fenjal: Deo mit Aluminium – Keine Unterstützung vom Hersteller

Aluminiumhaltiges Deodorant fenjal - alufreie Alternativen (Beispiel)

Aluminiumhaltiges Deodorant fenjal – alufreie Alternativen (Beispiel)

In unserem Beitrag ToxFox – Kosmetik-Check für Smartphones online vom 28.07.13 haben wir am Beispiel von fenjal intensive Creme Deo Roll-On gezeigt, dass Aluminium als Stoff, der mit der Entstehung von Brustkrebs in Zusammenhang gebracht wird, derzeit noch nicht in der Liste schädlicher oder zumindest bedenklicher Inhaltsstoffe geführt wird.

Auch beim Einkauf von Körperpflegeprodukten: Auf die Inhaltsstoffe achten

Viele Deos enthalten Aluminium. Eine unserer Projektfrauen ist jetzt aktiv geworden und hat den Hersteller von fenjal mit Hinweis auf ihre Brustkrebserkrankung angeschrieben. Die Reaktion des Herstellers ist jedoch für uns enttäuschend: Wir möchten sie unseren Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten.

Aus dem Text der Anfrage (personenbezogene Daten wurden von uns aus Datenschutzgründen entfernt) über das Kontaktformular auf der fenjal-Website:

„… ich habe über sehr lange Zeiträume hinweg das Creme Deodorant Fenjal (früher Fenjala) mit dem Inhaltsstoff Aluminium benutzt. Da Aluminium als Brustkrebs auslösende Chemikalie in letzter Zeit verstärkt in der wissenschaftlichen Diskussion auftaucht, möchte ich anfragen, ob es Ihnen möglich ist, das Deodorant künftig ohne Aluminium herzustellen.“

Am selben Tage erhielten wir die Eingangsbestätigung vom fenjal-Team, das im Hauser der Doetsch Grether AG im schweizerischen Basel ansässig ist.

Die Antwort kam erst zehn Tage später, auf nochmalige Rückfrage, am 14.08.2013, und zwar aus der Abteilung Personal Care & Marketing der Doetsch Grether AG. Zitat:

„Wir nehmen Bezug auf Ihre E-Mail und müssen Ihnen leider mitteilen, dass wir Sie nicht unterstützen können.“

Ein Satz, kurz und knackig – und völlig vorbei an unserer Anfrage und dem angesprochenen Sachverhalt.

Die Macht der VerbraucherInnen

Bedenken gegen Aluminium in Deos gibt es bereits länger, doch sie wurden immer wieder einfach vom Tisch gewischt, obwohl verschiedene wissenschaftliche Arbeiten auf mögliche Risiken und die Entstehung von Brustkrebs hinweisen. Aluminium in Deos ist verzichtbar. Eine Übersicht mit Quellen zum Thema werden wir in nächster Zeit hier bereitstellen. Verbraucherinnen sind nicht machtlos. Sie können bedenkliche Produkte im Laden stehen lassen.  Beeindruckend hat zuletzt die Petition gegen Penaten-Wundschutzcreme für Babies gezeigt, wie schnell die Produktion umgestellt werden kann: Ab 2014 wird diese Creme endlich ohne hormonell wirksame Substanzen hergestellt – dank einer öffentlichen Petition an Johnson & Johnson.

Ob hormonell wirksame Substanzen in Körperpflegeprodukten oder Hormone in Milchprodukten (s. unser Bericht aus 2008 sowie die Pressemeldung von Breast Cancer Action aus dem Jahr 2009 über den Erfolg dieser Aktion): Auch europäische Hersteller von Kosmetika und Körperpflegeprodukten werden sich bewegen müssen. Sie werden absehbar wirtschaftlich weniger erfolgreich sein, wenn sie auch zukünftig ohne Rücksicht auf berechtigte Verbraucherinteressen ihre Produkte an die KonsumentInnen bringen.  

Einkaufstipp

Substanzen, die im Verdacht stehen, Krebs auszulösen oder auf andere Art gesundheitsschädlich zu sein, müssen wir nicht kaufen. Verschiedene Hersteller haben sich bereits umgestellt und bieten als Alternative Deos, die ohne Aluminium auskommen. Auch die meisten Deodorants für Herren enthalten Aluminium und auch hier gibt es Alternativen ohne Alu. So funktioniert’s: Inhaltsstoffe auf den Etiketten von Deos genau studieren und Deos mit Alu gar nicht erst kaufen. Übrigens können auch Naturkosmetik-Deos Aluminiumverbindungen enthalten. Aufpassen und Inhaltsstoffe nachlesen ist also angesagt. Mit der ToxFox-App geht dies für auch hormonell wirksame Chemikalien kinderleicht, und das schon am Ladenregal.

Nachtrag / Stand November 2014

In einer Email vom November 2014 an uns bedauerte die Doetsch Grether AG ihre unangemessene Antwort auf unser Anliegen. Sie suchte um Entfernung dieses Berichts bei uns nach und wies uns auf die Stellungnahme „Zur Sicherheit von Aluminium in Kosmetika“ des Industrieverbands Körperpflege und Waschmittel e.V. hin, die Bedenken im Zusammenhang mit Aluminium in Kosmetika in Abrede stellt. Weiterhin enthalten alle Deoroller die von Doetsch Grether gegenwärtig auf den Markt gebracht werden, Aluminium Chlorohydrat. Dem Wunsch auf Entfernung dieses Artikels können wir aus wichtigen Gründen nicht entsprechen. Mit unserer Arbeit setzen wir uns für die Gesundheit von Frauen und besonders von Frauen mit Brustkrebs ein. Als bereits von Krebs betroffene Frauen möchten wir Risiken aus verständlichen Gründen vorsorglich meiden. Eine der Grundlagen unserer Arbeit ist dabei die Ottawa-Charta, gemäß der wir beispielsweise in Kooperation mit den Frauengesundheitsnetzwerken an einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik mitwirken und uns dafür einsetzen, dass auf die Herstellung gesundheitsgefährdender Produkte verzichtet und gesunde Umwelt- und Lebensbedingungen für alle Menschen geschaffen werden. Deos und andere Kosmetika mit Unsicherheitsfaktoren sind nicht akzeptabel. Alle Kosmetika und also auch Deodorants müssen sicher sein. Inhaltsstoffe in Kosmetika und auch Deos, die Zweifel an der Unbedenklichkeit begründen, sind verzichtbar. Das Vorsorgeprinzip („precautionary principle“) hat für uns hohe Priorität. Das Vorsorgeprinzip zu berücksichtigen heißt im konkreten Fall, dass es Bedenken gegenüber Aluminium gibt, die sogar das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als staatliche Stelle teilt. 1 So empfiehlt das BfR, auf aluminiumhaltige Deodorants zu verzichten, um eine tolerierbare Höchstgrenze nicht zu überschreiten. Wir wünschen uns allerdings „keine tolerierbare Minimaldosis“ anstelle von sog. tolerierbaren Höchstgrenzen und natürlich Deos ohne Aluminium. Wer sich darüber hinaus ansieht, wie Aluminium abgebaut wird und welche unglaublichen Umweltschäden damit verursacht werden, wird auf Alu-Deos sicher ebenfalls gern verzichten. Es gibt mehr und mehr Deos, die ohne Aluminium auskommen. Gut so, geht doch.

Wird fortgesetzt …

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References

  1. 1. Aluminiumhaltige Antitranspirantien tragen zur Aufnahme von Aluminium bei Stellungnahme Nr. 007/2014 des BfR vom 26. Februar 2014 http://www.bfr.bund.de/cm/343/aluminiumhaltige-antitranspirantien-tragen-zur-aufnahme-von-aluminium-bei.pdf http://www.bfr.bund.de/cm/343/aluminiumhaltige-antitranspirantien-tragen-zur-aufnahme-von-aluminium-bei.pdf

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    2 Kommentare zu “fenjal: Deo mit Aluminium – Keine Unterstützung vom Hersteller”

    1. Breast Cancer Action Germany 15. November 2014 at 22:29 #

      Wikipedia – Auszug Textabschnitt Datenlage Brustkrebs-Risiko durch Aluminium in Deodorants

      (Stand 15.11.2014)

      Forscher in England fanden 2005 und 2009 erhöhte Konzentrationen Aluminium[1], [2] in Brustkrebs-Gewebeproben von Frauen. Daraus folgerten sie, dass diese Inhaltsstoffe von Deodorants (Aluminiumsalze als schweißhemmendes Mittel[3]) ein Risikofaktor bei der Entstehung von Brustkrebs seien.

      Auch in einer anderen Quelle hatten Forscher 2007 Bedenken, dass das Aluminium in Antitranspirantien das Risiko von Brustkrebs erhöhen kann, zum Ausdruck gebracht [4].

      Aluminiumchlorhydrate in Deodorants standen zeitweise im Verdacht, mit Brustkrebs in Verbindung zu stehen, da in Tumorgewebe akkumuliertes Aluminium gefunden worden war. Jedoch war der Zusammenhang mit der Entstehung von Brusttumoren unklar und die Aufnahme in die Zellen ungeklärt.[5]

      Eine nicht mehr ganz aktuelle Metastudie aus dem Jahr 2008, bei der die bisherigen Untersuchungen über dieses Thema zusammengefasst wurden, kam zu dem Schluss, dass es keine wissenschaftlichen Nachweise für diese Theorie gibt.[6]

      Das Deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung BfR und der Krebsinformationsdienst KID (öffentliches Organ des Deutschen Krebsforschungszentrums DKFZ) sowie internationale Brustkrebsverbände gaben 2010 offiziell zunächst Entwarnung.

      2012 hat die Österreichische Krebshilfe Univ. Prof. Dr. Wolfram Parzefall (ehem. Univ. Prof. für Toxikologie am Institut für Krebsforschung an der Medizinischen Universität Wien) versucht, das krebserzeugende (kanzerogene) Risiko von Aluminiumchlorid(hexahydrat) als Bestandteil von Deodorantien zu beurteilen, da eine rezente Publikation (Sappino et al. 2012) einen möglichen Zusammenhang mit weiblichem Brustkrebs in den Raum gestellt hat.[7] In dieser Beurteilung wird erwähnt, dass die Amerikanische Krebsgesellschaft eine vorsichtigere Einschätzung publiziert hat, die auf die Veränderung von Östrogen-Rezeptoren durch Aluminiumverbindungen hinweist. Diese können durch die Haut aufgenommen werden und zu Veränderungen in Östrogenrezeptoren von Brustzellen führen. Da Östrogen sowohl ein Wachstum von Krebs-Brust-Zellen als auch von Nicht-Krebs-Brust-Zellen bewirken kann, haben einige Wissenschaftler darauf hingewiesen, dass die Verwendung von Verbindungen auf Aluminium-Basis in Antitranspirantien ein Risikofaktor für die Entwicklung von Brustkrebs sein könnte. Da bisher aber keine eindeutige Verbindung zu Brustkrebs hergestellt wurde, werden die Forscher weiterhin Aluminium als möglichen Brustkrebs-Risikofaktor im Auge behalten.

      Für klarere Aussagen seien weitere Studien erforderlich.[7]

      Eine Studie[8] aus dem Jahr 2012 mit menschlichen Brustzellkulturen wies unter Laborbedingungen auf eine zellbeeinträchtigende Wirkung von Aluminiumchlorid hin. Die Zellen zeigten abnormes Verhalten, das mit der ersten Phase einer tumorartigen Veränderung vergleichbar ist. Die in der Studie verwendeten Aluminiumchloride wurden direkt in die Zellkultur injiziert. Die natürliche Barriere der menschlichen Haut blieb dabei unberücksichtigt.

      Insgesamt ist daher laut der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES)[9] zu sagen, dass wohl aufgrund der unterschiedlichen Ergebnisse weiterer Forschungsbedarf gegeben ist, um die Aufnahme von Aluminium nach dermaler Anwendung besser zu verstehen und eine etwaige Rolle von Aluminium bei Brustzellveränderungen abzuklären. Im Sinne eines vorbeugenden Gesundheitsschutzes sollten solche kosmetischen Mittel nicht in die frisch rasierte Achselhöhle eingebracht werden.

      In einer Neubewertung aus dem Jahr 2014 bezeichnete das BfR die Studienlage als widersprüchlich[10]. Aluminiumhaltige Antitranspirantien trügen zur Aufnahme von Aluminium in den menschlichen Organismus bei. Es sei wahrscheinlich, dass ein Teil der Bevölkerung bereits über Lebensmittel und andere aluminiumhaltige Produkte die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge von 1 mg Aluminium je Kilogramm Körpergewicht erreiche. Daher empfiehlt das BfR auf aluminiumhaltige Deodorants zu verzichten, um die tolerierbare Höchstgrenze nicht zu überschreiten. Ein kausaler Zusammenhang zwischen der erhöhten Aluminiumaufnahme durch Antitranspirantien und der Alzheimer-Krankheit bzw. Brustkrebs könne allerdings trotz einer Reihe entsprechender Studien aufgrund der inkonsistenten Datenlage wissenschaftlich bisher nicht belegt werden.

      [1] Darbre PD.:Aluminium, antiperspirants and breast cancer, J. Inorg. Biochem., September 2005, Seiten 1912-1919
      [2] F Mannello, GA Tonti, PD Darbre: Concentration of aluminium in breast cyst fluids collected from women affected by gross cystic breast disease, Journal of Applied Toxicology, Band 29, Ausgabe 1, Seiten 1–6, 6.Jänner 2009
      [3] Patentschrift Wasserfreie Antitranspirant-Sprays mit verbesserter Leistung
      [4] Exley C, Charles LM, Barr L, Martin C, Polwart A, Darbre PD: Aluminium in human breast tissue. In: J. Inorg. Biochem.. 101, Nr. 9, 2007, S. 1344–6. doi:10.1016/j.jinorgbio.2007.06.005. PMID 17629949.
      [5] P. D. Darbre: Aluminium, antiperspirants and breast cancer. J. Inorg. Biochem. (2005) 99(9): S. 1912-1919; PMID 16045991.
      [6] Namer M, Luporsi E, Gligorov J, Lokiec F, Spielmann M.: The use of deodorants/antiperspirants does not constitute a risk factor for breast cancer. Centre Antoine-Lacassagne, Nice, France. (2008); PMID 18829420.
      [7] Aluminiumchlorid in Deodorantien: Ein Brustkrebsrisiko (Frage), 2012, Univ. Prof. Dr. Wolfram Parzefall, ehem. Univ. Prof. für Toxikologie am Institut für Krebsforschung der Medizinischen Universität Wien, PDF-Datei, 3 Seiten, 158kB
      [8] Sappino AP, Buser R, Gimelli S, Béna F, Belin D and Mandriotab SJ. Aluminium chloride promotes anchorage independent growth in human mammary epithelial cells. J. Appl. Toxicol. 2012; 32:233–243
      [9] Information zu Aluminiumchloridverwendung in Antitranspirantien der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES)
      [10] Aluminiumhaltige Antitranspirantien tragen zur Aufnahme von Aluminium bei. Stellungnahme Nr. 007/2014 des BfR vom 26. Februar 2014, abgerufen am 25. März 2014

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