Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente bei VerbraucherInnen – Arzneimittelwerbung „DTCA“

(Zuletzt aktualisiert: 20. Juli 2009)

Die Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente bei EndverbraucherInnen ist weltweit – abgesehen von USA und Neuseeland – verboten, aus gutem Grund.

Verschreibungspflichtige Medikamente können mehr noch als nicht verschreibungspflichtige Medikamente Schäden verursachen, Sucht auslösen etc. Sie sind auch aus vielen anderen Gründen nicht vergleichbar mit anderen Produkten, für die geworben werden darf.

Wer die Diskussionen um Patientenorganisationen insbesondere auch im Zusammenhang mit dem Thema Werbung verfolgt hat, weiß vielleicht, dass sie in den vergangenen Jahren öfter als vermutet „Produktwerbung“ auf anderen Wegen betrieben haben. Wer amerikanische Zeitschriften kennt, weiß, dass dort verschreibungspflichtige Medikamente beworben werden, in der amerikanischen Brustkrebs-Zeitschrift MAMM findet sich beispielsweise solche Arzneimittelwerbung für alle teuren neuen Medikamente massenhaft.

Ähnliche Zeitschriften sind auch bei uns auf dem Markt, wie z.B. die deutsche Mamma Mia. Sie müssen sich über Werbung finanzieren. Damit „informiert“ die Industrie ihre Endverbraucherinnen, in den USA allerdings mit der Auflage, dass z.B. Nebenwirkungen genannt werden müssen. Nach der doppelseitigen Hochglanzwerbung für ein neues Medikament kommt dann in der Regel die Doppelseite mit Nebenwirkungen und Risiken, waschzettelähnlich im Kleingedruckten. Manche finden das toll, unabhängige PharmakologInnen, ÄrztInnen etc. finden es falsch. Ziel der Werbung ist letztlich, dass die VerbraucherIn, also die PatientIn, zum Arzt geht und sagt: „Hallo Doc, das will ich haben!“

Auf EU-Ebene hat sich der Vizepräsident der Europäischen Kommission und Kommissar für Unternehmen und Industrie, Günther Verheugen, für die Interessen der Pharmakonzerne eingesetzt, um diese Arzneimittelwerbung auch in Europa zu erlauben.

Nachfolgend einige Infos zum aktuellen Stand, zusammengstellt von BUKO-Pharma:

1. Deutscher Bundestag

Am Donnerstag, dem 2. Juli, hat der Deutsche Bundestag in seiner 230. Sitzung die Beratung der Beschlussempfehlung und des Berichts des Ausschusses für Gesundheit verhandelt. Hierbei ging es um die Errichtung einer Europäischen Arzneimittel-Agentur in Bezug auf die Information der breiten Öffentlichkeit über verschreibungspflichtige Humanarzneimittel sowie um die Information der breiten Öffentlichkeit über verschreibungspflichtige Arzneimittel.

Vorgeschlagene Lösung:

Kenntnisnahme und Annahme eines Entschließungsantrags, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, im Rahmen der weiteren Verhandlungen über die beiden Vorschläge auf europäischer Ebene die in der Entschließung formulierten Positionen zu vertreten. Die Europäische Kommission soll insbesondere aufgefordert werden, die Erforderlichkeit der vorgeschlagenen Regelungen zu belegen sowie nachzuweisen, dass dadurch keine unnötige neue Bürokratie geschaffen wird. Die Bundesregierung soll ferner einer Aufweichung des Publikumswerbeverbots für verschreibungspflichtige Humanarzneimittel und eventuellen Risiken für die Nachhaltigkeit der sozialen Sicherungssysteme entgegentreten.

Die Beschlussempfehlung ist mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Gegenstimmen der Fraktion der FDP und bei Stimmenthaltung der Fraktion DIE LINKE angenommen.

Damit ist die Bundesregierung verpflichtet, sich für die oben genannten Forderungen einzusetzen. Ein schöner Erfolg!

2. Konsultation der englischen Zulassungsbehörde MHRA

Die englische Zulassungsbehörde MHRA = Medicines and Healthcare products Regulatory Agency hat zum EU-Gesetzesvorschlag eine öffentliche Konsultation ausgeschrieben: Public consultation (MLX 358): The European Commission proposals on information to patients for prescription medicines. – Antworten sind möglich bis zum 14. August (http://www.mhra.gov.uk/Publications/Consultations/Medicinesconsultations/MLXs/CON046657).

Wir [Bukopharma, unterstützt damals unter anderem von Breast Cancer Action Germany, AKF und Netzwerk Frauengesundheit Berlin] haben unsere gemeinsame Stellungnahme: PatientInnen nicht im Regen stehen lassen – für eine industrieunabhängige Patienteninformation (die ja mittlerweile auch in englischer Form vorliegt – siehe Anhang) als Antwort auf die Konsultation geschickt.

3. Neues Projekt: Jugendhomepage – Pillenchecker.de

Um Jugendliche (Zielgruppe 12 – 18 Jahre) auf die Problematik von Arzneimittelwerbung aufmerksam zu machen, werden wir eine neue Webseite mit dem Namen Pillenchecker aufbauen, die dieses Jahr noch online gehen soll. Dabei wollen wir den Fokus nicht nur auf problematische Werbung in Deutschland richten, sondern auch auf die weltweite Problematik aufmerksam machen. Speziell wird hierzu auch Arzneimittelwerbung aus Afrika beleuchtet.

Ein Schülerwettbewerb zum Thema wird am Ende des Jahres starten. Jugendliche sollen sich hier kritisch mit den Fallstricken von AM-Werbung auseinandersetzen.

Ende der Info von Bukopharma, Abdruck mit freundlicher Genehmigung

Kontakt zu BUKO:
Hedwig Diekwisch
BUKO Pharma-Kampagne
August-Bebel-Str. 62
33602 Bielefeld
www.bukopharma.de

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