Gemeinsame Erklärung zum Brustkrebsmonat

(Zuletzt aktualisiert: 3. Oktober 2014)

Gemeinsame Erklärung zum Brustkrebsmonat

Unterzeichnerinnen

Arbeitskreis Frauengesundheit in Psychotherapie und Gesellschaft e.V.
Breast Cancer Action Germany
Eva Frauenzentrum Berlin
Feministisches Frauengesundheitszentrum Berlin (FFGZ)
Frauenzentrum Paula Panke e.V.
Netzwerk Frauengesundheit Berlin
Treffpunkt Krebs – Selbsthilfe für jüngere Frauen
Terre des Femmes Deutschland
Women in Europe for a Common Future e.V.
Zentralstelle für die Selbstverwirklichung der Frau, Bremen

Berlin, 17.10.2011

Brustkrebs ist keine Geschäftsidee: Frauengesundheitsorganisationen fordern Stopp des Missbrauchs

Die fortschreitende Kommerzialisierung und ökonomische Ausbeutung des Themas Brustkrebs ist eine Fehlentwicklung, der eine Reihe von Frauenorganisationen jetzt entschieden entgegen treten.

Diagnostik und Therapie von Brustkrebs sind eng mit ökonomischen Interessen verknüpft. Eine begleitende kritische Bewertung ist grundsätzlich ratsam.

Besonders empörend ist der aktuelle Trend im Oktober: Globale Konzerne und Firmen überbieten sich gegenseitig mit PR-Kampagnen und sammeln Spendengelder auch in Deutschland ein. Der Aufmerksamkeitsfaktor des Themas Brustkrebs steigert Verkaufzahlen und wird zur Marketingmaßnahme für Geschäfte und Profite umgemünzt. Einnahmen und Verwendung der Spenden sind selten transparent. Beispielhaft zeigen zwei aktuelle Kampagnen, wie die Krankheit zum Geschäftsmodell umfunktioniert wird.

Am 18. Oktober wird Pink Ribbon Deutschland auf dem Potsdamer Platz „die größte pinkfarbene Schleife in Deutschland“ binden. Bei genauerem Hinsehen bieten die Macher auch jede Menge Werbung, Halbwissen aus PR-Kanälen, das Sammeln von Spenden sowie die Suche nach neuen Anzeigenpartnern. Als Frauengesundheitsorganisationen lehnen wir das mit solchen Aktionen verknüpfte konsumorientierte Frauenbild, das Frauen öffentlich sexualisiert und infantilisiert, ab.

Im Schlepptau des „pink“ angestrahlten Brandenburger Tors durch den Kosmetikkonzern Estée Lauder am 11. Oktober wird die Aufmerksamkeit auf hochpreisige Kosmetika gelenkt. Die verständliche Deklaration von Inhaltsstoffen oder der Verzicht auf krebserregende Chemikalien in Kosmetika stehen dagegen nicht auf der Agenda. Lichtaktionen, bei denen öffentliche Gebäude rosa angestrahlt werden, nennt die Medizinsoziologin Samantha King schlicht Stromverschwendung.

Wir sehen mehr Schaden als Gewinn für Frauen durch derartige Aktionen. Die Entwicklung, vorgeblich Wohltätigkeit auf Kosten kranker Menschen an geschäftliche Interessen zu koppeln, sehen wir mit Sorge.

Die Deutsche Krebshilfe, für die am 18.10. Spenden gesammelt werden sollen und die eine Vorbildfunktion einnehmen muss, rufen wir auf, ihre Kooperationen kritisch zu überprüfen.

Was für Frauen grundsätzlich wichtig ist: 6 Punkte für den Umgang mit dem Thema Brustkrebs in Deutschland

  1. Öffentlich geförderte und transparente Forschung zu Ursachen der Krebsentstehung, Diagnostik und Therapie. Langfristige Nachbeobachtung von Forschungsergebnissen weit über vermarktungsrelevante Eckpunkte und fünf Jahre hinaus.
  2. Priorisierung der Vermeidung von Brustkrebs und anderen Krebserkrankungen. Schwerpunkt muss endlich der Abbau von Umweltbelastungen und Umweltgefährdungen sein. Keine Kooperationen und keine Annahme von Spenden von Unternehmen und Institutionen, die für die Erzeugung und Verbreitung von Karzinogenen verantwortlich sind.
  3. Bereitstellung evidenzbasierter Informationsangebote unter Beachtung höchster professioneller und ethischer Standards und unter Berücksichtigung von Kapazität und Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen. Informationsmaterialien zu den Themen Vermeidung, Screening, Diagnostik und Behandlung auf einer rationalen anstelle einer rein emotionalen Ebene.
  4. Transparente, zeitnahe und für Frauen verständliche Bewertung der Ergebnisse aus dem weltweit größten organisierten Mammographie-Screening-Programm in Deutschland. Frauen haben großes Interesse und Anspruch auf die Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem Programm, um ihre Entscheidungen für oder gegen eine Teilnahme treffen zu können.
  5. Berücksichtigung von Brustkrebs als einem großen sozialen Problem für erkrankte Frauen und ihre Familien sowie angemessene wirtschaftliche Absicherung von an Krebs erkrankten Frauen.
  6. Transparente Offenlegung und Veröffentlichung der Interessenlage von Organisationen, die sich mit Brustkrebs und anderen gesundheitsbezogenen Themen befassen und/oder Spenden sammeln.

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Gemeinsame Erklärung zum „Brustkrebsmonat“

Weitere Informationen und Kontaktpartnerinnen unter:

www.akf-info.de  www.bcaction.de  www.ewa-frauenzentrum.de  www.ffgz.de
www.frauengesundheit-berlin.de  http://frauenrechte.de  www.interkulturellesfrauenhaus.de
www.paula-panke.de  www.treffpunktkrebs.de  www.wecf.eu  www.zgf.bremen.de

2 Kommentare
  1. […] Gemeinsame Erklärung der Frauengesundheitsorganisationen zum Brustkrebsmonat (2011, trotzdem aktuell) […]

  2. […] Die beiden Autorinnen beschreiben, dass eben diese „professionalisierten“ Gruppen feministische Perspektiven breit übertönen, während eine „Kultur der rosa Schleife“, konfektioniert für den Massenkonsum, Publicity, Geld (Spenden, Sponsoring) und Einflussnahme von Konzernen und Politik dafür sorge, dass sich Brustkrebs zum populärsten „guten Zweck“ innerhalb der amerikanischen Kultur mausern konnte. Die weitere Verbreitung dieser „Kultur“ beobachten wir bei uns in Deutschland. Aktivitäten dieser Art blieben hierzulande allerdings vergleichsweise kleinere Ausläufer (Brustkrebsläufe und Rosa Schleife-Kampagnen), gegen die sich 2011 ein breiteres Bündnis von Frauenorganisationen gemeinsam mit der Erklärung Brustkrebs ist keine Geschäftsidee: Frauengesundheitsorganisationen fordern Stopp des Missbrauchs wandte. […]

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... sind eine kleine unabhängige Gemeinschaft von Frauen, die sich im Kontext Brustkrebs engagieren. Wir wollen die bestmögliche Behandlung für alle, die von dieser schweren Erkrankung betroffen sind. Wir wollen aber auch, dass die Forschung über die Ursachen von Brustkrebs und über die Möglichkeiten der Primärprävention endlich grundlegend verbessert werden.

Wir sind ein kreatives, privat finanziertes Low-Budget-Projekt, das grundsätzlich jegliche Finanzierung im Interessenkonflikt ablehnt und insbesondere keine Pharmagelder annimmt. Lesen Sie dazu unsere Leitlinie, entsprechend der Richtlinie zur Einwerbung von Drittmitteln von Breast Cancer Action.

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