit, die hoffnungsvolle Vorstellung einer eventuellen Heilung und die aufrichtige Gutherzigkeit der vielen „rosa Unterstützerinnen“ (Menschen, Organisationen, Körperschaften) führe letztlich zum erwünschten Ergebnis: dem „rosa Konsum“. Die Geschichte habe 1985 mit Präsidentengattin Betty Ford und mit dem „Internationalen Brustkrebsmonat“ ihren Anfang genommen. Der Brustkrebsmonat avancierte zur Plattform und Werbung für „Bewusstsein gegen Brustkrebs“ (Breast Cancer Awareness) und ganz besonders für die Mammographie. Doch es gäbe ein Problem für Komens „laufende Schleife“, das Komen-Logo. Die Schleife ist Gemeingut und damit nicht patentierbar. Jede/r kann sie nutzen und sich ein eigenes Logo damit gestalten. Die Bemühungen, sich Patente zu verschaffen – sei es für Testverfahren, Medikamente, Namen oder Produkte -, werden sich im Zusammenhang mit Brustkrebs so schnell nicht ändern. Selbst Schleifen und Wortfetzen sind offensichtlich nicht mehr sicher vor Zugriff und Exklusivitätsansprüchen, jedenfalls nicht, solange so viel Geld mit der Krankheit verdient werden kann.

Dominanz-Strategie

Die Komen-Stiftung hat im Jahr 2007 ihren Namen von Susan G. Komen Breast Cancer Foundation in Susan G. Komen for the Cure® geändert, einschließlich der „Übernahme“ der Schleife. Komens „laufende Schleife“ jedenfalls ist patentiert als Markenzeichen. Komen leitete mit der Änderung des Namens die Werbekampagne „Imagine“ ein, berichtet Sulik weiter. Sie verweist darauf, dass Komen mit diesen Aktivitäten auf Dominanz abziele und in der Konsequenz die Brustkrebsbewegung und hunderte von kleinen Gruppen arm aussehen lasse, denn Komen beanspruche alle Aufmerksamkeit für sich. Wer sich die rosa Massenveranstaltungen der Komen-Stiftung rund um den Globus anschaut, kann schnell feststellen, wie zutreffend diese Feststellung ist. Auch in Deutschland versucht Komen, Non-Profit und For-Profit zu koppeln und sucht aktiv For-Profit-Unternehmen für „Marketing für den guten Zweck“[1.], für Marketing mit Brustkrebs. Pink soll es sein.

Neue Fundraising-Standards gefordert

Mach mit. Kauf es. Erzähl es deiner Freundin. Alles fein verpackt mit den wohldosierten emotionalen Botschaften einer Werbekampagne, die das reale Erleben einer Frau mit Brustkrebs schnell unanständig wirken lassen.

Unglücklicherweise führe Konsum NICHT zur Beseitigung von Brustkrebs. Nötig seien neue Fundraising-Standards und viel öffentlicher Druck auf Komen, deren Rechte sich inzwischen über mehr als 200 registrierte Markenzeichen erstreckten und die andere Organisationen bekämpfe, weil sie die Phrase „für die Heilung“ (for the cure) benutzten. Dies jedenfalls laufe den Interessen der Brustkrebs-Bekämpfung zuwider, stellt die habilitierte Medizinsoziologin >>> Gayle Sulik, Fellow der Nationalen Stiftung der Geisteswissenschaften (National Endowment for the Humanities), die die „Brustkrebs-Kultur“ erforscht, jetzt fest. Sie fördert eine unendliche Liste spannender Zusammenhänge zutage und ist die Autorin von >>> Pink Ribbon Blues: How Breast Cancer Culture Undermines Women’s Health.

Leseempfehlung

Wir sprechen die ultimative Leseempfehlung für Gayle Suliks Buch aus, und zwar für alle, die mit der englischen Sprache klarkommen und sich für das Thema interessieren. Für alle anderen bleibt die Hoffnung auf eine deutschsprachige Übersetzung von Gayle Suliks Superbuch.

Links

Webseite von Gayle Sulik

OUP-Blog: The Battle „For the Cure“ – The Phrase, That Is von Gayle Sulik

Huffington-Post: Susan G. Komen Foundation Elbows Out Charities Over Use Of The Word ‘Cure’ von Laura Bassett

Breast Cancer Action: Think Before You Pink: Tell KFC and Komen to stop the pinkwashing!

Quellenangabe

Deutsche Komen-Webseite „Werden Sie Partner:“, http://www.komen.de/cms/website.php?id=/de/partner/partner_werden.htm, Zitat: „Als produzierendes Unternehmen haben Sie die Möglichkeit, ein Produkt zu entwickeln und anzubieten, das sichtbar mit unserem Anliegen – der Prävention von Brustkrebs – verbunden ist. Besonderen Wert legen wir dabei auf die Farbe Pink, außerdem sollte das Produkt nicht teurer als vergleichbare Produkte Ihres Sortiments sein und es muss darauf hingewiesen werden, dass ein Teil der Verkaufserlöse KOMEN Deutschland e.V. zugute kommt.

Im englischsprachigen Raum wird dies als „Cause Related Marketing“ bezeichnet, was soviel wie „Marketing für den guten Zweck“ bedeutet. In Deutschland steht diese Form der Verkaufsförderung noch am Anfang, aber die Vorteile liegen auf der Hand: Wir machen gemeinsam auf die wichtige Aufgabe, Brustkrebs zu verhindern, aufmerksam. Der Käufer und Sie als Unternehmen unterstützen dieses Anliegen und zeigen damit gesellschaftliche Verantwortung.“

Rubrik Komen, Organisationen

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Zuviel ROSA – Die spannende Arbeit der Anthropologin Margret Jäger

Margret Jäger: Früherkennung von Brustkrebs. Diskurse in Brasilien und Österreich. Ein Beitrag zur Gesundheitsanthropologie. Wien: LIT, 2010 aus der Schriftenreihe Medizin & Gesellschaft, Bd. 17.  ISBN:  978-3-643-50123-3

“ROSA erscheint ausschließlich die Darstellung der Informationen, die bittere Realität von erkrankten Frauen oder jenen Frauen, welche den Verdacht einer Erkrankung als schwere Last mit sich tragen, sieht alles andere als rosig aus. … Die visuelle Wirkung eines kräftigen Rosa Farbtons … zur Erregung von Aufmerksamkeit … ist unbestreitbar, es stellt sich jedoch die Frage, … inwieweit diese die Erkrankung Brustkrebs damit eher verharmlost und verniedlicht. Meines Erachtens trägt die Wahl der Farbe ROSA nicht dazu bei, Informationen zu verschönern oder Hoffnung zu vermitteln. Selten wird in Informationsmaterialien der Grund für diese Farbgestaltung kommuniziert, welcher existiert und erläutert werden könnte”, so schreibt Margret Jäger in der Zusammenfassung ihres Buches. Wie zutreffend diese Feststellung ist, zeigt der erste Blick auf das Internetangebot unseres deutschen Mammographie-Screening-Programms sofort. Jäger verfolgt einen binationalen Ansatz bei der Betrachtung des gesellschaftlichen Umgangs mit Brustkrebs, der wertvolle Hinweise für eine multinationale Betrachtung der gegenwärtigen Situation öffnet. Weiterlesen …

Rubrik Bücher

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Brustkrebsmonat – Weg mit der rosa Augenbinde!

Kein rosa Erwachen: Weg mit der rosa Augenbinde ...

Kein rosa Erwachen: Weg mit der rosa Augenbinde ...

„Krebs ist Scheiße“ (CANCER SUCKS) steht auf einem bekannten Button von Breast Cancer Action. Das ist zumindest aus der Perspektive von Betroffenen treffend formuliert, auch wenn das Bild der Krankheit Brustkrebs besonders in Deutschland in der Öffentlichkeit heute rosa verpackt und von Fort­schritt geprägt zu sein scheint. Ob Staubsau­ger, Lockenstab, Mode­schmuck, Nagellack oder Bekleidung: mehr und mehr Firmen, aber auch „Selbsthilfe“ und „Charities“ benutzen die Krankheit, diverse Produkte geschäftstüchtig im Schlepptau ihres „Engagements“. Brust­krebs erweckt Aufmerksamkeit im Marketing, um sich selbst ins Gespräch zu bringen und vorgeblich human­istische Ansätze zu demonstrieren. Doch „Bewusstsein für Brustkrebs“ gibt es inzwischen im Überfluss. Die an Bord solcher Kampagnen mitgeführten Botschaften sind häufig irreführend oder unzulässige Vereinfachungen, die mehr schaden als nützen. Die versprochenen Spenden sind selten transparent und erreichen betroffene Frauen oder medizinische Behand­lungszentren höchstens im Ausnahmefall in nennens­wertem Umfang. An vorhandenen Defiziten verändern „Brustkrebsmonat“ und Marketingkampagnen dagegen nichts. Krankheitsursachen werden weiterhin nicht hinreichend erforscht. Frauen sind angewiesen auf unzureichende Werkzeuge in Diagnostik und Therapie. Die Anzahl der Neuerkrankun­gen steigt kontinuierlich. Die Sterblichkeit an Brustkrebs sinkt nicht nennenswert, was anhand der GEKID-Zahlen für Deutschland leicht überprüfbar ist. Ob das weltweit größte Mammographie-Screening-Programm „nach europäischen Leitlinien“ in Deutschland daran etwas ändern wird, erscheint vielen MedizinerInnen heute fraglich. KritikerInnen aus den Reihen medizinischer Forschungseinrichtungen und Frauenorganisationen welt­weit bezweifeln die Erfolgsaussichten und attestieren zusätzliche Risiken für Frauen. Die bereitgestellten Informationsmaterialien zu Diagnostik, Behandlung und Therapie kommunizieren insbesondere Risiken nicht hinreichend. Brustkrebs ist nach wie vor, und allen gegenteiligen Bekundungen zum Trotz, bei vielen Frauen nicht heilbar. Wer sich mit einzelnen Krankheitswegen betoffener Frau­en befasst, wird nach wie vor mit Odyseen unvorstellbaren Leids konfrontiert. Die Antwort auf soziale Probleme jüngerer Frauen mit Brustkrebs heißt in Deutschland Hartz IV, gesellschaftlicher Abstieg, Armut. Brustkrebs als sozia­les Problem wird nicht diskutiert. Leid, Schmerz, Krankheit und Tod betreffen reale Frauen, während das Bild der Krankheit in der Öffentlichkeit umgedeutet wird. Der sogenannte „Brustkrebsmonat“ Oktober hat sich zum Paradebeispiel einer weltweiten Manipulationsindustrie gemausert. Besonders im Oktober wabert eine rosa Lawi­ne um den Erdball, die Frauen infantilisiert, instrumentali­siert und zugleich den Blick auf das, was an abgesicher­tem wissenschaftlichen Wissen wirklich existiert, wirksam verstellt. Die mehr oder minder kitschigen Aktivitäten mit „rosa Schleife“ sollen für Aufmerksamkeit sorgen und sind dabei zugleich zum Symbol einer industriell umfunktionier­ten Basisbewegung geworden. Selbst konservativere Frauenorganisationen wie der große amerikanische Zusammenschluss der National Breast Cancer Coalition wenden sich bereits seit Jahren gegen solche Aktivitäten. In Großbritannien rufen Frauenorganisationen an Universi­täten wie Parlamenten[1] gleichermaßen dazu auf, die allge­genwärtige „rosa Schleife“, die als Augenbinde verstanden wird, endlich abzunehmen. Die Medizinsoziologin Gayle Sulik hat in ihrem Buch „Pink Ribbon Blues“ die Gleichung „Frau = Brust = Rosa“ durch alle Untiefen dekliniert. Ihr wichtiges, bei Oxford University Press erschienenes Buch zu Geschichte und Gegenwart der Brustkrebsbewegung findet in Deutschland bisher keinen Verleger. Dabei wäre es wichtig, ihre Arbeiten auch in deutscher Sprache zugänglich zu machen. Sulik spricht von „Brustkrebsindustrie“. Sie schreibt, dass es kein Zufall sei, wenn mit dem Brustkrebsmonat der amerikanischen Krebsgesellschaft (American Cancer Society) die Mammo­graphie propagiert wird, da sie von der Niederlassung eines der größten multinationalen Chemiekonzerne ge­sponsert worden sei. Die Zeneca-Gruppe von der Imperial Chemical Industry, die später mit Astra fusionierte, sei durch Entwicklung, Herstellung und Verkauf onkologischer Medikamente zu einem der reichsten Mitglieder dieser Brustkrebsindustrie geworden.[2] Mit der Etablierung des Mammographie-Screenings ist es in den letzten Jahren auch hier zu einem nicht unerheblichen Anstieg der Neu­erkrankungen gekommen. Auch hiesige Frauenorganisa­tionen, Selbsthilfegruppen einschließlich der Brustkrebs­demonstrationen wurden von Pharmakonzernen und Medizingeräteherstellern gesponsert. Die Auswirkungen des Screenings in der Tragweite für Frauen sind bisher allerdings noch nicht sicher abschätzbar.

Den geschlossenen Kreislauf durchbrechen

Während die Ursachen von Krebserkrankungen und Brustkrebs ausgeblendet bleiben, während Regierungen sich weigern, Maßnahmen zu ergreifen, um Ursachen adäquat zu erforschen und für sicherere Lebensbedingun­gen von Frauen zu sorgen, während immer mehr Medizin­technik und überteuerte Therapien und Tests zum Einsatz kommen und damit die Finanzierbarkeit eines Gesund­heitssystems schlichtweg für alle gefährden, fordern die kritischen Frauen- und Bürgerrechtsorganisationen zumin­dest endlich strengere Kontrollen für krebserregende Chemikalien. Hersteller von gesundheitsgefährdenden Chemikalien sind nicht eben selten dieselben Konzerne, die auch die Medikamente herstellen und mit ihren verschachtelten Konzer­nen medizinische Einrichtungen wie Brustzentren betrei­ben. Forschungen multinationaler Konzerne werden auch in hiesigen Behandlungseinrichtungen an Brustkrebspatientinnen durchgeführt. Bei weitem nicht jede medizinische Studie, nicht jedes Experiment ist dabei transparent oder hilfreich oder auch nur mit einer Aussicht auf Behandlungserfolg verknüpft, während überzogene Preise für neue onkologische Medikamente und Testverfahren die eigentlichen Antriebsräder im Geschehen sind. Zugleich werden Frauen über Produkte des täglichen Lebens von Kinderspielzeug über Kosmetika, Haushalts­reiniger, Kunststoffe, Einrichtungsgegenstände etc. mit krank machenden Chemikalien kontaminiert. Die große Schieflage beim Einfluss von „modernen“ Lebens- und Ernährungsgewohnheiten und der Entstehung von Krebs­erkrankungen zu beleuchten, sprengt hier den Rahmen. Viele dieser Chemikalien, die wir auch in Lebensmitteln wiederfinden, sind bekannte Karzinogene oder als suspekt für eine mögliche Krebs verursachende Wirkung einge­stuft. Mehr als 300 dieser synthetischen, also künstlichen Chemikalien werden beispielsweise in der Muttermilch nachgewiesen.[3] Wer ist bereit, die tiefgehende Tragik, die dies bedeutet, weiterzudenken und nach Auswegen zu suchen? Medikalisierung von Frauen über erfundene Krankheiten (Beispiel Hormonersatztherapie und „Hormonmangelsyndrom“) haben Gesundheit und Leben von Frauen rücksichtslos gefährdet, und fragwürdige Ver­sprechungen wie „Anti-Aging“ mit „Hormonersatztherapien“ führen fundamentale medizinische Grundsätze seit Jahrzehnten ad absurdum. Mit ihrer Aktion „The Big See“ (s. Foto oben) haben die britischen Organisationen Women Environmental Network (WEN) und die Gewerkschaft UNISON im Jahr 2005 damit begonnen, auf den Verschleiß der rosa Schleife hinzuweisen. Sie fordern seitdem offensiv dazu auf, die „rosa Augenbinde“ abzunehmen und die Ursachen von Brustkrebs in einem umfassenderen Kontext zu betrachten: „Nimm die rosa Augenbinde ab. Wenn du die Augen öffnest, bist du nicht mehr blind für die Zusammen­hänge zwischen Chemikalien, die mit der Entstehung von Krebs in Verbindung gebracht werden, und für steigende Brustkrebsraten sorgen. Werde aktiv!“ Helen Lynn, Her­ausgeberin der Broschüre zu Brustkrebs und Umwelt­belastungen, die mittlerweile in fünf Sprachen einschließ­lich einer deutschsprachigen Version (Die verkannte Gefahr: Brustkrebs und Umweltbelastung, pdf) vorliegt, stellt fest, dass Frauen verblendet werden, weil Brustkrebs immer noch als praktisch unvermeidliches Schicksal dargestellt werde. Sharon Greene von der britischen Gewerkschaft UNISON mit über 1,1 Millionen Frauen unter ihren Mitgliedern forderte bereits 2005 außerdem, dass Entscheidungsträger und Politik endlich mehr tun, um die Ursachen für mehr und mehr Brustkrebserkrankun­gen abzustellen.

Selbstschutz: Was Frauen selbst tun können

  • Sich nur aus unabhängigen, ungesponserten Quellen informieren.
  • Den Gebrauch von Kosmetika bis Putzmittel überdenken und “grüner” einkaufen. Mehr Infos dazu bieten bisher vor allem die Skin Deep Cosmetics Database oder das FemmeToxic-Projekt von Breast Cancer Action Montreal; entsprechende unabhängige Projekte und Datenbanken in deutscher Sprache fehlen bisher.
  • Beipackzettel, Inhaltsstoffe, Materialangaben genau kontrollieren. Umtauschen, wenn Produkte besorgniserregen­de Inhaltsstoffe enthalten. So kann man im Einzelhandel für Sensibilisierung sorgen und auch Händler informieren. Zukünftig solche Produkte beim Einkauf konsequent vermeiden.
  • Die kritischen Frauengesundheitsorganisationen wie z.B. den Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psycho­therapie und Gesellschaft e.V. unterstützen (www.akf-info.de), damit Frauengesundheit mehr Priorität erhält.
  • Über PolitikerInnen und Behörden weiter Druck für gesunde Lebenswelten aufbauen. Es ist unser Leben!

Credits / Thank you to WEN and UNISON for permission to use their photograph! Download Brustkrebsmonat: Weg mit der rosa Augenbinde! (pdf zum Verteilen) ———- [1] z.B. Aktion WEN Women Environmental Networt und UNISON, der größten britischen Gewerkschaft mit über 1,1 Mio weiblichen Mitgliedern v. 03.10.2005 am College Green gegenüber den Houses of Parliament, wo Frauen mit rosa Schleife-Augenbinden diese symbolisch abnehmen, um zu zeigen, dass ihre Augen nicht verbunden sind angesichts der Arbeit der britischen Regierung und einem “Krebs-Establishment”, das die Zusammenhänge zwischen Umweltbelastungen und Krebs unter den Teppich kehrt. Die beiden Organisationen machten gemeinsam aufmerksam auf die Gefahren, die von gesundheitsschädigenden Chemikalien ausgehen, und forderten eine strengere Regulierung. [2] Sulik, Gayle: Pink Ribbon Blues,OxfordUniversity Press 2011, S. 19 [3] s. dazu auch die BUND-Studie zu Muttermilch und Schadstoffbelastung (2005): Endstation Mensch: Über 300 Schadstoffe in der Muttermilch: Zeit für eine neue Chemikalienpolitik (pdf) Reaktionen … Mädchenmannschaft - 2008 mit dem Deutsche Welle Blog Award BOB als Bestes Deutschsprachiges Weblog ausgezeichnet, 2009 für Grimme Online Award und den Alternativen Medienpreis nominiert – hat aktuell unseren Artikel zum “Brustkrebsmonat” - Weg mit der rosa Augenbinde - veröffentlicht. Dankeschön dafür! Eine nette >>> Diskussion ist angestoßen …  zumArtikel bei Mädchenmannschaft …

Rubrik Brustkrebsmonat, Kampagnen

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ANTIPINK – Mehr Beispiele zum Brustkrebsmonat

Sulik-Blog: “Es ist Zeit, sich nicht länger etwas vorzumachen”: Versehen mit einer exemplarischen Bildersammlung plädiert die Medizinsoziologin Gayle Sulik für einen radikalen Richtungswechsel im gesellschaftlichen Umgang mit Brustkrebs.Weiterlesen …

In “Pink Ribbons, Inc.” geht die Soziologin Samantha King der “Kultur” der Geldsammelei gegen Brustkrebs auf den Grund. Sie sieht keine ernsthaften Initiativen der weltweit tätigen Kosmetik-Konzerne, ihre eigenen Produkte für Konsumentinnen sicher zu machen und hält die Lichtaktionen gegen Brustkrebs schlicht für Stromverschwendung. Sie änderten nichts und würden auch nicht gegen Brustkrebs helfen. Die Realität einer hässlichen Krankheit werde überblendet. Nichts an Brustkrebs ist rosa oder niedlich … Weiterlesen

Einen Klassiker zum Thema schrieb Barbara Ehrenreich mit “Willkommen in Krebsland”. Ihr Text, der hier mit freundlicher Genehmigung wiedergegeben wird, wirft einen schonungslosen Blick auf den Stand der Dinge. Ehrenreich meint, in der “Brustkrebskultur” sein Fröhlichkeit mehr oder weniger Pflicht und eine Meinungsverschiedenheit wäre Verrat … Weiterlesen (pdf) …

Eines der wichtigsten neuen Bücher, “Pink Ribbon Blues“, schrieb jedoch die Medizinsoziologin Gayle Sulik, s. oben.  Sulik zeigt auf, wie der Umgang mit Brustkrebs in westlichen Gesellschaften Gesundheit von Frauen gefährdet. Die Autorin widmet sich sozialen und sprachlichen Aspekten, Auswirkungen der Berichterstattung in Massenmedien, kulturellen Aspekten und Ausflügen in die Krebsindustrie bis hin zur kritischen Betrachtung von Big Pharma und sie stößt ein Umdenken anDabei positioniert sie sich –  und das ist eher unüblich und sehr einnehmend – glaubwürdig bei den betroffenen Frauen. Weiterlesen … 

Der Artikel Komen – oder Patente “für die Heilung” setzt sich mit den rosa verpackten Aktionen der Susan G. Komen Foundation, auseinander … Weiterlesen

 

Rubrik Brustkrebsmonat, Organisationen

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Léa Pool Doku: Pink Ribbons, Inc.

Lea Pool orientiert sich mit ihrer vom National Film Board Kanada produzierten Dokumentation, von der Barbara Brenner sagt, dass er so in den USA nicht möglich gewesen wäre, an Samantha Kings Buch Pink Ribbons, Inc. Die rosa Schliefe wurde gekidnapped und die Krankheit wird benutzt, sagt sie. Pool fordert eine andere Diskussion und fragt, was mit dem ganzen Geld passiert ist. Im Zentrum ihrer Kritik stehen vor allem die intransparenten Geldflüsse und die KOMEN Organisation, die den “rosa Kult” um Brustkrebs auf die Spitze getrieben hat. Wer einen Blick auf die Ausschnitte und Interviews wirft, kann schnell feststellen, dass es Zeit ist, inne zu halten.

Trailer

 

Interview mit der Produzentin, Ravida Din

Interview mit Regisseurin Lea Pool

Interview II mit Lea Pool

Fragen und Antworten zum Film

Wie kann man eine Krankheit heilen, von der man nicht weiß, was sie verursacht? Lea Pool fragt, warum Ursachen nicht beachtet werden. Gute Freundinnen von ihr sind an den Folgen von Brustkrebs gestorben, aber was sie nicht wusste, war, wie klein die Fortschritte sind, wohin das Geld fließt oder wo es Zusammenhänge zwischen Brustkrebs und Umweltbelastungen zu finden sind.

Auf dem Toronto International Film Festival (TIFF) vom 08. bis 18. September 2011 in Toronto (Kanada) hat >>> Pink Ribbons, Inc., eine Dokumentation der schweizerisch-kanadischen Regisseurin >>> Léa Pool, Premiere. Der Film – der besonders hier bei uns in Deutschland, wo das Geschäft mit Brustkrebs auf allen Ebenen ohne kritische Nachfragen verrichtet wird, so auch nicht hätte gedreht werden können – zeigt die verheerende Dynamik einer Branche und „Kultur“, die Frauen rosa verpackt und verdummt, sie einwickelt und einbezieht in von Konzernen gesteuerte Aktivitäten, denen ein Mäntelchen der Wohltätigkeit übergestülpt wird.

Brustkrebs ist das Vorzeigekind sogenannter Cause-Related Marketing-Kampagnen (zweckgebundenes Marketing), in denen der „gute Zweck“ zur Absatzförderung umfunktioniert wird. Geschäftliche Interessen werden dabei perfekt verschleiert und versehen mit dem Motto Laufen und Kaufen – für die Heilung („run and shop for the cure“). Jedes Jahr werden „im Namen von Brustkrebs“ Abermillionen gesammelt – doch wo wandert das Geld hin und was bewirkt es wirklich? Nach Barbara Ehrenreich, die auch die Normalisierung der Krankheit Brustkrebs als typischem Schicksal von Frauen scharf kritisiert (“it’s horrible”),  war es vor 20 Jahren Zweck dieser Kampagnen, die Forderungen nach Ursachensuche und die Millitanz wütender Initiativen von Frauen für ihr Überleben umzusteuern. Das ist gelungen. Doch Frauen, die heute auf die Zusammenhänge schauen, sind wütend und angewidert, wie Barbara Brenner es in Léa Pools Doku drastisch darstellt.

Da Léa Pool auch in der Schweiz zu Hause ist, bleibt immerhin die Hoffnung, vielleicht diesmal doch eine deutschsprachige Version der Doku auch hierzulande zu sehen zu bekommen.

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Presseinfo >>> Pink Ribbons, Inc. – directed by Léa Pool

Rubrik Doku

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Versprich, dass du die Inhaltsstoffe liest …

Prinzip Pink-Washing: Das neue Produkt, mit dem die amerikanische KOMEN-Foundation aktuell Geld sammeln möchte, ein Parfum namens “Promise me”, steht in der Kritik: Nur 1,51 US $ des Produktpreises in Höhe von 59 US $ sollen der Brustkrebsorganisation zukommen, und die Inhaltsstoffe konnten im Tierversuch bereits krebserregendes Potential zeigen. Das erregt die Gemüter bei Facebook und in der Blogosphere. Hoffentlich bleibt das Produkt dem europäischen Markt erspart, noch ist es hier nicht erhältlich. Weiterlesen bei >>> Think before you pink (engl.)

Rubrik BCAction, Komen

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KomenWatch: Archiv, Stimme, Wegweiserin

Website KomenWatch

Die Webseite KomenWatch baut ein Archiv zur kritischen Auseinandersetzung mit der Rolle der amerikanischen Brustkrebsorganisationen Komen, die unter anderem auch in Deutschland und vielen anderen Ländern weltweit aktiv ist, auf.  Die Webseite soll ein Platz für Diskussion und das Sammeln von relevanten Information zu Komen sein.

Auf dem Prüfstand steht die Rolle, die die Komen-Organisation als weltweit größte Charity und Interessenvertreterin im Kontext Brustkrebs mit dem selbst erklärten Ziel, sich für die Beseitigung und für die Heilung von Brustkrebs einzusetzen, nun seit Beginn der 1990er Jahren eingenommen hat. Durchforstet werden Nachrichtenquellen und Social Media ebenso wie Buchveröffentlichungen, medizinische Fachzeitschriften, Hinweise von engagierten Frauen und BürgerInnen, die Einblick in das Innenleben der Organisation geben. Redaktionelle Analysen werden die Inhalte ergänzen, wichtige Aussagen sollen hervorgehoben und besser zugänglich gemacht werden.

Warum KomenWatch?

Die ProjektkoordinatorInnen haben sich entschieden, die Komen-Organisation zu beobachten, weil sie einen erheblichen Teil der öffentlichen Aufmerksamkeit zum Thema Brustkrebs absorbiere und die Hand aufhalte für einen ebenso erheblichen Anteil der Gelder, die zur Bekämpfung von Brustkrebs gespendet werden.

Komen ist nach Informationen der Website-Betreiberinnenn die einzige der rund 1400 amerikanischen Brustkrebsorganisationen, die sich durch ihr hohes Budget und ihr Agieren von den anderen amerikanischen Brustkrebsorganisationen absetzt. Da dies so sei, müsse Komen auch Standards bei der Leitung ihrer Organisation hinsichtlich Vertrauenswürdigkeit, Rechenschaftspflicht und Transparenz – und natürlich hinsichtlich der Ergebnisse ihrer Arbeit – erfüllen.

KomenWatch teilt dabei die Komplexität von Komens Ansätzen im Zusammenhang mit Brustkrebs.

Seit der Gründung im Jahr 1982 hat die Komen-Organisation – wenn auch sicherlich nicht allein – positive Elemente im Zusammenhang mit der Brustkrebsbewegung beigetragen, etwa beim Überwinden der Unsichtbarkeit und Unaussprechlichkeit der Krankheit, die zur Verschärfung gesundheitlicher Probleme für viele Frauen damals beitrugen. Auch die Bedeutung der Überlebenden wurde durch die Mitarbeit von Komen verbessert, Gelder für Fortbildung und Startkapital für ausgewählte Forschungsprojekte flossen und die rosa Schleife – die natürlich nicht Komen allein für sich beanspruchen kann – sorgte auch dafür, dass damals unterversorgte Gruppen von Frauen eine bessere Versorgung erhielten.

Wie dem auch sei, KomenWatch hält fest, dass Komen-Aktionen, die damals erfolgreich gewesen seien, heute die selbstgesetzten Ziele (s. oben, z.B. Heilung und Beseitigung der Krankheit) untergraben würden.

KomenWatch ist beunruhigt bezüglich des Wandels bei der Finanzierung der Komen-Arbeit, aber auch bezüglich verschiedener öffentlicher Botschaften und Informationsmaterialien bzw. bei der Ausrichtung der Organisation, die einerseits nicht länger mit dem gemeinnützigen Status einer Non-Profit-Arbeit in Einklang zu bringen seien und andererseits auch die grundlegende Ausrichtung, Brustkrebs zu bekämpfen, nicht mehr erkennen ließe.

Viele unterschiedliche Quellen hätten im Laufe der Jahre bereits gezeigt, dass

  • Komen Partnerschaften mit Unternehmen pflege, zu denen Interessenkonflikte bestünden, und so die eigene Glaubwürdigkeit untergrabe,
  • Komen-Programme sich von geeigneten Forschungsprojekten weg und hin zu Aktivitäten richte, die weniger oder nicht geeignet seien, die Krankheit zu bekämpfen,
  • die Komen-Marke als Warenzeichen (!) Konflikte mit anderen Organisationen fördere und guten Willen bezüglich einer Zusammenarbeit vermissen lasse, selbst dann, wenn aufgrund der erklärten Ziele Übereinstimmung bestehe,
  • Komen zwar wiederholt auf seine hohe Bewertung bei Charity Navigator verweise, solche Bewertungen aber wenig über die Qualität der Komen-Programme und ihre tatsächliche bzw. fiskalische Effizienz aussagten,
  • Komens Sensibilisierungsmaßnahmen in der Öffentlichkeitsarbeit ausgerichtet seien auf das Sammeln von Geldern (Fundraising), während die Verbreitung von Informationen zu Brustkrebs durch die Organisation wissenschaftliche Kontroversen und Erkenntnisse nicht adäquat spiegele, und schließlich, dass
  • Komens Herangehensweise ähnlich der einer „profitorientierten Firma“ (for-profit corporation) sei und weniger einer nicht profitorientierten Hilfsorganisation (non-profit-charitable-organization) gliche.

KomenWatch fragt sich deswegen, welche Rolle Komen zukünftig einnehmen wird. KomenWatch erwartet zum Beispiel mehr Kooperation anstelle der Bekämpfung anderer Gruppen, die sich mit dem Thema Brustkrebs ebenfalls beschäftigen, ethische und evidenzbasierte Entscheidungsfindungen, systematische und kontinuierliche Evaluierung von Programmen und – wie auch Breast Cancer Action – mehr Einsatz für eine koordiniertere Forschungstätigkeit [profitorientierte Forschung für sog. >>> me-too-Präparate bringen Patientinnen nämlich wenig weiter]. Wichtig seien aber auch die Beseitigung von Interessenkonflikten und mehr Ehrlichkeit bei der Informationsvermittlung. Die alleinige Sensibilisierung der Öffentlichkeit („Awareness“) und das Sammeln von Geld seien kurzsichtig und zeugten von einer höchstens begrenzt wirksamen Strategie zur Beseitigung von Brustkrebs.

KomenWatch weist in einer Rundmail ferner darauf hin, dass es nicht nur Brustkrebs gibt, sondern auch viele andere Krebserkrankungen, an denen Frauen erkrankten, bei denen ähnliche Ursachen bei der Krankheitsentstehung eine Rolle spielten, die es ebenso zu bekämpfen gelte.

Wie KomenWatch die zukünftige Rolle von Komen sieht

  • Rückkehr zu Not-for-Profit-Prinzipien
  • Stopp von Engagement im „pinkwashing“ (Produktmarketing durch „rosa-Schleife-Artikel“ mit großen Firmen für ungesunde oder Umwelt schädigende Produkte)
  • Großzügiges Teilen der „for-the-Cure“-Phrase (Komen hatte andere Charities, die die Phrase auch nutzten, versucht zu verklagen) und Unterstützung der „Schwesterorganisationen“
  • Arbeit entsprechend des Ansatzes „for the Cure“ (für die Heilung) mit Forschung als erster Priorität
  • Stopp bei der Verbreitung vereinfachter Botschaften zu Früherkennung und Vermeidung durch „Lifestyle-Botschaften“.  Früherkennung sei eine Fehlbotschaft für viele Krebserkrankungen und biete keine Garantie für eine Heilung
  • Keine Ressourcenverschwendung für aufwändige Geldsammel-Aktionen
  • Priorisierung von Studien zur Krankheitsverursachung durch Umwelteinflüsse
  • Langzeitforschung und Finanzierung der Forschung über 10, 20 und 30 Jahre zur Verbesserung des Krankheitsverständnisses und der Statistiken bezüglich aller Erkrankungsstadien. WissenschaftlerInnen wissen, dass 5-Jahres-Überlebensraten (bzw. die oft noch viel kürzeren Untersuchungszeiträume in Studien) ein falsches Bild des Brustkrebsüberlebens zeigen.
  • Wahrnehmung derjenigen Frauen, die mit metastasiertem Brustkrebs leben (soziale Absicherung, Forschung). Zur Wahrnehmung von fortschreitender Krankheit und der Realität des Todes ist anzumerken, dass öffentlich derzeit nur die lachenden Gesichter der Überlebenden die Krankheit transportieren. Die Sterblichkeit hat sich über die Jahrzehnte höchstens marginal verändert. Die Situation von Frauen – und gerade auch der jüngeren Frauen mit fortschreitender Erkrankung – ist auch bei uns in Deutschland häufig vom Leben am unteren Existenzminimum und durch Armut gekennzeichnet.
  • Einschluss anderer Krebserkrankungen bei Frauen mit gleicher Priorität

Wie kann eine verbesserte Interessenvertretung bei Brustkrebs jetzt aussehen?

  • Evidenzbasierte Informationsangebote entsprechend höchster professioneller und ethischer Standards
  • Programmevaluation bezüglich Effektivität, Effizienz und Relevanz
  • Klarheit darüber, wessen Interessen tatsächlich vertreten werden
  • Verzicht auf direkte und indirekte Partnerschaft, Befürwortung oder Spenden von den Herstellern oder Vertreibern Krebs erzeugender Produkte
  • Verzicht auf Geld- und Sachspenden von allen, die direkt und indirekt von der Diagnose und der Behandlung von Krebs profitieren
  • Forschungskoordination zur Krebsverursachung, Vermeidung von Krebs, Diagnostik, Behandlung und Nachsorge mit einer Struktur, die evidenzbasierte Kriterien auch bezüglich des Einsatzes der Mittel voraussetzt

Warum berichten wir dies hier – in Deutschland?

Non-Profit-Organisationen – zumal größere – haben besondere Möglichkeiten und Steuervorteile  sowie überdies tatsächlich dem Gemeinwohl verpflichtete Verantwortlichkeiten bei der Gestaltung von Zivilgesellschaft. Es ist nicht im Sinne von engagierten Frauen und SpenderInnen, wenn Aktivitäten im  persönlichen oder wirtschaftlichen Interesse umgelenkt werden. Das kritische Bewusstsein in diesem Bereich wächst allgemein.
Diese Berichterstattung ist aber auch deswegen relevant, weil es die Komen-Organisation auch in Deutschland und vielen anderen Ländern gibt. Arbeitsweise (aufwändige Lauf- und Charity-Events etc. etc.) und Strategie scheinen ähnlich zu sein. Auch bei verschiedenen anderen Non-Profit-Organisationen, die im Bereich Krebs und Brustkrebs in Deutschland aktiv sind, lassen sich im Ansatz ähnliche problematische Arbeitsweisen erkennen und die durch KomenWatch thematisierten Probleme aufzeigen. Eine Übertragbarkeit der Erkenntnisse ist also möglich und Hinweise zur Verbesserung des Engagements, der Transparenz und vorallem der Ergebnisse in Sachen Brustkrebs und Krebs können schließlich allen nur helfen.

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KomenWatch – Die Webseite http://komenwatch.org/

Rubrik Komen

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