Nach dem Silikon-Skandal: Frauenselbsthilfe fordert Meldung jeder Brust-OP an Zentralregister

(Zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2015)

Brustimplantate von infographics
„Das muss Konsequenzen haben!“, fordert Hilde Schulte (Frauenselbsthilfe nach Krebs) in der EMMA. Es geht um den „französischen Hersteller mit enormer krimineller Energie“, der Industrie-Silikon für Brustimplantate lieferte. Die Implantate, die in Deutschland mit TÜV-Siegel ausgestattet waren, sind Frauen quer durch Europa in die Brust eingepflanzt worden, darunter auch Frauen, die von Brustkrebs betroffen sind. Niemand weiß, wie vielen. Hilde Schulte, Ehrenvorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs, erklärt in der EMMA, warum die Krankenkassen die Kosten für die Entfernung auch im Falle einer Schönheits-OP jetzt tragen sollten. Sie beschreibt, wie Ärzte und Fachgesellschaften nicht reagiert hätten, obwohl sie die Gefahr hätten sehen müssen. Fachgesellschaften und auch die meisten ÄrztInnen sehen aber auch bei den ansteigenden Brustkrebsraten und diversen Gefährdungen weg, die in einen Zusammenhang mit der Entstehung von Brustkrebs gebracht werden, zumindest sind öffentlich keine Hinweise und Warnungen darauf zu vernehmen.

Schulte beklagt weiter:

  • Ärzte müssten sich der Verantwortung stellen.
  • Sie müssten CE-Zulassungen für den europäischen Markt hinterfragen.
  • Es fehle eine zentrale Stelle, bei der „solche Vorfälle gemeldet werden können“. Welche Funktion habe hier eigentlich das BfArM, wenn es diese Funktion nicht wahrnimmt?
  • Auch in das Register der Fachgesellschaft der plastischen Chirurgen würden nicht alle Brustoperateure melden, insbesondere die Nicht-Mitglieder nicht.
  • Krankenhäuser könnten heute betroffenen Frauen oftmals nicht sagen, von welchem Hersteller das Implantat in ihrer Brust stammt.
  • Ärzte böten nach Brustkrebs die Möglichkeit, auf einen Brustaufbau mit Silikon zu verzichten, gar nicht an.

Hilde Schulte fordert:

  • Jeder, der in Deutschland eine Brust-OP durchführt, muss die Daten zu OP und nachfolgendem Verlauf an ein zentrale Register melden. Damit diese Forderung der sonst gesundheitspolitisch doch eher defensiv agierenden Frauenselbsthilfe nach Krebs nicht im EMMA-Heft womöglich überhört wird, unterstützen wir diese Forderung an dieser Stelle ausdrücklich.
  • Strengere Prüfkriterien für Medizinprodukte, vergleichbar mit denen von Medikamenten.
  • Die Prüfung sollte staatliche Aufgabe sein. (Medikamente werden im Rahmen klinischer Studien auch nur von der Pharmaindustrie und nicht etwa vom Staat geprüft, weswegen auch die Gemeinwohlorientierung der Herstellung von Arzeimitteln in der Vergangenheit bereits wiederholt in Frage gestellt wurde.)
  • Die Prüfung dürfte nicht in die Hände von Unternehmen gelegt werden, auch wenn sie vom Staat dazu beauftragt würden, wie im Falle des TÜV.

Quellenangabe: „Das muss Konsequenzen haben!“, EMMAonline vom 23.01.2012

Bildnachweis: Breast Augmentation Facts and The History of Breast Implants von infographics – CC BY-NC-ND 2.0

Weiterlesen

Pressemeldung des AKF v. 17.01.2012: Betrügerische Geschäfte mit Silikonimplantaten 
Baysilone in Brustimplantaten
 von Jan Pehrke
Zur Geschichte des Silikons als „Rohstoff“ der Schönheitsindustrie von Jan Pehrke 
Siliconegate:
Link zur EMMA von 1996

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