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Darf die Pharmaindustrie direkt an die VerbraucherInnen ran?

Für besseren VerbraucherInnenschutz in Europa: Gegen die Bewerbung verschreibungspflichtiger Medikamente bei PatientInnen

Für besseren VerbraucherInnenschutz in Europa: Gegen die Bewerbung verschreibungspflichtiger Medikamente bei PatientInnen

Wir sagen Nein! Seitdem es unser Projekt gibt, haben wir uns für den >>> Schutz des Heilmittelwerbegesetzes eingesetzt. Wir wollen keine Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente bei “EndverbraucherInnen”. Diese Medikamente sind keine Produkte wie andere auch. Sie sind nicht ohne Grund weltweit stark reguliert. Sie können schwere gesundheitliche Schäden auslösen, wenn sie falsch eingesetzt werden.

Gerade Patientinnen mit Brustkrebs waren in den vergangenen Jahren einem verstärkten Verschreibungsdruck ausgesetzt, z.B. bei “Epo”, Antidepressiva, bei speziellen schädigenden Hormonersatztherapien, die besonders bei Frauen mit Brustkrebs beworben wurden, etc. Hier ist Patientinnen Schaden entstanden, und hier sind gesponserte Patientinnenorganisationen benutzt worden. Auch bei anderen sehr hochpreisigen Therapien ist in den letzten Jahren ein erkennbarer, unzulässiger Druck entstanden. Dieser Druck auf die Verschreibungspraxis über PatientInnen ist gesundheitsgefährdend bis lebensgefährlich. Die Erfahrungen in den Vereinigten Staaten, dem einzigen Land neben Neuseeland, in dem diese Form der Werbung zugelassen ist, stimmen mehr als bedenklich.

Die Verordnung verschreibungspflichtiger Medikamente in Deutschland und Europa muss ÄrztInnen überlassen bleiben, die die Verordnung unabhängig von Herstellerinteressen im alleinigen Interesse der Gesundheit ihrer PatientInnen vornehmen. Breiten Raum in unserer Arbeit nimmt die solidarische Gesundheitsversorgung ein, auf die wir alle gleichermaßen angewiesen sind. Das nach betriebswirtschaftlichen Kriterien gestaltete in den Markt Drücken von hochpreisigen Krebsmedikamenten, deren Nutzen oft nicht in ausreichendem Maße belegt ist, gefährdet den solidarisch gestalteten Zugang zur Medizin für uns alle.

Wir unterstützen deswegen mit Nachdruck das Verbot der Werbung für verschreibungsplfichtige Medikamente und unterstützen im Netzwerk – gemeinsam mit >>> bukopharma.de und 29 anderen Organisationen – dieses Anliegen quer durch Europa:

Der neu gewählte EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz John Dalli sicherte im vergangenen Monat zu, den Gesetzesvorschlag zu PatientInneninformation noch einmal kritisch zu hinterfragen. 29 europäische und nationale Organisationen – darunter Breast Cancer Action Germany – fordern den Kommissar auf, den Gesetzentwurf komplett umzuschreiben, damit er den Interessen der VerbraucherInnen an guter Gesundheitsinformation gerecht wird. Mitunterzeichner sind auch >>> Health Action International (HAI), bei dem die Pharma-Kampagne Mitglied ist, und >>> International Society of Drug Bulletins (ISDB), deren Präsidenten die Pharma-Kampagne derzeit stellt.

Der Gesetzesvorschlag war im Dezember 2008 unter der Führung des Generaldirektorates Unternehmen und Industrie in den parlamentarischen Prozess gebracht worden und würde es der Pharmaindustrie erlauben, direkt mit VerbraucherInnen über Gesundheit, Krankheit und rezeptpflichtige Arzneimittel zu kommunizieren. Basis des Gesetzesvorschlags war ein im Juni 2007 veröffentlichter Bericht, der eine “Bestandsaufnahme” der Quellen für PatientInneninformation zu Gesundheit beinhalten sollte. Jedoch war der Bericht so einseitig, dass Zweifel an der aufrichtigen Bereitschaft der EU-Kommission, die kritischen Punkte zu diskutieren, angebracht erscheinen.

In öffentlichen Konsultationen äußerte sich dementsprechend eine große Anzahl von EinwenderInnen kritisch, wobei besonders hervorgehoben wurde, dass die Pharmaindustrie wegen ihrer kommerziellen Interessen nicht als eine verlässliche Quelle von unabhängiger Information angesehen werden kann. Auch der EU-Ministerrat (Versammlung aller EU-GesundheitsministerInnen) lehnte im Juni 2009 die Vorschläge der Kommission ab.

Sollten sich die Mitglieder des Europäischen Parlamentes mit einem solchen Gesetzesvorschlag beschäftigen? Nein, denn der vorliegende Text befriedigt nicht die Bedürfnisse der europäischen BürgerInnen nach unabhängiger, vergleichender und ausgewogener Gesundheitsinformation.

Hier sind fünf konkrete Vorschläge, wie Gesundheitsinformationen im Sinne der VerbraucherInnen verbessert werden können:

  • Verbesserung des Beipackzettels (z.B. auf Leserlichkeit und Verständlichkeit).
  • Verbesserung der Arzt-PatientInnen-Kommunikation. Die Information der PatientInnen und das Eingehen auf die Bedürfnisse des Einzelnen bedarf eines vertrauensvollen Dialoges. Dies ist die Kernaufgabe von Angehörigen des Gesundheitsdienstes.
  • Stärkung der nationalen Behörden, damit sie aktiver und transparenter Gesundheitsinformationen zur Verfügung stellen. Dies beinhaltet auch den öffentlichen Zugang zu Daten über Wirksamkeit und Nutzen von Arzneimitteln und anderen Gesundheitsprodukten, und zwar vor und nach der Zulassung der Produkte für den Arzneimittelmarkt.
  • Entwicklung, Vernetzung und Stärkung bereits existierender Quellen unabhängiger Gesundheitsinformationen.
  • Stärkere Kontrolle von Verstößen gegen das Heilmittelwerbegesetz sowie eine schärfere Ahndung von Verstößen.

Die Pressemitteilung in englischer Sprache wird von 29 Organisationen getragen – darunter 14 aus Deutschland. Wir sind dabei. >>> (pdf) Hier geht es zum vollständigen englischen Text

Rubrik arzneimittelmarkt, arzneimittelwerbung, heilmittelwerbegesetz schützen, medikamente

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