„Frontal21“ berichtet über Krebs durch Hormonbehandlung

Beate Schmidt hat den Beitrag gesehen und berichtet

„Verharmloste Gefahren – Krebs durch Hormonbehandlung“

Hinweis auf die  „Frontal21“-Sendung vom 15.6.2009 von Olaf Lippegaus, Sabine Prokscha und Corinna Thimme

Zitat einführender Text: „Die längere Einnahme von Hormonpräparaten bei Wechseljahrsbeschwerden erhöht Studien zufolge das Brustkrebsrisiko bei Frauen. Davor warnen Wissenschaftler und die Arzneimittelkommission seit Jahren. Doch manche Hersteller verharmlosen die Risiken, Ärzte und Patientinnen unterschätzen immer noch die Gefahr.“

Während Experten seit einigen Jahren insbesondere vor einer längeren Einnahme von Hormonen gegen Wechseljahrsbeschwerden warnen, unterschätzen laut einer Umfrage der AOK viele Ärzte immer noch die Gefahr: Fast 80 Prozent der Befragten halten die Risiken der Hormontherapie für überbewertet, so die Sendung. Zitat: „Das zeige, kritisiert die Allgemeinmedizinerin Professor Erika Baum von der Universität Marburg gegenüber Frontal21, dass die ‚Gehirnwäsche bei den Ärzten funktioniert hat. Die Ärzte werden immer wieder von den Pharmareferenten, von den kostenlosen Fortbildungsveranstaltungen, bei denen es vielleicht dann auch noch ein Essen gibt, in eine bestimmte Richtung beeinflusst.'“ Prof. Erika Baum kritisiert zugleich die verharmlosende Werbung durch die Hersteller („Ihre Haut wird schöner und glatter“ oder „Keine Frau braucht heute aus Angst vor Krebs auf Linderung ihrer Wechseljahrsbeschwerden zu verzichten“). Derartiges sei keine Produktinformation, sondern „hochgefährliche Werbung“.

Frontal21 lässt auch Professor Gerd Glaeske von der Universität Bremen zu Wort kommen, der meint, womöglich werde die Gesundheit der Frauen wirtschaftlichen Interessen geopfert. Denn die dauernde Gabe von Hormonpräparaten führe dazu, dass Frauen immer wieder in die Arztpraxis kommen müssten. „Das bedeutet auch ökonomisch natürlich eine wichtige Basis für eine Praxis.“

Welche Folgen die Gabe von Hormonpräparaten bei Frauen nach Brustkrebs haben kann, zeigt das Beispiel einer Patientin, der nach Brustkrebs und Eierstockentfernung „Liviella“ verabreicht wurde. Das würde anders funktionieren als die anderen Hormonersatztherapien, das könne sie nehmen, wurde ihr gesagt, so Frontal21. Fünf Jahre später litt die Patientin an Metastasen. Frontal21 weiter: „Dabei hatte der Hersteller in Aussicht gestellt, ‚Liviella‘ könne womöglich sogar vor Krebs schützen. Von ‚protektiven Effekten‘ war die Rede, und die sollte eine Studie belegen. Doch heraus kam das Gegenteil: Denn ‚Liviella‘ mit dem Wirkstoff Tibolon erhöht bei Brustkrebspatientinnen das Risiko, erneut zu erkranken. Die Studie wurde abgebrochen, um die teilnehmenden Frauen nicht weiter zu gefährden. Der Hersteller informierte Zulassungsbehörden, Ethikkommissionen, Studienzentren und Studienteilnehmerinnen. Die breite Öffentlichkeit aber erfährt lange nichts vom erhöhten Brustkrebsrisiko durch den in ‚Liviella‘ enthaltenen Wirkstoff Tibolon.“ Die Studie wird nach Angaben von Frontal21 erst mit eineinhalb Jahren Verspätung veröffentlicht. Bis dahin wird weiter verdient.

Die gezeigte Patientin ist kein Einzelfall. Auch uns – mehreren Frauen im Projekt Breast Cancer Action Germany – wurde das Präparat von  behandelnden ÄrztInnen angeboten. Wir kennen weitere Frauen mit Brustkrebs, die den Versprechen von Hersteller und Ärzten geglaubt haben, leider auch mit bitteren Folgen. Deswegen suchen wir weiter: Nach Wegen, die Geschäftemacherei auf Kosten gutgläubiger – oft zudem kranker Frauen – endlich zu stoppen.

Sendung verpasst?

Zum  Manuskript des Beitrages.  Das Thema wurde auch im Forum zur Sendung diskutiert. (Leider sind sämtliche Materialien nicht mehr online.)

Weiterlesen:

Wir haben u.a. am 13.03.2009 in unserem infoblog! berichtet und eine PRESSEMELDUNG versandt:
Tödliche Nebenwirkungen – Eine von 22 Brustkrebspatientinnen erlitt Rezidiv nach Tibolon-Einnahme.

 

1 Kommentar
  1. […] Hier noch einmal unsere Pressemeldung von 2009 zu Tibolon und Bericht zur Frontal 21-Sendung “Krebs durch Hormonbehandlung”, die online bereits wieder verschwunden ist … Weiterlesen: arznei-telegramm zu Tibolon und […]

Schreibe einen Kommentar

Benutzungshinweis

Die dieser Webseite zugrunde liegenden Inhalte beleuchten Einzelaspekte aus der Perspektive von betroffenen Frauen und Frauengesundheitsbewegung. Die hier bereitgestellten Informationen sind kein Ersatz für ärztliche Beratung und Behandlung. Im Einzelfall sind Diagnose und Therapieempfehlungen immer Sache der behandelnden ÄrztInnen. Weiterlesen: Haftungsausschluss / Disclaimer

Werbung?

Diese Webseite ist werbefrei.

Akkreditierung

Diese Website ist bei der Health On the Net Foundation akkreditiert.
Wir berücksichtigen HONcode Standards. Zur Überprüfung klicken Sie bitte auf das HON-Logo. Diese Website ist seit 2007 bei der Health On the Net Foundation akkreditiert. Wir berücksichtigen HONcode-Standards. Zur Überprüfung klicken Sie bitte auf das HON-Logo.

LibraryThing

Wir …

... sind eine kleine unabhängige Gemeinschaft von Frauen, die sich im Kontext Brustkrebs engagieren. Wir wollen die bestmögliche Behandlung für alle, die von dieser schweren Erkrankung betroffen sind. Wir wollen aber auch, dass die Forschung über die Ursachen von Brustkrebs und über die Möglichkeiten der Primärprävention endlich grundlegend verbessert werden.

Wir sind ein kreatives, privat finanziertes Low-Budget-Projekt, das grundsätzlich jegliche Finanzierung im Interessenkonflikt ablehnt und insbesondere keine Pharmagelder annimmt. Lesen Sie dazu unsere Leitlinie, entsprechend der Richtlinie zur Einwerbung von Drittmitteln von Breast Cancer Action.

Spenden …

Breast Cancer Action Germany - die kritische Annäherung rund um das Thema Brustgesundheit und Brustkrebs im Kontext von Medizin, Krankheitsvermeidung, Umwelt, Gesellschaft und Politik mit dem Schwerpunkt Selbstschutz / Verbraucherinnenschutz.

Wir lehnen uns u.a. an die Arbeit von Breast Cancer Action mit Sitz in San Francisco an. Diese Arbeit hilft uns sehr. Ohne die wichtige Arbeit der engagierten Frauen von Breast Cancer Action (www.bcaction.org) nachzunutzen, hätten wir von Frauenseite in Deutschland keine wirklich neutralen Berichte zu vielen wichtigen und komplizierten Themenbereichen bei Brustkrebs. Die Arbeit von Breast Cancer Action ist wertvoll und nicht kostenlos zu leisten.
Es ist möglich, direkt an Breast Cancer Action in den USA zu spenden. Die Spenden werden in der Breast Cancer Action-Zeitschrift „Source“ veröffentlicht, wenn nichts anderes angekreuzt wird. Es ist auch möglich, für namentlich genannte Patientinnen oder zum Gedächtnis von Frauen mit Brustkrebs, die nicht mehr leben, zu spenden. Eine Spende ist einfach z.B. über Kreditkarte möglich: Breast Cancer Action unterstützen.