EMPFEHLUNGEN ZUR KREBSVORSORGE in der Europäischen Union

ERARBEITET VOM BERATENDEN AUSSCHUSS ZUR KREBSPRÄVENTION IM ANSCHLUSS AN DIE KONFERENZ ÜBER KREBSVORSORGE UND FRÜHERKENNUNG, Wien, 18./19. November 1999

Nachfolgend Zitat Auszug Brustkrebs:

4. BRUSTKREBS-VORSORGE

4.1 Epidemiologie

In Ländern mit nationalen bevölkerungsbezogenen Krebsstatistiken wie den nordischen Ländern ist die Brustkrebsinzidenz in den letzten vier Jahrzehnten gestiegen. Wird ein Mammographie-Vorsorgeprogramm eingeführt, so ist stets ein vorübergehender Anstieg der Brustkrebsinzidenz zu beobachten; aus diesem Grund spiegeln die Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten heute sowohl die Background-Risiken als auch die Vorsorgemaßnahmen wider. Derzeit ist die Inzidenz mit 120 : 100 000 am höchsten in den Niederlanden, wo man kürzlich ein Vorsorgeprogramm eingeführt hat, und am niedrigsten in Spanien und Griechenland mit 61-63 : 100 000. Vor dem 30. Lebensjahr tritt Brustkrebs selten auf, und die Inzidenz steigt mit dem Alter an. Die Brustkrebsmortalität ist am höchsten in Dänemark mit 38 : 100 000 und am niedrigsten in Griechenland mit 23 : 100 000. Die Mortalitätsraten sind in den meisten europäischen Ländern in den letzen Jahrzehnten angestiegen, während sie in den nordischen Ländern und im Vereinigten Königreich konstant geblieben oder gesunken sind.

4.2 Sachstand

Es liegt eine Reihe von randomisierten Studien über mammographische Vorsorgeuntersuchungen vor. Die Daten aus fünf schwedischen Bezirken haben einen Rückgang der Brustkrebsmortalität um 30 % bei 50-69jährigen Frauen gezeigt,
denen Vorsorgeuntersuchungen angeboten wurden (9). Aktualisierte Daten aus Schweden zeigen ebenfalls eine Verringerung der Brustkrebsmortalität bei 40 – 49jährigen Frauen, denen Vorsorgeuntersuchungen angeboten wurden (10). In bezug auf die letztere Gruppe ist jedoch die Kosteneffizienz nicht evident. 1989 wurde ein Europäisches Netz für Brustkrebsvorsorge eingerichtet, das diejenigen Länder beraten soll, die keine Brustkrebsvorsorge betreiben, das ferner Möglichkeiten zur Einführung dieser Vorsorge in die einzelstaatlichen Gesundheitssysteme ermitteln, Kontakte für den Informationsaustausch zwischen den Mitgliedstaaten herstellen und, als wichtigste Aufgabe, Leitlinien für vorbildliche Verfahren der Brustkrebsvorsorge entwickeln soll. Angestrebtes Ziel jedes Netzmitglieds ist die Koordinierung der Vorsorgemaßnahmen im jeweiligen Land und die Tätigkeit als Servicestelle bzw. Referenzzentrum für die Brustkrebsvorsorge. In den zehn Jahren seines Bestehens ist das Netz zu der Erkenntnis gekommen,
daß Vorsorgeprogramme für die Gesamtbevölkerung nur mit voller Unterstützung der nationalen oder regionalen Gesundheitsbehörden realisierbar sind und daß die Entscheidung über die Durchführung von der zuständigen Gesundheitsbehörde getroffen werden muss. Bei der Brustkrebsvorsorge handelt es sich um eine multidisziplinäre Maßnahme, und bevor man ein Programm einleitet, muss die Qualität des gesamten Prozesses (Aufforderung, Diagnose, Beurteilung verdächtiger Läsionen, Behandlung und Nachsorge) sichergestellt sein. Die Aus- und Weiterbildung des gesamten beteiligten Personals muss zur Pflicht gemacht werden.

Außerdem sind Mechanismen zur Qualitätsüberwachung erforderlich.
Die verschiedenen Gesundheitssysteme in Europa erfordern unterschiedliche Lösungen für gemeinsame Probleme. Das Netz hat gezeigt, wie wichtig qualitativ hochwertige radiologische Untersuchungen und die zentralisierte Auswertung der
dezentral durchgeführten Mammographien durch Experten sind. Auch wurde die Notwendigkeit erkannt, festzulegen, wie viele Frauen mindestens zu untersuchen sind, damit das Zentrum sein Kompetenzniveau aufrechterhalten kann. Die Europäischen Leitlinien für die Qualitätssicherung beim Mammographie-Screening beschreiben Mindestanforderungen und optimale Bedingungen für die Qualitätssicherung der systematischen Vorsorgeprogramme (11). Im Jahr 2000 soll eine aktualisierte Fassung veröffentlicht werden.

4.3 Empfehlungen

4.3.1 An die Mitgliedstaaten

Bei der Brustkrebsvorsorge ist die Mammographie die Methode der Wahl. Derzeit gibt es keine überzeugenden Beweise für die Wirksamkeit der Vorsorge mittels Selbstuntersuchung oder klinischer Brustuntersuchung. Mammographische Untersuchungen sollten Frauen, die keine Brustkrebssymptome aufweisen, nur in systematischen Vorsorgeprogrammen mit Qualitätssicherung auf
allen Ebenen angeboten werden. Nur Frauen zwischen 50 und 69 Jahren sollten zu mammographischen Vorsorgeuntersuchungen aufgefordert werden.

Die Untersuchungen sollten alle zwei bis drei Jahre stattfinden. Die Programme zur Brustkrebsvorsorge sollten gemäß den Europäischen Leitlinien (11) organisiert werden. Bei Frauen im Alter von 40-49 Jahren können Mammographie-Vorsorgeuntersuchungen aufgrund ihrer geringeren Aussagekraft für diese Altersgruppe, des möglichen Nachweises nichtprogredierender Karzinome und der höheren Strahlenbelastung mit nicht unbeträchtlichen negativen Wirkungen einhergehen.

Daher sind folgende Punkte zu beachten, falls einige Zentren oder europäische Regionen angesichts der verfügbaren Ressourcen und des bei der Untersuchung älterer Frauen erreichten Qualitätsstandards auch Frauen im Alter von 40-49 Jahren
Vorsorgeuntersuchungen anbieten möchten:
1) Die Frauen sind gründlich über die möglichen Vor- und Nachteile der Untersuchungen aufzuklären;
2) es sollten systematische Programme aufgestellt werden, um spontane Untersuchungen in Abteilungen ohne angemessene Qualitätskontrolle zu verhindern;
3) Aufnahmen in zwei Ebenen, Auswertung durch zwei Experten, alle 12-18 Monate;
4) Überwachung der Daten und ordnungsgemäße Evaluation sollten vorgeschrieben werden.

4.3.2 An die Europäische Kommission und das Europäische Parlament

Die Bemühungen um die Verbesserung der Brustkrebsvorsorge in Europa sollten durch die Förderung des Erfahrungsaustauschs fortgesetzt werden. Dies ließe sich am besten durch die Fortsetzung der Tätigkeiten des Europäischen Netzes für Brustkrebsvorsorge erreichen. Es sollten regelmäßig aktualisierte Leitlinien veröffentlicht werden. Das Qualitätsmanagement, einschließlich Aus- und Fortbildung in Managementstrategien, Einstellung, Ausbildung und Weiterbeschäftigung qualifizierter Mitarbeiter, Qualitätssicherung
zur Gewährleistung des Verbraucherschutzes und Management der politischen, regierungspolitischen, wirtschaftlichen, sozialen und technischen Aspekte des Programms ist sicherzustellen. Es sollten Forschungsarbeiten über die Auswirkungen der Vorsorge auf die
Brustkrebsmortalität, über die Progression mammographisch nachgewiesener Läsionen, ethische Fragen, die Akzeptanz in der Bevölkerung, Methoden der Aufforderung zu den Untersuchungen, Kostenwirksamkeit und psychosoziale Auswirkungen angeregt werden. Dabei sind die Altersgruppen der unter 50jährigen, der 50-69jährigen und der über 70jährigen zu betrachten. Die Entwicklung geeigneter Systeme zur Datenerfassung sollte unterstützt werden. Es sollte ein System für die Akkreditierung derjenigen Vorsorgeprogramme auf europäischer Ebene eingerichtet werden, die sich darum bewerben, Referenzzentren im Netz für Brustkrebsvorsorge zu werden. [Zitatende]

[Hinweis: Die Konferenz, Tagesordnung, Dokumentation, Teilnehmer sind schwer zu recherieren, Eur J Cancer v.  08/2002 gibt ebenfalls keine Autoren an. Das deutschsprachige Dokument ist versehen mit dem Hinweis: This document is the advice to the Commission on the prevention of cancer by screening, which had been adopted by the ADVISORY COMMITTEE ON CANCER PREVENTION during its meeting in November 1999 in Vienna. It represents the views of the ADVISORY COMMITTEE ON CANCER PREVENTION. These views have not been adopted or in any way approved by the Commission and do not necessarily represent the view of the Commission or the Directorate General for Health and Consumer Protection. The European Commission does not guarantee the accuracy of the data included in this study, nor does it accept responsibility for any use made thereof.]

Quellenangaben:

siehe Originaldokument der EU

Bei uns: Breast Cancer Action Germany EuropeLinks, unser Verzeichnis wichtiger Dokumente und Internetquellen zu Frauengesundheit und Brustkrebs im Europa-Kontext

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