Myriads BRCA-Patente

Unter der Überschrift „Monopolisierte Gene“ berichtet die FAZ v. 14.01.2007, dass um den Brustkrebs-Test der US-Firma Myriad bis in die letzte Instanz gerungen werden muss. BRCA1 und BRCA2, die an der Reparatur von DNA-Schäden beteiligt sind, sog. Tumorsuppressorgene also, wurden Mitte der 90er Jahre patentiert. Im Falle eines positiven Gentests, der die Gene indiviudell nachweisen kann, ist das Risiko der Trägerinnen, an Brustkrebs zu erkranken, deutlich erhöht.

Welche Maßnahmen dem Risiko wirklich entgegenwirken können, ist dagegen bisher weniger bekannt, weil entsprechende Daten bisher einfach fehlen. Chirurgische Maßnahmen sind noch nicht hinreichend evaluiert und wurden bereits von Susan Love, der auch bei uns gut bekannten Brustkrebsspezialistin (Autorin „Das Brustbuch“) kritisch betrachtet, denn Love hatte bereits Patientinnen in ihrer Sprechstunde, die nach den prophylaktischen Amputationen mit Krebstumoren in den Narben ihre Hilfe brauchten. Sprechstunden für genetisch bedingten Brustkrebs bieten eine Reihe von Brustzentren in Deutschland heute an. Immerhin ein Zugang zu geeigneten Möglichkeiten der Früherkennung und dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis wird damit geschaffen.

Myriad besitzt die Patente auf BRCA 1 und 2 und hat sich sowohl die gesunden Gene wie auch Mutationen patentieren lassen, sowie sogar jegliche darauf beruhenden diagnostischen Maßnahmen einschließlich der Therapie. Obwohl der Test um die Hälfte billiger zu machen ist, verlangt Myriad 2500 Dollar dafür und verklagt andere Anwender.

Greenpeace war eine der wenigen Organisationen, die sich aktiv gegen die profitorientierte Patientierung gerichtet hat und legte Widerspruch beim Europäischen Patentamt ein. Das Patentamt zog das Patent im Jahr 2004 dann zurück, wobei allerdings die ethischen Bedenken keine Rolle gespielt hatten. Vielmehr waren Teile der Gensequenzen bereits vorher bekannt. Myriad legte jedoch Widerspruch ein und behält im Ergebnis damit das Patent bis zur Entscheidung, die in diesem Jahr folgen soll. (Zusammenstellung des Textes: gke)

Quellen:

FAZ 14.01.2007, Monopolisierte Gene: Um einen Brustkrebstest wird bis zur letzten Instanz gerungen – Artikel leider nicht online verfügbar

Patent BRCA 1 (EP 95305601) beim Europäischen Patentamt

Patent BRCA 2 (EP 96309211) beim Europäischen Patentamt

Greenpeace Berichterstattung: Streit um Brustkrebsgene

„Die wahren Kosten der Genpatente“ – Eine Greenpeace-Dokumentation

Stellungnahme des Nationalen Ethikrates: Patentierung biotechnologischer Erfindungen unter Verwendung biologischen Materials menschlichen Ursprungs

Alessa Hool: Die europäischen Patente von Myriad (Seminararbeit)

Das monopolisierte Brustkrebsgen (FAZ, 24. Oktober 2002, Nr. 247)
http://www.gene.ch/genpost/2002/Jul-Dec/msg00225.html

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