2008: Mamma-MRT – MRT der Brust (Magnetresonanz-Tomographie)

Durch neue Forschungsarbeiten unter deutscher Beteiligung ist die Magnetresonanztomomgraphie der Brust (Mamma-MRT) – auch „Kernspin“ genannt – momentan ein in Medien vieldiskutiertes Thema.

Als FAQ zum Mammographie-Screening in Deutschland beantwortet die Kooperationsgemeinschaft Mammographie die Frage

„Ist MRT eine genauere Untersuchungsmethode als die Mammographie?“

Die MRT der Brust ist von wichtiger Bedeutung in der diagnostischen Abklärung von Auffälligkeiten in der Brust und kommt bei klaren Indikationen auch im Screening zum Einsatz. Allerdings, und das ist die einhellige Meinung von Experten, ist sie als Früherkennungsuntersuchung bei symptomfreien Frauen nicht geeignet. Dies wird verständlich vor dem Hintergrund, dass diese Methode etwa 15% falsch-positive Ergebnisse liefert. Die im Vergleich zur Mammographie erheblich höhere Zahl an falsch-positiven Ergebnissen ist für ein bevölkerungsbezogenes Screening nicht akzeptabel. Zudem kommt es zu einer höheren Zahl an zusätzlichen Brustgewebeentnahmen. Diese Zahl an zusätzlichen histologischen Klärungen ist im Vergleich zum Mammographie-Screening etwa zwei- bis dreifach so hoch. Die MRT als flächendeckende Untersuchungsmethode ist darüber hinaus auch aus Kostengründen keine Alternative zum Mammographie-Screening, denn es ist zehnmal so teuer
Es gibt lediglich erste Studien zum Screening bei Hochrisikopatientinnen. Für Hochrisikopatientinnen hat sich gezeigt, dass durch einen ergänzenden Einsatz der MRT tatsächlich Brustkrebs früher erkannt werden kann. Die Vorteile der MRT bei Hochrisiko-Patientinnen und die bei diesen Patientinnen schlechtere Treffsicherheit von Mammographie und Ultraschall erklären sich durch verschiedene Ursachen: Es handelt sich um eine andere Altersgruppe als beim Screening und die Frauenerkranken häufig an Brustkrebstypen mit rasch wachsendem Brustkrebs. Quelle: Fragen und Antworten zum Mammographie-Screening, Kooperationsgemeinschaft, Stand Oktober 2008

s. dazu auch die Pressemeldung der Kooperationsgemeinschaft MammographieMRT oder Mammographie – ist das hier die Frage?“ (Stand: 15.08.2007)

Nachfolgend finden sich zusammengefasst die wichtigsten Empfehlungen der American Cancer Society, die im Wesentlichen den Empfehlungen aus Deutschland entsprechen.

Position und Leitlinie der American Cancer Society (ACS Guidelines)

Zum Brustkrebs-Screening ist die MRT nicht durchführbar wegen der hohen Kosten, inkonsistenter Standards und zuviel „falsch-positiven“ Befunden, die zu unnötigen Biopsien führen. Außerdem gäbe es keinen Beweis, dass mit der Kernspin-Mammographie (MRT der Brust) das Gesamtüberleben von Frauen mit Brustkrebs oder andere Behandlungsergebnisse verbessert werden könnte. Zu diesem Ergebnis kam knapp zusammengefasst eine Experten-Arbeitsgruppe auf dem amerikanischen Krebskongress im Jahr 2007. Die Leitlinie der American Cancer Society beinhaltet die Indikation für ein Mamma-MRT zur Früherkennung von Brustkrebs nur unter den folgenden Bedingungen bei:

  • nachgewiesener BRCA-1 bzw. BRCA-2 Gen-Mutation, bzw. wenn Angehörige (Eltern, Geschwister oder Kinder) solche Mutationen haben. Nur 1 bis 2% der Frauen fallen in diese Gruppe.
  • Frauen mit 20 bis 25%iger oder größerer Wahrscheinlichkeit, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken, was von einer Spezialistin bzw. einem Spezialisten mit Zugang zu Spezialsoftware-Programmen berechnet worden sein muss.
  • Frauen, die eine Strahlentherapie der Brust für eine andere Krebserkrankung im Alter zwischen 10 und 30 Jahren erhalten haben. Das ist sehr selten, in den USA betrifft dies weniger als 1.500 Behandlungsfälle pro Jahr.

Es gibt eine ungenügende Evidenz für die Empfehlung zur Mamma-MRT für Frauen unter den folgenden Umständen, nachdem sie ein Beratungsgespräch mit ihren behandelnden Ärzten geführt haben:

  • Frauen, die Brustkrebs haben/hatten (einschließlich duktales Karzinoma in situ).
  • Frauen mit „dichtem Brustgewebe“ in der Mammographie.
  • Frauen mit mehreren Brustbiopsien in der Vorgeschichte, bei denen sich bereits präkanzeröse Veränderungen gezeigt haben.
  • Frauen mit einem mehr als 15 bis 20%-igem Risiko im Laufe ihres Lebens, wenn dieses durch die behandelnden Ärzte festgestellt worden ist.
  • Solche Frauen mit seltenen Symptomen mit bekanntem erhöhten Risiko, wie z.B. Frauen mit Cowden Syndrom (bei dem sich multiple sogenannte Hamartome entwickeln) oder dem Li-Fraumeni-Snydrom, einer ererbten Erkrankung, die unter anderem mit einer verstärkten Neigung zu Brustkrebs einhergeht. Diese kurzen Empfehlungen wurden so auch abgedruckt unter anderem in der MAMM, Heft Mai/Juni 2007, S. 27.
Eine Mamma-MRT wird nicht empfohlen für Frauen ohne die hier aufgelisteten Risiken.

Empfehlungen zur MRT der Brust zur Früherkennung/Screening in den  ACS Guidelines auf den Webseiten der American Cancer Society nachlesen … (in englischer Sprache, Stand 2007, Archivlink, aktuelle Position verschwunden?)
Komplette Leitlinie als pdf American Cancer Society Guidelines for Breast Screening with MRI as an Adjunct to Mammography (2007)

Weiterlesen

MRT & Brustkrebs: Infos aus relevanten Einrichtungen & Medien zur Magnetresonanztomographie der Brust

2010: Brustkrebs-Diagnose: ergänzende Magnetresonanztomogramme bringen keine Vorteile (deutschsprachige Pressemeldung The LANCET v. 12.02.10)

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 21.08.2010

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