Zusammenhänge zwischen Cadmium und dem Wachstum von Brustkrebszellen

Cadmium-haltige Keramik-Tasse, Abbildung Hannes Reich, CC BY-SA 2.0

Cadmium-haltige Keramik-Tasse

Dr. med. Maggie Louie unterrichtet organische Chemie, Biochemie und Molekulare Biotechnologie an der Dominician University in Kalifornien, USA. Ihre derzeitigen Forschungsarbeiten befassen sich mit dem Verständnis der Entwicklung und dem Fortschreiten von hormonabhängigem Brustkrebs. In ihrer aktuellen Arbeit konnte sie jetzt zeigen, dass Brustkrebszellen immer aggressiver werden, je länger sie geringen Dosen von Cadmium, einem Schwermetall, ausgesetzt sind. Cadmium ist erst seit Dezember 2011 wegen seiner erheblichen Toxizität (Giftigkeit) in der EU in Schmuck (!) verboten. In älteren Silberlegierungen und in Sterling-Silber kann es ebenso enthalten sein, wie in rot-grünen Gold-Cadmium-Legierungen. Cadmium wird weit verwendet in Rostschutzmitteln und Farben, Kunststoffen und Batterien („Nickel-Cadmium-Akkus“). Cadmium wurde z.B. auch nachgewiesen in Wimperntusche[1]. In Kosmetika ist Cadmium in Deutschland prinzipiell verboten, doch Billigprodukte aus aller Welt werden nicht darauf geprüft, und zumindest in den USA sollen kleine Mengen von Cadmium sehr häufig in Kosmetika enthalten sein. Auch wer raucht, nimmt mit dem Rauch Cadmium auf.

Kleine Cadmium-Mengen machen Brustkrebszellen aggressiver

Maggie Louies neue Forschungsergebnisse (die Arbeiten wurden finanziert durch das NIH) belegen, dass kleine Cadmium-Mengen mit dafür verantwortlich gemacht werden können, wenn Brustkrebszellen immer aggressiver werden. Die Ergebnisse wurden auf der Konferenz für Experimentelle Biologie am 23. April 2012 in San Diego vorgestellt. Das normale Wachstum von Brustdrüsenzellen wird beeinflusst durch Östrogen. Östrogen wiederum beeinflusst den Östrogenrezeptor. Schwermetalle wie Cadmium imitieren im menschlichen Körper Östrogen. Sie wirken als endokrine Disruptoren (hormonelle Schadstoffe), die die normalen hormonabhängigen Wirkungen auf die Zelle stören.

Selbst geringfügige Langzeitkontaminationen sind problematisch

Es gibt bereits andere Studien, die die Zusammenhänge zwischen Cadmium-Kontamination und der Aktivierung des Östrogenrezeptors gezeigt haben. Die Studie von Maggie Louie befasst sich dagegen mit Langzeitkontaminationen und Brustkrebs. Louie erklärt in einer Meldung auf der Webseite der Dominician University,[2] dass es wichtig sei, die Langzeiteffekte zu verstehen, denn die meisten Menschen kämen, außer wenn sie in der Landwirtschaft arbeiteten, nicht mit großen Mengen von Schwermetallen in Berührung. Eine erste Studie von Louie zeigte bereits, dass eine akute Kontamination mit Cadmium das Wachstum von Brustkrebszellen anregt und die Östrogenrezeptor-regulierte Genexpression aktiviert[3].

Cadmium in Wasserfarben

Es ist (fast) überall …

Unglücklicherweise sei Cadmium weit verbreitet, in der Nahrung, im Wasser, in Kosmetika und in der Luft, erklärte Louie weiter. Bei der Rolle von Cadmium und den Einflüssen auf das Fortschreiten von Brustkrebs sei es besonders wichtig zu verstehen, wie dieses Fortschreiten verhindert werden könne. Viele Menschen kämen täglich mit geringen Mengen von Cadmium in der Umwelt in Berührung, und die Forschungsergebnisse zeigten, das selbst diese geringen Konzentrationen das Krebswachstum anregen könnten. Cadmium gelange über die Aufnahme von kontaminierter Nahrung oder Wasser bzw. über den Zigarettenrauch in den Körper. Louies Untersuchungen haben gezeigt, dass geringe Mengen Cadmium die malignen Eigenschaften (Bösartigkeit) von Brustkrebszellen fördert. Die vorläufigen Ergebnisse zeigten anhand bestimmter Proteine, wie SDF-1, die für „Invasion“ (Einwachsen in andere Gewebe) bzw. für die Migration, also die Fähigkeit zur Metastasierung der Brustkrebszellen, verantwortlich sind, bereits bei geringen Cadmium-Mengen einen Anstieg.

Weitere Untersuchungen zu Schwermetallen und Cadmium sind notwendig, um ihre Rolle bei der „Karzinogenese“ noch besser zu verstehen.

[Text: G. Kemper]

Quellen

  1. s. z.B. Lead in lipstick, arsenic in eyeliner and cadmium in mascara: The ugly secrets that the beauty industry isn’t telling you, Daisy Dumas, 21.02.2012 in Daily Mail
  2. Research finds cadmium link to breast cancer, Abruf 01.05.2012
  3. Die Ergebnisse sind bereits 2010 in Molecular Endocrinology veröffentlicht.

Bildnachweise:
“Yum, Cadmium” (Lecker, Cadmium) – Cadmium-haltige Keramik-Tasse, Abbildung Hannes Reich, CC BY-SA 2.0 und Night owl City, CC BY-NC-SA 2.0

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