Sandra Steingraber: Biologin, Ökologin, Umwelt- und Krebsaktivistin

Die Biologin Sandra Steingraber wurde 1959 in Tazewell County in Illinois, USA, geboren. Sie erkrankte selbst im Alter von 20 Jahren an Krebs und arbeitet speziell zu ökologischen Fragen im Zusammenhang mit Krebs, Fertilität, Schwangerschaft und Toxikologie (“Lehre von den Giftstoffen”). In ihrem ersten Buch “Post-Diagnosis” (1995) setzt sie sich mit ihrer eigenen Krebserkrankung auseinander. Steingraber baut auf die Arbeiten der Biologin Rachel Carson auf und wird von vielen auch “neue Rachel Carson” genannt. Sie arbeitet u.a. mit Marla Cone und Natalie Angier zusammen und ist in den USA sehr bekannt.

Obwohl sie dort sehr viel Anerkennung erfährt, kennen viele bei uns ihre Arbeiten nicht und auch die von ihr thematisierten Themen sind fachlich und gesellschaftlich weitgehend unterbelichtet. Ihr Buch „Having Faith“ – ein Kleinod – liegt in deutscher Übersetzung vor. Die sehr sorgfältig übersetzte deutsche Ausgabe trägt den Titel „Leben wächst in mir: eine biologische Reise zur Geburt“ und ist 2002 im Walter Verlag (Patmos) erschienen. Gemeinsam mit Teresa Heinz Kerry wurde sie von Breast Cancer Fund für ihre Arbeiten zur Ursachenforschung im Zusammenhang mit Brustkrebs ausgezeichnet, und sie hat eine Reihe weiterer Preise für ihr Werk erhalten.

Steingraber, die als Adoptivtochter einer Mikrobiologin aufwuchs, befasste sich bereits als Kind und Jugendliche mit biologischen und ökologischen Zusammenhängen. Mit ihrer Krebserkrankung war sie – aufgewachsen in einer hoch belasteten Umgebung – nicht allein. Auch in Nachbarschaft und Familie erkrankten viele Menschen an Krebs.

Sandra Steingraber hat an der Illinois Wesleyan University Biologie studiert und später an der Universität von Michigan gearbeitet. Dort schloss sie auch ihre Doktorarbeit in Biologie ab. Außerdem verfügt sie über einen Masterabschluss in Anglistik. Sie arbeitete und lehrte an verschiedenen Universitäten und hat an dem unter Präsident Bill Clinton 1992 initiierten National Action Plan on Breast Cancer (NAPBC) mitgearbeitet. Sie lebt heute mit ihrem Mann, dem Bildhauer und Restaurator Jeff de Castro, in Trumansburg (New York) und hat zwei Kinder, Faith und Elijah.

Ihr bekanntestes Werk ist „Living Downstream. An Ecologist Looks at Cancer and Environment“ (Leben, stromabwärts – Eine Ökologin betrachtet Krebs und Umwelt). Eine deutsche Übersetzung gibt es bisher nicht. Sie unterstützt in diesem Buch unter anderem die enge Vernetzung von Krebsregistrierung und dem in den USA verfügbaren Toxics Release Inventory, einem nationalen Verzeichnis, in dem die Freisetzung von Giftstoffen verzeichnet wird. Ein ähnliches Verzeichnis führt bei uns das Umweltbundesamt mit dem Schadstofffreisetzungs- und Verbringungsregister.

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Toxics Release Inventory – Aufschluss über Kontaminationen – öffentlich zugänglich für jede/n

Steingrabers Bücher sind gut lesbar und erinnern an minutiöse Reiseberichte, in denen die wissenschaftlich sorgsamst recherchierten Arbeiten LeserInnen mit ihren poetischen Einblendungen und einer unglaublichen Sprache in ihren Bann ziehen. In “Living Downstream” beschreibt sie die rücksichtslose industrielle und landwirtschaftliche Verschmutzung und unterfüttert diese mit umfassenden wissenschaftlichen Daten und weiteren Literaturhinweisen. Im Resultat ist eine überwältigende Zusammenstellung des Wissens zu Krebsentstehung und Umwelt entstanden. Steingraber beklagt auch die große Unausgewogenheit der Forschungsfinanzierung zu Studien von genetisch bedingten Krebserkrankungen in Relation zur Forschung zu Umwelt und Krebsentstehung. Sie verweist darauf, dass wir an unseren genetischen Anlagen nichts verändern können, während wir sehr viel tun können, um die Kontamination mit Karzinogenen in der Umwelt abzubauen.

Sandra Steingraber bringt unterschiedliche Perspektiven zu einem der wichtigsten Gesundheits- und Menschenrechten unserer Zeit auf den Punkt: Die zunehmende Beweislast der Krebsentstehung durch Umweltverschmutzung. Ihre wissenschaftliche Analyse reicht von alarmierenden weltweiten Mustern bei der Inzidenz von Krebserkrankungen bis zu den sabotageähnlichen Auswirkungen durch Krebs fördernde Substanzen auf die komplizierte Funktionsweise menschlicher Zellen. Sandra Steingrabers Buch ist das erste, das die Daten zu Umweltgiften aus dem amerikanischen nationalen “Gift-Verzeichnis” (Toxics Release Inventory) zusammenbringt mit Daten aus der Krebsregistrierung.

“89% der Fläche von Illinois werden landwirtschaftlich bebaut. Geschätzt 54 Millionen Pfund (amerikan. Maßeinheit, 1 Pfund = ca. 0,45 Kilogramm) synthetischer Pestizide werden jedes Jahr ausgebracht. Erst nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurde diese Form der Landwirtschaft, bei der sich chemische Gifte breit gemacht haben, in Illinois eingeführt. Zuvor waren noch weniger als 10% der Getreidefelder pestizidbelastet. Im Jahr 1993 waren es aber 99%.” (Living Downstream, S. 5)

In “Leben wächst in mir” – einem “unbedingt Lesen-Buch” zumindest für werdene Mütter bzw. Eltern – weist Sandra Steingraber eindringlich auf die alarmierenden Gefahren durch Umweltgifte für das ungeborene Leben hin. Wie soll eine Zukunft in Gesundheit für unsere Kinder abgesichert werden?

Living Downstream ist im März 2010 als Dokumentarfilm der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Der Film belegt erneut Sandra Steingrabers außergewöhnliche Arbeit als die einer Krebsüberlebenden und ihren bedeutenden Beitrag als Ökologin und Aktivistin in der Krebsvermeidung.

Text: G. Kemper

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Webseite von Sandra Steingraber

Wikipedia Sandra Steingraber (engl.)

Living Downstream (Dokumentarfilm)

Die Verbindungen zwischen Krebs und Umwelt: ein Inner Compass TV-Interview mit Sandra Steingraber

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