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Forschungsprojekt zu unterschiedlichen Versorgungsbedarfen oder Was macht eigentlich … Susan Love? (Teil 10)

Susan Love startet aktuell mit ihrem „Army of Women“-Projekt ein neues Forschungsprojekt zu den weitreichenden auch emotionalen Auswirkungen der Diagnose Brustkrebs. Weniger gut verstanden würden diese Auswirkungen auf Befindlichkeiten und Lebensqualität von Frauen, die im medizinischen Umfeld historisch unterversorgt seien. Lesben und bisexuelle Frauen seien eine dieser unterversorgten Bevölkerungsgruppen und es gäbe bisher kaum Forschung zu Brustkrebs dieser Gruppe. Um ihre individuellen Bedürfnisse besser zu erforschen, startet Love jetzt eine Umfrage zum Thema.

In dem Forschungsprojekt sei man an allen lesbischen und bisexuellen Frauen, die eine Diagnose Brustkrebs erhalten hätten, interessiert. Besonderes Interesse gälte auch Frauen, die eine metastasierte Erkrankung, ein Rezidiv oder eine zusätzliche Krebsdiagnose erhalten hätten bzw. die sich aktuell in einer Krebstherapie befinden.

Was soll mit der Studie erreicht werden?

Die über die Umfrage gewonnenen Informationen zu Befindlichkeit und Lebensqualität von Lesben und bisexuellen Frauen mit Brustkrebs sollen verwendet werden, um Programme zu entwickeln, die gesundheitliche Ungleichheiten in der medizinischen Versorgung reduzieren helfen.

Wie funktioniert die Teilnahme?

Frauen, die sich an dieser Studie beteiligen, werden gebeten, an einer ca. 45-minütigen telefonischen Befragung teilzunehmen. Die Fragen befassen sich mit dem Gesundheitszustand, der medizinische Geschichte, Demographie und der sexuellen Orientierung. Es würden insgesamt 600 Teilnehmerinnen benötigt. Die Studie wird durchgeführt von Dr. med. Ulrike Boehmer von der Boston University School of Public Health in Zusammenarbeit mit der Brown University.

Teilnehmen können allerdings nur Frauen, die in den  USA leben und an Brustkrebs erkrankt sind. Teilnehmerinnen müssen sich mit ihrer lesbischen oder bisexuell Lebensweise identifizieren oder mit einer Partnerin leben. Von den Ergebnissen könnten aber vielleicht auch Frauen bei uns profitieren.

Info zur Studie

Variations in the Health Needs of Breast Cancer Survivors (Susan Love Webseite)

Bildnachweis: Screenshot BCAG 2012

Rubrik frauen | gesundheit, gesellschaft, lesbische / bisexuelle frauen, neue wege

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Heute im Bundestag: Regierung erwägt Konsequenzen aus Brustimplantate-Skandal

Die Bundesregierung schließt Konsequenzen aus dem Skandal fehlerhafter Brustimplantate nicht aus. Im Gesundheitsausschuss machte die Regierung am Mittwoch deutlich, dass dabei ihr Augenmerk auf einer möglichen Verbesserung der Kontrolle der Herstellung von Medizinprodukten liege. Weiter unterstrich die Regierung, dass es im Fall der minderwertigen Silikonkissen der französischen Firma Poly Implant Prothèse (PIP) um „kriminelle Handlungen“ gehe, dem nicht mit dem Zulassungsrecht beizukommen sei. Ausdrückliche Unterstützung erhielt die Regierung in diesem Punkt von den Koalitionsfraktionen. Die Abgeordneten aller Fraktionen beschäftigten sich in der Sitzung darüber hinaus mit gesundheitlichen Folgen, Haftungsfragen und einer möglichen Einführung eines nationalen Registers für Implantate.

Auf die Frage der Oppositionsfraktionen, ob die Frauen, denen fehlerhafte Silikonkissen implantiert wurden, die Kosten der Explantation tragen müssen, hieß es seitens der Regierung, die gesetzlichen Krankenkassen übernähmen die Kosten für die Entfernung von Brustimplantaten, wenn von diesen eine Gesundheitsgefährdung ausgehe. Nach der Empfehlung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) liege eine solche Gesundheitsgefährdung bei den entsprechenden Produkten der Firma PIP sowie des niederländischen Herstellers Rofil Medical vor. Für die Kostenübernahme für die Implantatsentnahme komme es nicht darauf an, ob die ursprüngliche Implantation aus medizinschen Gründen oder als eine Schönheitsoperation erfolgte. Die Regierung wies zugleich darauf hin, dass die Krankenkassen die Betroffenen nach dem Fünften Sozialgesetzbuch in angemessener Höhe an den Kosten zu beteiligen haben, wenn die Implantation nicht aus medizinischen Gründen erfolgte.

Das BfArM erneuerte in der Sitzung die Empfehlung, Brustimplantate der beiden Firmen aus Frankreich und den Niederlanden entfernen zu lassen, und zwar unabhängig davon, ob das Implantat offensichtlich beschädigt sei. Es könne auch bei intaktem Material Silikon ins Brustgewebe eindringen und zu erheblichen gesundheitlichen Gefährdungen führen, erläuterte das BfArM. Je länger ein solches Implantat getragen werde, desto größer sei die Gefahr. Das BfArM führte weiter aus, dass eine gesicherte Zahl der in Deutschland betroffenen Frauen nicht vor Mitte Februar vorliegen werde.

Quelle

hib – heute im bundestag Nr. 023
Neues aus Ausschüssen und aktuelle parlamentarische Initiative, Gesundheitsausschuss

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Deutscher Bundestag: Fragen zu gesundheitsschädlichen Brustimplantaten (mit Birgit Bender, Bündnis 90/Die Grünen)

Rubrik Brustrekonstruktion, chirurgie, gesundheitspolitik, politik | ethik, Silikonimplantate

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doku: AKF-Erklärung zu Silikon-Implantaten

Erklärung des Arbeitskreises Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. (AKF) v. 17.01.2012

Betrügerische Geschäfte mit Silikonimplantaten

Durch das Einsetzen von Billig-Silikon-Implantaten, sei es aus medizinischen Gründen oder als Schönheitsoperation, sind in Deutschland über 10.000 Frauen gesundheitlich geschädigt worden. Die Entfernung der Prothesen ist aus medizinischen Gründen geboten.
Es ist eine Diskussion um die Kostenübernahme der Implantat-Entfernung nach Operationen aus rein kosmetischen Gründen entstanden. Ohne an dieser Stelle zu Sinn oder Unsinn von Operationen zur Brustvergrößerung Stellung zu nehmen, erklärt der AKF:  Frauen sind bei diesen Operationen betrogen und geschädigt worden.

Die Krankenkassen müssen jetzt die Kosten für die Entfernung der Prothesen bei allen Frauen übernehmen, um weitere gesundheitliche Schäden abzuwenden. Die Auseinandersetzung um finanzielle Beteiligung müssen die Krankenkassen führen. Zur Verantwortung zu ziehen sind u.a. behandelnde Ärztinnen und Ärzte, Aufsichtsbehörden und besonders die Herstellerfirmen und Lieferanten der Prothesen.

In Deutschland muss die Kontrolle von Zulassungen und Qualität der Medizinprodukte dringend verbessert werden.

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AKF-Erklärung zu Silikonimplantaten (pdf)
Mehr über und vom AKF: www.akf-info.de

Rubrik Brustrekonstruktion, chirurgie, frauen | gesundheit, selbstschutz | selbsthilfe, Silikonimplantate

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SABCS II – “Oncofertilität” – Junge Frauen und Brustkrebs – Ältere Frauen und Brustkrebs

Auch 2011 ist Breast Cancer Action (BCA) in San Antonio dabei, um direkt vor Ort Eindrücke vom weltweit wichtigsten Brustkrebskongress einzusammeln. Als Organisation, die sich nicht von der Pharmaindustrie sponsern lässt, versucht “unsere große Schwester” wie in jedem Jahr, Schlüsseldaten ausfindig  und Frauen zugänglich zu machen. Hauptaufgabe sei es dabei, Fragen, die Patientinnen haben, aufzuwerfen und Ressourcen zu entwickeln, die es Frauen ermöglichen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, schreibt Karuna Jaggar von Breast Cancer Action, an deren Bericht vom 1. Tag in San Antonio wir uns hier anlehnen.

zur Originalberichterstattung bei Breast Cancer Action

 

Karuna Jaggar und Caitlin Carmody berichten u.a. aus dem Block “Challenges in the Care of Special Populations with Breast Cancer” (Herausforderungen bei der Versorgung besonderer Gruppen mit Brustkrebs) mit den Ärztinnen Teresa K. Woodruff, PhD an der Northwestern University in Chicago, Ann H. Partridge, MPH vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston, und Arti Hurria, MD aus Duarte in Kalifornien, die an einer Krebsklinik mit dem Namen “City of Hope” (Stadt der Hoffnung) arbeitet.

“Onkofertilität” – Fruchtbarkeit nach Brustkrebs

Oncofertilität – so heißt ein neues Schlagwort, bei dem es sich um Schwangerschaft und Krebserkrankung dreht. Krebs und Fertilität (Fruchtbarkeit) sind miteinander verknüpft, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem besonders schnellen Wachstum von Zellen. Das Thema ist insbesondere für junge Frauen mit Krebs bedeutsam: Viele Krebstherapien haben negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit von Krebspatientinnen.

Nach den von Teresa Woodruf vorgestellten Daten sind 10% der Krebspatienten unter 45, also in ihren “fruchtbaren Jahren”, und 11% der Brustkrebspatientinnen sind unter 40, was bei einigen zu Schwierigkeiten bei der ersten geplanten Schwangerschaft führe. 57% der sehr jungen Frauen mit Krebs machten sich Sorgen über ihre eigenen Möglichkeiten, Kinder zu bekommen. Unfruchtbarkeit durch eine früh im Leben durchgemachte Krebstherapie sei mit einer Verdoppelung der Rate an Depression und einem Anstieg von Angst im Zusammenhang mit der Partnersuche verknüpft. Dieses betreffe Frauen und Männer gleichermaßen.

“Optionen” für Frauen

  • Eizellgewinnung – durch hormonelle Stimulation (sehr heikel bei hormonabhängigen Krebserkrankungen) und Befruchtung von einem Spender
  • Eizellbanken – mit einer 5%igen Wahrscheinlichkeit, dass aus einem einmal eingefrorenen Ei tatsächlich ein Kind werden kann
  • Adoption
  • Leihmutterschaft (in den USA, mit all den sehr problematischen Folgen, in Deutschland ist Leihmutterschaft nicht erlaubt)
  • Natürliche Schwangerschaft, manche Frauen, die eine Krebstherapie durchlaufen haben, werden zum gewünschten Zeitpunkt oder einfach so auf natürlichem Wege schwanger.  Auch dabei gibt es kritische Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt.
  • Cryokonservierung der Eierstöcke nach chirurgischer Entfernung und Bewahrung der “schalfenden” Follikel, in der Hoffnung, dass es in der Zukunft gelingt, diese einmal “in vitro” – also im Reagenzglas zu reifen Eizellen heranzuzüchten. Weltweit sei es bisher 14 mal gelungen, die auf diesem Wege bewahrten Eierstöcke zurück zu implantieren und eine Schwangerschaft zu erreichen. Es gibt Bedenken, mit dem zurück übertragenen Gewebe auch Krebszellen zu übertragen werden [Stichwort: Eierstockmetastasen, sie kommen bei Brustkrebs nun mal vor].

Fest steht, dass es sich um ein relevantes Frauengesundheitsthema für junge Frauen, die von Brustkrebs betroffen sind, handelt. Erste Leitlinien in den USA sind entwickelt worden, und es gibt beispielsweise an der Northwestern University, von der die Referentin Teresa Woodruff kommt, ein Konsortium, das sich auf das Thema spezialisiert und eine entpsrechende Webseite für Frauen unter www.myoncofertility.org betreibt.

Ein Kind um jeden Preis?

Die Sorge, die bei der sehr nah an Möglichkeiten in Tierversuchen und der medizinischen Machbarkeit geführten Diskussion bleibt – und die bei der Breast Cancer Action-Berichterstattung auch anklingt –, sind weitere gesundheitliche Schäden, die junge Frauen mit Krebs davontragen könnten, und all die komplizierten Fragen, die mit Mutterschaft und einer potentiell tödlich verlaufenden Krankheiten generell zusammenhängen. In Deutschland gibt es ähnliche Projekte, die, wie in der Reproduktionsmedizin üblich, jedoch industrienah aufgestellt und industriell finanziert sind.

Therapie junger Frauen mit Brustkrebs

Für sprachliche Verwirrung sorgte die junge Referentin offensichtlich gleich mit einem Faux pas, als sie ihren Beitrag mit dem Hinweis eröffnete, dass es Unterschiede im „Host“ – wir kennen dieses Wort aus der Computersprache, im Deutschen würde man im medizinischen Zusammenhang vielleicht auch von „Wirt“ sprechen – bei den Krebserkrankungen junger Frauen gäbe. Es stellte sich demnach die Frage, ob mit den „Hosts“ Frauen gemeint seien, immerhin würde im Zusammenhang mit Schwangerschaft bei Frauen der Begriff „Host“ nicht verwendet, was als besondere sprachliche Diskriminierung gegenüber der an Krebs erkrankten Frauen aufgefasst werden könnte.

Weithin bekannt sei, dass jüngere Frauen generell an fortgeschritteneren, aggressiveren Tumoren mit höherem Grading erkrankten. So wurde wieder einmal die Frage nach dem „prognostischen Faktor“ aufgeworfen: Ist Brustkrebs in jungen Jahren ein prognostischer Faktor? Solche „prognostischen Faktoren“, die heute anerkannt werden, sind z.B. Ausdehnung des Tumors oder Grading. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt müsse die Antwort auf die Frage allerdings noch zukünftigen Forschungsarbeiten vorbehalten bleiben.

Einige Daten zu jüngeren Frauen und Brustkrebs

  • Nach diesem Vortrag erkrankten in den USA jedes Jahr mehr als 12.000 Frauen unter 40 an Brustkrebs.
  • Hinzu kämen in den USA rd. 2.000 Frauen mit DCIS und jeweils sehr viel mehr weltweit.
  • Die HERA-Studie konnte bei den Frauen, die das Medikament Herceptin erhalten haben, keinen Unterschied hinsichtlich prognostischer oder vorhersagender (prediktiver) Faktoren im Zusammenhang mit dem Alter nachweisen.
  • Tamoxifen wirkt in den unterschiedlichen Altersgruppen gleich gut – und es gibt einige Hinweise („Evidenz“), dass das Medikament ebenso effektiv wie eine Chemotherapie wirkt bzw. bei fortgeschrittener Erkrankung vorteilhaft ist.
  • Junge Frauen müssen länger mit den Nebenwirkungen klar kommen als ältere Frauen. Hervorgehoben wurden insbesondere die Auswirkungen der vorverlegten Menopause, zu deren Effekten zu zählen sind:
    • Unfruchtbarkeit
    • Osteoporose
    • Auswirkungen auf die kognitive Leistungsfähigkeit
    • kardiovaskuläre Effekte
    • Gewichtszunahme.

Jüngere Frauen litten außerdem häufiger unter psychosozialen Notlagen.

Therapie von Brustkrebs bei älteren Frauen

Hierzu gab es einen Beitrag von Dr. Arti Hurria (Geriatrie- wie auch Brustkrebsspezialistin). Sie verwies einmal mehr darauf, dass zunehmendes Lebensalter einer der Hauptrisikofaktoren für Brustkrebs sei und dass nicht nur das Vorkommen, sondern auch die Sterblichkeit (Inzidenz und Mortalität) mit dem Alter anstiegen. Für den Zeitraum der kommenden 30 Jahre erwartet Hurria eine Verdoppelung der Erkrankungszahlen in der Generation 65+:  Die „Babyboomer“-Generation sei im Altern begriffen. Größere Fortschritte habe man bei der Senkung der Brustkrebssterblichkeit bei jüngeren Frauen im Alter zwischen 29 und 40 Jahren gemacht. [Wir haben dazu keine Daten.] Unabhängig vom Krankheitsstadium würden ältere Frauen weniger Behandlungsmöglichkeiten bei Chirurgie, Chemotherapie und Hormontherapie angeboten. Dies habe damit zu tun, dass es für ältere Patientinnen auch weniger Daten gäbe, auf die Behandlungsentscheidungen gegründet werden könnten („keine Evidenz“).

… Entfernung der Lymphknoten

Etwas Evidenz („some evidence“) gibt es jetzt, dass bei der chirurgischen Therapie der älteren Patientin auf die Entfernung der Achsellymphknoten verzichtet werden könne.

… Strahlentherapie

Auch erhöhe die Strahlentherapie nicht das Gesamtüberleben bzw. es sei hier kein Einfluss auf eine mögliche Metastasierung erkennbar. Allerdings lasse eine Studie mit einer Nachbeobachtungszeit von 12 Jahren eine leicht erhöhte Rate von Lokalrezidiven erkennen, wenn keine Strahlentherapie durchgeführt werde.

… Antihormonelle Therapie

Nebenwirkungen der antihormonellen Therapien, besonders durch Aromatasehemmer, wie Knochenschmerzen und ein Anstieg der Rate von Knochenbrüchen seien problematisch.

… Chemotherapie

Im Zusammenhang mit der Chemotherapie ginge es auch bei älteren Patientinnen um das Abwägen von Risiken und Vorteilen, wobei die Überlebensverlängerung hier die Schlüsselfrage bilde. Die Lebenserwartung einer 80-Jährigen variiere von 13 Jahren für das obere Viertel bis zu 4,6 Jahren für das untere Viertel und einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 8,6 Jahren für die mittleren 50%. 20% der älteren Patientinnen müssten sich wegen durch die Chemotherapie hervorgerufener Toxizitäten stationär behandeln lassen, was die Notwendigkeit erkennen lasse, dass man hier Identifizierungskriterien für diese besonders gefährdeten Patientinnen benötige.

… “Gemeinsame Entscheidungsfindung”
Zusammengefasst sei die Datenlage bisher unzureichend, und Hurria plädierte für gemeinsame Entscheidungsfindung und verstärkte Beteiligung von älteren Patientinnen in klinischen Studien, damit mehr Daten verfügbar sind. [Mit anderen Worten: Wer heroisch ist und sich den tendenziell überwiegend recht eskalierenden heutigen Chemoregimen im hohen Alter unterwerfen mag, ist in der Forschung gefragt.]

Originaltext bei Breast Cancer Action

San Antonio Breast Cancer Symposium 2011: Day 1 zusammengestellt von Karuna Jaggar. Die hier vorliegende Version ist eine Zusammenfassung, keine Übersetzung, prüfen Sie ggf. das engl. Original.

Rubrik antihormontherapien, chemotherapie, chirurgie, forschung, gewebebanking, her2-neu & herceptin - trastuzumab, klinische studien, kongressbericht, neue wege, schwangerschaft & brustkrebs, Strahlentherapie, therapie

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Hinweis auf Lebensverlängerung für Letrozol

Erstmals ist jetzt für einen Aromatasehemmer der Nachweis einer Lebensverlängerung für das Medikament Letrozol  in der adjuvanten Therapie von Brustkrebs gelungen. Das berichtet ein Artikel im aktuellen arznei-telegramm (a-t),[1] das einen Überlebensvorteil bei 5-jähriger Einnahme anstelle von Tamoxifen sieht. Die Daten beziehen sich auf Patientinnen nach der Menopause.

„Krankheitsfrei leben“

Nachdem in anderen Studien zu den Aromatasehemmern Anastrozol und Exemestan immer nur gezeigt werden konnte, dass sich das „krankheitsfreie Überleben“ verlängert, was bedeutet, dass sich der Zeitpunkt eines möglichen Krankheitsrückfalls oder Rezidivs nach hinten verschiebt, während sich die Überlebenszeit nicht verlängert, gibt es für Letrozol jetzt Hinweise darauf, dass das Medikament eine lebensverlängernde Wirkung haben kann.

Länger leben

Die Frage, ob ein Medikament das Überleben verlängern kann, ist aber die grundsätzlich spannende Frage für uns, die wir die Medikamente schlucken sollen. Die neuen Daten zu Letrozol kommen aus der BIG-1-98 Studie der Breast International Group. Dieser Behandlungserfolg konnte im Vergleich von Tamoxifen versus Letrozol bei einer Einnahmedauer von 5 Jahren gezeigt werden.  Die Gesamtsterblichkeit konnte von 18,8% auf 16,6% gesenkt werden, was einer von 45 behandelten Patientinnen entspräche (sog. Number needed to treat, NNT).

a-t weist darauf hin, dass die Auswertung der Datenlage schwierig sei. Bei Tamoxifen habe sich der Umfang des lebensverlängernden Effekts erst nach 10 Jahren gezeigt. Auch sei nicht klar, wie die Datenlage beim nächsten update der Studie in zwei Jahren aussieht (Entwicklungen in beide Richtungen sind möglich).

Die Datensicherheit wird auch durch die hohe „Cross-over-Rate“ aus der Tamoxifengruppe (25%) durch die nach nur 2,2 Jahren Nachbeobachtungszeit veröffentlichten Daten nicht besser. a-t hatte dazu bereits 2006 berichtet. Cross over bedeutet: Viele Frauen haben sich nach den ersten, noch instabilen Daten entschieden, ihr Medikament zu wechseln, und haben von Tamoxifen zu Letrozol gewechselt. Das kann prinzipiell die Langzeitanalyse der Daten erschweren oder sogar unmöglich machen.

a-t berichtet weiter, dass sich in der ATAC-Studie zu dem Aromatasehemmer Anastrozol auch nach 10 Jahren Nachbeobachtungszeit kein Vorteil bei der Gesamtsterblichkeit erkennen lasse.

Gesundheitsökonomie

Das Generikum für Letrozol (Originalprodukt Femara) ist bereits auf dem Markt. Die Medikamentenkosten für Letrozol-Generika belaufen sich nach a-t auf aktuell 365 € jährlich pro Patientin, das Tamoxifen-Generikum kostet sogar nur noch 74 € pro Patientin und Jahr. Femara, das Originalprodukt, kostet z.Zt. rd. € 2.100 € pro Jahr (100 Tabletten ca. € 580). Die Therapie von Brustkrebs verteuert sich mit der Gabe des Generikums etwa um das fünffache. Das hört sich noch bezahlbar an, wenn man auf die Mondpreise diverser anderer Oncologica schaut. a-t rechnet – vielleicht um der Gesundheitsökonomie, die heute prinzipiell das Maß der Dinge ist, gründlich Genüge zu tun – auch aus, dass ein verhinderter Todesfall bei vorausgesetzt realen Daten demnach etwa 65.000 € koste, eine Summe, die mit dem Originalprodukt wiederum wesentlichhöher liegt.

Fraueninformation

a-t schreibt, dass betroffene Frauen über den Kenntnisstand einschließlich der Unsicherheiten der Daten aufgeklärt werden sollten, um auf dieser Basis entscheiden zu können. Letrozol wird mit den vorliegenden Daten nach a-t zum „bevorzugten Medikament“. arznei-telegramm ist für uns eine glaubwürdige, unabhängige Quelle. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Positive Daten sind einfach schön!

Weiterlesen

Aromatasehemmer / Tam Berichte bei uns
Webseite des arznei-telegramm (Artikel ist nicht frei zugänglich, fragen Sie Ihre Ärztin / Ihren Arzt nach dem Artikel, der Beitrag ist insgesamt etwas ausführlicher)

[1] Letrozol (Femara, Generika) zur adjuvanten Brustkrebstherapie … Hinweis auf Lebensverlängerung, arznei-telegramm 42, 12.2011 v. 2.12.2011

Rubrik antihormontherapien, forschung, hormonersatztherapie, klinische studien, medikamente, neue wege

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Kritische neue Strahlentherapien – Brachytherapie und Intraoperative Strahlentherapie bei Brustkrebs

Brustkrebs und die weibliche Brust in der Medizin ist weiterhin ein Feld für Experimente. Nicht alle durchgeführten Therapiemaßnahmen entsprechen dem wissenschaftlich besten Standard, einzelne Therapieverfahren sind experimentell. Können Patientinnen die Entscheidungen über ihre Therapien nicht einfach vertrauensvoll in die Hände ihrer ÄrztInnen legen? Wir meinen: Patientinnen sollten wissen, ob sie entsprechend eines Standards oder im Rahmen eines medizinischen Experiments behandelt werden. Doch die Grenzen sind heute verschwommen.

Brachytherapie  - c Rebecca Ortega

Auf dem internationalen “Gipfel” der Brustkrebsforschung, dem San Antonio Breast Cancer Symposium 2011, das alljährlich Anfang Dezember in San Antonio stattfindet, sind auch einige Daten zur Brachytherapie bei Brustkrebs vorgelegt worden, die Anlass zur Besorgnis geben sollten. Die Therapie wird auch als “interstitielle Brachytherapie” bezeichnet.

Die rückschauende Auswertung von Medicare-Daten (Medicare ist Teil der öffentlich-staatlichen Gesundheitsversorgung für ältere Menschen in den USA) brachte zutage, dass die Ergebnisse des “innovativen” Verfahrens nicht wirklich gut sind. Auch hier geht es um eine “Teilbrustbestrahlung”, die in den USA erstmals 2002 durchgeführt wurde.

Die Ergebnisse

  • Die Anzahl der späteren Lokalrezidive im Vergleich zur “Standardstrahlentherapie” liegt doppelt so hoch.
  • Die Infektionshäufigkeit ist um 6% erhöht.
  • Vermehrte Strahlenspätschäden wie Fettnekrosen (mehr als verdoppelt von 4 auf 9%) und Brustschmerzen (Anstieg von 12 auf 15%).
  • 4% Mastektomie-Rate vor dem Hintergrund eines Lokalrezidivs in den ersten 5 Jahren nach Brachytherapie. Die Mastektomierate wegen Lokalrezidiv nach Standardtherapie liegt nach dieser Untersuchung bei 2,2%. [1] Eine erhöhte Rate an Lokalrezidiven dürfte auch die Überlebenschancen der betroffenen Frauen schmälern.

Allein der Blick auf die Abbildungen des Flyers des Klinikums Erlangen zur “Mammakarzinom Brachytherapie” lässt die dort versprochene “schonende und wirksame Behandlung” kaum erkennen.[2]

In der Therapie von Brustkrebs werden nach wie vor Verfahren an betroffenen Frauen durchgeführt, bei denen Patientinnen nicht mitgeteilt wird, dass die Verfahren experimentell sind. Es wird den betroffenen Frauen in der Regel nicht erklärt, dass es ein etabliertes Standardverfahren gibt, für das vergleichsweise gesicherte Daten vorliegen. Es wird nicht übermittelt, dass das experimentelle Verfahren möglicherweise schlechter wirksam ist als das Standardtherapieverfahren.

Es zeigt sich jetzt das ungünstige Ergebnis für die betroffenen Frauen am konkreten Beispiel der Brachytherapie, bei der “niemals ein direkter Vergleich mit der konventionellen Strahlentherapie  durchgeführt worden sei”.[3] Nach einem Artikel in den Nachrichten des Deutschen Ärzteblatts werden die günstigen Erfahrungen, die von deutschen Zentren berichtet würden, in Zweifel gezogen.  Uns liegen mehrere Berichte von jungen Patientinnen vor, die nach einer Brachytherapie als Strahlentherapie heute nicht mehr am Leben sind. Das Therapieverfahren wurde diesen Patientinnen als hoch innovatives High-Tech-Verfahren, natürlich ohne den Hinweis, dass es ihre Behandlungserfolge möglicherweise verschlechtern könnte, angeboten.
Das Deutsche Ärzteblatt[4] betont, dass die Einführung neuer Therapien ohne aussagefähige randomisierte klinische Studie ein Wagnis sei. Dies gilt auch für medikamentöse Therapien, die aber zumindest ohne Studienergebnisse heute nicht mehr zugelassen werden, wobei es auch im medikamentösen Bereich Verbesserungspotentiale gibt und auch Medikamentenstudien in einem nationalen Register in Deutschland weder durch ÄrztInnen, noch durch Patientinnen nachvollziehbar sind.

Zu viel Werbung

Das Deutsche Ärzteblatt[5] verweist außerdem darauf, dass es mehrere Anbieter gäbe, die das Verfahren bewerben. Wir wissen nicht, ob es sich hier um Werbung in Deutschland oder den USA handelt.

Vorsicht – Intraoperative Radiotherapie (IORT)

Auffällig ist aber, dass in den vergangenen Jahren ein weiteres Verfahren massiv von Brustzentren in Deutschland beworben wird. Hierbei handelt es sich um das Therapieverfahren der intraoperativen Strahlentherapie, auch IntraOperative RadioTherapie (IORT). Brustzentren bewerben die Methode mit Versprechungen der Hersteller, obwohl keine Ergebnisse aus randomisierten Studien vorgelegt werden.

Wir warnen Patientinnen deswegen nachdrücklich – und auch dann, wenn es kompliziert ist -, sich auch bei nicht medikamentösen Behandlungsverfahren sachkundig zu machen hinsichtlich der empfohlenen Standardtherapieverfahren (z.B. Blick in die entsprechenden Leitlinien, ggf. gemeinsam mit der ÄrztIn des Vertrauens).

Vorsicht “Selbsthilfe”

Wir warnen Patientinnen außerdem, nicht auf industriell gesponserte Patientinneninitiaven zu vertrauen, die seit Jahren jedes neue “innovative” Verfahren, das nicht zuletzt vor dem Hintergrund marktwirtschaftlicher Interessen auf den Markt gebracht wird, unkritisch durch Vorträge von ÄrztInnen promoten lassen.

An unsere Behandlungseinrichtungen und Brustzentren

Wir rufen alle Brustzentren und Behandlungseinrichtungen auf, Werbung für medizinische Maßnahmen intensiv zu überdenken. Im Feld Brustkrebs wird generell zu viel geworben, auch dann, wenn die angebotenen Maßnahmen nicht durch verlässliche wissenschaftliche Daten abgesichert sind.

Weitere Quellen

Pressemeldung von Breast Cancer Action zur IORT: Keine großen Vorteile … wir berichten gesondert …

Brachytherapy Was Associated With Twofold Increased Risk for Mastectomy, Complications, Pressemitteilung American Association for Cancer Research v. 06.12.2011

APBI Brachytherapy Associated with Higher Rate of Later Mastectomy, Increased Toxicities, and Post-Operative Complications, Compared to Traditional Radiation Therapy in Women with Early Breast Cancer, Pressemitteilung des MDAnderson Cancer Centers v. 06.12.11

Bildnachweis: Rebecca Ortega – Brachytherapie, 2012, Copyright Rebecca Ortega

[1]Alle Zahlenangaben entsprechend: Deutsches Ärzteblatt, Nachrichen v. 07.12.2011, Brustkrebs – Bedenken gegen Brachytherapie
[2] http://www.uk-erlangen.de/e1768/e1771/e2093/e2096/inhalt15543/Mammakarzinom.pdf [Abruf 07.12.2011, Link s. auch Deutsches Ärzteblatt]
[3] Zitat Deutsches Ärzteblatt, Nachrichen v. 07.12.2011, Brustkrebs – Bedenken gegen Brachytherapie (rme)
[4] a.a.O.
[5] a.a.O.

 

Rubrik Brachytherapie, forschung, IORT, klinische studien, nachdenken!!!, patientInneninformation, Strahlentherapie, therapie

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39 Millionen Mammographien jährlich oder Was macht eigentlich Susan Love (Teil 9)

Im „Well“-Blog der New York Times (NYT) vom 24. Oktober 2011 erschien ein kleiner Beitrag von Tara Parker-Pope, in dem sie auch Susan Love zur Wertigkeit der Mammographie zu Wort kommen lässt.[1] Parker-Pope geht Fragen nach den Grenzen der Wirksamkeit der Mammographie zur Brustkrebsfrüherkennung nach und berichtet, in einer Zeit, in der medizinische ExpertInnen die Leitlinien für Prostatakrebs und Gebärmutterhalskrebs überdenken, sei es wichtig, auch die Mammographie kritisch zu überprüfen. Während die meisten Menschen meinten, dass die Mammographie einen Platz in der Gesundheitsversorgung von Frauen habe, würden viele Ärzte inzwischen die Position vertreten, dass die weit verbreiteten Kampagnen mit „Rosa Schleife“ die Mammographie mit einem Zauber versähen, der ihr nicht zukomme. Susan Love stellt darin fest: Einige Patientinnen – richtiger wäre hier wohl, Frauen zu sagen, denn die meisten Frauen, die eine Mammographie machen lassen, sind noch keine Patientinnen – seien so eingeschworen auf die jährlichen Screenings, dass sie beginnen würden, zu glauben, dass die regelmäßige Mammographie Brustkrebs verhindere, ja sie hätten sogar ein schlechtes Gewissen, wenn sie mal eine Mammographie übersprängen.

Mammographie ist keine „Prävention“

Man könne von einer Mammographie nicht erwarten, was sie nicht leisten kann. Screening sei keine Prävention (Vermeidung).[2] Fairerweise sollte man an dieser Stelle auch erwähnen, dass die Definition, die die Mammographie der „Sekundärpävention“ zurechnet, von Gesundheitsbehörden, Gesundheitspolitik und einzelnen WissenschaftlerInnen etabliert worden ist.

„Realitätscheck“ – Was ist wirklich?

Eine neue Analyse, die gerade in den Archives of Internal Medicine[3] erschienen ist, bietet die Möglichkeit für einen Realitätscheck. Anders als in den unzähligen Bekundungen von Frauen selbst, nämlich dass die Mammographie ihr Leben gerettet habe, werde bei den meisten Frauen, deren Brustkrebs im Rahmen einer Screening-Mammographie gefunden würde, durch diese Untersuchung ihr Leben nicht wirklich gerettet.[4]

Zahlen

Zwar helfe die Mammographie tatsächlich einigen Frauen, doch die Anzahl sei wesentlich geringer, als die meisten Menschen glaubten. Unter den 60 Prozent derjenigen Frauen, deren Brustkrebs mittels Screening entdeckt würde, hätten lediglich 3 bis 13 Prozent einen Vorteil durch die Mammographie. Von den jährlich 230.000 Frauen, die in den USA die Diagnose Brustkrebs erhielten, wären dies lediglich 4.000 bis 18.000 Frauen – bei 39 Millionen Mammographien, denen Frauen sich in den USA alljährlich unterzögen. Es sei wichtig, zur Kenntnis zu nehmen, dass von den 138.000 Frauen, deren Brustkrebs in den USA jährlich im Screening gefunden würde, 120.000 bis 134.000 keinen Vorteil hätten.

Vergleich für Deutschland: Im Rahmen des Mammographie-Screening-Programms haben derzeit über 10 Millionen Frauen zwischen 50 und 70 einen Anspruch auf eine Mammographie im Abstand von zwei Jahren. Wie groß der Anteil der Frauen ist, die sich in Deutschland weiter außerhalb des Screening-Programms, also grau „screenen“ lassen (z.B. privat versicherte Frauen oder Frauen,die nicht zwischen 50 und 70 sind etc.), wissen wir nicht.

Häufige Interpretation sei, dass Krebs, der durch Früherkennungstests erkannt werde, zum Überleben führe. Doch das entspräche schlicht nicht der Wahrheit. Tatsächlich seien die Überlebenden größeren Gefahren durch die Überdiagnose ausgesetzt, als dass die Tests helfen würden.[5] Frauen würden ihr Überleben fälschlicherweise auf die Früherkennung zurückführen. Die meisten Frauen, deren Krebs gefunden würde, überlebten die Krankheit sowieso.[6]

Und die Kostenfrage …

Und die Kostenfrage wird erneut gestellt: Ob denn die Hunderte von Millionen für „Bewusstseins-Kampagnen“ und 5 Milliarden US-Dollar für Mammographien nicht besser eingesetzt werden könnten? Diese Kostenfrage hatte u.a. der größte Zusammenschluss von Frauenorganisationen in den USA, die sich mit dem Thema Brustkrebs befassen, die National Breast Cancer Coalition (NBCC), in ihren Positionspapieren zum Mammographie-Sceening bereits vor über 10 Jahren gestellt. Auch dass Mammographie keine Vermeidung von Brustkrebs leistet, hat sich nicht geändert.

Susan Love hält abschließend fest: 15 bis 20% der Brustkrebserkrankungen verliefen nach wie vor tödlich, die gefährlichen Krebserkrankungen mit Brustkrebs blieben gefährlich. In den USA betrifft dies 40.000 Frauen pro Jahr, bei uns sind es rd. 17.000. Daran muss sich etwas ändern, ebenso wie an den Schuldzuweisungen, bei denen immer die Frau die „Schuldige“ ist.

[Text: Beate Schmidt / Gudrun Kemper]

Originalartikel

Mammogram’s role as savior is tested von Tara Parker-Pope

 Bildnachweis: Ausschnitt Screenshot NYT Well Blog – BCAG 

Bibliographie

[1] Parker-Pope, T.: The Limits of Breast Cancer Screening, Mammogram’s Role as Savior Is Tested, Oct. 24, 2011, 4:01 PM

[2] hier zitiert nach Dr. Laura Esserman, Leiterin des Brustzentrums der Universität Kalifornien, San Francisco

[3] H. Gilbert Welch, MD, MPH; Brittney A. Frankel: Likelihood That a Woman With Screen-Detected Breast Cancer Has Had Her “Life Saved” by That Screening, Arch Intern Med., Published online October 24, 2011., doi:10.1001/archinternmed.2011.476

[4] H. Gilbert Welch, Brittney A. Frankel

[5] Welch, H.G., NYT Blog

[6] Colin Begg, Epidemiologe und Statistiker am Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York, zitiert nach NYT Blog

Rubrik diagnose, frauen | gesundheit, mammographie, nachdenken!!!, zahlen & daten

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Avastin: Unethische Rückerstattungen zu Lasten von Patientinnen und Gemeinwohlkökonomie?

... aktuelles arznei-telegramm zu AvastinDas aktuelle arznei-telegramm (a-t) berichtet im Heft 10/2011 über seltsame Deals mit Geld-zurück-Garantien im Zusammenhang mit dem Angiogenesehemmer Bevacizumab (Avastin). Mit dieser Strategie, die Kaufanreize ausüben soll, arbeiteten heute auch Krankenkassen und Pharmahersteller.

Pay for Performance – Was heißt das?

Roche propagiere neuerdings (entsprechend eines Entwurfs einer solchen Vereinbarung zwischen Krankenhaus/Träger der Krankenhausapotheke und der Roche Pharma AG) in Kliniken „Pay-for-Performance-Verträge“ für den Angiogenesehemmer Bevacizumab (Avastin) als umsatzstärkstem Medikament von Roche, berichtet a-t weiter. Nach diesem Vertragsentwurf solle bei frühem Fortschreiten innerhalb von drei bis fünf Monaten je nach Indikation eine komplette Rückerstattung erfolgen, allerdings nicht etwa an die Krankenkasse, sondern an das Krankenhaus. Entsteht hier ein neues Modell von Risiken sozialisieren – Gewinne privatisieren?

Indikation Brustkrebs

arznei-telegramm verweist für Brustkrebs erneut darauf, dass Bevacizumab (Avastin) in bestimmten Kombinationen das Überleben sogar tendenziell verkürze, weswegen die Arzneimittelbehörde in den USA die Indikation streichen wolle.

Fazit

  • a-t kommt zu dem Schluss, dass die angestrebte Geld-zurück-Regelung mit Kliniken rechtlich fragwürdig und ethisch verwerflich sei.
  • Kliniken würden bei einem Modell dann finanziell profitieren, wenn Patienten nicht profitierten.
  • Die Regelung lade dazu ein, gerade dann zu therapieren, wenn die Erfolgsaussichten gering seien.
  • Verdrängungswettbewerb und Indikationsausweitungen gingen jedoch zu Lasten von Patienten, denen unter Umständen wirksamere oder nebenwirkungsärmere Therapien vorenthalten würden.

Wir hoffen, dass zumindest gesetzliche Kassen für ihre Mitglieder auf die Barrikaden gehen und diesen Vermarktungskonzepten schnellstens einen Riegel vorschieben.

Quellenangabe
Bevacizumab (Avastin) gegen Krebs … mit Geld-zurück-Garantie für Klinken. arznei-telegramm, 42, 2011, 10/2011 ).

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Weitere Berichte im a-t zu Avastin

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Originalartikel (mit freundlicher Genehmigung und Dank an das arznei-telegramm)
Avastin gegen Krebs … mit Geld zurück-Garantie …  (pdf)

Bildnachweis: Screenshot a-t / BCAG

Rubrik arzneimittelmarkt, avastin - bevacizumab, medikamente, politik | ethik, warnhinweise für medikamente

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Gemeinsame Erklärung zum “Brustkrebsmonat”

Arbeitskreis Frauengesundheit in Psychotherapie und Gesellschaft e.V.
Breast Cancer Action Germany
Feministisches Frauengesundheitszentrum Berlin (FFGZ)
Netzwerk Frauengesundheit Berlin
Treffpunkt Krebs – Selbsthilfe für jüngere Frauen
Terre des Femmes Deutschland
Women in Europe for a Common Future e.V.

Berlin, 17.10.2011

Brustkrebs ist keine Geschäftsidee: Frauengesundheitsorganisationen fordern Stopp des Missbrauchs

Die fortschreitende Kommerzialisierung und ökonomische Ausbeutung des Themas Brustkrebs ist eine Fehlentwicklung, der eine Reihe von Frauenorganisationen jetzt entschieden entgegen treten.

Diagnostik und Therapie von Brustkrebs sind eng mit ökonomischen Interessen verknüpft. Eine begleitende kritische Bewertung ist grundsätzlich ratsam.

Besonders empörend ist der aktuelle Trend im Oktober: Globale Konzerne und Firmen überbieten sich gegenseitig mit PR-Kampagnen und sammeln Spendengelder auch in Deutschland ein. Der Aufmerksamkeitsfaktor des Themas Brustkrebs steigert Verkaufzahlen und wird zur Marketingmaßnahme für Geschäfte und Profite umgemünzt. Einnahmen und Verwendung der Spenden sind selten transparent. Beispielhaft zeigen zwei aktuelle Kampagnen, wie die Krankheit zum Geschäftsmodell umfunktioniert wird.

Am 18. Oktober wird Pink Ribbon Deutschland auf dem Potsdamer Platz „die größte pinkfarbene Schleife in Deutschland“ binden. Bei genauerem Hinsehen bieten die Macher auch jede Menge Werbung, Halbwissen aus PR-Kanälen, das Sammeln von Spenden sowie die Suche nach neuen Anzeigenpartnern. Als Frauengesundheitsorganisationen lehnen wir das mit solchen Aktionen verknüpfte konsumorientierte Frauenbild, das Frauen öffentlich sexualisiert und infantilisiert, ab.

Im Schlepptau des „pink“ angestrahlten Brandenburger Tors durch den Kosmetikkonzern Estée Lauder am 11. Oktober wird die Aufmerksamkeit auf hochpreisige Kosmetika gelenkt. Die verständliche Deklaration von Inhaltsstoffen oder der Verzicht auf krebserregende Chemikalien in Kosmetika stehen dagegen nicht auf der Agenda. Lichtaktionen, bei denen öffentliche Gebäude rosa angestrahlt werden, nennt die Medizinsoziologin Samantha King schlicht Stromverschwendung.

Wir sehen mehr Schaden als Gewinn für Frauen durch derartige Aktionen. Die Entwicklung, vorgeblich Wohltätigkeit auf Kosten kranker Menschen an geschäftliche Interessen zu koppeln, sehen wir mit Sorge.

Die Deutsche Krebshilfe, für die am 18.10. Spenden gesammelt werden sollen und die eine Vorbildfunktion einnehmen muss, rufen wir auf, ihre Kooperationen kritisch zu überprüfen.

Was für Frauen grundsätzlich wichtig ist: 6 Punkte für den Umgang mit dem Thema Brustkrebs in Deutschland

  1. Öffentlich geförderte und transparente Forschung zu Ursachen der Krebsentstehung, Diagnostik und Therapie. Langfristige Nachbeobachtung von Forschungsergebnissen weit über vermarktungsrelevante Eckpunkte und fünf Jahre hinaus.
  2. Priorisierung der Vermeidung von Brustkrebs und anderen Krebserkrankungen. Schwerpunkt muss endlich der Abbau von Umweltbelastungen und Umweltgefährdungen sein. Keine Kooperationen und keine Annahme von Spenden von Unternehmen und Institutionen, die für die Erzeugung und Verbreitung von Karzinogenen verantwortlich sind.
  3. Bereitstellung evidenzbasierter Informationsangebote unter Beachtung höchster professioneller und ethischer Standards und unter Berücksichtigung von Kapazität und Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen. Informationsmaterialien zu den Themen Vermeidung, Screening, Diagnostik und Behandlung auf einer rationalen anstelle einer rein emotionalen Ebene.
  4. Transparente, zeitnahe und für Frauen verständliche Bewertung der Ergebnisse aus dem weltweit größten organisierten Mammographie-Screening-Programm in Deutschland. Frauen haben großes Interesse und Anspruch auf die Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem Programm, um ihre Entscheidungen für oder gegen eine Teilnahme treffen zu können.
  5. Berücksichtigung von Brustkrebs als einem großen sozialen Problem für erkrankte Frauen und ihre Familien sowie angemessene wirtschaftliche Absicherung von an Krebs erkrankten Frauen.
  6. Transparente Offenlegung und Veröffentlichung der Interessenlage von Organisationen, die sich mit Brustkrebs und anderen gesundheitsbezogenen Themen befassen und/oder Spenden sammeln.

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Gemeinsame Erklärung zum “Brustkrebsmonat”

Weitere Informationen und Kontaktpartnerinnen unter:

www.frauengesundheit-berlin.de
www.akf-info.de
www.ffgz.de
www.bcaction.de
www.treffpunktkrebs.de
www.wecf.eu
http://frauenrechte.de

Rubrik frauen | gesundheit, gesellschaft, mammographie, nachdenken!!!, neue wege, politik | ethik, selbstschutz | selbsthilfe


Pressemeldung Weltstillwoche – “Stillen – sprich darüber”

Die Weltstillwoche (WSW) wird alljährlich von der World Alliance for Breastfeeding Action (WABA) www.worldbreastfeedingweek.org ausgerufen und in über 120 Ländern begangen. In Deutschland findet sie immer in der 40. Kalenderwoche, d. h. in diesem Jahr  vom 3. bis zum 9. Oktober statt.

Das diesjährige Motto: „Stillen – sprich drüber!“ befasst sich mit den vielen Möglichkeiten, die uns die Kommunikation und insbesondere die neuen Kommunikationsmittel und -wege bieten, um für das Thema Stillen zu werben und verunsichernden oder auch falschen Aussagen darüber entgegen zu wirken.

Wir leben in einer hochtechnisierten und globaler werdenden Welt, in der wir über kleine und große Entfernungen hinweg augenblicklich Informationen austauschen können. Aktuelle Stillinformationen sind durch das Internet leicht und schnell per Mausklick, auch über Grenzen hinweg, abrufbar. Beide, herkömmliche und neue Kommunikationsmittel, sollten dabei genutzt werden, um Stillinformationen auch generationsübergreifend zu verbreiten. Durch die sozialen Netzwerke im Internet wird nicht nur das Stillwissen gefördert, es werden auch die Kontakte und der Austausch von Informationen und Fachwissen begünstigt. Sei es, dass z.B. eine Mutter im Internet Stillinformationen und Rat sucht oder eine Laktationsberaterin mit einer Fachkollegin Stillwissen austauscht.

Die Kommunikation bietet dabei eine ausgesprochen gute Gelegenheit, auf das Stillen aufmerksam zu machen und somit in eine gesunde Zukunft zu investieren. Kommunikation auf verschiedenen Ebenen und zwischen verschiedenen Bereichen ist ein wichtiger Bestandteil für die Förderung und Unterstützung des Stillens. Der rege Dialog lässt Wörter in Taten wandeln.

Mehr Informationen zum Stillen

www.babynahrung.org

Rubrik gesellschaft, gesundheitspolitik, neue wege, stillen

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