Methadon bei Krebs?

Seit einiger Zeit gibt es in den Medien Berichte über eine angeblich die Chemotherapie verstärkende Wirkung von Methadon1. Methadon ist ein synthetisch hergestelltes, schmerzstillendes Opiod, das in Deutschland nur zur Substitutionsbehandlung bei Heroinabhängigkeit zugelassen ist. Die Diskussion wird kontrovers geführt, Gegnern wird u.a. vorgeworfen, sie seien von der Pharmaindustrie abhängig.

Aufgrund von Anfragen aus der Ärzteschaft hat sich das unabhängige arznei-telegramm (a-t) dieses Themas angenommen. In der Krebstherapie gäbe es ledigich eine Studie mit 27 an Gliom erkrankten Patienten, bei der sich keine signifikanten Unterschiede zur (Chemo-) Therapie ohne Methadon gezeigt hätten. Das a-t urteilt daher: „Wir erachten diese Daten als völlig unzureichend, um die Auswirkungen von Methadon auf Überleben und Lebensqualität beurteilen zu können.“

Die Neuroonkologische Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Krebsgesellschaft charakterisiert das Thema lt. a-t als eine „Herausforderung für die leitliniengerechte Therapie der Patienten“.

Das a-t kritisiert seit langem die unzureichende Förderung unabhängiger klinischer Forschung und kommt bzgl. des Einsatzes von Methadon bei Krebs zu dem Ergebnis: „Wir raten von der unzureichend begründeten Off-label-Anwendung von Methadon zur unterstützenden Tumortherapie ab.“

Wir werden das Thema weiter beobachten.

Weiterlesen:

Methadon gegen Krebs? arznei-telegramm v. 12.06.2017, a-t 06/2017; 48: 49-50, mit weiterführenden Links

Methadon gegen Krebs? Gute Pillen – Schlechte Pillen 2017/05 S. 25 (PDF)

Nachtrag:

Methadon als Krebsmittel: Wie Patienten, Ärzte und Verbände auf einen Plusminus-Bericht reagieren ARD (MDR) v. 16.08.2017, inkl. Plusminus-Beitrag vom 12.04.2017

References

  1. s. Wikipedia: Methadon

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