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Streit um Mistel und Co.: Zwischen “therapeutischer Vielfalt” und therapeutischer Sicherheit

Neben der Schulmedizin gibt es auch sogenannte besondere Therapierichtungen, zu denen es gesetzliche Regelungen im Sozialgesetzbuch V gibt. Standardtherapeutika besonderer Therapierichtungen wie Anthroposophie, Homöopathie und Phytotherapie sind in der Regel nicht zugleich auch Therapiestandard der Schulmedizin. Ein Streitpunkt ist beispielsweise die Misteltherapie (Verordnung ja oder nein, im palliativen Krankheitsstadium oder während des gesamten Krankheitsverlaufs).

Mistel "komplementär" bei Brustkrebs - hilfreich oder schädlich?

Mistel "komplementär" bei Brustkrebs - hilfreich oder schädlich?

Bei schwerwiegenden Erkrankungen, zu denen Brustkrebs auch gehört, hatte der Gemeinsame Bundesausschuss, der mit seinen gesundheitspolitischen Gremien die Entscheidung über die Erstattungsfähigkeit im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung trifft, den Auftrag, Ausnahmeregelungen zu entwickeln, in denen „Therapiestandards“ Berücksichtigung finden sollten. Die Richtlinie des GBA wurde jedoch vom Bundesgesundheitsministerium beanstandet. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat gegen die Entscheidung des Ministeriums geklagt (s.a. Urteil Aktenzeichen B 6 KA 25/10 R des Bundessozialgerichts). Eine kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen wendet sich aktuell mit sieben Fragen an die Bundesregierung, um deren Positionen und Planungen zum Umgang mit den besonderen Therapierichtungen in Erfahrung zu bringen.

Zur Antwort der Bundesregierung: Homöopathische Arzneimittel bei schwerwiegenden Erkrankungen unter bestimmten Voraussetzungen auf Kassenrezept
Die Bundesregierung sieht derzeit „kein Erfordernis, zur Sicherung der therapeutischen Vielfalt bei Arzneimitteln weitergehende Regelungen“ im Arzneimittelgesetz vorzunehmen. In ihrer Antwort (17/9328) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (17/9241) heißt es, bei Arzneimitteln anthroposophischer, homöopathischer und weiterer besonderer Therapierichtungen gebe es häufig keine vergleichbaren Angaben zu zugelassenen Anwendungsgebieten wie in der Schulmedizin. Vor diesem Hintergrund habe der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) für diese Arzneimittel eine allgemeine Öffnungsklausel in der Arzneimittelrichtlinie vorgesehen. Demnach könnten Arzneimittel der besonderen Therapierichtungen unter der Voraussetzung auf Kassenrezept verordnet werden, dass eine der in der Arzneimittelrichtlinie aufgeführten schwerwiegenden Erkrankungen vorliegt und die von der Ärztin oder vom Arzt verordneten Mittel nach dem Erkenntnisstand der jeweiligen Therapierichtung als Therapiestandard eingesetzt werden. Mit dieser allgemeinen Regelung bleibe die Therapiefreiheit erhalten, schreibt die Regierung.

Nachtrag: Inzwischen wurde die Antwort der Bundesregierung v. 17.04.2012 von Birgitt Bender in ihrer Kommentierung harsch kritisiert:

„Wer die Antwort des BMG auf unsere Kleine Anfrage liest, bekommt den Verdacht, dass auch Ministerien unter Demenz leiden können. Man könnte glauben, zwischen BSG und BMG passe kein Blatt in der Einschätzung der Auslegung des § 34 SGB V. Verdrängt das BMG, dass es vor dem BSG verloren hat und jahrelang eine andere Position vertreten hat? Versucht ein FDP-Minister auf diesem Weg die damalige Entscheidung von SPD, Grünen und CDU/CSU einfach zu ignorieren? Fehlen dem BMG Gründe den Wechsel seiner Position zu erklären und tut deshalb so, als hätte es nie anders gedacht? Klar wird in jedem Fall, Gesundheitsminister Bahr tut nichts dafür, die Therapievielfalt zu erhalten, geschweige denn dafür, diese zu stärken.”

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Kleine Anfrage  der Grünen – Drucksache 17/9241 (pdf) vom 30.03.2012

Antwort der Bundesregierung (pdf) vom 17.04.2012

Bericht der Deutschen Apothekerzeitung zum Urteil des Bundessozialgerichts vom 16.05.2011

Quellen u.a.: Heute im Bundestag und Kommentierung der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen „Stellung der Arzneimittel der besonderen Therapierichtungen“ von Birgitt Bender v. 24.04.2012

Bildnachweis: Mistletoe von designatednaphour, Creative Commons 2.0

 

Rubrik juristisches, krankenkassen, medikamente, nicht konventionelle krebstherapien - CAM

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Herceptin – Das Cochrane-Review 2012

Herceptin - Trastuzumab, Bildnachweis BCAG CC 2.0

Herceptin - Trastuzumab, Bildnachweis BCAG CC 2.0

Die Patientinnensicht, von Beate Schmidt

Im Dezember 2006 berichteten wir über einen Artikel im British Medical Journal mit dem Titel “Wieviel wird Herceptin wirklich kosten?” (“How much will Herceptin really cost?”). Kern des Artikels ist die nicht nur in Großbritannien bestehende Problematik, dass ÄrztInnen aufgrund von Druck durch Medien und von der Pharmaindustrie gesponserten Patientengruppen usw. auf den Gesetzgeber dazu gezwungen würden, neue und zum Teil sehr teure Medikamente zu verordnen. Dadurch seien die Arzneimittelbudgets schnell ausgeschöpft. Es blieben in der Folge nicht die Mittel, um alle PatientInnen angemessen versorgen zu können. “Politischer Druck, Patientenvertretung und Medienspektakel sollten nicht definieren, wer womit behandelt wird”, so die AutorInnen des Artikels.

Während sich dieser Artikel aus dem Jahr 2006 mit den Auswirkungen einer Verschreibungspraxis auf die Gesellschaft befasst hat, gibt es jetzt auch Informationen über den Preis, den die individuelle Patientin, die mit Herceptin (Handelsname; Name des Wirkstoffs: Trastuzumab) behandelt wird, unter Umständen in Kauf nehmen muss: Am 18.04.2012 wurde in der Cochrane Library ein Review veröffentlicht, in dem von einem starken Anstieg von schweren Herzproblemen (“severe heart toxicities”) unter Trastuzumab berichtet wird.

Auswertung von acht Studien

Die AutorInnen des Reviews “Trastuzumab containing regimens for early breast cancer” (übers.: Behandlung von Brustkrebs im Frühstadium mit Trastuzumab, sog. “adjuvante Therapie”) verglichen die Ergebnisse der bis Februar 2010 im Cochrane Breast Cancer Group’s (CBCGs) Specialised Trials Register erfassten randomisierten kontrollierten Studien, in denen Frauen mit Her2-positivem Brustkrebs zusätzlich zur chirurgischen Therapie

  • Trastuzumab als Einzelwirkstoff oder
  • Trastuzumab in Kombination mit Chemotherapie oder
  • keine Behandlung oder
  • nur eine Standard-Chemotherapie erhielten.

Die Studien umfassten 11.991 Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium und mit lokal fortgeschrittener Erkrankung. Ausgewertet wurden insgesamt acht veröffentlichte und unveröffentlichte Studien.

Ergebnisse

Während sich in einer Nachbeobachtungszeit von durchschnittlich drei Jahren das Gesamtüberleben und das krankheitsfreie Überleben unter Trastuzumab um ein Drittel signifikant verbesserte, sei

  • das Risiko einer Herzschädigung unter Trastuzumab verglichen mit einer Standardtherapie fünffach erhöht.
  • Von 1.000 Frauen, die nur eine Standardtherapie ohne Trastuzumab erhielten, überlebten ca. 900 und 5 erlitten eine Herzschädigung (genannt werden die Zunahme der kongestiven Herzinsuffizienz und die Abnahme der linksventrikulären Ejektionsfraktion).
  • Hingegen überlebten von 1.000 Frauen, die eine Standardtherapie und zusätzlich für ein Jahr Trastuzumab erhielten, 933 Frauen. 740 Frauen hatten während des Beobachtungszeitraums keinen Krankheitsrückfall, jedoch erlitten 26 Frauen schwere Herzschädigungen.
  • Es gab keine nachgewiesenen Unterschiede im Risiko hinsichtlich der hämatologischen Schädlichkeit.

Was bedeuten diese Zahlen im Vergleich?

 je 1.000 Frauen in 3 Jahren Nachbeobachtungszeitraum  Standard-
therapie
 Standardtherapie
plus Trastuzumab
 Überleben  900  933  + 3,67 %
 Krankheitsrückfälle  835  740  - 11,38 %
 schwere Herzschädigungen  5  26 + 420 %


Sofern die Behandlung mit Trastuzumab sofort gestoppt werde, seien die genannten Herzschädigungen jedoch oft reversibel. Es mache im Übrigen keinen Unterschied, ob Trastuzumab gleichzeitig oder nach einer Standardtherapie verabreicht werde.

Zudem berge eine längere Behandlung mit diesem Wirkstoff (ein Jahr) vermutlich ein größeres Risiko schwerer Herzschäden als eine Behandlungsdauer von bis zu sechs Monaten. Dieses Ergebnis basiert jedoch nur auf zwei Studien mit wenigen Patientinnen.

Schlussfolgerungen

Die AutorInnen kommen zu dem Schluss, dass Trastuzumab bei Frauen, die ein höheres Risiko für ein Wiederauftreten von Brustkrebs und keine Anzeichen einer Herzschwäche haben, wesentlich mehr Nutzen als Risiken bringe. Hingegen müsse das Risiko der Behandlung mit Trastuzumab bei Frauen mit niedrigem Rückfallrisiko (z.B. mit kleinerem Tumor [dasselbe dürfte dann wohl auch für Frauen gelten, die bereits an einer Herzschwäche oder Herzschädigung leiden]) sorgfältig gegen den möglichen Nutzen abgewogen werden. Der behandelnde Onkologe sollte die Patientin in die Entscheidung, ob und wie eine Behandlung mit Trastuzumab begonnen wird, mit einbeziehen.

Nachdenken …

Die Nachbeobachtungszeit von durchschnittlich drei Jahren ist für die Krankheit Brustkrebs noch sehr kurz. Die AutorInnen schreiben selbst, dass die einbezogenen Studien mit nur sechsmonatiger Medikamentengabe vergleichsweise klein gewesen seien. Bei einem längeren Nachbeobachtungszeitraum könnten die Zahlen außerdem anders ausfallen. Ob Therapien gegen Brustkrebs überlebensrettend sind, zeigt sich oft erst im langfristigen Verlauf. Die Zahlen zeigen auch, dass die allermeisten Patientinnen (nach den hier vorgelegten Daten ca. 88 – 96 %) möglicherweise keinen Vorteil von der zusätzlichen Gabe von Trastuzumab haben werden. Welche Patientinnen profitieren werden, lässt sich vorab bisher nicht sagen. Mit Blick auf die geschilderten Risiken wäre dieses jedoch wichtig zu wissen. Wir werden arznei-telegramm und weitere neutrale Quellen in der nächsten Zeit weiter genau beobachten und auch künftig über den aktuellen Wissensstand so genau wie möglich berichten. Sehr sorgfältige Beratung und ggf. internistische oder kardiologische Überwachung durch ÄrztInnen wird für die betroffenen Patientinnen in dieser Situation besonders wichtig sein.

Über die Cochrane Collaboration

Die Cochrane Collaboration ist ein internationales Netzwerk von WissenschaftlerInnen und ÄrztInnen, das sich an den Grundsätzen der evidenzbasierten Medizin orientiert. Zentrales Ziel ist die Verbesserung der wissenschaftlichen Grundlagen für Entscheidungen im Gesundheitssystem. Dieses Ziel wird vor allem durch die Erstellung, Aktualisierung und Verbreitung systematischer Übersichtsarbeiten (systematic reviews) zur Bewertung von Therapien erreicht. Die hier wiedergegebenen Inhalte sind einer solchen Übersichtsarbeit entnommen.  Die Cochrane Collaboration möchte alle Interessierten über ihre Arbeit informieren und Akteuren im Gesundheitswesen Hilfestellungen bieten. Für uns ist diese Arbeit hilfreich.

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Abstract der Studie im Original lesen (in englischer Sprache): Trastuzumab containing regimens for early breast cancer; Moja L, et al., Cochrane Database of Systematic Reviews 2012, Issue 4. Art.No.: CD006243. DOI: 10.1002/14651858.CD006243pub2

Ältere Berichte zum Thema bei uns finden Sie in der Rubrik her2-neu & herceptin – trastuzumab

Rubrik chemotherapie, her2-neu & herceptin - trastuzumab, klinische studien, medikamente

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Krebs als Viruskrankheit oder Was macht eigentlich Susan Love (Teil 11)

25% aller Krebserkrankungen bei Frauen in Entwicklungsländern gehen auf HPV-Viren zurück. Auch an Viren, die Brustkrebs auslösen, wird geforscht. Susan Love hat gerade am Jahrestreffen der American Association for Cancer Research (AACR) teilgenommen und berichtet in ihrem Blog, wie sehr die unterschiedlichen Vorträge, die sich allerdings mehr mit Krebs allgemeinen und weniger mit Brustkrebs im Besonderen befassten, sie zum Nachdenken gebracht haben. Sie vermerkt weiter, dass die ganz großen Hoffnungen auf die sog. „zielgerichteten Therapien“ (targeted therapies), die in den vergangenen Jahren in aller Munde waren, verklungen sind, auch wenn sie natürlich weiterhin eine Rolle spielten.

Neue, noch unsichtbare Ziele gelangen ins Blickfeld, Stand der Krebsforschung seit ungezählten Jahren. Besondere Beachtung auf dem Kongress fand die sog. Microumgebung, die Nachbarschaft, in der Krebs entsteht und zu der das Immunsystem gerechnet werden könne. Das Immunsystem, bestehend aus guten und weniger guten Immunzellen, vorgestellt von der Wissenschaftlerin Dr. med. Lisa M. Coussens, toleriere scheinbar unter bestimmten Bedingungen die Entstehung von Tumoren und befördere gar deren Wachstum. Coussens untersuchte die Entdeckungen am Mausmodell, und diese sollen nun im Rahmen einer Multicenter-Studie an Frauen mit metastasiertem Brustkrebs überprüft werden. Alles sehr interessant, aber bis mögliche positive Ergebnisse in der Routinebehandlung landeten, vergehe noch viel Zeit, so beschreibt es auch Love wieder.

Die Vermeidung von Krebs dagegen gehöre unerwartet zu den größeren Erfolgserlebnissen. Dabei geht es um das HPV-Virus. Bei Frauen in Entwicklungsländern soll HPV für rd. 25% aller Krebserkrankungen bei Frauen ursächlich sein – leider gibt Love keine vergleichenden Zahlen für westliche Länder an. Die von Love als sehr sicher beschriebene Impfung wirke nicht nur gegen Gebärmutterhalskrebs und sorge auch für weniger Krankheitsrückfälle bei schon betroffenen Frauen, es sähe sogar danach aus, dass die Impfung Vulva- und Vaginalkrebse, Penis- und Analkrebse, viele Formen von Kopf- und Halskrebsen und genitalen Warzen verhüte.  Andere Formen der Vermeidung seien die Reduktion von Übergewicht durch Veränderungen der Ernährungsgewohnheiten, mehr Bewegung und Verzicht auf die Hormonersatztherapie. Während Behandlung und komplizierte hochpreisige Medikamente eher für viele Wissenschaftler interessant seien, wären es vielmehr diese Ansätze einer öffentlichen Gesundheitsvorsorge, die die Welt veränderten …

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Susan Love: Reporting from the 2012 AACR Annual Meeting, 10.04.2012

 

Rubrik forschung, klinische studien, kongressbericht, krebsimpfung

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SPIEGEL: Krebsmedikamente, Zytostatika-Apotheken und “Kick-backs”: Gewissenlose Bereicherung

Die „Mondpreise für Krebsmedikamente“ sind spätestens seit Macia Angells Buch über die Pharmaindustrie vielen bekannt. Leider gibt es bis heute keine Unterbindung der perfiden Ausbeutungsmechanismen, zu denen lebensnotwendige Medikamente benutzt werden und mit denen ein ganzes Gesundheitssystem gefährdet werden kann. Der Stand der Dinge ist exemplarisch für gesellschaftliche Fehlsteuerungen in Gesundheitswesen und Gesellschaft.

Chemotherapeutika - Bildnachweis: Scary von Nicki Dugan, CC 2.0

Chemotherapeutika - Bildnachweis: Scary von Nicki Dugan, CC 2.0

Taxane, Anthrazykline, Platin

Der SPIEGEL bringt diese Woche neue Beispiele mit dem Bericht über „Die Krebs-Mafia“. Beschrieben werden exorbitant hohe Medikamentenpreise, als „Beraterhonorare“ getarnte Zahlungen an onkologische Ärzte (sog. „Kick-backs“) und die Gewinnmargen, die für die Verordnung von Chemotherapeutika in die Taschen von Zwischenhändlern, Apothekern und Ärzten fließen. Betroffen sind auch diverse Brustkrebsmedikamente, etwa die Chemotherapeutika aus Taxanen (Paclitaxel und Docetaxel), Anthrazykline (hier speziell Epirubicin) und Carboplatin. Die sogenannten Apothekermargen machen dabei derzeit einen Großteil der Medikamentenpreise aus.

Einkaufspreise werden verheimlicht

So kostet Paclitaxel, ein „gängiges“ Brustkrebschemotherapeutikum, lt. SPIEGEL im Pharmagroßhandel nur 110€, wird den Krankenkassen jedoch mit 980,22€ in Rechnung gestellt. Der SPIEGEL beschreibt diese Preisspannen als das „bestgehütete Geheimnisse der Branche“. Rohmaterialien der Stoffe mit ausgelaufenem Patentschutz (Generika), zu denen auch die beiden genannten Taxane gehören, könnten bei kostengünstigen Rohmaterialien „zum Spottpreis“ hergestellt werden. Die Apotheken verheimlichten ihre Einkaufspreise. Sie können mit Pharmafirmen die Preise frei verhandeln.

Gesetzliche Krankenkassen – In der Kritik

In der Kritik sieht der SPIEGEL auch die Rolle der Krankenkassen: Unwillig oder unfähig?, fragt der SPIEGEL, denn die Kassen ließen sich von Apotheken und Großhändlern einfach abwimmeln. Warum resignieren Kassen, treten nicht für ihre Versicherten und ihre mühsam erarbeiteten Kassenbeiträge ein? Auch wir als Patientinnengruppe haben von einer großen gesetzlichen Krankenkasse trotz mehrfacher Nachfragen bisher keine Antworten zu Verordnung und Kosten des umstrittenen Medikaments Avastin bei Brustkrebs erhalten.

Zwei Seiten einer Medaille: Kapitalumlenkung im menschenleeren Raum

Prof. Wolf-Dieter Ludwig vom Helios-Klinikum Berlin-Buch kritisiert die Preise für neue Krebsmedikamente lt. SPIEGEL seit Jahren als „schlicht obszön“. Auch die Folgen der Fehlinvestitionen in überteuerte Medikamente zeigt Ludwig deutlich auf: „Das ist doch sehr inhuman, dass eines der reichsten Länder der Welt die letzten Monate eines Krebspatienten nicht mehr menschenwürdig organisiert.“ Ein Tumorpatient sollte, so Ludwig, am Ende des Lebens eine Fachkraft haben. Es gehe um ausreichende Versorgung mit Schmerzmitteln, Sauerstoff und Pflege. „Es kommt darauf an, die Mittel, die man hat, am wirkungsvollsten für die Patienten einzusetzen.“

Wir können das nur unterstreichen. Wir erleben jedoch, dass die Verabreichung von viele Tausend Euro teuren und nicht selten nutzlosen Medikamenten in onkologischen Schwerpunktpraxen am Lebensende keine Seltenheit ist, während die ausreichende Pflege zuhause in unerreichbare Ferne rückt (Stichwort: Onkologie per SMS). Patientinnen, die sterben, werden hin und her geschoben, auch weil in unseren auf High-Tech-Medizin ausgerüsteten Brustzentren kein Platz mehr für sie ist. Wir wollen das Ende des Verschiebebahnhofs.

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 „Die Krebs-Mafia“ von Markus Grill in DER SPIEGEL 15/2012, S. 81-85 (noch nicht online)

Interview von Markus Grill mit Dr. Jörn Graue (Vorsitzender des Hamburger Apothekervereins) am 08.04.2012 zum Artikel bei SPIEGEL online: Betrugsverdacht gegen Ärzte und Apotheker: “Wettbewerb um Krebsmedikamente ist mafiös”

 Dr. Jörn Graue am 10.04.2012 in der DAZ online: Zytostatika-Preise: Politik wünscht Intransparenz und weitere Artikel, z.T. kommentierte Artikel auf DAZ online

Rubrik arzneimittelmarkt, chemotherapie, gesundheitspolitik, krankenkassen, medikamente, nachdenken!!!, patente & profite, politik | ethik

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Brustkrebs: Ernährung und Prognose

Obststand in Valencia

Obst als Lebensmittel - besonders bei Brustkrebs ...


Bereits im letzten Jahr wurde im Deutschen Ärzteblatt eine Übersichtsarbeit mit dem Titel “Einfluss von Übergewicht und Ernährung auf die Prognose des Mammakarzinoms” veröffentlicht. Vier WissenschaftlerInnen aus München und Düsseldorf haben 17 Kohortenstudien, in die jeweils mehr als 200 Patientinnen einbezogen waren, Interventionsstudien und Metaanalysen aus den Jahren 1966 bis 2010 auf ihre Ergebnisse hinsichtlich Wiederauftreten von Tumoren, tumorspezifische und Gesamtsterblichkeit untersucht. Dabei wurden nur jene Studienergebnisse als ausreichend fundiert erachtet, deren Empfehlungen zur Änderung des Lebensstils auf einer “überzeugenden” oder “wahrscheinlichen” Evidenz beruhten.

Einfluss des Körpergewichts

Die Arbeit kam zu dem Ergebnis, dass ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI)[i] bei Erstdiagnose von Brustkrebs mit einer höheren Gesamtsterblichkeit verbunden ist. Auch eine Gewichtszunahme nach Diagnosestellung sei mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko verknüpft. Dieser Aspekt sollte zukünftig stärker beachtet werden. Die AutorInnen fanden auch heraus, dass eine Ernährung mit hohem Obst- und Gemüseanteil sowie reichlich Vollkornprodukten und bei begrenzter Fettzufuhr mit einer günstigeren Prognose in Zusammenhang zu stehen scheint.

Fettreduktion

In zwei Interventionsstudien konnte kein Effekt einer reduzierten Fettzufuhr auf das Überleben gesehen werden, allerdings wurden in beiden Studien die Interventionsziele nicht erreicht.

Vitamine, Grüner Tee, Soja, Selen …

Für Mikronährstoffe und Nahrungsergänzungsmittel (genannt wurden Vitamine und Mineralstoffe / Spurenelemente wie Betacarotin, Vitamin C, E oder Selen) sowie antioxidative Lebensmittel (ausdrücklich genannt wurden Sojaprodukte[ii] und Grüner Tee) fanden die WissenschaftlerInnen hingegen keinen Wirknachweis. Allerdings sei bei einzelnen Substanzen wie z.B. Antioxidanzien bei der Einnahme im Rahmen einer Chemo- bzw. Strahlentherapie sogar ein gewisses Gefährdungspotenzial nicht auszuschließen.

Alkoholkonsum

Während der regelmäßige Konsum von Alkohol mit überzeugender Evidenz das Brustkrebsrisiko erhöhe, ergab sich bei Frauen mit diagnostiziertem Brustkrebs ein anderes, jedoch nicht einheitliches Bild. Bezüglich der Gesamtsterblichkeit zeigten drei von sechs gefundenen Studien keinen Zusammenhang, in drei Studien wurde gar eine Abnahme berichtet. Diese sei möglicherweise auf den bekannten, günstigen Effekt mäßiger Alkoholmengen auf die Sterblichkeit in Folge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen, eine überzeugende Erklärung hierfür gäbe es jedoch nicht. Entgegen anderslautenden Berichten scheine dagegen Alkoholkonsum in keiner Beziehung zur Prognose einer Brustkrebserkrankung zu stehen.

Schlussfolgerung der WissenschaftlerInnen

“Trotz der negativen Interventionsstudien empfehlen die Autoren in Würdigung der methodischen Probleme in diesem Forschungsfeld sowie der allgemeinen Befundlage Frauen mit Mammakarzinom einen gesundheitsförderlichen Lebensstil mit Gewichtskontrolle und fettarmer, pflanzlich betonter Ernährung.”

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Original der Studie: Einfluss von Übergewicht und Ernährung auf die Prognose des Mammakarzinoms, Dtsch Arztebl Int 2011; 108(47): 795-801; DOI: 10.3238/arztebl.2011.0795

Bei uns gibt es weitere Texte zum Thema Ernährung im infoblog! sowie unter Umwelt und Ressourcen.

Bildnachweis: Obststand in Valencia, Breast Cancer Action Germany, 2007, CC by-nc-nd


[i] zur Diskussion des BMI siehe z.B. Artikel “Abnehmen: Mehr Schaden als Nutzen? Zur Gewichtsreduktion bei gesunden Übergewichtigen” im arznei-telegramm 12/1999 Abs. 3: http://www.arznei-telegramm.de/html/1999_12/9912121_01.html sowie “Rund und trotzdem gesund: Body-Mass-Index wird zu streng gehandhabt” in bild der wissenschaft vom 02.08.2005: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/hintergrund/255746.html

Rubrik alkoholkonsum, ernährung & brustkrebs, frauen | gesundheit, lebensstil & brustkrebs

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Chemotherapie bei Brustkrebs unter Verdacht: 10.000 Übertherapien bei Ersterkrankung?

Am 29.02.2012 brachte der Berliner TV-Sender rbb unter der Überschrift “Brustkrebs – Können Therapien schaden?” eine Reportage, die sich speziell mit dem “Femtelle”-Test von American Diagnostica befasste. Und im ARD-Magazin plusminus vom 07.03.2012 geht es um die gleichen Inhalte und das ökonomische Diktat von Kliniken und Kassen. Die Journalistin Pia Busch stellte damit “Medizindogmen auf den Prüfstand” (Eigenbeschreibung des Senders. Die Reportagen sind online und können aktuell noch angesehen werden. Neben dem Femtelle-Test wurde der Verzicht auf chirurgische Entfernung befallener Lymphknoten andiskutiert.).

Chemotherapie - Looks relaxing  Relaxing?????  Andrea's sixth and last chemotherapy treatment (Taxotere) was April 1 -- no joke!

Chemotherapie - Andrea's sixth and last chemotherapy treatment (Taxotere)...

Quintessenz des Beitrags von Pia Busch kurz zusammengefasst: 26.000 Mal müsste der Femtelle-Test in Deutschland – bei Frauen mit Brustkrebs ohne befallene Lymphknoten – durchgeführt werden, um 8.000 bis 10.000 Chemotherapien zu vermeiden. Der Test würde Kosteneinsparungen für die Therapie von Brustkrebs allein in Deutschland im zweitstelligen Millionenbereich bewirken. Weit gewichtiger noch wären die gesundheitsbezogenen Vorteile für betroffene Frauen. Chemotherapie ist eine der schlimmsten Gesundheitsschädigungen, die die Brustkrebstherapie mit sich bringt.  Sie ist in ihren Jahrzehnte währenden Folgen, die bis zu tödlich verlaufenden Nebenwirkungen wie Herzversagen und Leukämie reichen, für Patientinnen noch einmal sehr viel schwerwiegender als etwa ein durchgestandener falsch-positiver Befund im Mammographie-Screening. Die Belastungen bei falsch-positiven Befunden im Mammographie-Screening werden allerdings immerhin öffentlich kritisch diskutiert. Die Chemotherapie bei Brustkrebs in sämtlichen Krankheitsstadien hingegen wird nicht auf den Prüfstand gestellt, obwohl dieses überfällig wäre. Und evidenzbasierte Patientinneninformationen, die über Risiken, realistische Chancen, Langzeitfolgen etc. hinreichend aufklären, fehlen ebenfalls.

Chemotherapie bei Brustkrebs hilft wenigen und schadet vielen

Dass Chemotherapie bei Brustkrebs statistisch betrachtet bei Ersterkrankungen nur einem kleinen Teil der Frauen wirklich helfen kann, weiß jede/r Onkologe/Onkologin. Die mangelnde Offenheit, mit der dieser kritische Punkt mit erkrankten Patientinnen diskutiert wurde und wird – so wie die Diskussion der Chemotherapie bei Brustkrebs in allen Behandlungsstadien überhaupt -, ist kennzeichnend für die Zeit seit der Einführung der ersten “adjuvanten” Chemotherapien mit dem Cocktail CMF (Cyclophosphamid, Metrothrexat und Fluorouracil) nach der Veröffentlichung von Ergebnissen einer Studie von Gianni Bonadonna 1976. Zunächst war die Therapie umstritten. Irgendwo bei um 10% soll der Nutzen dieser adjuvanten Chemotherapien sich befinden. Deswegen wird die überwiegende Mehrzahl der Patientinnen (im rbb ist die Rede von 85%, die sich einer Chemotherapie unterziehen) überflüssigerweise damit behandelt. Auch noch höhere Zahlen sind im Gespräch.

Mehr ist selten besser und das ökonomische Diktat

Seit 1976 wird die eskalierende Strategie “mehr ist besser” umgesetzt, dosisinteniviert bis hin zur  “Falschen Hoffnung”  Hochdosistherapie, und das bis heute. Neue teure Medikamente ersetzten die alten “billigeren”. Auf CMF folgten Anthrazykline, die tödliche Herzschäden und Leukämie verursachen können.  Bei einem Teil der Frauen mit Brustkrebs sollen sie überhaupt kein “Angriffsziel” haben. Dennoch sind gerade die Anthrazyklin-haltigen Chemotherapien in Deutschland – den zugelassenen “Behandlungskorridoren” der Krankenkassen entsprechend – die sog. Standardtherapie. Vor der Einführung der Disease-Management-Programme wurde in Deutschland dabei auf das als herzschädlicher bekannte Doxorubicin (A) anstelle des etwas weniger kardiotoxischen Epirubicin (E) meist verzichtet. Heute wird es dagegen häufiger eingesetzt – weil es billiger ist.

Auch die teureren Taxane – Eibengifte – wurden und werden in bestimmten Behandlungssituationen eingesetzt. Über Langzeitwirkungen für Patientinnen ist bisher wenig bis gar nichts transparent. Frauen sollen schließlich nicht “unnötig verunsichert” werden und möglichst klaglos, widerspruchslos und unkompliziert ihre Therapien durchlaufen. Jede macht mit sich aus, was ihr widerfährt. Den Rest der Erfahrungen verschlucken die meisten Selbsthilfegruppen hinter geschlossenen Türen.

Eine frauenorientierte Forschung, die beobachtet, was die Gifte im Körper von Frauen anrichten, welche Wirkungen und Nebenwirkungen sie langfristig haben, wie sich das eine Gift in Relation zu einem anderen aus einer langfristigen Perspektive auswirkt, gibt es praktisch nicht. Die Forschung ist marktorientiert, d.h. ausgerichtet an ökonomischen Faktoren. Der Markt lebt von neuen Substanzen, nicht von alten Daten. Niemand kann oder will hier gerade andere Wege einschlagen.

Aus den Gesprächen mit Patientinnen wissen wir:  Immer noch wird Frauen häufig erklärt: 30% Prozent bringt die Operation, 30% die Strahlentherapie und 30% die Chemotherapie. Mit einer zusätzlichen antihormonellen Therapie und weiteren Medikamenten sollen die Überlebensraten weiter gesteigert werden. Wie beruhigend. Sind wir mit allem Drum und Dran dann nicht längst über 100% geheilt? Doch die Milchmädchenrechnungen gehen nicht auf. Nach wie vor sterben unverändert – und heute sogar eher mehr als weniger – Frauen an den Folgen von Brustkrebs.

Wo ist das Problem – zum Beispiel bei der “adjuvanten” (vorbeugenden) Chemotherapie?

Es scheint so zu sein, dass die Chemotherapie, die bei der Ersttherapie verabreicht wird,  tatsächlich einigen Frauen hilft, die Krankheit hierdurch zu überleben. Die Interessenkonflikte der Medizin in den vergangenen Dekaden haben den Glauben in von Investoren geleitete Studien jedoch bei vielen von uns ziemlich erschüttert. Der größte Teil der Patientinnen erleidet durch die Chemotherapie nur Schäden, das immerhin ist unbestritten. Und dass es nicht ausgesprochen wird – auch in der rbb-Reportage von Pia Busch geht es nur um “Sicherheit”, das Schadenpotential im Sinne einer informierten Entscheidung kommt nicht zur Sprache -, vergrößert das Vertrauen auch nicht unbedingt.

Die Liste unangenehmer bis schwerster Nebenwirkungen durch Chemotherapien ist lang. Bisher ist es nicht möglich, exakt zu bestimmen, welcher Frau die Chemotherapie bzw. welche aus dem vorhandenen Sortiment tatsächlich helfen kann.

In den USA ist Femtelle nur zu Forschungszwecken zugelassen

In der rbb-Fernsehsendung vom 29.02.2012, aber auch bereits in diversen Berichterstattungen der vergangenen Jahre, verspricht der Femtelle-Test Abhilfe. In den USA darf der Test nur zu Forschungszwecken angewendet werden. Ist es “die Macht der Pharmalobby”, die dem Test in den USA das Mauerblümchen-Dasein beschert? In Deutschland ist der Test seit 2008 dagegen in der S-3-Leitlinie verankert:

Beim nodal-negativen Mammakarzinom können die Invasionsfaktoren uPA und PAI-1 weitere prognostische Informationen liefern.
LOE 1a (Harris, L et al. 2007; Janicke F et al. 2001; Look, MP et al. 2002.)
Der Einsatz von Analysen der Genexpression – PCR-basiert oder mittels Microarrays – zur Beurteilung der Prognose oder des Therapieansprechens (Prädiktion) ist für den Routineeinsatz noch nicht validiert und kann daher nicht empfohlen werden.
LOE 5, Empfehlungsgrad B (Paik, S. et al. 2004; Paik, S. et al. 2006)

Das hört sich – im Vergleich zur rbb-Reportage – immer noch eher vage an. Die Krebsgesellschaft betont in Pia Buschs Reportage die Bedeutung des Tests. Prof. Manfred Kaufmann (Frankfurt) lehnt den Test dagegen ab (s. Sendung des rbb).

Mit dem Test ist keine direkte Antwort auf die Frage möglich, wem die Chemotherapie wirklich hilft. Der Test gibt jedoch anhand von Eiweißen, die im Tumorgewebe nachgewiesen werden (uPA/PAI-1), Aufschluss über das “Metastasierungspotential” einer Brustkrebserkrankung.  Allerdings sagt er in Bezug auf die individuelle Patientin nichts über die Wirksamkeit einer Chemotherapie aus, sondern nur über die Tumorerkrankung bzw. das Risiko einer Metastasierung selbst. Die rbb-Reportage verspricht Sicherheit, die der Test böte. Sicherheit bei Brustkrebs gibt es eigentlich bisher leider nicht.

Noch mal Ökonomie

Und es geht weiter um’s Geld. Die Kassen bezahlen den Test nicht separat. Die Kliniken werden über die Krankenkassen mit einer Pauschale abgegolten. Was diese damit machen, ist ihre Sache. Dass ökonomische Prinzipien hier ausschlaggebend sind, liegt auf der Hand. Klinikbetreiber sind Wirtschaftsunternehmen, und keine Wohltäter. Der Profit bestimmt über ihre Existenz. Abgerechnet wird über Fallpauschalen, ein generell problematisches Abrechnungsmodell. Die fragmentierten Module stationär (wo der Test gemacht werden müsste) und ambulant (wo es weder eine Möglichkeit gibt, den Test nachzuholen, noch einen ökonomischen Anreiz, Chemotherapien einzusparen) beeinflussen den Umgang mit dem Test.

Prof. Dr. Michael Untch aus dem Helios-Klinikum Berlin-Buch (Leiter des Brustzentrums) stellte in der Sendung fest: “Gerade sowas, was nicht von der Pharmaindustrie gepuscht wird, ist manchmal schwierig zu etablieren. Es hat hier, wenn man so will, über zwei Jahre gedauert, bis wir hier die Logistik aufbauen konnten, um diesen Test anbieten zu können.”

Es ist sehr gut nachvollziehbar, dass weder von Seiten der Pharmaindustrie noch von den Klinikbetreibern Interesse besteht,  Frauen mit Brustkrebs Chemotherapien zu ersparen. Beide verdienen daran. So ist die einfache Logik der “Medizin in den Zeiten von Ökonomisierung und Wettbewerb”, und mit dem Argument, Patientinnen keine Chancen vorenthalten zu wollen, wird das Arsenal der Brustkrebstherapien beständig weiter aufgerüstet. Die Krankenkassen könnten jetzt – unabhängig von eigenen Hochglanzprojekten zu Brustkrebs – Engagement für Frauen zeigen und die Finanzierung einer Chemotherapie bei Brustkrebs ohne befallene Lymphknoten an die Vorlage des Testergebnisses koppeln. Weitere Tests erscheinen ebenfalls sinnvoll (etwa auf Topoisomerase 2a vor Anthrazyklinen oder auf EBV-Infektion vor Taxanen). Entsprechende Initiativen diesbezüglich sind uns bisher allerdings nicht bekannt.

Prof. Dr. Nadja Harbeck, die den Test entwickelt und patentiert hat, weist darauf hin, dass 10-Jahres-Daten inzwischen vorliegen. Diese Daten sollen zeigen, dass 95% der Patientinnen, die der Test als “Niedrigrisiko-Gruppe” sichtbar macht, ohne Chemotherapie auch nach 10 Jahren noch leben.  Es wären jene 8.000 bis 10.000 Frauen, die trotz Brustkrebs und ohne Chemotherapie sehr viel weniger geschädigt weiterleben dürften. Für sie ist der Umgang mit dem Test alles andere als unerheblich, vorausgesetzt die Daten sind verlässlich.

Die nächsten Anbieter von weiteren sehr viel teureren Testverfahren (s. auch Genexpressionsprofile) drängen ebenfalls bereits länger auf den Markt. Mögliche wirtschaftliche Interessen der Testentwickler und Hersteller hat Pia Busch in ihrem Beitrag nicht genauer beleuchtet, dabei wäre das auch ganz wichtig gewesen.

Keine Patientin sollte unter falschen Voraussetzungen einer Chemotherapie unterzogen werden. Wir werden versuchen, an dieser wichtigen Frage dran zu bleiben und eine weitere neutrale Klärung zu erreichen. Besonders Frauen, die eine adjuvante Chemotherapie bei Brustkrebs sehr kritisch sehen, sollten sich möglichst genau informieren, auch in Bezug auf die Angebote ihres Brustzentrums.

Weitere interessante Hinweise zum Verzicht auf die Entfernung von Lymphknoten sind ebenfalls in beiden Sendungen enthalten. Dazu sieh auch: Ein Dogma der Krebsmedizin fällt in der FAZ v. 07.02.2009

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“Brustkrebs – können Therapien schaden?” (rbb 29.02.2012)
Rückschau: Brustkrebs. Falsche Behandlungen (ARD plusminus 07.03.2011)

S-3-Leitlinie Brustkrebs
 (pdf)
Patientinnen-Leitlinie Brustkrebs: Die enthaltenen Informationen zur Chemotherapie sind außerordentlich knapp gehalten und entsprechen nicht den Anforderungen an evidenzbasierte Patientinneninformationen entsprechend “Gute Praxis Gesundheitsinformation”.

Bildnachweis: Looks relaxing von justOneMoreBook, CC 2.0

 

Rubrik chemotherapie, histologie | pathologie, krankenkassen, neue wege, patientInneninformation, therapie, upa/pai1-Test

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Dauerthema Mammographie-Screening: Neuer Bericht zu Nutzen und Schaden im arznei-telegramm erschienen

rznei-telegramm: Im Blickpunkt Nutzen und Schaden des Mammographie-Screenings

aktuelles arznei-telegramm: Nutzen und Schaden des Mammographie-Screenings

 

Das Heft 3/2012 des arznei-telegamms (a-t) vom 9. März 2012 befasst sich mit dem Thema Nutzen und Schaden des Mammographie-Screenings und fasst den aktuellen Stand des Wissens zusammen. Unter anderem geht a-t auf die  Situation von Frauen zwischen 40 und 50 Jahren und die Empfehlungen des amerikanischen staatlichen Gesundheitsdienstes U.S. Preventive Services Task Force ein (s. Nach amerikanischen Leitlinien: Kein Brustkrebs-Screening zwischen 40 und 50 v. 24.11.2009). Thematisiert wird ferner die Frage, ob mögliche Senkungen der Brustkrebssterblichkeit der vergangenen Jahrzehnte auf neue Medikamente und Therapien zurückzuführen sind oder ob das Screening dafür verantwortlich ist. Die Frage bleibt schwer zu beantworten, da es dazu keine vergleichenden randomisierten Studien gibt. Zahlenmodelle bleiben schwer nachvollziehbar: Erkrankt – geheilt – gestorben, und im Einzelfall greifen schon die gewählten Begriffe zu kurz.

Diagnose DCIS

a-t weist darauf hin, dass durch die Mammographie vermehrt Vorstufen (z.B. DCIS, im deutschen Screening-Programm lt. a-t ca. 20% der auffälligen Befunde) gefunden werden, bei denen vermutet wird, dass sich in mehr als 50% der Fälle aus den Vorstufen keine Brustkrebs-Erkrankung entwickelt. Der Umkehrschluss stimmt hier natürlich auch, und die Anbieter des Screenings sehen genau in der Erkennung dieser Vorstufen den Vorteil. Mit verschiedenen Tests wird überdies versucht zu klären, wie gefährlich bestimmte Vorstufen sind.

Überdiagnosen

a-t weist darauf hin, dass Mitarbeiter des nordischen Cochrane-Zentrums schätzen, dass unter Screening-Programmen eine von drei Diagnosen eine Überdiagnose ist. “Geschätzt” wird im Zusammenhang mit Brustkrebs aber generell viel.

Mastektomie-Raten

Ein Versprechen des Mammographie-Screenings ist die Senkung der Rate von Brustamputationen durch frühere Erkennung und kleinere gefundene Tumoren. Bedingt durch die Überdiagnostik führe das Mammographie-Screening jedoch sogar zu einem Anstieg eingreifender Therapien, Mastektomien (also die Entfernung der Brust) inklusive. Auf diesen Umstand hat die amerikanische Frauenorganisation NBCC in der Aktualisierung ihres Positionspapiers zum Mammographie-Screening bereits vor knapp 10 Jahren hingewiesen. [1.] Insgesamt erhöhe sich die Mastektomie-Rate in der Mammographie-Screening-Gruppe um 20%. [2.] Allerdings müsste man nun wissen, was diese 20% in relativen Zahlen tatsächlich bedeuten, um sie besser bewerten zu können.

Falsch positive Befunde

Immer wieder melden sich auch bei uns Frauen, die sich mit einem “falsch-positiven” Befund auseinandersetzen mussten. Auf diese “Fehlalarme” weist auch das a-t hin. Für die individuelle Frau, die es trifft, ist das Erlebnis oft sehr traumatisch. Nach einer “Hochrechnung” (Daten einer aktuellen Metaanalyse) sollen 49% der Teilnehmerinnen am Mammographie-Screening mindestens ein Mal im Laufe der Programmteilnahme – gemeint sind hier die 20 Jahre zwischen 50 und 70 bzw. 10 Mammographien – einen falsch-positiven Befund erhalten. Noch unangenehmer ist es, wenn dieser falsch-positive Befund sich nicht mit einer weiteren Mammographie, MRT oder Ultraschall ausräumen lässt, sondern erst eine Gewebeentnahme gemacht werden muss. Je nach Altersgruppe sollen es nach kanadischen Daten über den Zeitraum von 11 Jahren bei jeweils vier Mammographien im Abstand von zwei bis drei Jahren ca. 26 bis 36 Frauen sein, die von unnötigen Gewebeentnahmen (Biopsien) betroffen sind.

Brustkrebs durch Mammographie

Die hier dargestellten Zahlen sind sehr variabel, auf 84 bis 2.200 entdeckte Tumoren käme ein Tumor, der durch die Strahlenbelastung mit Mammographie erst entstünde. Es ist wahrscheinlich so, dass tatsächlich selbst durch die Mammographie Brustkrebs ausgelöst werden kann. Entsprechend weist auch Breast Cancer Action in ihrer Position zum Mammographie-Screening auf diesen Umstand hin. Dieses sollte also nicht verschwiegen werden. a-t verweist darauf, dass jüngere Frauen durch die Strahlenbelastung am meisten gefährdet würden, da die Strahlenempfindlichkeit mit dem Alter abnehme. Doch auch diese Position ist umstritten.

Scharfe Kritik für Kommunikationsstrategie

a-t weist zu Recht darauf hin, dass auch die offiziellen Informationsschriften zum Mammographie-Screening nicht in Ordnung sind. Wir haben berichtet: Neuer Entwurf Mammographie-Merkblatt der Krebsfrüherkennungsrichtlinie beim G-BA veröffentlicht und Neues Merkblatt zur Mammographie 2010 erschienen. Kritisiert werden auch die Einladungsschreiben, die im deutschen Mammographie-Screening-Programm versandt werden. Darin würden lediglich positive Ziele des Mammographie-Screenings hervorgehoben, während die Nachteile fehlten. So setze der bereits in diesem Schreiben angebotene Termin Frauen unter Druck. Wir können dies aus den Rückmeldungen von Frauen, die wir erhalten, bestätigen.

Betrachtet man sich die Fotographien, mit denen bei Frauen bundesweit für die Teilnahme am Mammographie-Screening geworben wird, dürfte die Bewertung nicht besser ausfallen, denn der Informationswert der eingesetzten Slogans wirkt zumindest auf uns schon einseitig manipulativ. Diese Aktionen dürften unserer Auffassung nach so nicht stattfinden.

Eher gelobt werden im a-t die Informationsmaterialien, die auf unserer Übersichtsseite zum Mammographie-Screening auch genannt sind, so etwa die Informationsmaterialien des nordischen Cochrane-Zentrums und des Nationalen Netzwerks Frauen und Gesundheit.

In den Schlussfolgerungen fasst a-t zusammen:

  • Der Nutzen des Mammographie-Screening-Programms bleibt kontrovers.
  • Hinweise auf die Senkung der Brustkrebssterblichkeit stammen überwiegend aus alten, methodisch schlechten Studien.
  • Der Effekt des Screenings werde wahrscheinlich überschätzt.
  • Hinweise auf eine verringerte Brustkrebssterblichkeit hätten ihre Ursache wahrscheinlich in verbesserten Therapien.
  • Dem Nutzen stehen Risiken gegenüber: Überdiagnostik, Übertherapie und besonderes durch letztere gravierende Nachteile (bis zu 50% Fehlalarme bei 10 Screeningrunden).
  • Frauen müssen ihre Entscheidung für oder gegen die Teilnahme auf Basis vollständiger Informationen zu Nutzen und Risiken selbst treffen: Diesbezüglich bestünde hierzulande Verbesserungsbedarf.
[1.] Position Statement on Screening Mammographie v. November 2002, National Breast Cancer Coalition (NBCC)

[2.] unter Berufung auf Gøtzsche, P.C., Nielsen, M.: Screening for Breast Cancer with Mammography. The Cochrane Database of Systemic Reviews 2011 (Stand Nov. 2008), Zugriff März 2012

Der Artikel im arznei-telegramm ist leider nicht frei zugänglich. a-t ist auf Abonnenten angewiesen, damit die unabhängige Zeitschrift finanziert werden kann. Wir verweisen auf die Möglichkeit, a-t zu abonnieren oder zu verschenken (zum Geschenk-Abo).

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Rubrik DCIS & brustkrebsvorstufen, diagnose, mammographie

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Brustkrebs und Deodorants – Doch Zusammenhänge?

Bildnachweis: day 38: deodorant, von Esther Simpson
day 38: deodorant, von Esther Simpson

Bereits am 9. Januar 2012 veröffentlichte SpringerMedizin.at unter Berufung auf eine APA-Pressemeldung einen Artikel über eine Studie zum Zusammenhang zwischen Deodorants und Brustkrebs. Diese Frage ist in der Vergangenheit bereits öfter aufgeworfen worden, doch gab es keine Daten für einen wissenschaftlichen Nachweis.

Erstmals sei nun in einer Studie eine Schädigung von Brustgewebe durch das in einigen Deodorants enthaltene Aluminiumchlorid, ein Aluminiumsalz, nachgewiesen worden. Diese Schädigungen könnten in der Folge zu Brustkrebs führen: “Das Aluminiumchlorid bewirkte in den Zellen ein abnormales Verhalten, das jenem entspricht, das in den ersten Phasen einer tumorartigen Veränderung von Zellen beobachtet wird. Außerdem fanden die Forscher eine erhöhte Zahl von sogenannten Doppelstrangbrüchen des Erbguts, die ebenfalls mit Krebsentstehung in Zusammenhang stehen könnten.”

Wenngleich darauf hingewiesen wird, dass die Studie nicht ausreiche, um nachzuweisen, dass Aluminiumsalze, wie sie in klassischen Deos benutzt werden, Brustkrebs auslösten, sollten Frauen unseres Erachtens ggf. nach dem Motto von Susan Love verfahren: Wenn Sie beim Gebrauch eines Deos, das Aluminiumsalze enthält, kein gutes Gefühl haben, benutzen Sie es nicht.
Aluminiumverbindungen in Deos finden sich u.a. unter den Bezeichnungen Aluminiumchlorid, Alaun, “Kristall”.

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Bericht:
Zusammenhang zwischen Deodorants und Brustkrebs (erschienen bei SpringerMedizin.at am 09.02.2012)

Studie im Original (Englisch):
Aluminium chloride promotes anchorage-independent growth in human mammary epithelial cells, Journal of Applied Toxicology, gedruckte Ausgabe: Vol. 32, Issue 3, Seiten 233-243, März 2012; zuerst online erschienen am 06.01.2012, DOI: 10.1002/jat.1793
Der Artikel ist online frei zugänglich und kann auch als PDF komplett heruntergeladen werden.

Bildnachweis:  day 38: deodorant, von Esther Simpson, CC BY-NC-SA 2.0

Rubrik anwendungsorientierte BK-forschung, selbstschutz | selbsthilfe, umwelt | vermeidung

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IQWiG Spezial: Leben mit metastasiertem Brustkrebs

Screenshot IQWiG-Spezial: Leben mit metastasiertem Brustkrebs


Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat im vergangenen Monat ein Spezial auf seine Webseite www.gesundheitsinformation.de gestellt, das sich ausschließlich mit Fragen rund um den metastasierten Brustkrebs befasst.

In diesem Spezial geht es nicht nur um Ursachen, Diagnose und Therapie dieser Erkrankung, sondern auch um formelle Aspekte bezüglich Krankenkasse, Behörden usw. Ein großer Abschnitt befasst sich mit dem eigentlichen “Leben mit metastasiertem Brustkrebs”: Es geht um Trauer und Wut, die Frage nach der Bewältigung physischer Begleiterscheinungen, um das Zusammenleben mit Familie (Partnerschaft, Sexualität, Kinder und Enkel) und Freunden, aber auch berufliche Aspekte werden beleuchtet.

Das IQWiG Spezial richtet sich nicht nur an Betroffene, sondern auch an Angehörige.

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Das Spezial ist hier abrufbar: www.gesundheitsinformationen.de.
Es kann auch als Broschüre im PDF-Format heruntergeladen oder direkt von der Webseite gedruckt werden.

Bildnachweis: Screenshot der Webseite www.gesundheitsinformation.de (Abruf am 06.03.2012)

Rubrik metastasierung

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Krebs auslösende Silikonimplantate – Die BAGP-Stellungnahme zum unverantwortlichem Umgang mit Patientinnen

Am 25.01.2011 hat die BAGP (BundesArbeitsGemeinschaft der Patient/inn/enstellen) mit Sitz in München eine Erklärung zu Krebs erregenden Brustimplantaten herausgeben, in der es wieder um Schuld und Kosten geht.

BAGP-Pressemeldung: Krebserregende Brustimplantate: Wer trägt Schuld und Kosten

BAGP-Pressemeldung: Krebserregende Brustimplantate: Wer trägt Schuld und Kosten

Was der Skandal zeigt: PatientInnen können sich nicht auf sichere Medizin-Produkte verlassen

Die BAGP steht auf dem Standpunkt, dass Patientinnen sich immer darauf verlassen können müssen, dass medizinische Eingriffe und Produkte keine Gesundheitsgefährdung darstellen, und sieht diese durch die Tauglichkeit mangelhafter Prüfungen durch ein privates Prüfunternehmen mit dem CE-Qualitätssiegel gefährdet. Die Diskussion um den Sinn und Unsinn diverser Zertifikate gibt es für viele Produkte. BAGP bemängelt unter anderem, dass die Risikokommunikation im Fall der Brustimplantate so schleppend stattfinde und keine europäischen Regelungen im Umgang mit riskanten Produkten vorhanden seien.

Systemversagen – Was wussten Prüfbehörden und ÄrztInnen?

Auch die Prüfbehörden in Deutschland seien nicht das richtige Instrument zur Gewährleistung der Patientensicherheit. Da nun unzählige Frauen schwerste Schäden erlitten haben, kann man diese Feststellung nur untersstreichen. In den USA sei die Firma PIP bereits 2000 von jeder Zulassung ausgeschlossen worden, wegen offensichtlicher Qualitätsmängel und Unseriosität. Deutschen Institutionen wie TÜV oder BfArM liegen solche Informationen anscheinend nicht vor, denn eine aktive Risikokommunikation fand bisher nicht statt. Auch die Frage, was unter den medizinischen ExpertInnen zur Qualität der Produkte hätte bekannt sein müssen, schließt sich an dieser Stelle übrigens an.

Medizinprodukteprüfung neu regeln, Risikokommunikation, Implantatregister

BAGP schlägt deswegen für die unabhängige und neutrale Produktinformation das Institut für Wirtschaftlichkeit und Qualität im Gesundheitswesen (IQWiG) vor.

Die BAGP fordert ferner aus Gründen der Patientensicherheit eine Neuregelung der Medizinprodukteprüfung und mehr Risikokommunikation. Darüberhinaus solle es endlich bundesweite Register für Medizinprodukte geben, die auch langfristige Auswertungen ermöglichten.

Die Interessengeleitete Aufklärung in der Schönheitschirurgie

Ein weiteres Problem der Schönheitschirurgie, so BAGP weiter,  sei die interessengeleitete Aufklärung vor den überwiegend medizinisch nicht notwendigen Eingriffen. Approbierten Ärzten obläge eine erhöhte Sorgfaltspflicht. Dennoch erführen die Patientinnen oft nicht, dass über 15% der Eingriffe schief gingen oder dass Brustimplantate alle zehn Jahre ausgewechselt werden müssten und damit auch weitere Kosten für die Patientinnen entstehen. An dieser Stelle zur Ergänzung auch der Hinweis, dass über die häufig auftretenden medizinischen Probleme beim “Austausch” nicht adäquat informiert wird, sei es nun Verlust von vorhandenem Eigengewebe, der Zustand der Brust nach Explantation und häufig lebenslanges Leid durch Narbenbildungen und Verwachsungen.

Frauen müssen allein um ihre Rechte kämpfen

Die vom Silikonskandal betroffenen Frauen müssten um ihre Rechte kämpfen, ohne dass sie eine Schuld für das Inverkehrbringen der Mängelware träfe, stellt BAGP fest. Jedes Kaufhaus nimmt Produkte mit Qualitätsbedenken zurück, nur in der Medizin gibt es keine derartigen Regelungen!

Die BAGP fordert seit Jahren einen gemeinsamen Fonds von Ministerien, Ärzteverbänden, Versicherungen u. a., der für Gesundheitsschäden aufkommt, auch wenn kein Behandlungsfehler vorliegt oder nachgewiesen werden kann. Einmal mehr zeige sich, wie aktuell dieser wünschenswerte Fonds wäre, doch auch im Referentenentwurf zum Patientenrechtegesetz sei Derartiges nicht verankert!

BAGP stellt fest:

“Wir finden es unverantwortlich wie mit Patienten und Patientinnen in Deutschland umgegangen wird.”

Das können wir nur unterstreichen.

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Vollständige Pressemeldung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Patient/inn/enstellen (BAGP)

Webseite der BAGP

Rubrik chirurgie, frauen | gesundheit, krankenkassen, nachdenken!!!, patientInneninformation, Silikonimplantate

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