Endokrine Disruptoren (EDCs)

(Zuletzt aktualisiert: 5. Dezember 2016)

Als endokrine Disruptoren (EDCs) werden Chemikalien bezeichnet, die in der Lage sind, im menschlichen Körper natürliche Hormone, z.B. Östrogen, zu imitieren. Sie werden in den Kontext der Entstehung von einer Vielzahl von Krankheiten gestellt. Ihnen wird bei der Entstehung von Brustkrebs eine insgesamt ungünstige Rolle zugeschrieben und sie werden für die Entstehung von Brustkrebs mit verantwortlich gemacht. Aber die Einschränkung auf östrogenartig wirkende chemische Stoffe greift zu kurz, auch wenn diese Chemikalien mitunter als das alleinige Problem im Zusammenhang mit endokrinen Disruptoren angesehen werden. Östrogen ist im komplizierten ineinander greifende System nur eine von verschiedenen hormonell wirksamen Substanzen. 1 So werden unter anderem die Funktion der Nebennieren (Produzenten von Stresshormonen) oder die Schilddrüse von künstlich  hergestellten Chemikalien, die hormonartig wirken, beeinflusst. Und auch diese stehen wiederum in einem Zusammenhang zur Entstehung von Brustkrebs, da für einen herab gesetzten Spiegel von Schilddrüsenhormonen ein ebenso starker Bezug zur Entstehung von Brustkrebs gezeigt werden konnte. 1

Zu den endokrinen Disruptoren, also Chemikalien, die „alle möglichen Hormonbotschaften durcheinander bringen“ können, werden u.a. Insektizide, Biozide oder Pestizide gezählt. „Kleine Dosierungen können große Effekte haben. Es gibt ein breites Spektrum von Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Kontamination in frühen Phasen des Lebens kann bleibende Effekte auslösen. Endokrine Disruptoren sind überall.“ 2

Einzelne Chemikalien, die als endokrine Disruptoren eingestuft werden

DES (Diethylstilbestrol)

„Paradebeispiel“ eines synthetisch hergestellten Östrogens, das einen der größten Hormonskandale der Medizingeschichte verursachte, in Deutschland jedoch anders als in den USA, wo mehr Frauen betroffen waren, kaum im öffentlichen Bewusstsein ist.

Herbizide

2,4,-D
2,4,5,-T
Alachlor
Amitrole
Atrazine
Linuron
Metribuzin
Nitrofen
Trifluralin

Fungizide

Benomyl
Ethylene thiourea
Fenarimol
Hexachlorobenzene
Mancozeb
Maneb
Metiram – complex
Tri-butyl-tin
Vinclozolin
Zineb

Insektizide

Aldicarb
beta-HCH
Carbaryl
Chlordane
Chlordecone
DBCP
Dicofol
Dieldrin
DDT und Metaboliten

„Dioxin ist wie DDT und PCB’s eine langlebige, fettliebende Verbindung, die sich bei ihrer Wanderung durch die Nahrungskette anreichert und konzentriert.“  bzw. „… bei einer Reihe von Tieren kann es als das potenteste aller jemals an Tieren getesteten Karzinogene gelten.“ 3

Endosulfan
Heptachlor / H-epoxide
Lindan (gamma-HCH)
Malathion
Methomyl
Methoxychlor
Oxychlordane
Parathion
Synthetic pyrethroids
Transnonachlor
Toxaphene

Industriechemikalien

Bisphenol – A
Polycarbonates
Butylhydroxyanisole (BHA)
Cadmium
Chloro- & Bromo-diphenyl
Dioxins
Furans
Lead
Manganese
Methyl mercury
Nonylphenol
Octylphenol
PBDEs
PCBs
Pentachlorophenol
Penta- to Nonylphenols
Perchlorate
PFOA
p-tert-Pentylphenol
Phthalates
Styrene

Quellenangabe Listung der EDCs: Endocrine Disruption: Where do we go from here?  Linda S. Birnbaum, Ph.D., Direktorin National Institute of Environmental Health Sciences, National Toxicology Program, Vortrag der EU Conference on Endocrine Disruptors, 11. Juni 2012

 

Literatur

Theo Colborn, Dianne Dumanoski, John Peterson Myers: Die bedrohte Zukunft. 1996. ISBN 3-426-26864-7

Rubrik Endokrine Disruptoren www.bcaction.de

 

References

  1. 1. s. dazu: Colburn, Theo: Die bedrohte Zukunft, 1996, S. 127 f 3-426-26864-7

    Bezugnahme u.a. auf Birnbaum, Linda, Leiterin der Abteilung Umwelttoxikologie am Health Effects Research Laboratory der US-Umweltschutzbehörde. Eine Pubmed-Recherche brachte aktuell [Stand 08/2013] keine speziellen Veröffentlichungen von L. Birnbaum zu diesem Thema.

  2. 2. Endocrine Disruption: Where do we go from here? Linda S. Birnbaum, Ph.D., Direktorin National Institute of Environmental Health Sciences, National Toxicology Program, Vortrag der EU Conference on Endocrine Disruptors, 11. Juni 2012 Europäische Kommission: EU Conference on Endocrine Disruptors. Current Challenges in Science and Policy, Brüssel 11./12 Juni 2012

    Low doses can have big effects, Wide range of effects on our health, Early life exposures can have persistent effects, Endocrine disrupting chemicals are ubiquitous, Decreases Exposure.

  1. 3. Colburn, T.: Die bedrohte Zukunft. 1996. S. 164
7 Kommentare
  1. […] das natürliche hormonelle Gleichgewicht auf diese Weise zu stören. Es wird deswegen auch zu den endokrinen Disruptoren […]

  2. […] die Problematik dieser Chemikalien, zu denen in erster Linie hormonell wirksame Chemikalien (sog. EDCs, endokrine Disruptoren) gehören, nicht neu ist: Es ist doch ein Novum, dass medizinische Fachgesellschaften das Thema […]

  3. […] Nicht nur Brustkrebs, auch Endometriose wird während dieser Veranstaltung im Zusammenhang mit endokrinen Disruptoren (EDCs) genauer unter die Lupe genommen. Übereinstimmende Hinweise von WHO, UNEP und aus […]

  4. […] Colborn (1927 – 2014) hat in den Fußstapfen von Rachel Carson viele Steine in Sachen endokrine Disruptoren (EDCs) ins Rollen gebracht und ist im öffentlichen Bewusstsein zumindest bei uns dennoch wieder weit nach […]

  5. […] und Begrifflichkeiten wie „Brustkrebs-Epidemie“, „Brustkrebsbewegung“, Sexualisierung und endokrine Disruptoren eine ergiebige Quelle für öffentlichen Auseinandersetzung mit Brustkrebs gegen Ende der 1990er […]

  6. […] kommen weitere endokrine Disruptoren aus Moschusextrakten, Parfumrückständen und Phthalaten, einer Gruppe von Chemikalien, die sich in […]

  7. […] kommen weitere endokrine Disruptoren aus Moschusextrakten, Parfumrückständen und Phthalaten, einer Gruppe von Chemikalien, die sich in […]

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