17. Jahrestagung des Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V., Berlin, 06.11. – 07.11.2010, JETZT ANMELDEN! >>> Geschäftsstelle
Mehr als in früheren Jahren sind medizinische und pflegende Berufsgruppen konfrontiert mit Wettbewerb im Gesundheitswesen, manchmal in Form von Anreizen für Wachstum und Entwicklung, häufig jedoch erlebt als Bedrohung und als Sorge um die eigene Durchsetzungsfähigkeit am Markt.
Die Tagung verfolgt zwei verschiedene Zielrichtungen: Zum einen möchte sie gesundheitliche und gesellschaftliche Modelle von Kooperation und Solidarität als eine der wichtigsten Ressourcen helfender Berufe thematisieren: Kooperation und Solidarität mit den Frauen, mit den KollegInnen, mit den Fachleuten in der Politik und in den Institutionen.
Zum anderen möchte sie allen an der gesundheitlichen Versorgung Beteiligten konkrete Wege und Maßnahmen aufzeigen, sich für den Wettbewerb zu rüsten und bei allen Schwierigkeiten Möglichkeiten zu entwickeln, sich der eigenen ethischen Integrität sicher sein zu können.
Konkret ist der Alltag der Professionellen im Gesundheitswesen heute häufig geprägt durch Verteilungskämpfe und Abgrenzungen: HausärztInnen gegen FachärztInnen, Hebammen gegen FrauenärztInnen, Psychologische gegen ärztliche PsychotherapeutInnen, ÄrztInnen gegen andere Gesundheitsberufe und HeilpraktikerInnen, Niedergelassene gegen MVZ.
Die Wettbewerbssituation löst bei einigen ÄrztInnen und Angehörigen anderer Gesundheitsberufe das Gefühl aus, nicht so arbeiten, diagnostizieren, behandeln und verordnen zu können, wie sie es für medizinisch und menschlich richtig erachten. Ein Beispiel: viele ÄrztInnen bieten IGE‐Leistungen gegen ihre Überzeugung an.
Dass Motivation, Kooperation und eine gute medizinische Versorgung dennoch möglich sind, ist den vielen kleinen und großen Kontaktformen und Gruppierungen zu verdanken: den Hebammen und Frauenärztinnen, die im Alltag gut zusammenarbeiten, den Haus‐ und FachärztInnen, die ihre regionalen Vernetzungen geschaffen haben, den Qualitätszirkeln, Supervisions‐ und Balintgruppen, die sich gegenseitig unterstützen und ihre Arbeit miteinander reflektieren, den Gemeinschaftspraxen und MVZs, die gewachsene Kooperationsstrukturen entwickelt haben, der Zusammenarbeit mit den sozialen Beratungsstellen, z.B. bei Schwangerschaftskonfliktberatungen und Pränataldiagnostik.
Der AKF bietet mit dieser Jahrestagung eine geeignete Plattform, die Situation im Gesundheitswesen berufsübergreifend zu thematisieren, weil er ein multiprofessioneller Verein mit dem primären Interesse an Frauengesundheit ist.
Den Mitgliedern geht es, anders als Berufsverbänden, nicht um Partikularinteressen, sondern um Frauengesundheit als „das große Ganze“, zu dem jede einzelne Frau und jede Berufsgruppe ihren Teil beitragen. Anerkennung und Respekt sind im Rahmen von AKF‐Tagungen Vorschuss und müssen nicht erst erkämpft werden. Unter diesen Bedingungen besteht die Offenheit, Konkurrenz sichtbar zu machen und ihre zwei Seiten zu betrachten: die des fruchtbaren Sich‐Messens und die des kontraproduktiven Sich‐Zerstörens. (Nathalie Sopacua, Deutscher Frauenrat)
Weitere Informationen:
Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V.


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