Hinweis: Leider gibt es diese Berichterstattung zur Klage gegen die Firma Myriad, die die Genpatente für die Brustkrebsgene BRCA 1 und BRCA 2 besitzt, nicht in deutscher Sprache. Deswegen können wir hier bisher leider nur eine Berichterstattung in englischer Sprache einspielen. In Europa hat sich bis jetzt hauptsächlich die Organisation Greenpeace um eine Interessenvertretung wichtiger Rechte bei der Patentierung der “Brustkrebsgene” gekümmert.
Die Genpatente der Firma Myriad haben durch die Patentierung beim Europäischen Patentamt auch Folgen in Europa und Deutschland. Es ist also nicht so, dass die Frage der US-Patente und die daraus resultierenden Rechte auf Forschung und Zugang zu den Tests für Europa oder Deutschland bedeutungslos wären. Jetzt gibt es in den USA eine neue Klage gegen die Firma Myriad, in der geklärt werden soll, ob eine Patentierung von Genen mit geltenden Gesetzen überhaupt in Einklang zu bringen ist. In Europa wurden nach Berichten von Greenpeace bereits rund 1.000 Gene (bei Mensch, Tier, Saatgut und Pflanzen) durch das Europäische Patentamt patentiert. Im Zusammenhang mit der nun laufenden Klage wird darauf verwiesen, dass bereits 20% der menschlichen Gene patentiert worden seien. “Nach Ansicht von Greenpeace muss das Europäische Patentamt seine Erteilungspraxis auch deswegen ändern, um nicht im Widerspruch zum rechtlichen Rahmen von Mitgliedstaaten wie Frankreich und Deutschland zu stehen, die in der Gesetzgebung inzwischen erhebliche Einschränkungen bei der Patentierung von Genen vorsehen. Diese Regelungen werden vom Europäischen Patentamt derzeit ignoriert”, schreibt Greenpeace in seiner Berichterstattung aus dem Jahr 2005.
“Wie kann es sein, dass ein Wirtschaftsunternehmen die Kontrolle über menschliche Gene hat? Wie ist das möglich?” fragt Barbara Brenner von Breast Cancer Action. Breast Cancer Action hat sich der Klage in dem neuen Prozess um die Brustkrebsgene BRCA 1 und BRCA 2 angeschlossen.
Wenn ein Gesetz ein Monopol schafft, das die Informationsfreiheit behindert, steht viel auf dem Spiel. Hier geht es um Brustkrebs- und Eierstockkrebsgene und dies betrifft bzw. verletzt ggf. die Rechte von Frauen. In dem Video werden einige der betroffenen Frauen und ihre Geschichten gezeigt, um Zusammenhänge zu erklären und einen kleinen Überblick zur Frage der US-Patente zu geben, die die Firma Myriad Genetics bei den Genen BRCA 1 und BRCA 2 hält.
Die kritische ethische Frage, ob man genetische Tests generell überhaupt durchführen will, ist grundsätzlich unabhängig von Genpatenten und dem “Besitz der Gene” zu betrachten. Es geht in dieser Diskussion lediglich um die Frage der Rechtmäßigkeit des Besitzes menschlicher Gene. Auf jeden Fall wird die Diskussion um die “Brustkrebsgene” auch zukünftig noch viel Aufmerksamkeit von Frauenseite benötigen. An die Gentests werden nämlich wiederum eine Reihe von medizinischen Maßnahmen, die in Deutschland bereits von der prophylaktischen Brustamptuation und der vorbeugenden Entfernung der Eierstöcke bis hin zu umfassenden diagnostischen Maßnahmen und der Gabe von antihormonell wirksamen Medikamenten reichen, geknüpft. Wasserdichte wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu den Auswirkungen all dieser Maßnahmen in Hinsicht auf das Leben einer Frau gibt es bisher aber höchstens ansatzweise.
In der Pressemitteilung vom 12. Mai 2009 teilt Breast Cancer Action mit, dass sich die Organisation der Klage gegen die Patentierung der Brustkrebsgene BRCA 1 und BRCA 2 anschließt. Die Klage der amerikanischen Zivilrechtsunion ACLU/American Civil Liberties Union – einer Bürgerrechtsorganisation in den USA, die bereits vor 90 Jahren gegründet wurde – stellt die Patentierung der menschlichen “Brustkrebsgene” BRCA 1 und BRCA 2 grundsätzlich in Frage. “Die Patente auf die BRCA-Gene blockieren den Zugang von Frauen zu medizinischen Informationen”, stellte die ACLU-Anwältin Sandra Park vom ACLU Women’s Rights Project fest. Die Klage richte sich gegen die Firma Myriad Genetics, ein privates Biotechnologie-Unternehmen mit Sitz in Utah, die die Patente hält. Im menschlichen Erbgut eines jeden einzelnen Menschen sind die beiden Gene BRCA 1 und BRCA 2 enthalten. Wenn bestimmte genetische Veränderungen in diesen Genen vorhanden sind, besteht bei den betroffenen Frauen ein erhöhtes Risiko für Brust- bzw. Eierstockkrebs. Auch das Risiko für andere Krebserkrankungen kann erhöht sein. Allerdings ist nur ein kleiner Teil der Brustkrebserkrankungen auf solche Genveränderungen zurückzuführen. Die meisten Brustkrebserkrankungen treten auch auf, ohne dass Genveränderungen vorliegen.
Myriad besitzt die Rechte auf die beiden Gene, ihre Mutationen und die Forschung an ihnen. Die Untersuchungen auf die Mutationen an den Genen BRCA 1 und BRCA 2 können in den USA nur in Myriad-Einrichtungen durchgeführt werden. Die Kosten betragen in den USA zur Zeit 3.000 US $. Breast Cancer Action hat sich bereits seit 1998, als die Gene erstmals patentiert wurden, gegen eine Patentierung von menschlichen Genen ausgesprochen, da der Zugang zu genetischen Tests und medizinischer Versorgung damit erschwert wird. Barbara Brenner, die leitende Geschäftsführerin von Breast Cancer Action, kommentiert in einer aktuellen Pressemeldung die Klage: “Es ist Zeit, dass die Gerichte entscheiden, wer Eigentümer unserer Gene ist. Diese Klage ist ein wichtiger erster Schritt “. Myriad hat mit der Patientierung der Gene die Kontrolle über alle Gentests. Frauen, die in den USA finanziell nicht in der Lage sind, die notwendige Finanzierung zu leisten, haben keinen Zugang zum Test. Auch eine Überprüfung eines Tests in einem zweiten Labor ist durch das Patent unmöglich gemacht worden.
Quellen:
Pressemeldung Breast Cancer Action
Patent BRCA 1 (EP 95305601) beim Europäischen Patentamt
Patent BRCA 2 (EP 96309211) beim Europäischen Patentamt
Greenpeace Berichterstattung: Streit um Brustkrebsgene
“Die wahren Kosten der Genpatente” – Eine Greenpeace-Dokumentation
Mehr zu den BRCA-Genpatenten bei Greenpeace
Stellungnahme des Nationalen Ethikrates: Patentierung biotechnologischer Erfindungen unter Verwendung biologischen Materials menschlichen Ursprungs
Alessa Hool: Die europäischen Patente von Myriad (Seminararbeit)
Das monopolisierte Brustkrebsgen (FAZ, 24. Oktober 2002, Nr. 247)
http://www.gene.ch/genpost/2002/Jul-Dec/msg00225.html
Heise-Berichterstattung:
Klage in den USA: Patente auf Gene verstoßen gegen Verfassung
UnterstützerInnen der US-Klage:
Association for Molecular Pathology
American College of Medical Genetics
American Society for Clinical Pathology
College of American Pathologists
Haig Kazazian, MD, Professor in the Department of Genetics at the University of Pennsylvania School of Medicine
Arupa Ganguly, PhD, Associate Professor in the Department of Genetics at the Hospital of the University of Pennsylvania
Wendy Chung, MD, PhD, Director of Clinical Genetics at Columbia University
Harry Ostrer, MD, Professor of Pediatrics, Pathology and Medicine and Director of the Human Genetics Program at New York University School of Medicine
David Ledbetter, PhD, Professor of Human Genetics and Director of the Division of Medical Genetics at the Emory University School of Medicine
Stephen Warren, PhD, William Patterson Timmie Professor of Human Genetics and Chair of the Department of Human Genetics at Emory University
Ellen Matloff, M.S., genetic counselor
Elsa Reich, M.S., Professor in the Department of Pediatrics (Human Genetics Program) at New York University
Breast Cancer Action
Boston Women’s Health Book Collective (Our Bodies Ourselves)

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