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Was Frauen über Krebs zu sagen haben: Aus der “jüngeren Geschichte” der Frauenbewegung und der Medizin – COURAGE 1984

Was Frauen über Krebs zu sagen haben - Titelblatt Courage 1984

Was Frauen über Krebs zu sagen haben - Titelblatt Courage 1984

“Als die Frauenbewegung noch COURAGE hatte” … hieß der etwas wehmütige oder auch provozierende Titel einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung, die im Jahr 2006 in Berlin stattfand. Aber es ist nicht alles verloren.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat die gesamte Frauenzeitschrift   >>> COURAGE digitalisiert und stellt sie dankenswerter Weise frei zum Download zur Verfügung, wunderbar!

An dieser Stelle findet sich nun eine Linkliste der einzelnen – in ihren Fragestellungen erstaunlich aktuellen – Beiträge des Sonderheftes “Was Frauen über Krebs zu sagen haben” aus dem Jahr 1984 sowie ein Link zum Herunterladen des kompletten Heftes. Es sind die Themen, die uns Frauen heute in gleicher Weise beschäftigen, die Fragestellungen sind die gleichen geblieben. Wer Interesse hat, sich in der Rückschau mit Positionen von Frauen und Krebserkrankung zu befassen, findet hier viele interessante Beiträge.

Download komplettes Heft:  >>> Was Frauen über Krebs zu sagen haben

Einzelne Beiträge direkt abrufen aus der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung:

Brustkrebs – Ist die Weiblichkeit krank?
Editorial Irene Stoehr
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Sie wollen mich lachen sehen wie früher
Bericht Frau N.
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Die Schmerzen sind vorher da
Bericht Frau B.
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Keine Diskussion: Mir wurde Chemo verordnet
Interview geführt von Christa Müller
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Nach 15 Jahren : Warum gerade ich?
Anja
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Optimismus als Therapie: Pfarrfrau, Mutter, Lehrerin
Barbara Seuffert
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Die Krankheit zum Widerstand nutzen
Christine Hasse
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Vorsichtige Skepsis – Ärztinnen über Vorsorge, Operation und Medikamente
Christa Müller und Regina Lutterbeck
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Heilungschancen kaum verbessert: Behandlungen nach der Operation …
Irene Stoehr
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Strahlentherapie : Neuerdings mehr Zurückhaltung
von Angela Besserer
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Evolution, Geschlechterbeziehung, Gesundheit – was gemeinhin nicht mitbedacht und angesprochen wird
Hildegard Behrendt; Michaela Rosenberg
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Ohne Stahl, Strahl, Chemie : Buchbesprechung
Hildegard Landgraf
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Die Zyste: wenn sie nun weiter wächst …
von Sigrun Riekenberg
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Deine Mutterrolle verlor sich
Hella Fischer-Thorer;  Paula Schmidt
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Leukämie bei Til
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Im Angesicht des Todes
Sue Cartledge
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Sein Krebs ist schlimmer
Waltraud Ruf
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Krebs beim Fötus
Alice Steward
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Genforschung : Der erste Schritt liegt noch im Dunkeln
Irene Stoehr; Regine Kollek
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Plädoyer für Aufklärung: Für viele Hilfen ist die Prognose Krebs notwendig
Renate Kreibich-Fischer
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Es gibt keine Regel: Bilanz nach fünf Jahren
Waltraud Ruf
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Die Mistel: Wenn die Chemie versagt
Michaela Rosenberg
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Lymphdrainage: die Streichelbehandlung
Waltraud Ruf
>>> Artikel-Download (pdf) | Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Links

Komplettes Heft: >>> Was Frauen über Krebs zu sagen haben“ Courage Sonderheft Jg. 6, Heft Nr. 10 1984

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Auch ein Beitrag zur “jüngeren Brustkrebsgeschichte”:  Unser Heft >>> Alternativen 2: Auf den Spuren von Rose Kushner: Brustkrebs, Lobby, Industrie, Therapie

Rubrik zeitschrift, zeitung | zeitschrift

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Wahre Kraft kommt von innen | Louise L. Hay

Louise L. Hay: Wahre Kraft kommt von innen
Diverse Ausgaben in dt. Sprache
Originaltitel: “The Power Is Within You”
Louise L. Hay mit Linda Carwin Tomchin.
Zuerst erschienen 1991.

Die Kraft von innen

Eine Rezension von Eva Jungbauer (Wien)

Ich habe ein Buch geschenkt bekommen. “Wahre Kraft kommt von innen” von Louise Hay.

Ich kannte die Autorin nicht, ahnte aber, dass es einer der zahllosen New Age-Ratgeber sein würde. Dennoch habe ich mich guten Willens daran gemacht, es zu lesen. Über Seite 35 bin ich allerdings nicht hinaus gekommen, abgesehen vom mehr oder weniger raschen Durchblättern des Rests. Es stand nichts darin, das ich nicht schon kannte.

Nun habe ich mir diese ersten 35 Seiten des Buches sehr genau durchgelesen und sogar Notizen gemacht. Danach erlahmte mein Durchhaltevermögen. All diese Bücher sind nach demselben Muster gestrickt. Jemand hat vorzugsweise ein dramatisches Erlebnis (meist Krankheit, seelisch oder physisch – Hay hatte Krebs), überwindet diese Krankheit und fühlt sich danach dazu berufen, die ganze Welt mit seinem Glauben zu missionieren, auf den er seine Heilung zurück führt. Da damit aus eigener Erfahrung berichtet wird, wirken diese Autoren besonders glaubwürdig.

Jedes dieser Bücher folgt demselben Muster: das Aufgreifen verbreiteten “Fehlverhaltens”, verpackt in eine mystische Weltanschauung und dargeboten als Heilslehre.

Bemerkenswert fand ich im Vorwort die Aussage, dass es jedem freigestellt sei, die Bezeichnungen für manches durch andere zu ersetzen, falls einem diese nicht zusagen sollten. Auch, dass man nicht alles anzunehmen bräuchte, sondern nur das, was gefällt und anspricht. In vielen anderen Büchern wird das nicht so freimütig gehandhabt. Man könnte eigentlich das gesamte Buch – von weltanschaulichen Ansichten befreit – ganz gut in sachliche Informationen übersetzen. Das Gemisch an “Neo-Religiösem” und psychologisch längst Erforschtem ist aber kaum zu trennen.

Ich denke, die Zielgruppe für derartige Bücher setzt sich aus folgenden Personengruppen zusammen:

  • psychologische Laien, die stimmige Erklärungen für seelische Vorgänge suchen
  • religiöse Menschen, die mit der christlichen Religion nicht viel anzufangen wissen und denen Esoterik Ersatz dafür bietet
  • weltanschaulich Orientierungslose, die der Faszination dieses Systems erliegen
  • Menschen, die den gesellschaftlichen Entwicklungen sehr kritisch gegenüber stehen und sehr unkritisch in Esoterikern Mitstreiter sehen, die sich für eine bessere Welt einsetzen.

Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass allen eines gemeinsam ist: ein Mangel an Liebe (damit schließe ich mich Hay an). Und das ist kein Wunder in unserer Zivilisation, wo das “Gegeneinander” das “Miteinander” bei weitem überwiegt. Wo es Kinder sehr selten ohne innere Mangelzustände und den sich daraus bildenden Neurosen bis ins Erwachsenenalter schaffen.

Das Positive an dem Buch: es regt zu Selbstreflexion an. Die eigenen Gedanken und Aussagen zu beobachten, ist ein wichtiger Schritt dabei. Man kann dadurch etlichen seiner Glaubenssätze auf die Schliche kommen. Aber obwohl Hay davon schreibt, dass sie selber eine Psychotherapie gemacht hat, in welcher sie sogar sehr intensiv an ihren seit der Kindheit verdrängten Aggressionen arbeitete – bleibt sie letztlich dennoch bei den üblichen Ratschlägen, sich über Affirmationen und positives Denken “von allem Negativen zu befreien”. Ich finde es sehr schade, dass sie an dieser Stelle nicht den Lesern nahe legt, auch sie sollten sich (u.U. ebenfalls mit Hilfe einer Psychotherapie) ihren inneren Verletzungen und unterdrückten Gefühlen stellen sowie möglichst sachliche Selbstreflexion betreiben. Denn das wäre endlich ein Schritt in die richtige Richtung.

Leider findet er nicht statt. Je weiter man liest, umso esoterischer wird das Ganze wieder. Das Höhere Selbst führt uns zu jeder Zeit (und im Widerspruch dazu kommen Tipps, wie man das Bewusstsein beeinflussen kann, um dem Höheren Selbst wieder die Macht zu geben …), es versorgt uns in allen Lebenslagen verlässlich mit dem, was wir brauchen. Die strikte Ausblendung, dass man selber und auch nicht der Ort, wo man lebt, der Nabel der Welt ist, sondern es eine Menge Länder und Völker gibt, die von nichts und niemandem versorgt werden, oft in bitterster Armut ums Überleben kämpfen, ist in der Esoterik überall anzutreffen. Es funktioniert eben nicht überall, sich nur selbst zu lieben und von seinem Höheren Selbst versorgen zu lassen. Es sei denn, man unterstellt pauschal all diesen Menschen, sie seien selbst an ihrer Misere beteiligt (schlechtes Karma).

Was im Grunde auch getan wird.

Fazit: Wir gehören alle einer Elite an, die solches Karma nicht mehr abzutragen hat. Alles ist in Ordnung und wir können wunderbar über die Missstände hinweg sehen. Mitgefühl ja – aber doch mit dem wohligen Wissen, dass uns das nicht passieren kann, weil wir da längst darüber stehen… Ich kenne keine Esoteriker, die aktiv an positiven Veränderungen mitwirken, sich die Ärmel aufkrempeln, Hilfsprojekte organisieren oder sich für andere einsetzen. Sie kreisen ausschließlich um sich selbst und die erhoffte “Erleuchtung”. Meist im Verein mit anderen, die ebenso denken.

Hay behauptet auch – denn mehr als eine Behauptung ist es nicht –, dass Krebs aus lange unterdrückten Aggressionen entsteht. Ich frage mich, wie das auf krebskranke Babys zutreffen kann!
Weiter schreibt sie, speziell Brustkrebs träfe Frauen, die nicht “Nein” sagen könnten. Ich denke eher, da Frauen noch immer sehr verbreitet dazu erzogen werden, nicht “Nein” zu sagen, gibt es viele solcher Frauen und daher wird auch deren Anteil bei Brustkrebserkrankungen hoch sein. Abgesehen davon kommt Brustkrebs auch bei Tieren relativ häufig vor.

Mich macht die hemmungslose Verbreitung solch einseitiger Erklärungen nahezu wütend. Sie trägt nicht nur zur Verdummung der Menschen bei, sondern kann auch gefährliche Folgen haben. Kranke verweigern sich (oft sogar mitsamt ihren Kindern) medizinischer Hilfe und hoffen auf Selbstheilung. Einige Fälle von Spontanheilung bei schweren Krankheiten (der Prozentsatz ist verschwindend gering) reichen den meisten Esoterikern als unumstößlicher Beweis für ihre Theorien.

Wenn jemand krank wird, verhungert, durch Naturkatastrophen oder Gewalttaten stirbt, trägt er die Verantwortung dafür – ebenso dafür, wenn er davon nicht betroffen ist. Hay schreibt nur, man dürfe das nicht mit Schuld verwechseln, weil Schuldgefühle niemandem weiter helfen, aber man müsse sich seiner Verantwortung bewusst sein.

Aus esoterischen Kreisen kommen auch immer wieder angstmachende Warnungen vor Impfungen. Wenn aber nicht ca. 90 % der Bevölkerung gegen bestimmte Krankheiten (zum Beispiel Masern) geimpft sind, besteht die Gefahr von Epidemien. Das Riskio von Hirnentzündungen nach einer Erkrankung beträgt 1:1.000, nach der Impfung 1: 1.000.000. Die New Age-Bewegung ist also nicht ganz so harmlos wie oft dargestellt. Obwohl bei ca. 30 Millionen Impfungen in Deutschland 2001 nur 236 Verdachtsfälle von Impfkomplikationen auftraten (0,02%), von denen noch dazu keiner bleibende Schäden hinterließ, werden Impfungen immer mehr verteufelt. Selbst die behauptete steigende Allergieanfälligkeit durch Impfungen wurde längst dadurch widerlegt, dass es in der DDR weit weniger Allergien gab als in der BRD, obwohl in der DDR Impfpflicht herrschte. Doch die Behauptungen halten sich hartnäckig, Fakten werden einfach negiert.

Alles in allem werden wahre Aussagen – jedem Menschen ist es zuträglich, seine eigene Verantwortlichkeit  zu erkennen – mit teilweise absurden Philosophien verwoben, die auf Glauben beruhen (wir brauchen alles, das uns widerfährt, für unsere Entwicklung – wenn Menschen daran zugrunde gehen, gibt es eben die Wiedergeburt).

Immer wieder stelle ich fest, dass esoterische Aussagen dogmatisch sind. Wir haben alle Verantwortung für uns selbst (soweit wir dazu fähig sind, bei manchen Krankheiten würde ich das nicht so sehen), aber einzelne Menschen haben nicht die Verantwortung dafür, dass sie bei einer Flutkatastrophe oder einem Erdbeben umkommen. Sie tragen auch gewiss keine Verantwortung dafür, dass ihnen ein Ziegelstein auf den Kopf fällt. Darin “göttliche Vorsehung” zu sehen, erscheint mir ebenso an den Haaren herbei gezogen wie der naive Glaube, alle Menschen seien grundlegend gut. Differenzierung ist Esoterikern ein Fremdwort, Verabsolutierung das Gewohnte.

Den Wunsch, nicht zu leiden, keine Krankheiten zu haben und ein von allen Katastrophen verschontes, glückliches Leben zu führen, haben wir alle. Aber wir wissen nicht einmal mit Sicherheit, was in der nächsten Sekunde passieren wird. Wer die Ungewissheit des Lebens nicht annehmen kann (und trotzdem das Beste hofft), ist wie ein Kind im Körper eines Erwachsenen. Der Schutz hinter Mamas Rockzipfel sucht und immer wieder die Bestätigung braucht, dass alles in Ordnung ist. Erschreckend finde ich das rasante Tempo, in dem diese Infantilisierung um sich gegriffen hat und weiter greift.

Gut finde ich an dem Buch den Titel. Wahre Kraft kommt tatsächlich von innen. Erwachsenwerden ist ein langer Prozess, menschliche Reife bedingt ständiges inneres Wachstum. Erkenntnisse kommen aus dem Inneren – und nicht von außen durch die Übernahme diverser Lehren. Weder Reife noch Entwicklung kann vermittelt werden – man kann sich nur die Informationen beschaffen, die zu mehr Wissen führen. Und mit dessen Hilfe zu Verständnis gelangen.

Ich möchte dazu ein Zitat Marie von Ebner-Eschenbachs (eine hochgebildete soziale Denkerin mit politischem Bewusstsein) nennen:

“Wer nichts weiß, muss alles glauben.”

Rubrik bücher, erfahrungen, rezension

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The Push to Prescribe – Die Verschreibungs-Offensive | Anne Rochon Ford

Push to Prescribe von Women and Health Protection, Kanada

Push to Prescribe von Women and Health Protection, Kanada

„The Push to Prescibe: Women & Canadian Drug Policy“ hrsg. von Anne Rochon Ford und Diane Saibil, ISBN 9780889614789, 297 S., Women’s Press, Kanada

Für „The Push to Prescribe“,  “Der Druck auf die Verschreibungspraxis” bei verschreibungspflichtigen Medikamenten, lässt sich eine griffige Übersetzung nicht ohne Weiteres finden, am ehesten passt vielleicht „Die Verschreibungs-Offensive“. Das gerade erschienene Buch zu Frauen und Pharmaindustrie befasst sich mit dem ungesunden Trend des immer weiter ansteigenden Konsums von verschreibungspflichtigen Medikamenten, mit Hintergründen, gesellschaftlichen und gesundheitlichen Folgen für alle, mit besonderen Aspekten aus der Genderperpektive und auch mit Auswegen.

Die Herausgeberinnen

Anne Rochon Ford ist die Koordinatorin des kanadischen Netzwerks Frauen und Gesundheitsschutz (“Women and Health Protection”). Sie arbeitet in der forschungsbasierten Politikberatung für die Sicherheit verschreibungspflichtiger Medikamente. “Women and Health Protection” hat in den vergangenen zehn Jahren eine Reihe von Arbeiten im Zusammenhang mit Frauen und Pharmaindustrie erstellt, und die Erfahrungen aus dieser Arbeit sind nun in das neue Buch mit eingeflossen.

Diane Saibil ist freie Schriftstellerin und Redakteurin.

Worum es geht

Anne Rochon Ford und Diane Saibil lassen eine Reihe von Spezialistinnen zu Wort kommen, die sich mit dem aktuellen Stand der Dinge im Kontext Frauengesundheit und rezeptpflichtige Medikamente in Kanada befassen, wo die Situation ähnlich gelagert ist wie bei uns in Deutschland: Verschreibungspflichtige Medikamente dürfen nicht direkt bei PatientInnen beworben werden, und doch gibt es heute viele Wege, mehr und mehr Medikamente an die Frau zu bringen.

Das Buch befasst sich unter anderem mit der oftmals unzureichenden Prüfung vieler Medikamente, mit der fragwürdigen Darstellung von Frauen in der Medikamentenwerbung, die legale Grenzen heute immer öfter überschreitet, während auch die kanadische Gesundheitspolitik nicht immer hinreichend berücksichtigt hat, wie unterschiedlich Männer und Frauen von dieser Situation betroffen sind.

Die zurückliegenden Erfahrungen mit Medikamenten wie Thalidomid (Contergan), DES (das erste, 1938 entwickelte synthetische Östrogen Diethylstilbestrol) und Dalkon Shield IUP, aber besonders auch die Erfahrung der gefährlichen Medikalisierung mit der sogenannten „Hormonersatztherapie“, Nebenwirkungen beim Gebrauch hormoneller Kontrazeptiva wie beispielsweise Brustkrebs und Silikongel-Brustimplantate werden analysiert.

Thematisiert wird auch die „aufgeheizte Debatte“ zu Lobbyismus und Praktiken der Pharmaindustrie, ihre Einflussnahme auf Regierungen (s.a. „Europäische Abgeordnete wehren sich …“), wie auch die Bewertung klinischer Studien, immer zur Förderung der eigenen Produkte. In der Folge werden Medikamente hergestellt, vermarktet und in einer Weise zum Einsatz gebracht, die unser tägliches Leben betrifft, ob wir die Medikamente nun nehmen oder nicht.

Frauen, so die These der Autorinnen, stehen im Zentrum der „Verschreibungs-Offensive“, die sich durch medizinische Aus- und Fortbildung, Medizin, Krankenpflege, Pharmakologie, Öffentlichkeit und öffentliche Gesundheitspflege, über Frauengesundheit bis in Bereiche der Soziologie und Politikwissenschaft fortsetzt. Die Inhalte des neuen Buchs sind damit wichtig für Frauengruppen wie unsere z.B., aber auch für Regierungseinrichtungen, für Organisationen, die sich mit dem Thema Gesundheit befassen, wie auch für Verbraucherschutzorganisationen etc.

Thematisiert wird ferner die Definitionsmacht: Welche Medikamente brauchen wir und wer definiert? Barbara Mintzes berichtet zu den speziell auf Frauen zugeschnittenen Praktiken der auch in Deutschland verbotenen Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente („DTCA“, Direct to Consumer Advertising): Stichwort „Fragen Sie Ihren Arzt“, ein Satz, der uns bei Patientinneninitiativen in Deutschland ebenso wie in Apotheken- und Frauenzeitschriften, Fernsehsendungen oder Werbeplakaten im öffentlichen Raum inzwischen immer öfter begegnet. Sharon Batt und Abby Lippman befassen sich außerdem mit Versuchen der medikamentösen Prävention von Krankheiten und gehen der Frage nach, ob Medikamente hier überhaupt die Lösung sein können, ein Thema, das wieder Frauen – gerade auch im Zusammenhang mit Brustkrebs – betrifft. Auf der einen Seite wird Brustkrebs durch hormonell wirksame Medikamente gefördert, und auf der anderen Seite sollen Frauen antihormonelle Medikamente schlucken, um Brustkrebs „präventiv“ oder therapeutisch zu bekämpfen.

Mit „Wer bezahlt die Rattenfänger – Finanzierung von Patientengruppen“ und „Medikamente, Umwelt und unsere Gesundheit – Ein Kreislauf“ gibt es zwei weitere Kapitel von Sharon Batt, die seit vielen Jahren auf diesen speziellen Terrains forscht.

Weitere Beiträge des Buches befassen sich mit dem Themenkomplex der kanadischen Medikamenten-Gesetzgebung, der vor dem Hintergrund der Internationalisierung und den Entwicklungen auf europäischer und nationaler Ebene auch bei uns ins Blickfeld gehört.

In „Studien über Studien“ berichtet Abby Lippman außerdem über Frauen und Arneimittel(zulassungs)studien und Ann Silversides lüftet den Schleier über dem Prozess der Medikamentenzulassung. Anne Rochon Ford befasst sich schließlich mit der Hinterfragung von Gesundheitsreformen, die vorgeblich der Modernisierung unseres Gesundheitswesens dienen sollen.

Am Ende des Buches werden Wege aus dem Dilemma vorgestellt, entwickelt von Women and Health Protection, wegweisend auch für unsere Frauengesundheitsnetzwerke.

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Webseite Women and Health Protection

Unsere Online-Broschüre „Ein anderes Rezept“ – weitgehend erstellt auf der Basis der Arbeit von Anne Rochon Ford

Anforderungen an nützliche Arzneimittelinformationen
(Information von BUKOPharma

Anhören & Ansehen

Webinar mit Sharon Batt, Anne Rochon Ford und Barbara Mintzes - 1. Reihe von links nach rechts - u.a.

Webinar mit Sharon Batt, Anne Rochon Ford und Barbara Mintzes - 1. Reihe von links nach rechts - u.a.

Webinar (zusammengesetzt aus “Web” – Internet – und  Seminar,  = etwa “Seminar im Internet”) mit den AutorInnen des Buches, Sharon Batt, Anne Rochon Ford, Barbara Mintzes u.a. online zum Anhören, mit dem Fließtext als Chat, Tonspur und PowerPoint-Folien, allerdings im kanadischen Englisch, jedoch gut verständlich gesprochen und sehr spannend. Zum Anhören und Ansehen einfach auf das Bild clicken.

Rubrik Woman and Health Protection, bücher, sachbücher, webinar

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“Pfusch an der Frau” : Ein Ratgeber für einen anderen Umgang mit dem Frauenarzt | Eva Schindele

Pfusch an der Frau von Eva Schindele

'Pfusch an der Frau' von Eva Schindele


eine Rezension von Gudrun Kemper

„Die Gynäkologie, immer noch eine Domäne der Männer, boomt wie nie zuvor. Unaufhörlich sorgt sie für Patientinnennachschub, indem sie neue Normen aufstellt, Abweichungen zu Krankheiten deklariert und sogleich die angeblich passenden Therapien anbietet.“ So steht es auf dem Buchumschlag zu Eva Schindeles Buch „Pfusch an der Frau: Krank machende Normen, überflüssige Operationen, lukrative Geschäfte“, 1993 in gebundener Ausgabe bei Rasch und Röhring, 1996 als Taschenbuch bei dtv erschienen.

Von Managern des weiblichen Lebenszyklus

Frauenärzte haben sich nicht nur zu „Managern des weiblichen Lebenszyklus“ aufgeschwungen, in unserem Fall sind sie Manager der Krankheit Brustkrebs, auch wenn es einigen Frauen mittlerweile gelang, in diese Domäne, deren Machtverhältnisse – Gender Mainstreaming ungeachtet und nach wie vor tatsächlich weltweit maßgeblich durch Männer bestimmt – vorzudringen. „Doch der Gynäkologie wäre es in den letzten Jahrzehnten nicht gelungen, so viel Raum im Leben von Frauen zu erobern, verknüpften Frauen nicht so hohe Erwartungen mit diesem medizinischen Fach. Vielfach erwarten sie sich Sicherheit da, wo sie sich unsicher in der eigenen Haut fühlen. Doch das ist ein gefährlicher Trugschluss, denn nirgends sonst in der Medizin geht soviel daneben wie in der Gynäkologie.“

Die Macht der medizinischen Definition

Eva Schindele hat eine Bestandsaufnahme in vielen Einzelfällen geliefert, die sich auch heute zum größten Teil unverändert recht ähnlich abspielen dürften. „Die fünf Minuten Medizin“ hat die Risiken womöglich weiter erhöht. Schindele wollte mit ihrem Buch Frauen ermutigen, der eigenen Wahrnehmung mehr zu trauen und mehr Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Im Zusammenhang mit automatisierten „Disease Management Programmen“ kann das besonders bei Brustkrebs nicht oft genug betont werden. Schindele stellt den „Hormonboom“ – versehen mit allen nur denkbaren Warnungen – bereits Anfang der 1990er Jahre auf den Prüfstand, ebenso wie den „Mythos Vorsorge“, Apparatemedizin, Nebenwirkungen „moderner“ Diagnoseverfahren, überflüssige Operationen und medizinischen Machbarkeitswahn. „Wie so oft in unserem medizinischen Versorgungssystem sind die wirtschaftlich Interessierten zugleich die Experten, die die Notwendigkeit bestimmter ärztlicher Leistungen feststellen.“ Dieser Trend hat sich inzwischen verschärft, wenngleich die Intransparenz der Verhältnisse massiver geworden ist. Wir wissen es, und wir ändern es nicht. Wir manifestieren es, stellen es öffentlich nicht infrage, heute weniger denn je. Inzwischen hat sich die Spirale nur umso schneller weiter gedreht und bedroht mittlerweile den Zugang zur Medizin für alle im Spiegel eines neuen Klassensystems.

Die Amputation der Brust im Weiterbildungskonzept

Eva Schindele kritisiert die Amputationen der Brust, die zur Erlangung des „Facharztes für Gynäkologie“ im Weiterbildungskonzept verankert sind, heute so selbstverständlich wie damals, immer noch nicht abgeschafft. Sie kritisiert die Einnahme von Hormonen, die als Therapie gegen Pickel bei Teenagern oder auch gegen „Zyklusunregelmäßigkeiten” verordnet werden, und verweist auf das Ansteigen des Brustkrebsriskos durch – auch diese – Hormontabletten um 36%. “Frauen greifen zur Anti-Baby-Pille, weil ihrem Arzt kein anderes Verhütungsmittel einfällt oder weil der Gynäkologe das Diaphragma und “all den anderen Kram” für zu umständlich und unsicher hält”. “Die Pille macht dich zum sexuellen Freiwild.” Derart kritische Aussagen wurden in einer Umfrage bei jungen Frauen geäußert. Trotz dieser kritischen Einstellung zu dieser Verhütungsmethode nehmen heute 80% (Stand 1993) aller Befragten die Pille.”

Patientinnenrechte

Neben praktischen Anweisungen für mehr Selbstbewusstsein im Sprechzimmer geht Schindele gemeinsam mit der Bremer Gynäkologin und Psychotherapeutin Mura Kastendieck neuen Wegen im „geschwisterlichen Sinne“ nach und stellt im letzten Kapitel „Was Patientinnen über ihre Rechte wissen sollten“ gemeinsam mit Clemens Müller vom Bremer Gesundheitsladen Infos zu Verbraucherinnenschutz, Schmerzensgeld und anderen juristischen Themen vor.

Glossar, Bibliographie, Literaturhinweise und Adressverzeichnis, heute freilich nicht mehr ganz aktuell, mit dem Hinweis auf FGZ aber immer noch richtungsweisend, ein wichtiges Buch, nicht speziell zum Thema Brustkrebs, aber im Zusammenhang Frauen und Gesundheit auf jeden Fall.

Leider habe ich dieses wichtige Buch erst jetzt für mich entdeckt. Schade, hätte ich es eher gelesen, wer weiß, was es mir hätte ersparen können. Eine Neuauflage, die heutige Trends vom Tattoo über Piercing, Hymenrekonstruktion und Schönheitsoperationen des weiblichen Genitals einschließt, steht auf meiner Wunschliste. Solange es diese nicht gibt, lege ich Eva Schindeles „Pfusch an der Frau“ Frauen – besonders den jüngeren – für den kritischen Umgang mit dem Gesundheitsmarkt, mit den Versprechungen, Versuchungen und schönen neuen „IGeL-Leistungen“ in unserer durchökonomisierten Medizin ans Herz.

Es ist Zeit, vergessene Bücher wieder auszupacken, sie neu zu lesen, neu zu entdecken. Sie sind wichtig für uns.

Weiterlesen:

Pfusch an der Frau von Eva Schindele (in Bibliotheken oder gebraucht)

Homepage von Eva Schindele (mit dem “Hormonkrimi” als mp3)

Rubrik bücher, rezension, sachbücher

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“Nicht nur über Krebs”: Vom Blog zum Buch zum Leben | Lauri Kingston

'Not Done Yet'

'Not Done Yet'

Was tun Sie, wenn Sie 38 Jahre alt sind, Ihren Lebensunterhalt mit Schreiben verdienen und das Unfassbare passiert: Diagnose Brustkrebs? Wenn Du wie ich bist, schreibt Laurie Kingston, dann startest Du einen Blog. Und wenn der Krebs in die Leber gestreut hat? Du schreibst weiter. Und wenn Du dann erlebst, dass die Tumoren verschwinden, so steht es über dem Blog von Laurie geschrieben, dann packst Du das alles in ein Buch. Und machst weiter mit Deinem Leben. Weil das Leben schön ist.

Mehr und mehr Frauen mit Brustkrebs stellen ihre Geschichte ins Internet. Oder sie schreiben ein Buch. Oder sie tun gleich beides. Das mag manch einem schon zuviel sein, angesichts der vielen Bücher und abertausender von Webseiten, aber für jede Frau, die neu erkrankt, ist die lebensbedrohliche Krankheit zentral, und das Internet hat inzwischen ein loses weltweites Netzwerk von Frauen wachsen lassen, die das Netz nutzen, um zu schreiben, Wissen zu sammeln, über Erfahrungen zu berichten und sehr lebendige Signale in die Welt zu senden.

Viele können es nicht lassen, ob anonym oder mit vollem Namen: „Story telling online” hat zunächst Webseiten, später ganze Netzwerke, Foren, Chatrooms und Mailinglisten erreicht, inzwischen sind es meistens Blogs und manchmal kleine Webringe von Frauen mit Brustkrebs, die auf diese Weise entstehen, wachsen und die Welt teilhaben lassen an dem, was den Frauen widerfährt. Laurie Kingston, deren im März 2009 erschienenes und leider nur in englischer Sprache verfügbares Buch „Not Done Yet: Living through Breast Cancer” von der kanadischen Gesundheitswissenschaftlerin Sharon Batt sehr gelobt wird, ist weltweit erreichbar über ihren Blog http://notjustaboutcancer.blogspot.com/.

Sie erhielt die Diagnose 2005 und begann mit dem Blog. Dieser wird später auch die Basis für ihr bewegendes Buch, in dem sie über sich als Frau und Mutter, als Geliebte und ärgerliche Krebsaktivistin schreibt, während sie versucht, das Leben in Ottawa weiterzuleben und weiterzuschreiben.

Robert Buckman, ein Onkologe, der ebenfalls ein Buch zum Thema („Cancer is a Word, not a Sentence” / Krebs ist ein Wort, kein Urteil) herausgegeben hat, schrieb zu „Not Done Yet”, was vielleicht soviel heißt wie „Noch nicht fertig damit”: Ein sehr sehr gutes Buch, witzig, aufschlussreich, nachdenklich und ultimativ inspirierend. Sharon Batt, die kanadische Professorin für Gesundheitswissenschaften, meint, dass die emotionalen und detaillierten Schattierungen im Zusammenhang mit den nackten äußeren Tatsachen des Lebens und Lauries ehrlichen Schilderungen Sinn machen. Das schlichte Erzählen der Erfahrungen über die lebensbedrohliche Krebserkrankung werde zum Stoff des Lebens verwoben und nach einem verheerenden Bruch so auch verarbeitet. Sharon Batt, die ebenfalls sehr jung an Krebs erkrankte, hat 1994 mit ihrem Buch „Patient No More” sowohl die eigene Geschichte, wie auch gleich das gesundheitspolitische Umfeld glasklar ausgeleuchtet. Sie hat Breast Cancer Action Montreal mit begründet und widmet sich besonders Themen wie den Interessenkollisionen im Zusammenhang mit Industrie und Gemeinwohl, z.B. im Zusammenhang mit Pharmasponsoring oder Medikamentenresten im Trinkwasser.

Laurie Kingston wollte mit ihrem Blog ihre Krebserfahrungen aufarbeiten und ihre Gefühle zum Ausdruck bringen. Jede Frau geht ihren ganz eigenen Weg. Für metastasierten Brustkrebs gibt es praktisch keine Leitlinien, schon gar keine sicheren, und ob die Ablehnung der Schulmedizin und der Verzicht auf Chemotherapie oder der umgekehrte Weg gangbar sind, muss jede Frau für sich entscheiden. Unerprobte Therapien und nicht-konventionelle Heilungsversuche lassen Hoffnung greifbar werden, wo die Schulmedizin nicht mehr wirklich Hoffnung geben kann. Als Laurie im November 2006 hinnehmen musste, dass ihr Krebs in ihre Leber metastasiert hatte, war sie am Boden zerstört. Sie schaffte es zunächst, dass die Tumoren verschwanden. Bereits sechs der CT-Untersuchungen konnten keine Tumorreste mehr nachweisen. Mit Humor und Gefühl geht es in Leben, Buch und Blog auf und ab in eine andere neue Realität.

„Not Done Yet” spricht diejenigen an, die durch die gleiche Erfahrung gehen, es ist für diejenigen geschrieben, die eine von uns kennen, die gerade durch diese Erfahrungen gehen muss, und für diejenigen, die sich wundern über das erfüllte Leben, auch wenn es auf dem Kopf steht. Gut, das ist jetzt etwas weich gezeichnet, es hört sich ein wenig nach dem so gern gesehenen ‘dem Krebs den tieferen Sinn abgewinnen’ an, aber es bleibt nicht viel mehr, als das Leben zu leben, solange es noch geht.

Weiterlesen:

Laurie Kingstons Blog lesen:
http://notjustaboutcancer.blogspot.com/

Laurie Kingstons Buch bei Women’s Press:
https://www.womenspress.ca/motion.asp?siteid=100366&lgid=1&menuid=5376&prodid=120424&cat=9869%3E./

Mehr Blogs von Frauen mit Brustkrebs:
http://www.bcaction.de/bcbooks/homepages-von-brustkrebspatientinnen/

Rubrik blog, bücher, erfahrungen, internet

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Die neue “clio”: Brustgesundheit – was Frauen bewegt

In der neuen “clio” zu lesen gibt es unter anderem
pdf “Licht oder Schatten? Brustzentren in Deutschland: Kritische Reflektionen”
von Gudrun Kemper und Gudrun Lüttgen.

Heft bestellen hier (beim FFGZ)

Aus der aktuellen Pressemeldung des FFGZ in Berlin:

Die neue Ausgabe widmet sich den aktuellen Fragen der Brustgesundheit und -versorgung und lässt Frauen zu Wort kommen, die diese Entwicklungen seit vielen Jahren kritisch hinterfragen.

Weitere relevante, wichtige und interessante Themen:

  • Unser weibliches Selbstverständnis wird von Beginn der Pubertät an auch durch die Entwicklung der Brüste geprägt. Welchen Einfluss haben die Bewertungen und Maßstäbe, die von außen gesetzt werden, auf unser Körpergefühl und unsere Gesundheit?
  • Fast jede Frau erfährt im Laufe des Lebens Veränderungen und Schmerzen in der Brust, die sie beunruhigen können. Wir erklären, warum das so ist und was Frauen tun können.
  • Die Brustselbstuntersuchung ist eine gute Möglichkeit, sich sicherer im und mit dem Körper zu fühlen. Eine Teilnehmerin eines Kurses berichtet, was es zu entdecken gab.
  • Können Frauen das Stillen nicht mehr in ihr Leben integrieren? Nur 50 Prozent sollen nach zwei Monaten noch stillen, obwohl klar ist, dass es für die Gesundheit von Mutter und Kind sehr wichtig und schützend ist. Was ist los mit den Frauen?
  • Wenn wir nur gesund leben, uns viel bewegen, lange stillen und keinen Alkohol trinken oder rauchen, sind wir gut vor Brustkrebs geschützt, so die immer wiederkehrenden Botschaften. Tatsächlich werden nur 20 bis 30% der Brustkrebsfälle den bekannten Risikofaktoren und damit dem Lebensstil zugeschrieben. Wir richten den Blick auf die restlichen 70%, die heute von vielen WissenschaftlerInnen den Umweltgiften und den schädigenden Umweltbedingungen zugeschrieben werden. Die Erkenntnisse sind schockierend. Warum wird nicht gehandelt?
  • Viel Qualität wird durch das Mammografiescreening und die Einrichtung von Brustzentren versprochen, was können Frauen tatsächlich erwarten, was müssen sie wissen?
  • Wenig ist bekannt, wie junge, von Brustkrebs betroffene Frauen mit ihrer Erkrankung fertig werden. Wir konnten mit drei Frauen ausführlich darüber sprechen.
  • Yoga als körperliche Unterstützung im Heilungsprozess bei Brustkrebs hat sich bewährt, wie der Bericht einer Studie eindrücklich beschreibt.
  • Phytohormone werden immer häufiger empfohlen, wo kommen sie vor und was können sie?
  • Außerdem: Neue Bücher und mehr …

“clio. Die Zeitschrift für Frauengesundheit” Nr. 69 ist zu beziehen beim FFGZ Berlin gegen 4,20 Euro über den Buchhandel mit der ISSN-Nummer: 0933-0747 oder direkt beim FFGZ bestellen (zzgl. Versandkosten 1,20 €)

Feministisches Frauen Gesundheits Zentrum e.V.
Bamberger Str. 51
10777 Berlin
Tel.: 030 / 213 95 97
Fax: 030 / 214 19 27
email: ffgzberlin@snafu.de

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Tabelle / Übersicht zur Verteilung der >>> Brustzentren in Deutschland (pdf) zsgest. von B. Schmidt & G. Kemper

Rubrik FFGZ, zeitschrift

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“Seelenvögel” – Filmische Auseinandersetzung mit Krankheit und Sterben

Am 05.11.2009 startet der neue Film “Seelenvögel” von Grimme-Preisträger Thomas Riedelsheimer. “Das Haus bestellen” ist ein Thema, mit dem auch wir uns befassen, seit Jahren. Der Film zeigt die 15-jährige Pauline, den zehnjährigen Richard und den sechsjährigen Lenni, die mit schwerer Krankheit und der Auseinandersetzung mit dem Sterben konfrontiert sind.


Filmkritik von Dimitrios Athanassiou, www.moviemaze.de

Das Sterben stellt die letzte Reise dar, zu der der Mensch am Ende seines Lebens aufbricht. Für manche beginnt diese aber viel zu früh. Jedes Jahr erkranken in Deutschland 1.800 Kinder an Krebs; meist an einer Form der Leukämie. Die Diagnose ist für alle Beteiligten ein Schock. Zwar haben sich die Überlebenschancen der Kinder in den letzten Jahren durch den medizinischen Fortschritt verbessert, aber eine Garantie auf Heilung gibt es nicht. „Seelenvögel” schildert über drei Jahre sensibel den Kampf dreier junger Menschen gegen diese Krankheit und zeichnet damit eine hautnahe und glaubwürdige Auseinandersetzung mit dem Sterbeprozess.

Unsere Gesellschaft verhält sich im Umgang mit dem Tod meist sehr befangen. Das Ende des Lebens wird gern aus der Wahrnehmung und öffentlichen Diskussion ausgeklammert oder sogar ganz tabuisiert. Es scheint, diese Realität, die zuletzt kommt, wird am liebsten solange verdrängt, wie es eben nur möglich ist. Ganz besonders schwierig gerät die Auseinandersetzung mit dem Tod und dem Sterbeprozess an sich dann, wenn es um ganz junge Menschen geht. Aber gerade sie stehen im Mittelpunkt bei „Seelenvögel”, einer Dokumentation, die das Schicksal dreier krebskranker Kinder in den Brennpunkt der Betrachtung rückt.

Pauline, 15 Jahre alt, ein lebenslustiger Teenager mit vielen Interessen: sie schreibt Gedichte, möchte die Welt bereisen oder Schauspielerin werden. Filmemacher Thomas Riedelsheimer besucht sie gerade, als sie eine Chemo hinter sich hat. Im Augenblick geht es ihr so gut, dass sie gemeinsam mit einigen Freundinnen sogar ein Bühnenstück einstudiert.
Lenni ist erst sechs und gehört zu den Kindern, bei denen man unwillkürlich denkt, dass sie auf die Welt kamen, um zu leiden: Mit Down-Syndrom geboren, war es für seine Eltern aber nie die Frage, ob sie ein Kind mit solch einer “Benachteiligung” bekommen sollen. Kaum auf der Welt, stellten die Ärzte fest, dass Lenni einen Herzfehler hat: Er wird operiert, gesundet, und als er gerade vier Jahre ist, wird festgestellt, dass er an Leukämie erkrankt ist. Aber Lenni ist ein Kämpfer: Als die Ärzte ihm eigentlich keine großen Chancen mehr einräumen, verblüfft er alle. Seit 14 Tagen ist Lennis Körper komplett krebszellenfrei, als das Filmteam die ersten Szenen dreht.
Richard, der Dritte im Bunde, zehn Jahre alt, spielt leidenschaftlich gern Schach und lernt gerade Chinesisch. Er wird vom Regisseur und Kamerateam im Krankenhaus besucht. Er steckt mitten in der Chemo. Seine Haare sind ihm bereits alle ausgefallen und seine Prognose ist ungewiss.

Drei Jahre begleitete Riedelsheimer diese drei jungen Menschen sowie ihre Eltern und Geschwister. Menschen, die trotz aller Rückschläge und manch einem hoffnungsarmen Augenblick nie aufgeben. Nach jeder kleinen Niederlage kommt die nächste Schlacht, hinter jedem schroffen Gipfel folgt ein grünes Tal. Vor allem erstaunen die Reife und die enorme Einsichtsfähigkeit, mit der die älteren Kinder über ihren Zustand reden. Ganz besonders der zehnjährige Richard hinterlässt einen tiefen Eindruck: Er referiert über seine Krankheit ohne jegliches Pathos, wie andere Gleichaltrige vielleicht über die technischen Raffinessen ihrer Fahrräder sprechen würden. Pauline, die als Älteste der Drei ohnehin erwachsener agieren sollte, gelingt es sogar noch, obendrein ihrer Mutter und Schwester Trost zu spenden. Die Stärke, welche diese Kinder aus ihrem Leid ziehen, verblüfft ein ums andere Mal.

An der Seite dieser drei Kämpfer erlebt man als Zuschauer alle Höhen und Tiefen, welche diese heimtückische Krankheit mit sich bringt. Der Regisseur konzentriert sich dabei auf seine Hauptdarsteller, lässt aber auch deren Umfeld zu Wort kommen. Erst damit entsteht aus dem Film tatsächlich mehr als eine Betroffenheitsdoku. Und das ist alles andere als abwertend gemeint: denn Betroffenheit stellt sich bei diesem Thema automatisch ein. Riedelsheimer fügt aber dieser Komponente noch eine Art poetische Ebene hinzu. Das verleiht dem Sterben eine erfahrbare Sinnlichkeit und befördert diesen Prozess aus den tabuisierten gesellschaftlichen Niederungen heraus; zurück dorthin, wo das Sterben eigentlich hingehört: in die Mitte der Gesellschaft.

Früher starben die Menschen noch zuhause bei ihren Angehörigen. Es gab genug Zeit, sich mit dem Gehen des geliebten Menschen auseinanderzusetzen, sich zu verabschieden und auch im Familienverbund Trauerarbeit zu leisten und Trost zu erfahren. „Seelenvögel” bleibt sich auch hier treu. Auch das letzte Kapitel des Lebens wird nicht ausgeklammert. Damit ist vorweggenommen, dass nicht alle drei jungen Protagonisten am Ende der Dokumentation ihren Kampf gewonnen haben werden. Riedelsheimer ist hier konsequent, ohne jemals aufdringlich zu werden. Trotzdem wird diese leichte, poetische Schilderung mit Zwischeneinblendung des Wandels der Jahreszeiten – symbolisch für das Werden und Vergehen in der Natur – nicht unbedingt Jedermanns Sache sein. Manch einem kann das zu flockig und zu seicht erscheinen – dem Ernst gar nicht angemessen und die Einblendungen schlichtweg zu kitschig. Letzten Endes ist der Tod eine solch intime und persönliche Erfahrung, dass er immer so begangen werden soll, wie jeder das für richtig erachtet. Anliegen des Films ist es einzig und allein gewesen, ihn aus einem tabuisierten Randbereich herauszuholen. Das ist der Dokumentation gut gelungen.

Abdruck der Filmkritik mit freundlicher Genehmigung des Autors und Dank an MovieMaze – hinter MovieMaze steht keine große Redaktion, sondern eine Gruppe von Film- und Kinofans, die offen, ehrlich und unabhängig berichten will – und die auch den „Trailer” zur Verfügung stellt.

Rubrik film, film | fernsehen

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Im Zwischenraum: Margareta Kerns Ausstellung “Clothes for Living & Dying” in Worms

Clothes for living and dying von Margareta Kern

'Clothes for living and dying' von Margareta Kern


Der Kunstverein Worms zeigt zur Zeit Margareta Kern und ihre Ausstellung “Clothes for living & dying” (Odjeća za život i smrt,  Kleider für Leben und Tod). Die Ausstellung wurde bereits an verschiedenen Orten in Kroatien und Großbritannien gezeigt, nun ist sie vom 11. Oktober bis zum 8. November 2009 bei uns zu sehen.

Margareta Kern, geboren 1974 in Kroatien / Bosnien-Herzegowina, ist eine in London lebende Künstlerin, die mit Fotografie, Video und Performance arbeitet, um Möglichkeiten in persönlichen (Frei-)Räumen und ihre Beeinflussung durch sozio-politische Bewegungen zu erkunden, zu verarbeiten und zu beschreiben.

In  “Clothes for Living and Dying” stellt Margareta Kern zwei ursprünglich getrennte Projekte, Abendkleider (”Haute Couture”, Graduation Dresses, etwa Kleider für den “Abiball”) und Grabkleider, einander gegenüber. In der Ausstellung, so wie sie jetzt in Worms gezeigt wird, fließen die beiden Projekte zusammen. Die Idee, über diese Ausstellung an dieser Stelle, auf einer Webseite von Frauen mit Brustkrebs für Frauen mit Brustkrebs zu schreiben, ist dem Umstand geschuldet, dass die Krankheit dazu führt, sich praktisch zwangsläufig auch mit Themen wie Lebensende und Tod auseinandersetzen zu müssen, Fragen ins Leben zu holen und uns selbst Gestaltungsraum geben, den wir sonst nicht nutzen, nicht nutzen können, wenn wir alles nur verdrängen.

“Clothes for Death” ist eine fortlaufende Dokumentation darüber, wie Frauen aus Kroatien und Bosnien-Herzegovina die Kleidung, in der sie beerdigt werden möchten, vorbereiten.

Sehr bewegt von dem relativ unbekannten, privaten und zugleich intimen Brauch hat sich Margareta Kern auf den Weg gemacht auf eine komplexe Reise, auf der sie die Frauen trifft, sie fotografiert, wenn sie zustimmen, und sich zeigen lässt, welche Kleider sie gewählt haben, um sich einmal darin beerdigen zu lassen. Einige Frauen, die Margareta Kern getroffen hat, sind bereits um die 90 und ihr Leben ist bewegt worden von der unruhigen Geschichte und dem Krieg in den Balkanländern. Die Grabkleider werden von den Frauen wohl verwahrt und verpackt in Stoff oder Plastiktüten und Taschen, damit sie bereit liegen, wenn die Zeit gekommen ist, vor den Schöpfer zu treten, oder auch um den Familien den Abschied auf diese Weise vorbereitet zu erleichtern. Margareta Kern, die in London lebt, hat ihre Reise als “Ausländerin” angetreten und in den kleinen und oft abgeschiedenen Dörfern, in denen die Frauen leben, den Ort ihrer Kindheit und Jugend wiedergefunden, in einem Land, das von den Spuren des Krieges von 1992 bis 1995 noch gezeichnet ist.

Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen den äußeren Grenzen von Identität und  sozio-politischem Kontext und inneren, subtileren Arbeiten und Bedürfnissen des Selbst, so berichtet sie im Ausstellungskatalog “Clothes for Living & Dying”. Sie erkunde eine relationale Art zu arbeiten, bei der der Teil der Auseinandersetzung mit persönlichen Erzählungen zugleich in einem Zusammenhang mit dem Prozess der Kunstproduktion stattfinde. Margareta Kern hat in verschiedenen Projekten Bekleidung und Textilien als Instrument zur Öffnung und Erschließung von Fragen der geschlechtsspezifischen Konstruktion, von Identität und ihren sozialen, politischen und kulturellen Kontexten miteinander verbunden. Ihre Erfahrung der Migration – von einer Kultur zur anderen -, überdies ziemlich abrupt zu Beginn des Bürgerkrieges in Bosnien und Herzegowina, unterstreicht ihre Arbeit und das Interesse an Geschichten, die sich mit ungelösten Fragen zu Ort, Zugehörigkeit und Heimat auseinandersetzen.

“Clothes for Death” ist eine Meditation über den Tod als einer Unterbrechung des Lebens. In ihren Bildern reflektiert sie die Konstruktion der Identität, ihre eigene ebenso wie die derjenigen, die sie fotografiert hat, im Zusammenhang mit dem Land, der Kultur und den Menschen. Susan Sontag wird im Ausstellungskatalog zitiert aus ihrem Buch zur Fotografie (Penguin, 1979): “Die Fotografie macht uns zu Touristen in der Realität der Anderen (und vielleicht auch unserer eigenen).” Ist Austausch zwischen Fotograf_in und Fotografierten möglich? Auf ihren Reisen schrieb Kern in einem Blog. Ihre Fotographien bewegen und erzählen vom Leben, zeigen Frauen und ihre Orte des Lebens, die Geschichte erzählen. Und noch einmal Susan Sontag: “Alle Fotografien sind memento mori. Eine Fotografie zu machen, ist teilnehmen an der Sterblichkeit, Verletzbarkeit und Verwandlung einer Person (oder einer Sache). Präzise beim Aufnehmen und Einfrieren des Moments zeugen alle Photographien von der Unerbittlichkeit der Zeit.” Einer Fremden zu erlauben, Fotographien umgeben mit den Kleidern, in denen wir beerdigt werden wollen, zu fertigen, ist nicht nur ein Akt des Vertrauens, sondern auch des Teilens, sagt Margareta Kern.

Weiterclicken:

Ausstellung im Kunstverein Worms:
http://kunstverein-worms.de/01-aktuell/01-1-aktuell.html

Ausstellungskatalog:
“Clothes for Living and Dying”
(in Bibliotheken)

Webseite von Margareta Kern:
http://www.margaretakern.com/home.htm

(mit weiteren Infos zu diesem Projekt, Videos, Links, Texten und mehr)

Clothes for Death – Fotoserie & Kurzvideos:
http://www.margaretakern.com/projects/clothesfordeath.htm

Interview mit Margareta Kern bei ArtRabbit:
http://www.artrabbit.com/features/features/september_2007/clothes_for_death?PHPSESSID=5d596c30668ea314d67e4638350c4bd5

Rubrik fotografie, video

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Alternativen 2: Auf den Spuren von Rose Kushner: Brustkrebs, Lobby, Industrie, Therapie

Eine alte Gesichte? Brustkrebs, Lobby, Industrie, Therapie: Auf den Spuren der Brustkrebsaktivistin Rose Kushner. 2009

Download:  >>> (pdf) Eine alte Geschichte?

Wurzeln und Muster der engen Verknüpfung einzelner Brustkrebspatientinnen mit pharmazeutischen Konzernen sind keine Entwicklung der allerjüngsten Zeit. Beispiele reichen weiter zurück. Auswirkungen dieser finanziellen Verbindungen und Strategien haben Konsequenzen für die Therapien auch aller anderen Patientinnen.

“Eine alte Geschichte?” geht dieser “jüngeren” medizinhistorischen Entwicklung intensiver auf den Grund und bildet den Teil 2 unserer Reihe Alternativen.

Literaturhinweise:

Harter Schnitt: DER SPIEGEL 44/1987 vom 26.10.1987, Seite 253-254a als pdf

Rose Kushner zu Nancy Reagans Radikal-OP im Spiegel von 1987

Barron H. Lerner: The Breast Cancer Wars (KVK)
Hope, Fear, and the Pursuit of a Cure in Twentieth-Century America
Oxford Pr. 2003. ISBN 0-19-516106-8

Mehr zu Barron H. Lerner bei Breast Cancer Action (www.bcaction.org)

Rubrik Reihe Alternativen, broschüren

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Was macht eigentlich … Susan Love? (5)

More than Molecules - zum Love-Beitrag etwas nach unten scrollen ...

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Online-Diskussion
gelesen von G. Kemper

Mit einem Beitrag unter dem Titel „Mehr als Moleküle” hat sich Dr. Susan Love in eine Diskussion auf der Webseite der New York Times zum Thema Krebstherapien eingemischt. Die Diskussion nimmt unbequeme Fragen zu dem seit Jahrzehnten ausgerufenen „Krieg gegen den Krebs” auf.

Erfolge bzw. Misserfolge, Sinn und Sinnlosigkeit der aggressiven Maßnahmen dieses Krieges, der auf dem Körper der Erkrankten stattfindet, standen anlässlich des Todes von Edward Kennedy, der am 25. August 2009 an den Folgen eines Hirntumors verstorben war, wieder einmal zur Diskussion. Susan Love, Präsidentin der nach ihr benannten Forschungseinrichtung „Dr. Susan Love Research Foundation” (übersetzt: Dr. Susan Love Forschungsstiftung), die auch als Professorin an der David Geffen School of Medicine an der University of California in Los Angeles lehrt, erinnert an den bisher größten Erfolg im Zusammenhang mit Brustkrebs in den vergangenen Jahren. Und sie weist auf den Weg hin, den Organisationen wie „Breast Cancer Action” oder „Women in Europe for a Common Future” beständig auf die Tagesordnung stellen: Primärprävention oder die Vermeidung von Brustkrebs.

Susan Love schreibt hier, dass die Brustkrebssterblichkeit durch Früherkennung und aggressive Therapien in den vergangenen Jahren zwar zurückgegangen sei, jedoch um den Preis von Übertherapie und erheblicher Kosten in der Diagnostik. Sie weist darauf hin, dass es viele persönliche und langfristige gesellschaftsbezogene Nebenwirkungen dieses eindimensionalen Ansatzes gäbe. Love meint, dass durch die neuen Therapienverfahren zwar inzwischen weniger Kollateralschäden zu beklagen seien. Die molekulare Arbeit habe aber von den ebenso wichtigen Fragen im Zusammenhang mit den Ursachen von Brustkrebs und Brustkrebsvermeidung abgelenkt.

Der stärkste Rückgang von Brustkrebs sei nicht den Verbesserungen in der Brustkrebstherapie zu verdanken. Der Verzicht auf eine Therapie – nämlich der Rückgang der Verordnungen bei der Hormonersatztherapie – ist die Ursache für diesen bisher stärksten Rückgang von Brustkrebs.

Nicht noch mehr Medikamente, sondern weniger Medikamente (Entmedikalisierung) sind für diesen Erfolg verantwortlich, der ermöglicht wurde auf Basis der Daten der Women’s Health Initiative, die im Jahr 2002 veröffentlicht wurden. Susan Love schreibt weiter: „Wenn wir Brustkrebs verhindern wollen, dürfen wir uns nicht nur auf Moleküle konzentrieren, sondern müssen auch auf die Ursachen schauen. Es ist wahrscheinlich, dass die verschiedenen molekularen Subtypen von Brustkrebs unterschiedliche Ursachen und Risikofaktoren haben.” Der Östrogenrezeptor-positive Brustkrebs von Frauen nach der Menopause in westlichen Industrieländern habe andere Ursachen als der aggressive Östrogenrezeptor-negative Brustkrebs bei jungen Frauen in anderen Ländern.

Die Ursachenforschung sei sehr viel schwieriger als die molekularen Untersuchungen, die so häufig an Mausmodellen durchgeführt würden.

Mit ihrer „Army of Love”, an der sich Hunderttausende Frauen beteiligen, versucht Susan Love, mehr über die Ursachen herauszufinden. Ihr Eintrag in der New York Times-Diskussion kann natürlich auch nicht enden, ohne wieder die – typische – Hoffnung zu beschwören, dass diese Generation Frauen, die sich hier formiert, endlich diejenige sein wird, die das Ende der „Brustkrebsepidemie” einläutet.  (Zitat: “This type of research is much harder to do than the molecular studies often done on mice. But only with research on large numbers of women will we get these answers. The Love/Avon Army of Women is a new online model to do just that. We are recruiting one million healthy women who are willing to participate in this kind of research, and more than 300,000 women have signed up to participate. We can be the generation that sees the end to breast cancer.”)

Quellenangabe:

Kennedy’s War on Cancer, and Our Own, August 27, 2009, 7:43 pm (übersetzt: Kennedy’s Krieg geben den Krebs – und unser eigener), Online-Diskussion: http://roomfordebate.blogs.nytimes.com/2009/08/27/kennedys-war-on-cancer-and-our-own/?scp=2&sq=Cancer%20Kennedy&st=cse

Weiterlesen:

Alle Beiträge zu Dr. Susan Love bei uns im infoblog! und im medienblog!

Rubrik online-diskussion

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