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Brustkrebs, Cola und Aspartam: Hinweise auf doppelte Risiken

von Gudrun Kemper

Chemikalien können das Ungeborene schädigen

Chemikalien können das Ungeborene schädigen. Abbildung: Views of a foetus in the wombViews of a Foetus in the Womb, Leonardo da Vinci

Die Diskussion um Gesundheitsrisiken bei “Erfrischungsgetränken” wie Cola und Süßstoffen wie Aspartam gibt es schon lange. Risiken werden in der Regel solange ausgeschlossen, bis sie in Langzeitbeobachtungen doch nachgewiesen werden. Wir leben in einer chemischen Welt.

Die erste Aspartam-Studie

Ein Forschungsteam vom “Cesare Maltoni Cancer Research Center” in Bologna fütterte 1.500 Ratten täglich mit Aspartam in Dosen zwischen 4 mg und 5.000 mg pro kg Körpergewicht. Als Kontrollgruppe dienten 300 Tiere, die kein Aspartam erhielten. Die Studie startete in der achten Lebenswoche der Ratten und endete mit dem Tod des letzten Tieres nach 159 Wochen. Danach wurden die Nager untersucht. Die Ratten aus der Aspartam-Gruppe zeigten “beträchtliche Hinweise auf bösartige Karzinome einschließlich Lymphome, Leukämien und Tumoren in verschiedenen Organen”, so die Forscher.

“Aspartam ist sicher”


Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die Daten der vor über 20 Jahren als Süßstoff eingeführten Substanz, die sich in so vielen Lebensmitteln enthalten ist, geprüft und kam Anfang Juni 2005 erneut zu dem Ergebnis: Aspartam ist sicher. Sie sah aufgrund der vorgelegten Daten aus dem Tiermodell keinen Anlass, ihre Position zu verändern. Ob sie weiterhin bei dieser Position bleiben wird? Die “MedUniqa”, eine Zeitschrift der Österreichischen Uniqa-Versicherungsgruppe, fragte sich bereits nach den in der 1. Studie vorgelegten Ergebnissen, ob bei der breit eingesetzten Substanz Aspartam nicht möglicherweise wirtschaftliche Interessen die wissenschaftlichen überragen.

Nun gibt es konkretere Hinweise auf Zusammenhänge zwischen dem Brustkrebsrisiko und Cola-Getränken und Brustkrebsrisiko und Aspartam. Da in einigen kalorienreduzierten Getränke sogar beides enthalten ist, könnten sich Risiken unter Umständen potenzieren. Auf diese Zusammenhänge hat die Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) e.V. in einer Pressemeldung vom Juni 2007 hingewiesen.

Die Untersuchungen, die an Ratten durchgeführt worden waren, lassen sich zwar nicht “1 zu 1″ auf Menschen übertragen, aber sie können zumindest zum kritischen Nachdenken bei der menschlichen Nahrungsaufnahme anregen. Man kann darüber spekulieren, ob jetzt Ratten oder Menschen widerstandsfähiger sind und wie sich die Chemikalien z.B. in Schwangeren auswirken, denn die durchgeführten Studien zeigen ihre Auswirkungen bis hin zu den Nachkommen.

Die zweite Aspartam-Studie

Die Europäische Stiftung für Onkologie und Umweltwissenschaften weist aktuell auf ihre zweite Studie zu dem künstlichen Süßstoff Aspartam unter dem Titel “Lifespan Exposure to Low Doses of Aspartame Beginning During Prenatal Life Increases Cancer Effects in Rats” (Pränatal beginnende Lebenzeit-Exposition mit niedrig dosiertem Aspartam erhöht die Krebsentstehung bei Ratten) hin, die gerade auch bei “Environmental Health Perspectives” erscheinen konnte und im Volltext frei zugänglich nachzulesen ist, leider jedoch nur in englischer Sprache.

“Als Erstes konnten die Forscher eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme sowie Gewichtszunahme bei den Ratten sowie deren Nachkommen unabhängig vom Geschlecht aufzeigen. Darüber hinaus zeigte sich im Vergleich zur Kontrollgruppe ein signifikant erhöhtes Auftreten von bösartigen Brusttumoren bei den weiblichen Ratten sowie dem weiblichen Nachwuchs. Das Team um Fiorella Belpoggi von European Foundation for Oncology & Environmental Sciences vermutet als Grund eine Wechselbeziehung zwischen Übergewicht und Brustkrebs”, berichtet die Fachgesellschaft für Ernährungstherapie. So lag die Rate der Brustkrebserkrankungen ohne Aspartam-Aufnahme bei durchschnittlich 5,3%, bei 20 mg/kg des Körpergewichts lag sie bei 7,1% und sie stieg mit der Aufnahme von 100 mg/kg auf 15,7%. Auch die Rate der Lymphome und Leukämien verdreifachte sich knapp und stieg auf 31,4% an. Ohne Aspartamaufnahme lag sie bei 12,6% für Lymphome und Leukämien im Tierversuchsmodell.

Auf experimenteller Ebene im “Modell mit Ratten” konnte damit gezeigt werden, dass Aspartam eine “multipotente krebserzeugende Substanz” ist. Neben einem höheren Brustkrebsrisiko konnte bei Aspartam im Versuch dosisabhängig auch ein noch höheres Risiko für Lymphome und Leukämien gezeigt werden.

Aspartam in der Nahrungsaufnahme überdenken!

Die Forschergruppe um die Ärztin Fiorella Belpoggi, deren Arbeitsschwerpunkt die Erforschung von industriellen und in der Umwelt vorhandenen krebserregenden Substanzen (“Karzinogenen”) ist, fordert ein Überdenken in Bezug auf Aspartam in der Nahrungsaufnahme. Gerade weil bereits Kinder den Stoff über Nahrung und Getränke aufnehmen – und zwar bereits beginnend vor der Geburt über die Nahrungsaufnahme der Mutter – und sich ein kummulierendes Risiko über die Lebenszeit zeigen lässt, bestünde hoher Handlungsdruck. Fiorella Belpoggi ist stellvertretende Präsidentin der Stiftung und Chefpathologin und hat lange unter dem kritischen Onkologen Prof. Cesare Maltoni (1930 – 2001) gearbeitet. Ihr Leitgedanke “per aspera ad astra’’ (Seneca) – in etwa “man erreicht die Sterne nur, wenn man große Schwierigkeiten überwindet” – ist in diesem Zusammenhang ein Sinnbild für ihre Zähigkeit.

Die Coca-Cola-Studie

Die “Coca-Cola-Studie”, ebenfalls unter der Leitung von Fiorella Belpoggi, untersuchte die Langzeit-Auswirkungen in Hinsicht auf die Entstehung von Krebserkrankungen durch Coca-Cola – ebenfalls anhand von Ratten im Versuch.

Die Resultate dieser Studie haben gezeigt:
(a) eine Zunahme des Körpergewichts in allen behandelten Tieren,
(b) eine statistisch signifikantes Ansteigen von Brustkrebs bei Weibchen, bis hin zu den Nachkommen,
(c) eine statistisch signifikante Zunahme von Pankreastumoren (exocrine adenomas of the pancreas ) in den männlichen und weiblichen Tieren und Nachkommen,
(d) eine Ansteigen, jedoch statistisch signifikant, bei Pankreas-Inselzellkarzinomen (pancreatic islet cell carcinomas) bei den Weibchen. Dieser bösartige Tumor ist in den historischen Kontrollen sehr selten aufgetreten.

Auf der Grundlage der Resultate dieser Studie sollten insbesondere Kinder und Jugendlichen vom übermäßigen Verbrauch dieser „Soft-Drinks“ abgeraten werden.

Wieviele Jahrzehnte hat man uns nun Cola und Süßstoff als harmlos verkauft?
Und wollen wir VerbraucherInnen es wirklich weiterhin glauben?

Quellenangaben zum Weiterlesen:

Link zur Originalarbeit der 1. Studie zum Thema “Aspartam” – nur in englischer Sprache – im Volltext:
http://ehp.niehs.nih.gov/members/2005/8711/8711.pdf

Link zur Originalarbeit der 2. Studie zum Thema “Aspartam” – nur in englischer Sprache – im Volltext:
http://www.ehponline.org/members/2007/10271/10271.pdf

Link zum Abstract der “Coca-Cola-Studie” (Results of Long-Term Carcinogenicity Bioassays on Coca-Cola Administered to Sprague-Dawley Rats, Fiorella Belpoggi et al, in englischer Sprache): http://www.annalsnyas.org/cgi/content/abstract/1076/1/736
(Volltext leider 15 €)

Link zur Pressemeldung der “Fachgesellschaft für Ernährungstherapie”:
http://www.openpr.de/news/141449/Coca-Cola-und-Krebs.html

Ärzteblatt studieren:
Erhöhtes Krebsrisiko durch Süßstoff Aspartam? (rme, 25.11.2005)

Die Pressekonferenz der EFSA zur 1. Aspartam-Studie in 2006:
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat sich große Mühe gemacht, die 1. Aspartam-Studie abzuschmettern. Die Pressekonferenz der ESFA aus dem Jahr 2006 dazu ist in simultaner Übersetzung in die deutsche Sprache online verfügbar und kann als Video angesehen werden. Sie enthält:

  • Eröffnung durch Anne Laure Gassin (Leitung der Pressekonferenz für die EFSA)
  • Herman Koeter, leitender Wissenschaftler der EFSA, berichtet zum Hintergrund und der Chronologie, sowie zu den vorliegenden Daten zur Unschädlichkeit von Aspartam.
  • Sue Barlow, Vorsitzende des “Scientific Panel on Food Additives, Flavourings, Processing Aids and Materials in Contact with Food (AFC), gibt allgemeine Informationen zur Lebensmittelsicherheit und eine Einführung in ihre Arbeit. Sie stellt dar, wie die Empfehlungen zur Sicherheit von Aspartam aufgestellt wurden.
  • Iona Pratt, die Vorsitzende der Arbeitsgruppe der EFSA, stellt die Resultate der Evaluation und die abschließende Zusammenfassung der EFSA vor.
  • Fragen der Journalisten folgen.

Die Pressekonferenz wurde durchgeführt am 5. Mai 2006 aus Anlass der 1. Aspartam-Studie. Die Schlussfolgerungen der EFSA sind eigentlich nicht wirklich überzeugend. Es erscheint nicht wirklich nachvollziehbar, warum so vehement für die Sicherheit von Aspartam Stellung bezogen wird. Zwar betont die EFSA insbesondere ihre Unabhängigkeit, doch eine vorsichtigere Positionierung, die wenigstens Restrisiken anerkennt, würde mehr für eine solche Unabhängigkeit sprechen.

Link zur Pressekonferenz:
http://www.flyonthewall.com/FlyBroadcast/efsa.eu.int/AspartamePressConference/index.php?language=german&stream=wmv

Auch die von der EFSA vorgelegte Powerpointpräsentation (nur in englischer Sprache verfügbar) mit dem Titel Aspartame: “EVALUATION OF THE EUROPEAN RAMAZZINI FOUNDATION STUDY” by the Scientific Panel on Food Additives, Flavourings, Processing Aids and Materials in Contact with Food (AFC) kommt zu dem Ergebnis, dass die 1. Aspartam-Studie nicht relevant ist.

Link zu ESFA-Position (Zusammenfassung in deutscher Sprache, gesamtes Gutachten leider nur in englischer Sprache):
http://www.efsa.europa.eu/EFSA/efsa_locale-1178620753824_1178620765743.htm

Rubrik ernährung & brustkrebs, schwangerschaft & brustkrebs, umwelt | vermeidung

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