Warnhinweise für Medikamente: Frankreich meldet tödliche Darmentzündung (Enterokolitis) unter taxanhaltiger Chemotherapie mit Docetaxel

Wie das unabhängige arznei-telegramm (a-t) jetzt berichtete 1 (s. Quellenangabe unten), liegen aus Frankreich Berichte über tödlich verlaufende Darmentzündungen unter Chemotherapie mit Docetaxel vor. Die französische Arzneimittelbehörde ANSM hatte darüber informiert, dass im Jahr 2016 fünf Verdachtsberichte zu tödlicher Enterokolitis bei Neutropenie [Verminderung der weißen Blutkörperchen im Blut] unter Docetaxel gemeldet wurden (s. dazu ANSM Ärzteschreiben v. 15.02.2017 und ANSM: Information für Onkologen v. 15. Februar 2017, pdf). Betroffen gewesen seien Frauen im Alter zwischen 46 und 73 Jahren, die sich wegen Brustkrebs einer adjuvanten oder neoadjuvanten Chemokrebstherapie mit dem Medikament behandeln ließen. In Frankreich habe die Tageszeitung Le Figaro sogar von sieben bzw. 18 Todesfällen berichtet. Deswegen empfehle die französische Arzneimittelbehörde gegenwärtig, Docetaxel bei operablem Brustkrebs nicht anzuwenden, und verweise auf die außerdem fehlende Zulassung für die neoadjuvante Therapie. Auch bei uns in Deutschland ist das Medikament für eine neoadjuvante Behandlung (Chemotherapie vor einer Brustkrebsoperation) nicht zugelassen. Wie viele Brustkrebspatientinnen insgesamt in Frankreich mit dem Medikament behandelt wurden und ob auch bei uns entsprechende Fälle vorliegen, wissen wir nicht.

Patientinnen brauchen den Beipackzettel

Die Nebenwirkung „neutropenische Kolitis/Enterokolitis“ wird in der Fachinformation des Medikaments genannt, doch leider erhalten Patientinnen unter Chemotherapie die Fachinformationen häufig nicht ausgehändigt, da die Medikamente in medizinischen Einrichtungen per Infusion verabreicht werden. Dies kann so nicht bleiben. Patientinnen sollten unaufgefordert regelmäßig die Beipackmittel auch zu per Infusion verabreichten Medikamenten erhalten. Auch die allgemeinen Aufklärungsbögen zur Chemotherapie sind hier kein Ersatz. Wer die Nebenwirkungen von verabreichten Medikamenten genauer wissen will, muss in seiner Behandlungseinrichtungen ggf. um Aushändigung einer Kopie bitten.

Quellenangabe

arznei-telegramm, 48. Jahrgang, 10. März 2017, S. 32

References

  1. 1. arznei-telegramm, 48. Jg., 10. März 2017

    Benutzungshinweis

    Die dieser Webseite zugrunde liegenden Inhalte beleuchten Einzelaspekte aus der Perspektive von betroffenen Frauen und Frauengesundheitsbewegung. Die hier bereitgestellten Informationen sind kein Ersatz für ärztliche Beratung und Behandlung. Im Einzelfall sind Diagnose und Therapieempfehlungen immer Sache der behandelnden ÄrztInnen. Weiterlesen: Haftungsausschluss / Disclaimer

    Werbung?

    Diese Webseite ist werbefrei.

    Akkreditierung

    Diese Website ist bei der Health On the Net Foundation akkreditiert.
Wir berücksichtigen HONcode Standards. Zur Überprüfung klicken Sie bitte auf das HON-Logo. Diese Website ist seit 2007 bei der Health On the Net Foundation akkreditiert. Wir berücksichtigen HONcode-Standards. Zur Überprüfung klicken Sie bitte auf das HON-Logo.

    LibraryThing

    Wir …

    ... sind eine kleine unabhängige Gemeinschaft von Frauen, die sich im Kontext Brustkrebs engagieren. Wir wollen die bestmögliche Behandlung für alle, die von dieser schweren Erkrankung betroffen sind. Wir wollen aber auch, dass die Forschung über die Ursachen von Brustkrebs und über die Möglichkeiten der Primärprävention endlich grundlegend verbessert werden.

    Wir sind ein kreatives, privat finanziertes Low-Budget-Projekt, das grundsätzlich jegliche Finanzierung im Interessenkonflikt ablehnt und insbesondere keine Pharmagelder annimmt. Lesen Sie dazu unsere Leitlinie, entsprechend der Richtlinie zur Einwerbung von Drittmitteln von Breast Cancer Action.

    Spenden …

    Breast Cancer Action Germany - die kritische Annäherung rund um das Thema Brustgesundheit und Brustkrebs im Kontext von Medizin, Krankheitsvermeidung, Umwelt, Gesellschaft und Politik mit dem Schwerpunkt Selbstschutz / Verbraucherinnenschutz.

    Wir lehnen uns u.a. an die Arbeit von Breast Cancer Action mit Sitz in San Francisco an. Diese Arbeit hilft uns sehr. Ohne die wichtige Arbeit der engagierten Frauen von Breast Cancer Action (www.bcaction.org) nachzunutzen, hätten wir von Frauenseite in Deutschland keine wirklich neutralen Berichte zu vielen wichtigen und komplizierten Themenbereichen bei Brustkrebs. Die Arbeit von Breast Cancer Action ist wertvoll und nicht kostenlos zu leisten.
    Es ist möglich, direkt an Breast Cancer Action in den USA zu spenden. Die Spenden werden in der Breast Cancer Action-Zeitschrift „Source“ veröffentlicht, wenn nichts anderes angekreuzt wird. Es ist auch möglich, für namentlich genannte Patientinnen oder zum Gedächtnis von Frauen mit Brustkrebs, die nicht mehr leben, zu spenden. Eine Spende ist einfach z.B. über Kreditkarte möglich: Breast Cancer Action unterstützen.