Mehr Todesfälle: Warnhinweise zu Capecitabin (Capecitabine, Xeloda)

berichtet von Beate Schmidt & Gudrun Kemper

Bereits im Mai 2009 sind im Deutschen Ärzteblatt zwei Artikel zu Capecitabin (Handelsname: Xeloda), einem Medikament, das auch Frauen mit Brustkrebs häufig verordnet wird, erschienen.  Der Bericht vom 14. Mai 2009 befasst sich mit der erhöhten Sterblichkeit bei älteren Patientinnen  mit Mammakarzinom unter Capecitabin, am 27. Mai 2009 geht es um Auswirkungen auf den Fingerabdruck.

Das Ärzteblatt berichtet, dass die von „vielen älteren Patientinnen bevorzugte orale Chemotherapie“ mit Capecitabin laut einer randomisierten Studie, die im New England Journal of Medicine veröffentlicht worden ist, „zwei intravenösen Standard-Chemotherapien so deutlich unterlegen war, dass die Studie vorzeitig abgebrochen werden musste“.

Das Ärzteblatt berichtet weiter, dass gerade „Seniorinnen“ die orale Therapie mit Capecitabin bevorzugten, da sie als besser verträglich gälte und zu Hause durchgeführt werden könne.  „Dennoch wurde die Studie im November 2006 nach einer Zwischenauswertung abgebrochen, als gerade einmal 600 von 1.800 geplanten Patient[inn]en die Therapie begonnen hatten. Damals hatten unter der Standard-Chemotherapie 16, unter Capecitabin 24 Patientinnen ein Rezidiv mit Fernmetastasen entwickelt.“, so das Ärzteblatt weiter.
Es fragt sich, warum die Öffentlichkeit und insbesondere betroffene Frauen das dann erst 2009 erfahren, wenn sie es denn überhaupt erfahren.

Die weiteren im Ärzteblatt berichteten Endergebnisse der Studie erschrecken: „Unter Capecitabin wurde der Endpunkt Rezidiv oder Tod von doppelt so vielen Patientinnen erreicht wie unter den beiden Standardchemotherapien … Auch die Zahl der Todesfälle war fast doppelt so hoch. Die 3-Jahresrate eines rezidivfreien Überlebens betrug unter Capecitabin 68 Prozent gegenüber 85 Prozent unter den Standardchemotherapien. Die Überlebensraten betrugen 86 gegenüber 91 Prozent.“

Im Artikel vom 27. Mai geht es dann um eine bekannte Nebenwirkung von Capecitabin, das sog. Hand-Fuß-Syndrom. Es kann mit entzündlichen Handveränderungen, Blasenbildung und Hautabschuppungen einhergehen, in deren Folge auch die Fingerabdrücke unkenntlich oder sogar ganz zerstört werden können. Das Ärzteblatt bezieht sich bei seiner Meldung auf einen Bericht aus den Annals of Oncology. Das Hand-Fuß-Syndrom gibt es nicht nur unter Capecitabin, es kommt auch unter anderen Chemotherapeutika vor.

Quellen / Weiterlesen:

Deutsches Ärzteblatt vom 14.05.2009: Mammakarzinom: Erhöhte Sterblichkeit unter Capecitabin bei älteren Patientinnen

The New England Journal of Medicine, Volume 360:2055-2065 vom 14.05.2009: Adjuvant Chemotherapy in Older Women with Early-Stage Breast Cancer (Abstract in englischer Sprache)

Deutsches Ärzteblatt vom 27.05.2009: Krebsmedikament beseitigt Fingerabdruck

Reisewarnung in den Annals of Oncology (2009: doi: 10.1093/annonc/mdp278Stallmach) vom 26.05.2009 (in englischer Sprache). Hier gibt es die Empfehlung, einen Arztbrief mit sich zu führen, wenn die Einreise in ein Land geplant ist, das für die Einreise Vorschriften zu Fingerabdrücken hat, wie z.B. die USA.

Wir haben am 08.08.2007 in unserem infoblog! über Tykerb in Verbindung mit Capecitabin berichtet: Tykerb für die Behandlung von fortgeschrittenem Brustkrebs zugelassen

1 Kommentar
  1. vSphera sagt:

    21. April 2017 42mm Kolonkarzinom Hemikolektomie rechts. 2 Metastasen im mm Bereich eine in Leber und eine in Bauchfell. 3 von 15 Lympfknoten befallen.
    Juni Chemo mit Capecitabin (Xeloda) nach dem zweiten Zyklus zusätzlich Avastin (Bevacizumap).
    Ab 15. Juli Methadon Einnahme.
    08. August Darmprobleme, Einlieferung ins Krankenhaus. Passagestörung und Verdacht auf Ileus. Dünndarm Dickdarm Bypass OP, kann auf Grund des Avastins nicht durchgeführt werden. Die Ärzte wagten daher eine konservative Therapie gegen den Darmverschluss, mit Cortison. Allerdings hatte hier die Hausärztin aus 8mg Dexamethason 32mg gemacht.
    Was jetzt folgt ist wirklich schlimm. Meiner Schwiegermutter ging es immer schlechter.
    21.August musste wg. der Darmperforation eine Not OP eingeleitet werden. Der Darm war weitestgehend kollabiert. Auf Grund gestörter Wundheilung durch das Avastin heilte der Bypass nicht. 4 Tage später eine weitere Not OP auch diese heilte nicht. Am 09. September starb Iris nach einer Woche Hospiz Aufenthalt.
    Fazit: Capecitabine (Xeloda), Avastin und Methadon scheint eine tödliche Kombination zu sein.

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