Die WHO-Strategie zur Frauengesundheit


Von den meisten Frauen bei uns unbemerkt wurde im Jahr 2001 durch das Europabüro der World Health Organization WHO ein umfassender Aktionsplan zur Frauengesundheit in Europa (Strategic Action Plan for the Health of Women in Europe) auf dem WHO Meeting v. 5. bis 7. Februar 2001 in Kopenhagen verabschiedet und auch 2001 veröffentlicht, der ein breit gefächertes Spektrum von wichtigen Grundanforderungen im Zusammenhang mit Frauengesundheit fixiert und die einzelnen europäischen Länder dazu auffordert, die benannten Ziele umzusetzen. Die geringe Resonanz, die das Schlüsseldokument zu Rahmenbedingungen der Frauengesundheit bei uns gefunden hat, ist Anlass, es in Erinnerung zu rufen. Die Ziele dieses Pakets zu Lebensbedingungen und Qualität der Gesundheitsversorgung von Frauen müssen alle kennen, auch bzw. gerade weil der Plan z.B. nationale und lokale Regierungen unterstützen soll, eine genderspezifische und gleichwertige Medizin und – prioritär – gesunde Lebenswelten für Frauen umzusetzen.  Angesprochen sind mit dem Plan explizit alle europäischen Länder, also auch wir in Deutschland.

Vorgestellt werden 21 Gesundheitsziele, die für Lebensbedingungen und Frauengesundheit essentiell sind. Durch eine planvolle Umsetzung kann Gesundheit für alle (Frauen) genderspezifisch und gendersensitiv gefördert werden, und Programme zur Prävention und Gesundheitsversorgung tragen zur Verbesserung der gesundheitsbezogenen Situation von allen bei. Während der Tagung ‘Frauenalltag und Gesundheit in Europa – Ein Dialog über Grenzen’, die bereits vom 28.9.-1.10.2000 in Bad Salzuflen stattfand, wurde der Action Plan von Dr. Assia Brandrup-Lukanow (damals Leiterin der Abteilung Women’s and Reproductive Health bei der WHO/ Regionalbüro Europa) vorgestellt. Der Plan beruht auf dem Programm ‘Gesundheit 21’ und dessen Zielen. Er beinhaltet die Implikationen, die sich aus dem Programm ‘Gesundheit 21’ für die Gesundheit von Frauen ergeben. Der Plan will den Mitgliedstaaten und den Regierungen in ihren Anstrengungen, mehr Geschlechtergleichheit in Gesundheitsfragen zu verwirklichen, helfen und durch die Implementierung des Programms ‘Gesundheit 21′ zur Verbesserung des Status’ der Frauen in der Gesellschaft beitragen.

Dieses Basispapier der WHO/ Europe hält die folgenden grundlegenden wie vielschichtigen Gesundheitsziele für Frauen in Europa fest:

  1. Solidarische Gesundheitsversorgung, z.B. in der Krebsmedizin
  2. Gleichheit – weiterhin erhalten alle einen Anspruch auf die bestmögliche medizinische Versorgung
  3. Gesunder Start ins Leben
  4. Gesundheit für junge Menschen
  5. Gesundes Altern
  6. Förderung der mentalen Gesundheit
  7. Reduktion ansteckender Krankheiten und
  8. Verbesserungen bei nicht ansteckenden Erkrankungen – z.B. Screening
  9. Reduktion der Schäden durch Gewalt und Unfälle
  10. Gesunde und sichere Lebenswelt
  11. Gesund leben
  12. Reduktion der Schäden durch Alkohol, Drogen und Tabak
  13. Rahmenbedingungen für Gesundheit
  14. Multisektorale Verantwortlichkeit für Gesundheit
  15. Integrale genderspezifische medizinische Versorgung
  16. Gesundheitsprogramme zur qualitativ angemessenen Versorgung
  17. Nachhaltige Finanzierung von Gesundheitssystemen unter Berücksichtigung der Ressourcen-Allokation
  18. Verbesserung der Qualifikationen im Gesundheitswesen
  19. Forschung und Wissen(svermittlung) zur Gesundheit
  20. Mobilisierung von Partnerschaften für mehr Gesundheit – z.B. Selbsthilfe
  21. Richtlinien- und Strategieentwicklung – z.B. Verbesserung der Infrastruktur

In Deutschland gibt es unter anderem mit gesundheitsziele.de verbindliche Vereinbarungen verantwortlicher Akteure im Gesundheitssystem. Sie sind ein Instrument der Gesundheitspolitik im Rahmen von Public Health-Ansätzen, um Verbesserungen der Gesundheitssituation der Bevölkerung zu erreichen.

Ein nationaler Krebsplan soll im Zeitraum 2009 bis 2010 vier Bereiche in der Krebsmedizin verbessern:

  • die Weiterentwicklung der Krebsfrüherkennung,
  • die Weiterentwicklung der onkologischen Versorgungsstrukturen und der Qualitätssicherung sowie
  • die Sicherstellung einer effizienten onkologischen Arzneimittel-Therapie.
  • Außerdem soll die Patientenorientierung in den beteiligten Bereichen steigen.

Gesundheitsziele und nationaler Krebsplan müssen sich im Kontext des Strategie-Papiers zur Frauengesundheit in Europa, das die WHO vorgelegt hat, messen lassen, damit es Frauen bei uns, im bevölkerungsreichsten Land Europas, nicht schlechter geht als Frauen in unseren europäischen Nachbarländern. Für den Bereich Brustkrebs werden wir die weiteren Entwicklungen genau verfolgen.

Inzwischen ist die gedruckte Version des Action-Plans vergriffen. Er ist jedoch als pdf zum Download verfügbar:
Strategic Action Plan for the Health of Women in Europe – herausgegeben von der WHO/ Europe, ISBN 92 890 1366 4, erschienen 2001.

Weiterlesen/Externe Links:

WHO Gender Policy: Integrating Gender Perspectives in the work of WHO

Women in Europe for a Common Future e.V.

Weltweite gemeinsame Erklärung von NGOs / CSOs zum strategischen Ansatz zum internationalen Chemikalienmanagement: The Strategic Approach to International Chemicals Management (SAICM)

Nationaler Krebsplan – Info des BMGS

Stichworte:

Trackbacks/Pingbacks

  1. Grundsätze – auch – für Frauengesundheit « WIKI – Breast Cancer Action Germany - 21. Juni 2011

    [...] Aktionsplan zur Frauengesundheit in Europa). ISBN 92 890 1366 4, erschienen 2001. Weiterlesen: Die WHO-Strategie zur Frauengesundheit (mit [...]

Hinterlasse eine Antwort