Neue „Allianz für Gesundheitskompetenz“: Welche Patientinneninformation bringt die Zukunft?

Das Bundesgesundheitsministerium ging am 19. Juni 2017 mit der Gründung einer neuen „Allianz für Gesundheitskompetenz“ an die Öffentlichkeit. In der Allianz schlossen sich 14 Partner zusammen:

Gemeinsame Erklärung: Allianz für Gesundheitskompetenz – zum Text der Erklärung (pdf)

  • Bundesministerium für Gesundheit
  • Gesundheitsministerkonferenz der Länder
  • Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten sowie Bevollmächtigter für Pflege
  • Bundesärztekammer
  • Bundeszahnärztekammer
  • Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V.
  • Bundesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE von Menschen mit Behinderung, chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen e.V.
  • Deutsche Krankenhausgesellschaft
  • Deutscher Pflegerat e.V.
  • Gemeinsamer Bundesausschuss
  • GKV-Spitzenverband
  • Kassenärztliche Bundesvereinigung
  • Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung
  • Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.
  • Verband der Privaten Krankenversicherung e.V.

Damit verpflichten sich u.a. Ärzteschaft, Apotheker, Pflegerat, Krankenkassen und Selbsthilfe, aktiv an der Verbesserung von Gesundheitsbildung, wissenschaftlich gesicherten Gesundheitsinformationen und Entscheidungshilfen zu arbeiten sowie die Kommunikation zwischen ÄrztInnen/Gesundheitsprofessionellen und PatientInnen zu unterstützen.

Im Rahmen unserer Mitarbeit in den Frauengesundheitsnetzwerken haben wir in den vergangenen Jahren an der Bereitstellung von evidenzbasierten Entscheidungshilfen mitgearbeitet und Breast Care Nurses (spezialisierte onkologische Beratung bei der Entscheidungsfindung durch Pflegefachfrauen) für Frauen mit Brustkrebs aktiv eingefordert, und zwar keinesfalls als Ersatz für ärztliche Aufklärung und Beratung, sondern zusätzlich: weil wir die komplexen, bei Brustkrebs notwendigen Entscheidungen informiert selbst treffen wollen und können.

Bisher gibt es mit Ausnahme des Mammographie-Screening-Programms für Frauen mit Brustkrebs keine Hilfen für die schwierigen Entscheidungen, die nach einer Diagnose zu treffen sind: Welche OP-Methode, Chemotherapie ja oder nein, welche hormonellen Therapien wie lange, rekonstruktive Chirurgie ja oder nein usw. usw.

Die verfügbare Patientinnenleitlinie ist veraltet und unzureichend.

Immer wieder melden sich bei uns Patientinnen nach der Behandlung, weil sie auf dem Standpunkt stehen, dass sie informiert ganz andere Entscheidungen getroffen hätten. Unser Medizinsystem ist in der Lage, Defizite abzustellen, wenn der politische Wille da ist und die Verantwortlichen verpflichtend bei der Beseitigung von Missständen mitarbeiten. Mit der „Allianz für Gesundheitskompetenz“ scheint es in Sachen Gesundheitsinformation (Gesundheitskompetenz) jetzt ein Bündnis für Licht am Ende eines langen Tunnels zu geben.

Wir werden weiter kritisch schauen, ob Ergebnisse bei Frauen mit Brustkrebs entsprechend ankommen, ob wir unserem Anliegen an evidenzbasierte Entscheidungshilfen, die Wissen auf Fragen von neu diagnostizierten Patientinnen und Frauen in schwierigen therapeutischen Situationen bereitstellen, endlich näher kommen.

Besonders wichtig bleibt für uns dabei, dass nicht die Marktinteressen von Leistungsanbietern und/oder Medikamentenherstellern die Patientinneninformation beeinflussen, das wäre Werbung. Wir brauchen unabhängige Gesundheitsinformationen und unabhängige Beratung.

Mehr zum Thema

Verbesserungen bei Patientinnen-Information sind unverzichtbar: AKF engagiert sich für neues Verfahren der Leitlinienentwicklung
Spezialisierte Pflegefachkräfte zur Unterstützung partizipativer Entscheidungsfindung in der Onkologie (SPUPEO)
Leitlinie evidenzbasierte Gesundheitsinformation
Gute Praxis Gesundheitsinformation (pdf, bei DNEbM)
Pressemeldung Deutsches Netzwerk evidenzbasierte Medizin zur „Allianz für Gesundheitskompetenz“
Beispiel Entscheidungshilfe: Informationen zum Mammographie-Screening (pdf, bei G-BA)

 

1 Kommentar
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Die dieser Webseite zugrunde liegenden Inhalte beleuchten Einzelaspekte aus der Perspektive von betroffenen Frauen und Frauengesundheitsbewegung. Die hier bereitgestellten Informationen sind kein Ersatz für ärztliche Beratung und Behandlung. Im Einzelfall sind Diagnose und Therapieempfehlungen immer Sache der behandelnden ÄrztInnen. Weiterlesen: Haftungsausschluss / Disclaimer

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