Übersicht: Mammographie-Screening – Die Mammographie zur Brustkrebs-Früherkennung

Die sichere und in jedem Fall verlässliche, gefahrlose Form der “Brustkrebs-Früherkennung” ist leider noch nicht gefunden. Nach amerikanischen Muster sind Frauen auch bei uns in Deutschland “auf die Straße gegangen” (Brustkrebsdemonstrationen in den Jahren 2000 – 2002). Gleichzeitige politische Initiativen von unterschiedlichen Parteien mündeten in der Folge in einen fraktionsübergreifenden Bundestagsbeschluss zur Etablierung der Einführung des Mammographie-Screenings in Deutschland. Vorausgegangen war z.B. auch derEssener Brustkrebsskandal (Eine Katastrophe für die Frauen, DER SPIEGEL 15/2002 vom 08.04.2002, Seite 202). Industrielle Interessen von Geräteherstellern wie Ethicon und multinationalen Pharmakonzernen, die wiederum “Patientinnenorganisationen” bei ihren Aktivitäten gesponsert haben, sind aber auch nicht von der Hand zu weisen und werfen heute viele Fragen auf. Selbst der nicht gerade industrieferne größte Verband der amerikanischen Frauengesundheitsorganisationen National Breast Cancer Coalition NBCC änderte seine Position zur Durchführung von bevölkerungsbezogenen Mammographie-Screenings grundlegend bereits vor der Einführung in Deutschland dahingehend, dass Daten für die Empfehlung eines bevölkerungsbezogenen Screenings nicht ausreichend seien (s. dazu auch: Die Mammographie im Spiegel: Beginn einer Rückschau)

Die Debatte um das, was im Kontext der Früherkennung sinnvoll und hilfreich ist, geht weiter und wird voraussichtlich auch nicht so schnell abgeschlossen werden. Wichtig bleibt auch der Blick auf finanzielle Ressourcen, die für Früherkennungsverfahren eingesetzt werden. Wer alle Ressourcen für Diagnostikverfahren bei allen [meist gesunden] Frauen bereits verbraucht, hat möglicherweise keine ausreichenden Mittel für notwendige Therapien bei den erkrankten Frauen. Spezialisten für evidenzbasierte Medizin wie David L. Sackett beklagen bereits länger die “Arroganz der präventiven Medizin” (Sackett DL. The arrogance of preventive medicine. CMAJ 2002;167(4):363-4)

Viele wichtige Publikationen zur Früherkennung liegen in deutscher Sprache nicht vor und sind Frauen bei uns damit nicht zugänglich. Dennoch versuchen wir, mehr für uns zu erschließen.

Die Schaffung von Transparenz in Hinsicht auf Wirksamkeit, Risiken und die Möglichkeit zu einer “informierten Entscheidung” sind Grundanliegen in Bezug auf die hier bereitgestellten Informationen. Die breite, häufig einseitige öffentliche Berichterstattung (entweder einseitig pro oder einseitig contra) erleichtert die Situation für Frauen nicht. Eine einseitige Stellungnahme für oder gegen einfache Handlungsanweisungen soll auch hier zum Mammographie-Screening nicht angeboten werden. Wir versuchen jedoch, aus der Perspektive von Frauen relevante Positionen an dieser Stelle zu sammeln und längerfristig zu dokumentieren.

Der Bericht zur gesundheitlichen Situation von Frauen in Deutschland, der im Auftrag des Bundesministeriums für Jugend, Familie, Senionren und Frauen im Dezember 1999 in Berlin herausgegeben wurde, hält (S. 27) fest:
“Die in Deutschland im Aufbau befindlichen Krebsregister bieten eine Basis für eine Verbesserung der Forschung zu Verbreitung, Risiken und zur Effektivität von Früherkennungsprogrammen.
Die Wirksamkeit von Früherkennungsprogrammen bei Brustkrebs für Heilungs- und Überlebenschancen steht außer Frage. Bei der Mammographie kommt es zum einen auf die Einhaltung entsprechender Qualitätsmaßstäbe an, zum anderen müssen ihre Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen werden. Frauen sollten ihre Entscheidung zur Teilnahme an einem Mammographiescreening immer in Kenntnis der Risiken und des Nutzens fällen können und individuell entscheiden, ob und welche Methoden der Früherkennung sie anwenden wollen.”

Stichwort: Mammografie, Mammografie-Screening

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  2. Röntgenstrahlen, Mammographie, BRCA-1, BRCA-2 und Brustkrebs - 5. Februar 2013

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